Welche Endspielbücher sind ein Muss?

Moderator: Jupp53

Re: Welche Endspielbücher sind ein Muss?

Beitragvon Jupp53 » Di 5. Jan 2010, 15:05

Inzwischen gibt es viel gutes Zeug. Mal meine Meinung:

Einführungen -

- Awerbach "Erfolg im Endspiel" oder
- Pachmann - "Endspielpraxis im Schach"
wenn man Lehrbücher will.

- Richter/Staudte - "Richtig oder Falsch"
- Stadte/Milescu - "1x1 des Endspiels"
wenn man Taktiklesebücher will.

- Rosen - "Fit im Endspiel"
wenn man sein Wissen überprüfen will, um nachzuarbeiten.

Mittelklasse

Hier ist die Auswahl wirklich groß. Insbesondere ein paar englische Bücher sind gut. Ich empfehle aber ganz bewusst, das auszulassen und direkt eine Stufe höher zu zielen, weil

Oberklasse

- Dworetzki - "Die Endspieluniversität"
- Müller/Lamprecht - "Grundlagen der Schachendspiele"

didaktisch einfach klasse sind. Dworetzki kann man zuerst die großen Diagramme durcharbeiten und hat die Mittelklasse. Müller/Lamprecht lässt sich genauso bearbeiten. Zuerst die Kernideen und dann das Ganze Buch.

Diese Empfehlungen gelten für Leser/innen, die sich auf ein Buch konzentrieren können.

Für die "Blätterer" und "Hopser" lohnt sich vielleicht Silman - Practical Endgame Course, da er die Themen zuerst nach Spielstärke einteilt und dann nach Material, während die klassische Aufteilung eher nach Material geht.

In meinem Bücherregal stehen zur Zeit 25 z.T. mehrbändige Endspielbücher. Muss? - Eigentlich sollte ich ein gutes Buch 25mal durcharbeiten. Das wäre besser. :roll:
Auf der Wunschliste stehen :
McDonald - Concise Chess Endings;
Fine - Basic Chess Endings;
Müller/Pajeken - Endspiellehre in der Praxis (oder so)
Nunn - Secrets of Rook endings
Nunn - Secrets of Pawn endings
Korchnoj - Turmendspiele
Die fünf Testbücher zu diversen Aspekten des Endspiels aus dem Beyer Verlag
Mednis - How to play the endgame
Diverse Studienbände von Rinck/Troitzky/Kasparjan

und damit sind wir noch nicht im Bereich der Endspielleistungen von Meistern, die dann die Übergänge behandeln.

Bitte nicht mehr fragen, sonst gebe ich nur Geld aus. ;)
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Re: Welche Endspielbücher sind ein Muss?

Beitragvon stoppelhoppler » Di 5. Jan 2010, 15:21

Jupp53 hat geschrieben:...Auf der Wunschliste stehen :...


Du hast bereits 25, ohne die ,die auf der Wunschliste stehen :shock: - alle Achtung!

Jupp53 hat geschrieben:...Eigentlich sollte ich ein gutes Buch 25mal durcharbeiten. Das wäre besser...


Das ist der Schlüssel - und jupp hat einige sehr gute genannt.

Problem: Gute sind sehr dick = anspruchsvoll.
Eigentlich reichen D(voretsky)EM und ein paar spezielle Aufgabenbücher aus...

Ich selbst habe bisher kein Endspielwerk komplett durchgearbeitet (Awerbach "Erfolg im Endpiel" und Röder "Endspiel leicht gemacht" rechne ich wegen des geringeren Umfangs nicht dazu) :oops: ,
dafür aber wurden einige Kapitel (mehrfach) angearbeitet und wiederholt.

Awerbach Turmendspiele 1 habe ich mal komplett in eine Datenbank "eingeklimpert" und Band 2 sollte folgen. ;)

Die Basics wurden mit dem Heyne-Taschenbuch von Pachman "Endpielpraxis im Schach" gelegt.
Lücken blieben aber auch hier - im Buch, bei mir selbst sowieso.

Das Buch ist empfehlenswert (antiquarisch jetzt), weil kompakt - aber für schon routiniertere Spieler.
Besseren Erläuterungstext gibt es inzwischen sicher in neueren Werken.

Ein hier noch nicht genanntes Standardwerk ist Keres "Praktische Schachendspiele".
Man kann es sehr gut als das eine Buch nehmen, was mehrfach durchzuarbeiten ist.
Leider habe ich es zu spät kennengelernt.

Das alte Standarwerk Löwenfisch/Smyslow "Theorie & Praxis der Turmendspiele" kann man heutzutage besser durch DEM ersetzen.
Es hat sich doch einiges getan bei diesen Endspielen und die alten Erkenntnisse findet man bei DEM sicher wieder -soweit richtig und gültig.

Den ollen aber guten Awerbach (1, 2) kann man auslassen, wenn man DEM bearbeitet.
Umfang und Aufwand dürften ähnlich sein und DEM ist einfach auch didaktisch und optisch besser als die alten (Nachschlage)werke.

Fazit: Mit Disziplin und Ausdauer immer mal ein Abschnitt DEM (ein bißchen springen ist hier sicher möglich) und dazu konkrete Aufgabenbücher (siehe auch Beyerverlag).

Für ambitionierte Spieler kommen dann Schereschewski "Strategie der Schachendspiele" und kommentierte Partien, die im Endspiel entschieden werden und in etlichen Partiensammlungen von Meistern zu finden sind.

Meines Wissens gibt es noch kein herausragendes Buch, das praktische Endspiele verständlich und gut sortiert anbietet.
Hier muß man auf die praktischen Beispiele in den einzelnen Endspielwerken/Partiensammlungen zurückgreifen, untereinander die Kommentierungen vergleichen und selbst mal Schlußfolgerungen versuchen/ Gefühl entwickeln.

Ein besonderes Buch ist Christopher Lutz "Endspieltraining für die Praxis".
Hier ist viel Zeit, Spielstärke und Arbeitswillen gefragt.
Ich wagte es bisher nur, dieses praktische Endspielbuch anzublättern.
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Re: Welche Endspielbücher sind ein Muss?

Beitragvon Jupp53 » Di 5. Jan 2010, 15:24

Und keins im Kopf. :!:

Haben oder Sein? Wer nicht ist, der hat. :oops: :idea:
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Re: Welche Endspielbücher sind ein Muss?

Beitragvon kladist » Di 5. Jan 2010, 15:26

Meines Erachtens gehören zum Endspielstudium mindestens zwei Aspekte:
Erstens die Kenntnis einiger theoretischer Endspiele mit Einschätzungen und zugehörigen Spielplänen ("Leuchtturmstellungen").
Zweitens das Verständnis der Endspielführung im Allgemeinen, was durch die Beschäftigung mit praktischen Endspielen gefördert wird.
Beides gehört zusammen!

Was für Literatur da hilfreich ist, hängt von Vorwissen und Spielstärke ab. Denn natürlich nimmt (in der Regel) mit der Spielstärke die Menge der bekannten theoretischen Endspiele zu. Gleiches gilt für die Qualität der allgemeinen Endspielführung.

So ist die "Endspieluniversität" zwar klasse, aber deswegen noch nicht für jeden hilfreich. Bücher, die durch Überforderung abschreckend wirken, sind schon problematisch. Bei der Einschätzung eines Buches hängt also viel am "für wen".

Für Spieler, die gerade erst einen Zugang zum Endspiel suchen, gefallen mir z.B. Chris Ward "Endgame Play" und Andrew Soltis: "Grandmaster Secrets Endings" ganz gut, die beide anfangs genannten Aspekte berücksichtigen.

Für die Stufe danach finde ich z.B. Yasser Seirawan: "Winning Chess Endings" und Glenn Flear: "Mastering the Endgame" ganz gut. Nicht so dicke Bücher, die auch nicht mit Texterklärungen geizen.

Für ernsthafteres Studium bieten sich dann Paare von Büchern an, eines für die theoretischen Stellungen, eines für Endspielstrategie.
Für die theoretischen Stellungen und überhaupt war mein Favorit immer James Howell: "Essential Chess Endings", aber das ist praktisch nicht mehr zu bekommen. Alburt/Krogius: "Just the Facts!" und vor allem Pantschenko: "Endspieltheorie und Praktik" finde ich auch nicht schlecht. Meine klare Empfehlung ist allerdings: Jesus de la Villa: "100 Endgames You must know".
Für die praktischen Endspiele gibt es den Klassiker von Schereschewski: "Endspielstrategie" (auch und umfangreicher auf Englisch). Neuer und auch sehr gut sind z.B. Müller/Pajeken: "How to play Chess Endgames" (Ergänzung: deutsch "Schachendspiele in der Praxis") und Lars Bo Hansen: "Secrets of Chess Endgame Strategy".

Alles nur eine spontane und subjektive Auswahl. Es gibt noch viele andere gute Bücher. Und eines ist auch klar: Solange man sich nicht entmutigen lässt, ist Dworetzkis "Endspieluniversität" immer von Nutzen.
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Re: Welche Endspielbücher sind ein Muss?

Beitragvon naphta » Di 5. Jan 2010, 15:26

Cresspahl hat geschrieben:
... ich wollte mal von euch wissen, welche Endspielbücher ihr gerne durchgearbeitet habt und empfehlen könnt. Gibt es so etwas wie ein "Mindestpensum" an Endspielbüchern, die man als ambitionierter Spieler durchgearbeitet haben sollte? ...



Gerne durchgearbeitet habe ich Silmans Endspielkurs. Ich weiß auch nicht, wie der Mann das macht, dass seine Bücher immer so einen Spaß machen. Daneben habe ich noch den Rosen.

Ich glaube es ist nicht so wichtig, wieviel Endspielbücher man hat, sondern dass man regelmäßig mit ihnen arbeitet und sie nie zu weit weg legt.
Wir wissen nicht, was dieser freundliche Großmeister empfiehlt, aber wir empfehlen bei Schachsucht die Schachkiste.
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Re: Welche Endspielbücher sind ein Muss?

Beitragvon stoppelhoppler » Di 5. Jan 2010, 16:00

naphta hat geschrieben:...
Ich glaube es ist nicht so wichtig, wieviel Endspielbücher man hat, sondern dass man regelmäßig mit ihnen arbeitet und sie nie zu weit weg legt.


Das erste stimmt, das zweite eher nicht :o - bei mir liegen einige in einem Stapel auf dem Nachttisch.

Nein, man sie auch nach oben packen und die anderen am besten zurück ins Regal - besser Vitrine verschließbar, Schlüssel abgeben! :lol:

EDIT:

Achso, ergänzende, weiterführende Literatur und Infos sind auch hier verstaut:

schachbuecher-f72/endspielliteratur-t450.html :!:
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Ergänzung zu Endspielbüchern

Beitragvon stoppelhoppler » Mo 7. Mär 2011, 13:52

Neben den Büchern sollten auch einige Rubriken im Internet beachtet werden.

Für den Endspielbereich gehört bestimmt dazu:

http://www.chesspub.com/cgi-bin/yabb2/Y ... ndgame_brd

Aus dieser Fundstelle möchte ich die gigantische Besprechung eines ohnehin schon vielfach besprochenen Fernschachendspiels herausstellen:

http://www.chesspub.com/cgi-bin/yabb2/Y ... 1286625627

mit Download der Anlysen im pgn-Format . Auch von hier Lob und Dank an "micawber" :!:
Zuletzt geändert von stoppelhoppler am Mo 7. Mär 2011, 14:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Welche Endspielbücher sind ein Muss?

Beitragvon TheKillerGrob » Mo 7. Mär 2011, 13:59

Das Endspielbuch von Müller/Lamprecht ist eher ein Nachschlagewerk, wo im Prinzip (fast) jedes auftauchende Endspiel abgearbeitet wird; dies linear durchzuarbeiten ist nicht so spaßig; "Silman's Complete Endgame Course" hingegen ist kurzweilig zu lesen, allerdings weiss ich nicht, ob es für deine Spielstärke nicht schon zu wenig Material ist (auch wenn es im Buch bis zum Kapitel Elo 2100+ geht).
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Re: Welche Endspielbücher sind ein Muss?

Beitragvon Casco » Mo 7. Mär 2011, 22:29

Ich hab das Buch vom Pantschenko, "Endspieltheorie und Praxis", ist momentan meine U Bahnlektüre... Erster Eindruck ist, dass es ein ausgezeichnetes Buch ist, die Beispiele werden ausreichend erklärt, aber knapp genug dass man selber mitdenken muss (was m.E. beim Silman Buch etwas fehlt, es wird zu detailliert erklärt). Ich lese es deshalb momentan "nur" unterwegs weil ich zu Hause mit dem "Manual of Chess Endings" (Gulyiev) aus der "Chess School" Reihe arbeite. Ist auch ein sehr gutes Buch, es wird halt, außer Varianten, nix erklärt, bewirkt dass man sich auch mit der Lösung von Beispielen intensiv auseinandersetzt, da man die Schlußfolgerungen aus den Varianten selber ziehen muss.

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