Praxisnahe Schachprobleme

Alles, was mit Problemschach zu tun hat.

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Praxisnahe Schachprobleme

Beitragvon stoppelhoppler » Sa 19. Dez 2009, 22:51

Etliche Turnierspieler hält die "Praxisferne" vieler Probleme auf Distanz.

Ich möchte in diesem Thread Schachprobleme sammeln, die eine größere Partienähe aufweisen.

In alten Heften bin ich auf folgende Aufgabe gestoßen:

Nr.1 Anatoli Woronow (Schach 8/1987) - Matt in 5

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Re: Praxisnahe Schachprobleme

Beitragvon Tico » Sa 19. Dez 2009, 23:05

Mal ne Frage zum Verständnis/zur Definition: Gibt es einen Unterschied zwischen "Studie" und "praxisnahem Schachproblem" und - wenn ja - worin besteht der?
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Praxisnahe Schachprobleme

Beitragvon stoppelhoppler » So 20. Dez 2009, 00:06

Meine Definition ist bestimmt nicht ganz hasenrein:

Studien sind natürlich Schachprobleme und sie sind häufig praxisnah.
Mit "praxisnahen Schachproblemen" meinte ich Mattaufgaben, die von Materialverteilung und Figurenaufstellung durchaus als Ergebnis einer Turnierpartie entstanden sein könnten.

Studien verdienen einen gesonderten Thread oder sogar mehrere.
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Re: Praxisnahe Schachprobleme

Beitragvon kladist » So 20. Dez 2009, 00:47

Hab's nicht rausbekommen. Nur Matt in 6. - Bin am 2. Zug gescheitert. Sozusagen ganz praxisnah ;)
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Re: Praxisnahe Schachprobleme

Beitragvon Jupp53 » So 20. Dez 2009, 12:55

Tico hat geschrieben:Mal ne Frage zum Verständnis/zur Definition: Gibt es einen Unterschied zwischen "Studie" und "praxisnahem Schachproblem" und - wenn ja - worin besteht der?
Es gibt Studien, die wenig praxisnah sind. Und dann gibt es Studien mit Motiven, die in Endspielen immer wieder mal vorkommen. (Ich muss den Studienthread wieder anwerfen. Da gibt es noch viel Zeug.)
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Re: Praxisnahe Schachprobleme

Beitragvon Coffins » So 20. Dez 2009, 13:28

stoppelhoppler hat geschrieben: ... Ich möchte in diesem Thread Schachprobleme sammeln, die eine größere Partienähe aufweisen. ...

Darüber freue ich mich. Die Problemecke fängt also auch langsam an zu leben. Eine Sache macht mir noch Kopfzerbrechen. Wir haben vielleicht 1000e Aufgaben zu Posten, aber keine richtigen Knobler an Bord, welche gern mitlösen. Hm, ... :(
stoppelhoppler hat geschrieben:Etliche Turnierspieler hält die "Praxisferne" vieler Probleme auf Distanz. ...

Das ist die Schuld der jeweiligen Turnierspieler selber. Denn die Praxisnähe im Problemschach ist durchaus gegeben und gar nicht mal sooooo gering. Viele Spieler sehen aber auch im praxisnahen Schachproblem schon schnell das Matt in x+n-Zügen (Gewinn). Wozu dann noch das Matt in x-Zügen erknobeln? > Eine Einstellung, welche mich schon traurig macht. Darüber hinaus hat sogar E.Lasker das Problemschach genutzt, um sich emotional und psychisch auf die nächste Partie einzustimmen. Denn ein paar Stunden oder einen Abend vor dem nächsten Spiel jedesmal Varianten pauken ...? Neeee! Einen kniffligen Zwei- oder Dreizüger knobeln, Freude an der Komposition haben und dann ab in die Schlacht ;)
Lösung Nr.1:
Die schwarze Dame auf g8 in der achten Reihe verhindert ein sofortiges Matt durch 1.Te8+ Dxe8, bzw. 1.Df8+ Dxf8. Von g8 aus kann diese aber auch den weißen König relativ schnell bedrohen. Und dies gilt es allgemein als wichtigstes zu verhindern oder zu parieren! Deshalb:
1.Dg5! greift die schwarze Dame an und deckt das Feld d8. Jetzt weiter mit:
1...Dh8 2.Dh4! (schwer zu finden, jedoch droht mit 3.Da4+ wo die Diagonale nach e8 läuft, und der Te1 wartet ja schon) Jetzt geht nur noch:
2...Dg8,Df8 3.Da4+ mit 4.Te8+/De8+ Dxe8/Dxe8 und 5.Dxe8matt/Txe8 matt, bzw. 2...Dc8 3.Da4+ Sa5 4.Dxa5+ Kb8 5.Da7 matt, oder weiter mit:
1...Df8 2.De7 Df2+ 3.Te3 Dxe3+ 4.Dxe3 S~ 5.De8 matt.
1...Dc8? wird beantwortet mit 2.Ta1+ Sxa1/Sa5 3.Da5+/Dxa5+ Kb7 4.Da7 matt.
Das Schachproblem rockt :twisted:
Zuletzt geändert von Coffins am Mo 21. Dez 2009, 14:25, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Schreibfehler im Schlüsselzug ausgebessert :D
"Machst du eine Puppe zum König, hast du einen König.
Machst du einen Menschen zum König, steht vor dir ein Kasper."
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Praxisnahe Schachprobleme # 01

Beitragvon stoppelhoppler » Mo 21. Dez 2009, 10:31

Coffins hat geschrieben:...
Darüber freue ich mich. Die Problemecke fängt also auch langsam an zu leben. Eine Sache macht mir noch Kopfzerbrechen. Wir haben vielleicht 1000e Aufgaben zu Posten, aber keine richtigen Knobler an Bord, welche gern mitlösen. Hm, ... :( ...


Tja, der Zeitbedarf - wenn ich nach daran denke, daß ich mich um lumpige 4 Fernpartien seit mehr als einer Woche nicht gekümmert habe.
Geduld und Zeit - 2 Sachen, die nicht nur der "Schreckliche" nicht im Übernaß besitzt.

Coffins hat geschrieben:...Denn die Praxisnähe im Problemschach ist durchaus gegeben und gar nicht mal sooooo gering. Viele Spieler sehen aber auch im praxisnahen Schachproblem schon schnell das Matt in x+n-Zügen (Gewinn). Wozu dann noch das Matt in x-Zügen erknobeln? > Eine Einstellung, welche mich schon traurig macht. Darüber hinaus hat sogar E.Lasker das Problemschach genutzt, um sich emotional und psychisch auf die nächste Partie einzustimmen. Denn ein paar Stunden oder einen Abend vor dem nächsten Spiel jedesmal Varianten pauken ...? Neeee! Einen kniffligen Zwei- oder Dreizüger knobeln, Freude an der Komposition haben und dann ab in die Schlacht ;)...


Einen Erklärungsansatz habe ich schon versucht.
Pragmatismus führt zu anderen Abläufen.
Mischa Tal löste zu Trainingszwecken aber auch häufiger Probleme.

Ich denke mit etwas Disziplin kann man gerade die Variantenberechnungen sehr gut an Schachproblemen üben (zugegeben auch an Partiefragmenten...).
Bei vorliegender Aufgabe fand ich zwar nach mehrmaligem, längeren Grübeln den Schlüsselzug, doch habe ich nicht alle Varianten danach korrekt berechnet, wie mir Coffins Lösung zeigte, die auch das entscheidende von mir übersehene Motiv enthält.

Bei seinem Schlüsselzug dürfte Coffins schlicht um eine Zahl verrutscht sein.
Ansonsten ist die Lösung richtig :!: :)

kladist hat geschrieben:...Bin am 2. Zug gescheitert. Sozusagen ganz praxisnah ;)


Wer zuviel sieht (an Problemen), der scheitert schon mal, obwohl er von der ersten Motiv- und Indizienlage auf dem richtigen Weg war.
Wer zu wenig sieht, wie ich, der nach etlichen Berechnungen die wichtigste Variante (1... Dh8, 2. Dh4!, 3. Da4 4. De8+ - kann mich nicht erinnern, diesen Schwenk gesehen zu haben) gänzlich unterschlug, der postet dann schon mal ein Problem, das er selbst nicht vollständig gelöst hat. ;)
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Re: Praxisnahe Schachprobleme # 01

Beitragvon Coffins » Mo 21. Dez 2009, 14:44

stoppelhoppler hat geschrieben: ... Bei seinem Schlüsselzug dürfte Coffins schlicht um eine Zahl verrutscht sein. ...

:D Ausgebessert!
stoppelhoppler hat geschrieben: ... der postet dann schon mal ein Problem, das er selbst nicht vollständig gelöst hat. ;)

Gesagt! - Getan! Hier mal ein Problem, welches ich noch nicht mal angefangen habe zu knobeln! Aber die Stellung verrät ein relatives partienahes Muster. Weiß gewinnt? Na klar! Schnell noch ein paar Bauern köpfen, und dann ist Schwarz schon erledigt! Tja, ist aber eine komponierte Aufgabe, mit einer Mattansage in fünf Zügen! Ich werde auch mal ein bischen mitknobeln. Wenn ich Land sehe, gebe ich mal ein paar Tips!
Nummer 2:
Dieter Werner (nach A. Volkmann)
Schach - 1999 - (Mehrzügerentscheid - Lob)
Bild
Matt in fünf Zügen
>>> Praxisnah? Ich denke schon! <<<
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Praxisnahe Schachprobleme #03

Beitragvon stoppelhoppler » Mo 21. Dez 2009, 16:03

:o , hm, ich dachte eher in diese Richtung ;)

# 03 A. Agarkow (Schach 8/1987) - Matt in 7 :?: :arrow: :idea: :!:

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Re: Praxisnahe Schachprobleme

Beitragvon kladist » Mo 21. Dez 2009, 17:58

Mit Mühe:
1.Kd2 Kg1 2.De3 Kf1 (2.-Kh1 3.De4 Kg1 4.Db1 Kf2 5.De1# - das Mattbild) 3.Df4 Kg1 4.Dd4 Kh1 (4.-Kf1 5.Da1 Kf2 6.De1#) 5.De4 Kg1 6.Db1 Kf2 7.De1#'

Da fällt mir folgendes Nummer 4 - Matt in 5 Zügen ein (ist aber eine "problemnahe" Partiestellung: Horvath-Jacobsen, Kopenhagen 1988)
1.Dh6 Ke8 2.De3 Kf8 3.Da3 Kg8 4.Dg3 Kf8 5.Db8#
Zuletzt geändert von kladist am Mo 21. Dez 2009, 18:37, insgesamt 1-mal geändert.
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