Kurz Off-Topic:
(Schaut irgendjemand ZDF? Und liest gar den Videotext? Egal ...)
(Der DSB-Pressereferent gehört allerdings altersmäßig zur ZDF-Zielgruppe, vielleicht schaut der das wirklich.)
Für sowas wie Bundesliga-Tabelle nachschauen, wenn der Weg zum PC grade zu weit erscheint ist der Videotext durchaus gut.
On-Topic
Zeitung ist das eine; ich denke/fürchte, dass die meisten so einen Artikel sehen und ihn entweder sofort links liegen lassen oder ihn kurz überfliegen. Die einzigen, die Schach-Artikel wirklich interessiert lesen sind: Schachspieler!
Die einzige Chance wirklich Kapital aus so einem Erfolg zu ziehen, ist meiner Meinung nach, wenn die Spieler zu Talkshows (Stern-TV auf RTL, Jauch, Schöneberger, Maischberger etc.pp. bei den öffentlich-rechtlichen). Hier ist das Publikum größer und es werden eher Leute einen Bericht mit fertig aufbereiteten Interviews und ähnlichem Ansehen, als einen Zeitungsartikel zu lesen.
Fragt sich aber auch, was für den Verband "Kapital ziehen" bedeutet und was es für den gemeinen Vereinsspieler bedeutet.
Für den deutschen Schachbund geht es wohl schlicht und ergreifend um die Findung neuer potenter Sponsoren um die Nationalmannschaft auf diesem Niveau zu stabilisieren/sie zu verbessern. Hier kann man nur einen Absatz aus dem DSB Bericht zitieren:
[...]
Das ist die Schlussstellung, die ebenso Geschichte machen könnte für eine eindrucksvolle Teamleistung, was - sind wir ehrlich - im Vorfeld dieser EM wohl nicht gerade viele Schachfreunde in Deutschland erwartet hatten. Mit diesem unerwarteten aber jederzeit verdienten Titelgewinn, ist nicht nur die Schmach der Schacholympiade 2010 (Platz 64) endgültig vergessen, sondern ich behaupte einmal kühn: Die Schachnation Deutschland hat bewiesen, dass sie zur Weltspitze gehört, wenn das Umfeld stimmt!
[...]
Quelle: DSBHier wird darauf abgezielt: Mannschaft erfolgreich => Medienpräsenz => Sponsoren => Mannschaft wird besser trainiert/vorbereitet => Mannschaft erfolgreich => Medienpräsenz => Sponsoren
Man sieht an dieser einfach Gedankenkette aber schon, dass der Casus Knacktus die Medienpräsenz ist um weitere Ziele besser verfolgen zu können. Und ganz ehrlich: Eine Seite im Videotext und 2-3 Zeitungsartikel bringens da nicht. Defacto würde hier langfristig nur wieder eine eigene Schachsendung a la Pfleger/Hort helfen, doch seien wir realistisch: Dazu wird es nicht kommen.
Was mich in der Pressemitteilung des DSB dann etwas irritiert hat, ist folgendes aus der Beglückwünschung durch Präsi Bastian:
[...]
Das Schach ist wieder da! Unsere Spieler haben nach der Krise im letzten Jahr ihren Beitrag dazu geleistet, dass es im Deutschen Schachbund wieder aufwärts geht. Nun wünsche ich mir, dass die Basis mitzieht und wieder neuer Schwung in unsere Vereine kommt!" [...]
Quelle: DSB(kurzer Grammatik-Ausflug: Hat "Schach" überhaupt einen Artikel? "Das Schachspiel" ist klar. Aber "Das Schach" hört sich seltsam an mMn.)
Wie stellt sich Herr Bastian ein "Mitziehen" vor?
Soll das gemeine Mitglied nun sich mehr über die National-"5" informieren? Einen höheren Beitrag abzwacken? Das kann und wird die Position von Schach in Deutschland nicht verbessern!
Soll nun vermehrt Anwerbearbeit geleistet werden? Sollten nun Amateurvereine Flyer erstellen und auf der Sraße verteilen, mit der Aufschrift "Wir sind Europameister, kommt mal in den Verein vorbei!" ? Der Erfolg von Werbemaßnahmen wird durch den EM-Titel nicht gesteigert! Neue Mitglieder werden nun höchstens durch die Medienerwähnung im "Mainstream" angelockt, was aber vom Verein nicht ausgeht. Auch würde ich bezweifeln, dass die Leute den Vereinen nun die Bude einrennen werden.
Wenn sich mal ein oder zwei neue Interessierte finden, dann sollte dies als Erfolg gewertet werden. Die Begrüßung und Betreuung der Neuankömmlinge liegt dann natürlich in der Verantwortung und Pflicht der Vereine. Aber auch hier ist der zentrale Punkt: Medienarbeit!
Ich lasse in den kommenden Wochen das "Mediengewitter" mal über mich ergehen, gehe aber vor allem davon aus, dass nichts Großes passieren wird. Und damit auch bei den Vereinen kaum etwas ankommt.