Ich habe mir das buch "play 1...b6" von Christian Bauer gekauft, um 1. ...b6 als zweiteröffnung neben französisch / QGD / stonewall im arsenal zu haben. über sinn oder unsinn eines doppelrepertoirs kann gerne wo anders diskutiert werden, mir ist bewusst dass ich dadurch keinen einzigen elo-punkt stärker werde, aber es macht einfach mehr spass, verschiedene eröffnungen spielen zu können.
ich war schon vor kauf des buches etwas kritisch, da es von "everyman chess" ist und diese bücher die eröffnung anhand von ganzen partien erklären, was meiner meinung nach nicht ideal ist. Eine sehr gutes beispiel, eröffnungsbücher zu gestalten finde ich das buch "win with the london system" von sverre johnsen und vlatko kovacevic. hier werden zuerst 30 beispielspartien vorgestellt und danach die theorie besprochen. Da es aber leider kein anderes buch zur owen-verteidigung gibt (zur englischen verteidigung 1.d4 b6 2.c4 oder 1.c4 b6 2.xx gibt es mehr literatur) habe ich mir das buch gekauft.
Das buch ist sehr enttäuschend! Nicht nur wird, wie in allen "everyman chess" büchern, nur ganze partien gepostet, es wird nicht mal die idee der eröffnung erklärt. Das buch ist kein eröffnungsbuch, sondern eine eher schlechte auswahl von 81 partien, in denen 1. ...b6 gespielt wurde. Ich habe bis jetzt nur den 1.e4 b6 teil gelesen und möchte anhand diesem aufzeigen, was mir besonders nicht gefällt:
1.e4 b6
a) 1.e4 b6: Introduction
b) 1.e4 b6 2.d4 Bb7 3.Bd3
c) 1.e4 b6 2.d4 Bb7 3.Nc3 e6 4.Nf3 Bb4 5.Bd3
(a) ist von den 3 kapiteln das beste,
partie 1: 1.e4 b6 2.g3 Bb7 3.Bg2 Nf6 partie 2: 3... f5
partie 3: 1.e4 b6 2.d4 Bb7 3.f3 e6 4.Be3 d5 partie 4: 4... Nf6
partie 5: 1.e4 b6 2.Nf3 Bb7 3.Nc3 Nf6 partie 6: 3. ...e6 4.d4 Ne7 partie7: 4. ...d6
partie 1 bis 4 zeigen abspiele wo weiss kein d4 spielt, partie 5 bis 7 abspiele wo schwarz einen hippo-aufbau wählt. Was auffällt ist, dass immer verschiedene schwarze alternativen gezeigt werden. Dies ist an sich ja nett, aber man hätte auch z.bsp. partie 1 und 2 zusammennehmen können, den zug 3. ...f5 als haupttzug angeben können (er kommt in meiner datenbank viel öfters vor) und den zug 3. ...Nf6 als alternative variante angeben können. des weiteren wird partie 1, welche immerhin 51 züge dauert, bis zum ende analysiert, so wird werden zum beispiel zu zug 48 noch alternativen angegeben. wenn ich aber eine neue eröffnung lernen will ist es mir ehrlich gesagt recht egal ob es in zug 48 noch alternativen gibt!
(b) zu dieser variante werden folgende systeme analysiert
1.e4 b6 2.d4 Bb7 3.Bd3 Nf6 4.Qe2 Nc6 --> das "blatny-system" in partien 9 + 10
1.e4 b6 2.d4 Bb7 3.Bd3 Nf6 4.Qe2 e6 5.Nf3 d5 --> das "französische system" in partien 11 + 12
1.e4 b6 2.d4 Bb7 3.Bd3 Nf6 4.Nd2 e6 --> "tarrasch ähnliches system" in partien 13 + 14
1.e4 b6 2.d4 Bb7 3.Bd3 e6 4.Nf3 c5 --> "owen-system" in partie 15
zum blatny-system werden 2 partien mit der zugfolge 5.c3 e5!? 6.Nf3 d6 angegeben. warum nicht eine partie mit 6.Nf3 und eine partie mit 6.d5, wo doch bauer in einem 16tel eine seite durchaus zugibt dass weiss nach diesem zug etwas besser steht "6.d5 should also give white somewhat the better prospects".
zum französischen system wird die eine partie mit den zügen 6.e5 Nfd7 7.0-0 Be7?! und eine partie mit 6.e5 Nfd7 7.0-0 c5! gezeigt. meine frage, wenn man doch weiss, dass 6. ...Be7 schlechter ist als 6. ...c5, wieso wird dann trotzdem eine ganze partie für diese zugfolge vergeudet und bis zum zug 22 ausführlich kommentiert? dies macht doch echt keinen sinn!
die tarrasch-systeme-partien sind gut ausgewählt, aber wieder mal wird eine partie bis zum zug 40 analysiert. Eröffnungsbuch??
das owen system (name kommt von mir) ist der meistgespielte zug, und es gibt vor allem in dieser zugfolge sehr viele analysen, es wird aber nur eine partie gezeigt, welche nicht die kritsche variante für weiss ist und es werden verschiedene varianten einfach vergessen. da mich eh das französische system interessiert habe ich das nicht weiter analysiert. im chesspub forum (http://www.chesspub.com/cgi-bin/yabb2/Y ... 1130768177) wird dies aber durchaus weiter diskutiert.
(c) zu 1.e4 b6 2.d4 Bb7 3.Nc3 e6 4.Nf3 Bb4 5.Bd3 Nf6 werden 7 partien analysiert, und zwar:
6.e5 in partie 16
6.Qe2 d5 in partien 17 und 18
6.Bg5 h6 7.Bxf6 Qxf6 8.0-0 Bxc3 9.bxc3 in partien 19 bis 23
partie 16 ist in ordnung. partien 17 und 18 zeigen je 7.exd5, warum nicht einmal 7.e5 "7.e5 is more ambitions..." und einmal 7.exd5 ?. partien 19 bis 23 könnte auf eine partie gekürz werden. partie 19 zeigt, wieso 9. ...d5 schlecht ist. partie 20 zeigt 9. ..d6 10.Nd2 g5, partie 21 10 ...Qg3, partie 22 10. ...e5 11.f4 exd4?! und partie 23. 11. ...Qe7
wieso wird von partie 19 bis 23 immer die gleiche stellung gezeigt, wo immer schwarz abweicht, und die schlussfolgerung ist dass die variante von partie 23 eindeutig am besten ist? partien 19 bis 22 hätte man sparen können und als unteroption von partie 23 angeben können.
Abgesehen von diesen zügen vermisse ich vor allem eine zugfolge:
1.e4 b6 2.d4 Bb7 3.Bd3 (3.Nc3 e6 4.Bd3 Nf6) Nf6 4.Nc3 e6 5.Nge2!?
Bauers analyse dazu ist hochinteressant, er meint nämlich zur zugfolge
1.e4 b6 2.d4 BB7 3.Bd3 Nf6 4.Qe2:
"All other moves to defend e4 are good here, but this one is best in my opinion. Instead 4.Nd2 e6 is covered in Game 13-14, while 4.Nc3 e6 5.Nf3 Bb4 transposes to the 3.Nc3 e6 4.Nf3 Bb4 main line in Section 3, unless White fancies the original 5.Nge2". aha! analyse-faulheit?
Da mir dieses Buch wenig bis gar nichts bringt, um 1.e4 b6 spielen zu können, werde ich wohl ein paar "eigene recherchen" machen müssen und werde diese dann hier im forum posten.
