Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Der Patzer » Di 18. Jan 2011, 06:29

Wo hier gerade das Buch von Giddins angesprochen wurde, dessen Titel ja perfekt zum Thema des Threads passt und dessen Anschaffung ich in Erwägung ziehe:

@ Andrzej: du schreibst, dass du das Buch "gar nicht" empfehlen kannst; inwiefern hat der Inhalt des Buches nicht das gehalten, was du dir von ihm versprochen hattest bzw. womit bist du nicht zurechtgekommen?

@ Jupp53: du berichtest von einer "guten Erfahrung"; inwiefern hat dir das Buch konkret geholfen und wieso bist du der Ansicht, dass Spieler unter 1600 DWZ nicht davon profitieren können?

Andere Forumsteilnehmer, die dieses Buch gelesen haben und etwas zum Inhalt sowie zum Nutzwert (auch) für schwächere Spieler sagen können, sind natürlich ebenfalls herzlich eingeladen, von ihren Erfahrungen zu berichten! ;)
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Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon project_chaos » Di 18. Jan 2011, 11:24

ichbemüh mich auch schon seit längerer zeit ein repertoire aufzubauen, was ich auch einigermassen gemacht habe.
leider kann ich mich nicht dazu durchringen, die züge auswendig zu lernen. ich schau immer wieder mir die pläne klar zumachen und fahr damit gut.

mein problem ist ich kann mir die züge nicht wirklich merken. was dann natürlich den nachteil hat, das ich mehr schablonenhaft spiele und feinheiten der stellung nicht so bemerke oder erst wenn es zu spät ist.

mein tip an dich wäre spiel eröffnungen die dir spass machen und dann kannst du dir langsam bücher und partien dazu besorgen und dir so dein eigenes repertoir aufbauen. also so wie Andrzej es geschrieben hat.

viele meiner gegner weichen schon im 2 zug von der HV ab (hab Gegner von 1200 -1800)
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Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Jupp53 » Fr 21. Jan 2011, 01:46

@Der Patzer:

http://patzer53.wordpress.com/2008/12/16/wie-trainieren-3/

Hier habe ich etwas über meine Eindrücke über das Buch von Giddins geschrieben. Es ist - zugegeben - einer meiner schwächeren Blogeinträge. Deshalb zur Ergänzung:

Giddins empfiehlt kein Repertoire. Er gibt methodische Hinweise, die mir sehr sinnvoll erscheinen. Spieler unter 1800 haben andere Bedürfnisse und Lücken. Da geht es erst einmal darum ein Gefühl für Entwicklung der Figuren im Zusammenhang mit der Bauernstruktur zu erarbeiten. Offene Spiele, also 1.e4 und 1.e4 e5, sind dringend anzuraten. Gambit spielen! Klassische Schule und ein Buch durcharbeiten, wie Neistadt 'Eröffnungsfehler und lehrreiche Kombinationen' oder der Alterman Gambit Guide sind angesagt! Die Gegner auf dem Niveau spielen sowieso keine Theorie. Die Partien werden durch Ausnutzen der taktischen Fehler entschieden. Also ist Eröffnungstheorie verschwendete Zeit.
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Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Der Patzer » Fr 21. Jan 2011, 06:05

@ Jupp53:

Dass Giddins kein Repertoire empfiehlt, sondern methodische Hinweise gibt, ist mir bekannt. Darum geht es mir ja gerade (siehe mein erstes Posting). Ich habe mir das Buch jetzt übrigens bestellt, obwohl auch andere der Meinung sind, dass es eher für Spieler >1800 DWZ geeignet ist. Mal sehen, vielleicht kann ich trotzdem etwas Nutzen daraus ziehen. Mein 'Projekt' werde ich auf jeden Fall durchziehen, dabei aber immer im Hinterkopf behalten, dass Eröffnungen für Spieler meines Niveaus nicht das Allerwichtigste sind.

Gruss
Der Patzer

P.S.: Deinen "schwächeren" Blogeintrag habe ich gelesen. Ich finde den sehr gut!
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Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Stratege » Fr 21. Jan 2011, 13:09

Irgendwer hatte ja auch was zu dieser Thematik Damengambit-Abtausch-Variante und Nimzo-Indisch geschrieben. Dies fand ich damals sehr interessant bei Giddins, weil diese Zugfolgen-Problematik bei mir sowohl mit Weiß also auch mit Schwarz auftauchte.

Ein ähnliches Problem hatte ich auch noch mit Königsindisch und Benoni. Hier gefiel mir gegen modernes Benoni eine Variante mit h3 und Ld3, während ich Königsindisch ganz klassisch mit Le2 zu behandeln versuchte. Hier gab es einen Übergang, den ich aufgrund der Diskussion im Giddins-Buch auch als Problem erkannt hatte. Ich löste dies, in dem ich auch gegen Königsindisch früh h3 zog, was mir auch besser gefiel als mich auf die Mar del Plata-Variante einzulassen.

Allgemein hab ich immer versucht, mir was aus den Varianten, die mir gefielen, zusammenzubasteln. Durch viele Tests beim Blitz- und Schnellschach online wurden einige Probleme schnell aufgedeckt und konnten bearbeitet werden.

Dann kaufte ich das Repertoire-Buch "starting out: 1.d4". Hier hatte der Autor dann den Bayonett-Angriff und das h3-System gegen Benoni im Programm. Hier schaute ich mir als erstes genau diesen Übergang an. Dieser ist laut dem Autor ungefährlich.

Aber wie (ich glaube es war der User tracke in deinem Thread auf Schachmatt.de) schon geschrieben wurde ist genau DAS der Vorteil von solchen Repertoirebüchern: Der IM der das Buch geschrieben hat hat sich selber schon sehr viele Gedanken um genau solche Probleme gemacht.


Momentan bietet sich für mich folgende Vorgehensweise an (wie auch so in etwa von Tracke empfohlen):

  1. überhaupt mal schauen, was man so spielen will, also 1. e4 oder 1. d4
  2. ein paar Abspiele in einem Übersichtsbuch zu allen Eröffnungen anschauen und dann ausprobieren. Ich hab da FCO und "Mastering the chess openings"
  3. das bestmöglich passende Repertoirebuch besorgen und so nehmen. Ggf. wenn ein Teil gar nicht passt ersetzen. Aber nur wenn man genau weiß dass es da keine großen Probleme mit anderen Zugumstellungen gibt
  4. Wenn man das Rertoire einigermaßen kennt und damit zurecht kommt kann man auch mal andere Varianten dazu nehmen bzw. Teile umstellen. Wenn du z. B. erst 3. Sd2 gegen Französisch spielst kannst du auch ohne Repertoire-Konflikte auf das wohl umfangreichere 3. Sc3 umsteigen

Bezüglich vorgekaut bei den Repertoirebüchern: Man muss sich auch da noch sehr viel mit dem Material auseinander setzen, es sei denn man will stumpf die Varianten auswendig pauken.
"Die Tromp- und Colorado-Quote steigt wieder an, genauso wie die Anzahl der gekauften, aber ungelesenen Schachbücher im Schrank (das Zeichen schlechthin für einen ewigen Verlierer!)" IM Ilja Schneider auf schachzoo.twoday.net
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Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Andrzej » Fr 21. Jan 2011, 19:07

Der Patzer hat geschrieben:[...]
@ Andrzej: du schreibst, dass du das Buch "gar nicht" empfehlen kannst; inwiefern hat der Inhalt des Buches nicht das gehalten, was du dir von ihm versprochen hattest bzw. womit bist du nicht zurechtgekommen?
[...]


Da du dir das Buch ja schon bestellt hast, machst du dir am Besten eine eigene Meinung.
Ich habe mir das gleiche erhofft, wie du im Anfangsthread, allerdings gemerkt das meine Erwartungen zu hoch waren. Vielleicht ist das Buch ja ganz ok, aber so hat es sich als Enttäuschung enthült.
Es wirkte auf mich wie eine ziellose Zusammensetzung von Partien, die ich so auch in Datenbanken finden kann.
Ich habe das Buch vor etwa 2-3 Jahren gelesen, kann mich also nicht mehr so gut erinnern aber schlecht in erinnerg und vielleicht weil wie Jupp sagte es zu schwer für mich war(unter1600). Vielleicht sollte ich es nochmal neu lesen, am im moment wäre es eher Zeitverschwendung..
Es hat mich sogar eher verwirrt, als das es mich weitergebracht hat. Wusste nicht mehr ob das was er da schreibt jetzt stimmt oder nicht und hat mich in meinem Spiel verunsichert. Und man sollte nicht verunsichert Schach spielen.. Will aufjeden fall nicht mein neues Repertoir auf giddings hin überprüfen, weil ich glaube er würde es in nu zerreißen.. was wieder zu einer verunsicherung führen würde. Vielleicht ist es ja wirklich nicht auf mich "zugeschnitten", aber das ist mir egal, denn es macht mir so wie es ist im moment grundsätzlich spaß und für mich kommt es darauf an. Was nützt mir eine Eröffnung, die ich vielleicht von meiner Art her am besten behandeln würde, wenn ich mit ihr kein Spaß habe?

Aber bei dieser Spilstärke ist es absolut schwachsinnig zu überlegen ob man ein Taktiker oder Positionsspieler ist, da die Spielstärke ja noch nicht richtig entwickelt wurde. Anstatt sich mit 1300 zu sagen, oje ich stelle immer Figuren zweizügig ein ich muss meine stärken also in dem Positionsspiel suchen ist schwachsinnig(!), stattdessen sollte man einfach seine Taktikschwächen ausbügeln. Wenn man bei 2000 ist, ist das vielleicht was anderes. Vielleicht deswegen, weil ich selbst da finde ich sollte nicht die Eröffnung umstellen, weil man "Schwächen" von sich entdeckt und dies auf die Eröffnung schiebt. Stattdessen sollte man sich an die eigene Nase packen und feststellen dass es nicht vielleicht die Eröffnung, sondern andere Schwächen sind, an den man arbeiten kann und die man ausmerzen kann. Aber auf die eröffnung es zu schieben ist natürlich der einfachste und auch der schnellste weg - hauptsache man kann nix dafür, die eröffnung liegt ja einem nicht, passt nicht ins rep oder zig andere ausreden.

Einsicht ist der erste Weg zu Besserung.

Ich hinterfrage genauso auch Giddins aAsicht, dass man ähnliche Eröffnungen spielen soll. Also als Caro-Kann Spieler, Slawisch oder halbslawisch, oder nimzo+bogo und ähnliches.. Das habe ich aber schon weiter oben im thread angesprochen.

Leider ließt sich das Inhaltsverzeichnis meiner Meinung nach um einiges besser, als das was im Buch behandelt wurde. Ich finde er vermittelt (also mir) nichts.
Vielleicht denkt man im Anfangsstadium man sei ja viel besser als seine DWZ und traut sich deswegen so ein "schweres" Buch zu, es geht ja nur um eröffnungen. Aber die Sachen/tipps die er da aufzählte kannte man schon so mehr oder weniger eh. Es ist das einzige Buch das ich gelesen habe und ich mir dachte, das es mir fürs Schach genau 0,nix gebracht hat. Und das ist eine Kunst, denn irgendwas lernt man immer, sollte man meinen.

Naja ich hoffe ich verunsichere dich jetzt wieder nicht.
Aber vielleicht senkt es ja deine Erwartungen und am Ende ist das Buch für dich dann ganz ok oder sogar ganz gut. :-)
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