Repertoirebücher

Repertoirebücher

Beitragvon ThePainter » Sa 29. Jan 2011, 11:42

Was haltet ihr von der Idee, sein gesamtes Repertoire nach einem Buch aufzubauen?

Ist es überhaupt sinnvoll alles zu übernehmen (Stichwort: ein stimmiges Repertoire) oder sollte man nicht zurückschrecken, wenn man ein Repertoire baut, dass meinetwegen aus ~7-8 Büchern besteht in denen man jeweils nachschlagen muss.
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Re: Repertoirebücher

Beitragvon Lestat » Sa 29. Jan 2011, 13:10

Kommt wohl auf deine ambitionen drauf an und ob du ein repertoirbuch findest, welches dir auch gefällt. Repertoirbücher sind oft en wenig off-beat (abgesehen von den mehrbändern), um überhaupt alles zu behandeln können. Ich befolge mit weiss ein repertoirbuch, mit schwarz habe ich halt "meine verteidigungen" gegen 1.e4 und 1.d4/c4

Für schwarz reicht es oft, ein zu einer verteidigung zu haben (eine gegen 1.e4 und eine gegen 1.d4, je nachdem noch 1.c4), mit weiss ist ein repertoir-buch halt schon praktisch. Es hindert dich aber auch niemand daran, ein paar sachen zu ändern. Es gibt z.bsp. verschiedene repertoirbücher zu 1.d4 mit abtausch-damengambit und nimzo-inder, wenn dir der empfohlene nimzo-inder nicht gefällt kannst du den "easy" umtauschen, was du hingegen nicht machen kannst ist zum dameninder umzusteigen weil du sonst transpositionsprobleme hast.
e^(i*pi) + 1 = 0

What the hell does the ratio of the circumference of a circle to its diameter have to do with the base of the natural logarithm and the square root of -1?
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Re: Repertoirebücher

Beitragvon Peloton » Sa 29. Jan 2011, 23:22

Ich war nie ein besonders großer Fan von Repertoirebüchern. Ich bin der Meinung, dass man sich besser sein eigenes Repertoire aufbaut,. Das ist wesentlich mühsamer, aber dafür ist es besser auf einen selber abgestimmt und man ist auch nicht so leicht ausrechenbar.. Ungeachtet dessen hatte ich mir letztens die 3 Bände von Marin geholt und bin sehr zufrieden damit. Meine Zufriedenheit resultiert aber weniger aus dem dort stimmig vorgestellten Repertoire, sondern in den guten Erklärungen, die mir die verschiedenen Stellungstypen verständlicher machen.

Also ein gutes Repertoire-Buch kann auch ein Ideen- und Informationslieferant für ein abweichendes Repertoire sein. Wenn man sich ein neues Repertoire aufbaut können diese Bücher den Einstieg erleichtern.
"Chess is not a game for fun!", Anna Sharevich, während sie die Finals des Weltcups kommentierte.
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Re: Repertoirebücher

Beitragvon Jupp53 » So 30. Jan 2011, 13:16

ThePainter hat geschrieben:Was haltet ihr von der Idee, sein gesamtes Repertoire nach einem Buch aufzubauen?

Ist es überhaupt sinnvoll alles zu übernehmen (Stichwort: ein stimmiges Repertoire) oder sollte man nicht zurückschrecken, wenn man ein Repertoire baut, dass meinetwegen aus ~7-8 Büchern besteht in denen man jeweils nachschlagen muss.


Bei einer Spielstärke unter 1800 halte ich von der Idee sehr wenig, aber immer noch mehr, als sich mehrere Eröffnungsbücher zu verschiedenen Systeme zu kaufen.

Bis 1600
- werden die meisten Partien durch 'Dickerchen' aus dem Bereich übersehen entschieden. Die lassen sich durch Eigenanalyse gefolgt von einem Scan mit einer Engine am besten entdecken und in der Folge korrigieren. Die damit verbrachte Zeit zahlt sich wesentlich schneller aus, als die Arbeit an einem "Repertoire".
- ist Repertoire in Gänsefüße zu setzen. Es fehlt an ausreichendem Wissen und Analysefähigkeit, um Stellungen ausreichend beurteilen zu können.
- weichen die meisten Gegner Hauptvarianten nach Kräften aus, mit der Begründung, der Gegner kenne sich in dem von ihm gespielten System besser aus. Wieso sonst wird 1.d4 ohne nachfolgendes c4 von so vielen -1600ern ein Leben lang geübt? Was sonst macht die Französische Abtauschvariante, Londoner System, Sizilianische Nebenvarianten, Doppellochaufbauten (kein Igel!), Blackmar-Diemer-Gambit und ähnliches zum täglich Brot des Mittelfeldes und unteren Tabellendrittels in der typischen Vereinsmeisterschaft?
- ist es dreimal sinnvoller Eröffnungsprinzipien zu wiederholen, wiederholen, wiederholen, ... bis sie sitzen, als irgendwelche Varianten (fehlerhaft) zu analysieren.

Beispiel gefällig? - Auf der Suche nach einem Verein, der in meinen Wochenplan passt, bin ich letzten Dienstag auf eine kleine, nette Truppe gestoßen. Dort wurde mit ein Gegner zugeteilt, der mit Schwarz gegen 1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 f5? spielte. Begründung: "Die anderen können besser Theorie als ich." (Und noch ergänzte, der Zug könne nicht so toll sein!???) Sein weiterer Aufbau am K-Flügel war e6-g5-Sh6(-f7)-0-0. Obwohl er sich recht zäh verteidigte, konnte er auf die Dauer den Einbruch am Damenflügel und im weiteren Verlauf den weißen Angriff am K-Flügel mit Öffnung der h-Linie nicht verhindern. Mit Weiß spielte er dann 1.e4 e5 2.c4. Der Aufbau ist nicht ohne Gift. Ich muss zu meiner Schande zugeben, dass ich nach 2. - Sf6 3.Sc3 auf Lc5 (nebst a6) verzichtete und den Läufer sogar nach e7 statt nach g7 stellte. Es gibt Gründe, weshalb es diese Zugfolge von starken Meistern nur gelegentlich gibt. Spielte der Weiße diese Zugfolge mit der Idee, an seiner schachlichen Weiterentwicklung zu arbeiten, dann wäre es o.k., da irgendwann etwas (hoffentlich) besseres, wie 1.c4 und variables Spiel mit dem Botwinnik-System gegen e5 im Hinterkopf, folgte.

- reicht ein Buch über allgemeine Eröffnungsprizipien bis dahin völlig. Fragt sich der 1600er - am besten mit einem stärkeren Mannschaftskameraden - welche Prinzipien in der Partie verletzt und beachtet wurden, um dann die Folgen zu analysieren, dann reicht das völlig und führt weiter (evtl. bis in ein 'natürlich' sich entwickelndes Repertoire).

bis 1800
- bemerkt der Klötzchenschieber dann ab und zu, dass er gegen stärkere im 60. Zug auf Verlust steht und das nicht der Fall wäre, könnte er (mit Schwarz) h6-h7 oder f5-f7 ziehen. Die Bedeutung der Bauernzüge in Eröffnung und Mittelspiel kommt schemenhaft ins Blickfeld. Der Spieler kennt irgend woher die Namen Tarrasch und Capablanca. Die sollen gemeint haben, dass man zuerst das Endspiel studieren soll. Aber zur Beruhigung ist Tarrasch mit dem Spruch: "Vor das Endspiel haben die Götter das Mittelspiel gesetzt." präsenter. Der Spruch wird dann auch nur so verstanden, dass man Matt setzen kann, statt sich mit Türmen und Bauern zu quälen.
Wie? Im Mittelspiel könnte der eine oder andere besser oder auch gar nicht gespielte Bauernzug das Endspiel erleichtern? Spinnerei!
- lernt man ab und zu etwas aus einer Meisterpartie, z.B. wann man gegen f2-f4 mit f7-f5 kontert und wann man besser e5xf4 spielt oder unterlässt. Dann lohnt es sich, sich eine (=Zahlwort 1) Monographie zu kaufen, regelmäßig bei einer Eröffnung zu bleiben (d.h. insbesondere auch nach zwei oder drei Niederlagen in Folge) und nach der Partie das Brett aufzubauen (von mir aus auch auf einem Monitor) und die Empfehlungen des Autors langsam mit Vorsicht nach zu spielen. Selbst Keres hatte gelegentlich Fehler in seinen Monographien, Pachmann und Euwe ging es da auch nicht besser.

Es gibt Monographien, die schwächeren Spielern helfen sollen. Larry Kaufmann - The chess advantage in black and white (oder so ähnlich) wird in dem Zusammenhang immer wieder lobend erwähnt. Wenn ich jemanden nicht hindern kann, dann empfehle ich für Schwarz gegen 1.d4 "Vigus - Slawisch", mit dem ich seit 2 Jahren und zunehmendem Verständnis rummache. (Dazu gehört auch, dass ich noch jede Menge Grundlagen lernen muss.) Vigus empfiehlt als Ergänzung noch ein Buch gegen 1.d4 - Abweichungen (mir unbekannt). Der gravierende Nachteil, der den Effekt oft gegen Null gehen lässt, - es ist ein Arbeitsbuch.

Aber wesentlich sinnvoller ist doch: Van Perlo's Endgame Tactics oder die Jussupow Tigersprung-Reihe. Van Perlo lässt sich auch als Lesebuch benutzen, Jussupow taugt leider nur als Arbeitsbuch, hat dann aber erstaunliche Effekte.
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Re: Repertoirebücher

Beitragvon klötzchenschieber » So 30. Jan 2011, 17:51

Jupp53 hat geschrieben:
bis 1800
- bemerkt der Klötzchenschieber dann ab und zu, dass er gegen stärkere im 60. Zug auf Verlust steht und das nicht der Fall wäre, könnte er (mit Schwarz) h6-h7 oder f5-f7 ziehen.


Also, das ist doch kein Grund direkt persönlich zu werden, oder?

Immerhin habe ich Deinen Beitrag bis hierher (und auch den Rest) gelesen! Ich spiele übrigens mit Schwarz Französisch und Königsindisch/Benoni, mit Weiß habe ich mir vor fast 30 Jahren mal ein paar Standardpläne angesehen (die ich entsprechend gut noch erinnere...) Besser bin ich kaum geworden, weil einfach immer etwas anderes wichtiger war als Schach und das entsprechende Training, aber das ist wohl eine andere Geschichte...

Üblicherweise laufen meine Partien inzwischen so ab, dass ich näherungsweise mit Theorie starte, zwischen dem 8. und 15. Zug einen antipositionellen Bock einbaue (weil ich meistens irgendwelche Drohungen des Gegners überschätze), um mich in den nächsten 15 Zügen zurückzukämpfen und Remis anzubieten.

Damit kann ich Deine Thesen (für die 1600 - 1800er) nur bestätigen! Obwohl Tierversuche am lebenden Objekt ja eigentlich nicht so schön sind.
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Re: Repertoirebücher

Beitragvon Jupp53 » So 30. Jan 2011, 23:25

klötzchenschieber hat geschrieben:
Jupp53 hat geschrieben:
bis 1800
- bemerkt der Klötzchenschieber dann ab und zu, dass er gegen stärkere im 60. Zug auf Verlust steht und das nicht der Fall wäre, könnte er (mit Schwarz) h6-h7 oder f5-f7 ziehen.


Also, das ist doch kein Grund direkt persönlich zu werden, oder?


Richtig, richtig. :mrgreen: Mit "K" ist die Gattung, mit "k" bist Du gemeint. Hier war von der Gattung die Rede. 8-)
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Re: Repertoirebücher

Beitragvon Orang_Utan » Di 1. Feb 2011, 14:06

ThePainter hat geschrieben:Was haltet ihr von der Idee, sein gesamtes Repertoire nach einem Buch aufzubauen?

Ist es überhaupt sinnvoll alles zu übernehmen (Stichwort: ein stimmiges Repertoire) oder sollte man nicht zurückschrecken, wenn man ein Repertoire baut, dass meinetwegen aus ~7-8 Büchern besteht in denen man jeweils nachschlagen muss.


Aus eigener Erfahrung kann ich dazu folgendes sagen:

Mir hat bisher kein Buch und keine Buchserie (z.B. Marins drei englische Bände) zu einer einzelnen (!) Eröffnung gereicht. Das liegt vor allem daran, dass manche empfohlene Varianten meinem Geschmack nicht entsprechen. Später kommt auch meist neue Literatur zu meinen Eröffnungen dazu, aus denen man auch wieder etwas übernimmt.

Man kann sein Repertoire durchaus nur nach einem Buch richten, aber die daraus entstehenden Kompromisse muss man logischerweise auch in Kauf nehmen. Daher würde ich es dir nicht empfehlen. Allerdings solltest du dich am Anfang auch nicht mit zu viel Material beladen. Das geht oft nach hinten los. Mein Tipp für den Anfang: Besorg dir eins, zwei Bücher für dein Repertoire und evtl. eine DVD dazu. Da gibt es mittlerweile richtig gute Sachen zu fast allen Eröffnungen. Evtl. noch ein paar kleinere Quellen, wie das CBM, wenn du da leicht rankommst. Stück für Stück ergänzt du dann das Repertoire mit z.B. neuer/anderer Literatur, usw. Auch ein Datenbank mit Partien dazu, die man auf dem Laufenden hält, empfiehlt sich.
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