Auf zwei oder drei Ergebnisse spielen

Auf zwei oder drei Ergebnisse spielen

Beitragvon Andrzej » So 30. Jan 2011, 13:39

Also ich möchte ja grundsätzlich gewinnen, wenn ich mich ans Brett setzte. =)
Ist denke ich ne ganz gute Eigenschaft für einen Schachspieler, die leider zu oft vergessen wird. =P
Daher wollte ich mal in die Runde fragen, ob es nicht sinnvoller ist auf zwei, als auf drei mögliche Ergebnisse zu spielen.
Also Varianten vorzuziehen, wo die Remisquote nicht so hoch ist.

Kasparov meinte, es reicht schwache Spieler unter Druck zu setzen und dann kolabieren sie.

Demzufolge sollte man doch vielleicht scharfe Eröffnungen und Gambits spielen? Also spiele wo man aktiv spielen kann.

Meine Eröffnungen dagegen sind total laaahm. Auch abspiele, die so GM's spielen würden sind dabei. Aber ich bin kein GM! Vielleicht ist das der falsche Weg also für mich, und ich würde mehr erreichen wenn ich Abspiele eingehe, die ne größere Quote (nach statistik) für schwarz versprechen (aber auch das risiko erhöhen zu verlieren, wovor ich aber keine Angst habe, wenn ich mein bestes gebe).

Meine überlegung schließt z.B. mit ein, dass ich gegen c4 und d4 aufbauten durch ruhige abspiele nicht so viel erreichen würde, wie wenn ich wie Kiffing (Budapester Gambit), oder Adrian024 Wolgagambit spielen würde. Oder ist das Quatsch?!
Was denkt ihr? Sollte man nicht die Chancen nutzen, abspiele zu suchen, wo das Fehlgreifen des Gegner mehr in die Wiege gelegt wird.
Oder sollte ich so weiterspielen wie bisher, die zusätliche Erfahrung in meinen GM' Eröffnung wird mir mal nützen, wenn ich da mal angelangt bin. o0
Halooo?! Ich bin Realist, ich komme nichtmal ansatzweise auf das niveau, also was soll das? :lol:

Also bevor ich jetzt alles umschmeiße und Kamikaze spiele, hilft mir bitte. =P Aber im moment bin ich halt der Französisch-abtausch spieler mit weiß, und gewinn selbst damit meistens noch, weil ich den Gegner zu tode langweile und er irgendwann nicht aufpasst..

Ich würde ungern jetzt so kommentare hören wie, das kommt ganz darauf an welcher Spieltyp man ist. Als Spieler mit einer durchschnittlichen Spielstärke kann man noch nicht wissen, welcher Spieltyp man ist, da die Lücken zu groß sind! Wenn ich mal bei 2100 angelangt bin, kann ich mir darüber vielleicht Gedanken machen..
Zuletzt geändert von Andrzej am So 30. Jan 2011, 21:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Auf zwei oder drei Ergebnisse spielen

Beitragvon Riddler » So 30. Jan 2011, 14:55

Also... zunächstmal hängt es natürlich davon ab, welcher Spielertyp Du bist. :lol:

nee... mal ein paar Anmerkungen dazu:

Ganz ehrlich:
Auf zwei Resultate spielen kann man am besten, indem man keine Remisangebote annimmt, sondern seine Partien alle ausspielt. :)

Ich würde mich nicht von irgendwelchen Statistiken über Remisverteilungen in bestimmten Eröffnungen beeinflussen lassen. Ich behaupte mal, dass auf Vereinsspieler-Niveau die Remisbreite bei Spanisch-Abtausch sich nicht signifikant vom Budapester Gambit unterscheidet. Im Gegenteil: wenn man sich intensiv mit Spanisch-Abtausch auseinandersetzt und die Endspiele beherrscht, dann wirst Du damit mehr Punkte einfahren, als mit irgendwelchen riskanten Varianten, in denen beide Spieler Gefahr laufen, vom Pfad abzukommen. (Insbesondere unter Berücksichtigung Deines Problems mit taktischen Aussetzern).
Seinen Gegner zu Tode zu langweilen ist eine durchaus erfolgversprechende Matchstrategie.

Diese Hau-Ruck-Strategie, die Du beschreibst, wird möglicherweise bis zu einem bestimmten Niveau sogar funktionieren. Aber je stärker Du und Deine Gegner werden, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass diese Strategie einfach am Gegner abprallt und es zu einem Bumerang wird. Dann spielst Du zwar - wie geplant - immer noch auf zwei Resultate, aber die Resultate werden insgesamt schlechter sein. Spätestens dann wirst Du dein Repertoire wieder umstellen müssen, um mithalten zu können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass diese 1-oder-0 Herangehensweise in manchen Wettkampfsituationen wie z.B. Mannschaftskämpfen eher kontraproduktiv sein kann.
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Re: Auf zwei oder drei Ergebnisse spielen

Beitragvon elvis » Mo 31. Jan 2011, 01:02

1. Um effektiv auf zwei Resultate zu spielen, muss man (wenn die zwei Resultate nicht gerade "Remis oder Verlust" sein sollen) entschieden mehr vom Schach verstehen als die meisten von uns. Man muss seine Partien durchgängig unter Kontrolle haben, und möglichst mehr Kontrolle darüber haben als der Gegner.
Also mit anderen Worten: Vergiss das einfach und spiele Schach.

2. Die einzige interessante Statistik ist die Statistik deiner eigenen Partien. Und nur dann, wenn du eine genügende Zahl von Partien für eine aussagekräftige Statistik hast. (Damit meine ich Turnierpartien; Online-Partien zählen nur eingeschränkt und Blitzpartien fast gar nicht.)

3. Wenn du deine eigenen Stärken und Schwächen kennst, ist die Frage, ob du gezielt Eröffnungen bzw. Varianten spielen kannst/sollst, die deine Stärken zum Tragen bringen. Oder ob du mehr erreichst, wenn du an deinen Schwächen arbeitest.
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Re: Auf zwei oder drei Ergebnisse spielen

Beitragvon Tobi » Mo 31. Jan 2011, 09:31

Ich weiß nicht wieso ich, wenn ich auf zwei Resulte spielen ,1-0 und 0-1 wählen sollte, das mal vorne weg. ;) Über die Eröffnung wird sich ja im Amateurbereich gerne ausgelassen und dieser auch häufig die Schuld gegeben. Kein Wunder wenn man in Turnierbeichten immer wieder auf Berichte stößt in denen Phrasen vorkommen wie "Spieler bla hat hier eine starke Neuerung gebracht und überzeugend gewonnen oder "Spieler uff zeigte sich deutlich besser vorbereitet und schlug seinen Gegner souverän". Ganz ehrlich, wer will denn nicht auf so eine Art und Weise gewinnen ? Die Beschäftigung mit der Eröffnung ist somit erstmal verlockend, da einem der schnelle und auch vermeintlich einfache Sieg winkt, aber und jetzt kommt das große aber: Wie sieht es auf Bezirksniveau wirklich aus ?

Partien werden zu 90% durch taktische Fehler verloren und sei es nur ein Bauer, der irgendwann mal flöten geht. Soll man sich meiner Meinung nach also gar nicht mit Eröffnungen beschöftigen ? NEIN
Eröffnungen bilden nun einmal die Grundlage jedes Spiels und wer hier schlecht herauskommt, hat auch zunächst einmal während des Mittelspiels eine schlechte Stellung. Die Betonung liegt hier allerdings deutlich auf dem Wort "schlecht". Wieso ? In unseren Bereichen passieren immer noch viele Fehler, mal mehr und mal weniger, es genügt also vollkommen diese auszunutzen !!
Wie oben aber schon versucht zu beschreiben, scheint es anstatt sein Spiel grundlegend zu verbessern, immer wieder attraktiver stattdessen lieber an Eröffnungen herumzuwerkeln und vermeintlich tolle "Waffen" (wie es so schön in Eröffnungsbüchern heißt) in sein Repertoire aufzunehmen. Der Gegner kann ja patzen und man selber kennt ja die Theorie und so und wenn nicht kann man ja noch Schach spielen.

Wie sollte man also auf Sieg spielen ? Meiner Meinung ganz einfach Züge machen, die regelkonform sind ( ;) )und die dem eigenen Stil entsprechen und sich nicht von anderen polarisieren lassen. Wenn du gerne aktiv spielst und nicht vor Bauernopfern zurückschreckst, dann probier doch mal Gambits aus (so eine Gambitphase durchläuft sowieso jeder mal). Dadurch lernst du viel im Zusammenhang mit Initiative, Figurenetwicklung, taktischen Motiven, und und und. Damit meine ich nicht wie schon oben von wem angesprochen auf Teufel komm raus auf Sieg zu spielen und Stellungen reihenweise zu überziehen, sondern einfach Stellungen zu spielen ( wie oben schon erwähnt wollen wir ja meistens gewinne und nicht spielen).


Ein Beispiel füge ich zum Schluss noch ein, das ich vielleicht mal als eine Art Beispiel angebe, wie sich mein Repertoire mit der Zeit entwickelt hat:

Mit Weiß spiele ich seit längerer Zeit 1.e4, nur fehlt mir echt die Zeit sich intensiv dort mit Theorie zu beschäftigen, was also gegen Sizilianisch machen ? Meinen Spieltyp kann ich nicht so richtig einschätzen, aber ich mag es schon mit Weiß etwas Initiative zu haben, das bringt mir mehr als irgendein += was in irgendwelchen Büchern steht. Seit langer Zeit spielte ich steht die folgenden Nebenvarianten:

1.e4 c5 2.Sf3

2...Sc6 3.Lb5 ohne Theoriewissen und meiste frühen Kloppen auf c6 und möglichen Spiel gegen den Doppelbauer
2...d6 3.Lb5+ was mir nach einiger Zeit nach 3...Ld7 zu zahm erschien, sodass ich zu 3.d4 + 4.Dxd4 wechselte
2...e6 3.b3 mehr aus Verlegenheit, als aus Überzeugung und leider auchohne grpße Theoriekenntnisse

Diese Saison entschied ich mich, mich etwas mit der Theorie auseinander zusetzen, da mit steigender Spielstärke sich auch die Gegner beswser präpariert zeigten. Doch gerade die letzten beiden Varianten erschienen mir arg überarbeitunsfähig zu sein, da ich hier kaum Grundlagenkenntnisse besaß, sodass ich beschloss das es Zeit wäre zu 3.d4 zu wechseln, was sehr zeitintensiv ist, aber im Hinblick darauf, dass ich sonst kein Wissen zu den anderen Varianten hatte, mir als bessere Möglichkeit erschien. Habe ich dabei darauf geachtet, auf welche Ergebnisse ich spiele ? Nö. Keine großen Killervarianten im Repertoire, stattdessen grundlegende Ideen und aber auch Stellungen, die vielleicht etwas mehr Spiel versprechen, als das ehemalige Repertoire. Meines Erachtens ist es nicht gut mit einer zu krassen Einstellung ans Brett zu gehen vonwegen "ich spiele auf Sieg und Schluss". Es ist natürlich immer schön zu gewinnen, aber wenn man diese Einstellung zu verbissen verinnerlicht, kann diese Einstellung eine gesunde rationale Denkweise blockieren. Man spielt nicht mehr die objektiv stärksten Züge, die vielleicht zum Remis führen, sondern den objektiv riskanteren Zug, der eben auch verlieren kann.
Diese Einstellung kann man natürlich im Mannschaftskampf vertreten oder wenn man in einem Turnier mal zocken will. Insgesamt wird man allerdings je höher man kommt leider auch immer mehr prügeln einstecken müssen.
Kompromisslos auf Sieg zu spielen kann ich persönlich nicht empfehlen. Suche dir Eörffnungen, die dich interessieren und die dir spannende Stellungen versprechen und probier sie aus. Manch einer mag das Wolgagambit, ich persönlich würde es wirklich nie spielen ;)
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Re: Auf zwei oder drei Ergebnisse spielen

Beitragvon patzer78 » Mo 31. Jan 2011, 17:08

Ich denke mal auf zwei Ergebnisse spielen (sieg oder Remis) ist an sich sinnvoller, gerade in unteren Klassen. Nicht weil man so eine Monstertechnik hätte dass man jede +/= zu Gewinn quetschen kann, aber viele Bezirksligaspieler sind aufgrund von Motivationsmangel und sonst was einfach nicht in der Lage im allerlangweiligsten Abtauschslawen noch sinnvolle Züge zu finden, weil alles was mit verteidigen zu tun hat mögen die meisten Leute garnicht. Wenn jetzt aber ein total wilder Botvinnikhalbslawe auf dem Brett ist, ist es nur ein großes Gepatze, anstatt dessen man auch zum Würfeln gehen könnte.
Ein paar Beispiele aus meiner eigenen Praxis:

2200-patzer 78, 0:1 30 Züge, Naja, im Botvnnikslawen mit exf6 gxh4 war das Glück und ein bisschen Theoriekenntnis auf meiner Seite.

Der gleiche 2200er-patzer 78 1:0 55 Züge , Eröffungen war das sehr spannende d4 d5 Sf3 Sf6 e3 Lf5 Ld3 lxd3 Dxd3. Nach ein paar Stunden war ich einfach nur komplett Gehirnamputiert und hab simpelste Pläne nicht mehr gesehen, obwohl ich so 4 Stunden lang total leichten Ausgleich hatte.

Patzer78-1800 Letze Runde einer länger zurückliegenden Vereinsmeisterschaft. Ein Sieg bringt den Turniersieg, im Vorfeld ist bekannt das der Franzose kommen wird. Die Wahl zwischen Winawer mit Dc7 Dxg7 oder Abtauschfranzose ist recht leicht gefallen, und nach ein paar Stunden, 40 Zügen und ein paar der langeweile geschuldeten Fehler des schwarzen wars dann auch das 1:0

Die Idee ist im Rowson nachzulesen, er bezeichnet es als den Plus-Gleich Modus. Einfach eine gesunde, recht simple Stellung anstreben und dann auch akzeptieren , dass sich an der Einschätzung auch mal 3 Stunden nix ändert und einfach immer weiter spielen bis der Gegner innerlich zusammenbricht und den Punkt mitnehmen.
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Re: Auf zwei oder drei Ergebnisse spielen

Beitragvon stoppelhoppler » Di 1. Feb 2011, 17:33

Andrzej hat geschrieben:...
Meine Eröffnungen dagegen sind total laaahm. Auch abspiele, die so GM's spielen würden sind dabei. Aber ich bin kein GM! Vielleicht ist das der falsche Weg also für mich, und ich würde mehr erreichen wenn ich Abspiele eingehe, die ne größere Quote (nach statistik) für schwarz versprechen (aber auch das risiko erhöhen zu verlieren, wovor ich aber keine Angst habe, wenn ich mein bestes gebe).

Meine überlegung schließt z.B. mit ein, dass ich gegen c4 und d4 aufbauten durch ruhige abspiele nicht so viel erreichen würde, wie wenn ich wie Kiffing (Budapester Gambit), oder Adrian024 Wolgagambit spielen würde. Oder ist das Quatsch?!
Was denkt ihr? Sollte man nicht die Chancen nutzen, abspiele zu suchen, wo das Fehlgreifen des Gegner mehr in die Wiege gelegt wird...


Du solltest grundsätzlich für Dich klären, was für Dich beim Schach Vorrang hat:

Gute Ergebnisse oder Abenteuer, Spaß und interessante Partien?

Das schließt sich zwar nicht notwendig gegenseitig aus, doch gibt es auch nicht unbedingt eine Schnittmenge.
Stehen bei Dir gute Ergebnisse im Vordergrund, dann werden Veränderungen etwas schwieriger, riskanter und arbeitsaufwendiger.
Spielst Du mehr aus Spaß und Interesse, dann fallen Veränderungen leichter.
Wenn ich Franz-Abtausch im Repertoire lese, dann habe ich die Vermutung, daß Du dich mehr an Ergebnissen orientierst.
Mit mehr Abenteuerlust wären da schon ganz andere Systeme erprobt worden.

Wenn Du die Frage Deiner Einstellung zum Turnierschach überdenkst und evtl. anders ausrichtest, dann werden ganz andere Eröffnungen möglich - fast von alleine, aber immer mit etwas Arbeit, damit es nicht ganz so frustrierend am Anfang ist.

Von reinen Gambitvarianten - außer Wolga - würde ich aber eher abraten (bin eben auch zu ergebnisorientiert ;) ), weil diese auf längere Sicht nicht nachhaltig genug sein könnten. Lieber Eröffnungen mit Asymmetrie und dann können auch mal ein paar Varianten vorbereitet werden, die ein scharfes Bauernopfer beinhalten - neben einer anderen solideren Fortsetzung. Muß ja nicht gleich in den ersten 5 Zügen sein!
Die Signatur, die Signatur hat nicht immer Recht.
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