Lestat hat geschrieben:Solange mehr Spieler anfangen bzw. eine Elo bekommen als Spieler mit Elo aufhören/sterben gibt es doch eine Inflation. Die Masse machts, unabhängig vom Schnitt. Oder hab ich da nen Denkfehler drin?
nein, falls die einstiegs-elo unter dem schnitt ist gibt es eine deflation, zumindest was den gesamt-schnitt angehtEine echte Inflation würde voraussetzen, dass ein heutiger 2700er (Naiditsch) in fünf Jahren 2725 und in 10 Jahren 2750 hat, ohne dass er besser geworden wäre. Solche Effekte sieht man aber der Weltrangliste nun doch nicht an (oder doch?).
Ich denke mal salomonisch, es ist eine Kombination aus allen Faktoren..
Bei london chess classic hat Short wie er halt ist behauptet, es sei erwiesen dass es eine elo-inflation on +4 elo pro jahr gibt. (Dies sagte er übrigens gleich nachdem Trent Carlsen zur höchsten elo ever gratulierte...)
Richtig, es müsste eine Deflation geben. Die kommt aber nicht vom Schnitt, sondern daher, dass die Spieler bei Verlassen des Pools in der Regel eine höhere Elo haben, als bei Eintritt in den Pool. Die letzte Elo-Zahl ist zumeist höher als die erste Elo-Zahl. Damit "nimmt der Ausscheidende Punkte aus dem Pool mit ins Grab". Ob sich das mathematisch am Durchschnitt oder Median festmachen lässt, das kann ich nicht beurteilen. Vielleicht ist es das gleiche Phänomen? Ich lasse mich da belehren, ohne mir die Mühe zu machen es selbst zu durchdenken.
Zu Short und +4. Die Studie sagte nur, dass die Top XXX oder XXXX im Schnitt eine um so und so viel höhere Elo-Zahl pro Jahr aufweisen. Die Meßgenauigkeit wurde nicht kontrolliert, d.h. ob es eine Inflation oder Deflation gibt.
Für den inferenzstatistisch ungeschulten Normalbürger ist es schwer zu nehmen, dass ein auf Ereigniswahrscheinlichkeiten basierendes Maßsystem (Sieg/Remis-Wahrscheinlichkeit bei Differenz X) nicht nach den Spitzenresultaten bewertet werden kann. Das merke ich in der Klinik immer wieder mit Entsetzen, wenn ich mich mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen auseinandersetze. Da werden Erfolge anhand BWL-Kriterien gemessen, die für die Messung des Erfolges einer individuellen Behandlung grundsätzlich ungeeignet sind. Für Elo heisst das: Die Spielstärke von Emanuel Lasker und von einem heutigen GM lässt sich über verschiedene Maße vergleichen. Das kann man auch nett diskutieren, ob man Turniererfolge, Partiequalität, Abstand zu Zeitgenossen auf einer hypothetischen Elo-Skala verglichen mit der heutigen Elo-Skala, Wettkämpfe, ... nimmt.
Viele Diskussionen entstehen aus einer ungenügenden Klärung, worüber man eigentlich spricht. Z.B.: heute gibt es 50+ 2700+ GM. Was lange Zeit nur eine Handvoll GM auszeichnete ist heute für die Schachpresse nur noch eine Anmerkung im Rahmen der Aktualisierung der FIDE-Rangliste eine Notiz wert, oder im Rahmen eines Turnierberichtes. Das hat logisch nichts, nada, ne rien, nothing, niente mit Elo-Skala-Veränderungen zu tun.
