Strikte Regelanwendung bei Mannschaftskämpfen?

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Re: Strikte Regelanwendung bei Mannschaftskämpfen?

Beitragvon linkinkev » Sa 29. Nov 2014, 00:47

Ich grab mal diesen Thread für folgendes Szenario aus:

Breitensportliga, Kinder vs. Kinder
Kind 1 macht einen ungültigen Zug und betätigt die Uhr, Gegnerisches Kind 2 bemerkt es nicht.
Mannschaftsführer von Kind 2 schreitet ein und teilt mit, dass der Zug nicht regelkonform ist.
Mannschaftsführer von Kind 1 meint, dass das der Mannschaftsführer nicht sagen darf, da er so in die Partie eingreift.
Mannschaftsführer von Kind 2 meint, dass er die Schiedsrichterfunktion inne hat und er auf sowas aufmerksam machen kann.
Nach kurzem hin und her beschließt man, dass Kind 1 doch einen neuen Zug ausführen soll.
Mannschaftsführer von Kind 2 meint, dass Berührt-Geführt gilt. Dies würde zu großem Material- und Partieverlust führen.
Mannschaftsführer von Kind 1 regt sich natürlich auf, da damit Mannschaftsführer 2 praktisch die Partie im Alleingang gewonnen hätte.
Mannschaftsführer von Kind 2 nimmt es zurück und die Partie nimmt ihren normalen Verlauf.

Am Vereinsabend hat mich nun Mannschaftsführer 1 gefragt, wie er in Zukunft damit umgehen soll.

Gibt es da theoretisch Zeitstrafen und Raumverweisungen? Davon ab, bin ich froh, dass die Entscheidung so gefallen ist, wie sie getroffen wurde, da sie im Sinne der Kinder war und die Partie schachlich beendet werden konnte.
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Re: Strikte Regelanwendung bei Mannschaftskämpfen?

Beitragvon elvis » Sa 29. Nov 2014, 04:49

Ich nehme an, dass beide Mannschaftsführer gleichzeitig Schiedsrichter waren (Spiel ohne neutralen Schiedsrichter).

Die Frage, ob der Schiedsrichter bei einem regelwidrigen Zug von sich aus eingreifen soll, ist strittig.
Gerade bei Kindern wird oft gesagt, man sollte sie "ungestört" spielen lassen. Das kann dann aber auch dazu führen, dass Könige über mehrere Züge lang in Schach stehen, und irgendwann, wenn einer den Fehler reklamiert, müssen alle Züge seit dem ersten regelwidrigen Zug zurückgenommen werden.

"Berührt - geführt" gilt, mit allen Konsequenzen. (Muss aber eigens reklamiert werden; wenn es nicht reklamiert wird, geht die Partie weiter und der Zug mit der "falschen" Figur wird nicht mehr korrigiert.)
Zeitstrafe: Der Schiedsrichter kann Spieler 2 wegen der Unterbrechung der Partie durch den Fehler von Spieler 1 eine Zeitgutschrift (Verlängerung der Bedenkzeit) von 2 Minuten geben. Zeit abgezogen wird nicht.
Raumverweisungen gibt es nicht. Mannschaftsführer 2 hat schließlich nur versucht, die Aufgabe des Schiedsrichters zu erfüllen: "Der Schiedsrichter achtet auf die Einhaltung der Schachregeln." (Anders wäre es, wenn nicht der Mannschaftsführer = Schiedsrichter eingegriffen hätte, sondern ein anderer Spieler oder Zuschauer.)

Im Zweifelsfall hätte nicht der Mannschaftsführer 2 "im Alleingang" die Partie gewonnen, sondern Kind 1 mit einem leider etwas dummen Zug die Partie verloren.
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