Sorry, das folgende ist lang.
Mein Verein hat in den letzten Jahren zwei Wochenend-Kurzturniere und diverse andere Turniere veranstaltet, und ich war bei der Organisation immer mitten drin. Eigentlich wollte ich meine gesammelten Erfahrungen kurz fassen, aber ich hab's nicht geschafft, das eventuell Überflüssige rauszuschneiden.

Bei der Bedenkzeit würde ich unbedingt 2h/40 + 30'/Rest vorziehen. Das ist in dem Zeitrahmen problemlos machbar, und die Länge des ersten Zeitabschnitts ist jedem vertraut.
Der reelle Spielbeginn der 1. Runde ist
immer verspätet. 5 Minuten später ist super-pünktlich; 15 Minuten noch akzeptabel.
Für die Doppelrunden am Sa / So: Mittagspause von 45 - 60 Minuten einplanen, nicht länger.
Kurze Siegerehrung am Ende des Turniers, möglichst bald nach dem Ende der letzten Partie (da kann man, während die letzten Partien laufen, schon einiges vorbereiten).
Startgeld 10 Euro hört sich sehr günstig an. Das geht, wenn ihr gute Sponsoren habt oder einen eher kleinen Preisfonds.
A propos Preisfonds: Ratingpreise und Jugendpreise kommen immer gut an und sind ein Anreiz für viele Vereinsspieler. Also für die Leute, die man braucht, um die Plätze zu füllen.
Spielmaterial ist schon gesagt worden. Wellige Plastikbretter oder Planen sind absolut
no go. Bei dem Plastikmaterial hat man aber immer wellige Teile dabei, also sicherheitshalber ausreichend mehr Material besorgen, um die schlechteren Exemplare austauschen zu können.
Holzbretter und -figuren sind natürlich edler. Auch wenn man nur wenige davon hat, für die vorderen Bretter. - Manche Spieler bevorzugen Plastikbretter, weil lackiertes Holz je nach Beleuchtung seine eigenen Lichtreflexe hat. Diese Spieler sind aber eine Minderheit.
Gute Uhren sind fast noch wichtiger als gutes Spielmaterial.
Uhren und Material kann man u.U. bei einem Händler leihen oder mieten. Manche verleihen kostenlos, wenn es mit ein wenig Werbung verbunden ist.
Leih-Material ist auch nicht immer beste Qualität. Aber wenn ein Händler (Name ist bekannt) von sich aus darauf besteht, ein Schnellschach-Turnier an über 100 Brettern komplett mit DGT 2010-Uhren auszustatten, ist das doch ein feiner Zug.
Zum Raum:
Gute Beleuchtung ist wichtig (und da sind Leuchtstoffröhren besser als Strahler, weil die Strahler immer irgendwo reflektieren oder sogar blenden).
Gute Belüftung ist auch wichtig.
Außer dem Spielsaal braucht man mindestens einen Nebenraum für Analysebretter (und sonstiges freies Spiel bzw. Zocken; wenn da Blitzuhren stehen, werden die garantiert benutzt). Im Nebenraum ist der Geräuschpegel deutlich höher, der sollte daher so liegen, dass man im Spielsaal möglichst wenig davon mitbekommt.
Bewirtung im Analyseraum oder in einem getrennten Raum.
Raucher-Ecke oder abgetrennten Raucherraum.
Eine Turnhalle halte ich nur für die zweit- oder drittbeste Lösung; da ist die Akustik meistens nicht fürs Schach optimiert, und mancherorts muss man einigen Aufwand betreiben, um den Bodenbelag zu schützen.
Beste Bedingungen haben wir in Schulen gefunden, vor allem da, wo in letzter Zeit eine Mensa für den Ganztags-Betrieb neu eingerichtet wurde.
Bei öffentlichen Räumen ist der Kontakt zum Hausmeister enorm wichtig.
Eine Woche vor dem Turnier zusammen mit dem Hausmeister die Räume besichtigen und detailliert planen, was wo hinkommt.
Wir haben in den letzten Jahren Turniere in verschiedenen Schulen organisiert. Die Ankündigung, dass wir am Freitag nachmittag mit 5 Leuten kommen und die Tische und Stühle selbst aufbauen, war enorm hilfreich. Ebenso wichtig ist das Aufräumen am Ende des Tages, darauf achten dass alle Türen und Fenster ordentlich geschlossen sind etc. - Der Hausmeister ist grundsätzlich überarbeitet, also: Wenn du ihm Arbeit abnimmst, bist du sein Freund.
Für die Turnierleitung:
1 Tisch mit PC + Drucker + jemand, der sich auskennt.
Paarungslisten und Tabellenstand in mehreren Exemplaren ausdrucken und aushängen. Möglichst frühzeitig; d.h. direkt nach Ende der Vormittagsrunde sollte die Auslosung für die Nachmittagsrunde da sein; am Ende des Abends für die nächste Vormittagsrunde.
Der Schiedsrichter hat typischerweise wenig zu tun. Trotzdem sollte jemand da sein, der die Funktion übernimmt. Es braucht nicht unbedingt ein lizenzierter Schiedsrichter zu sein, aber umfassende Regelkenntnis ist Voraussetzung, daneben natürlich die üblichen Charaktereigenschaften, die man von einem guten Schiedsrichter verlangt. - Ein mehrköpfiger Spielausschuss (wie von Stratege beschrieben) ist nicht so günstig, je mehr Leute an den Entscheidungen beteiligt sind, um so mehr kommen die ins Diskutieren.
Der Turnierleiter und 1-2 weitere Leute, die sich um organisatorische Dinge kümmern, sollten jederzeit vor Ort und ansprechbar sein.
Verpflegung vor Ort ist wichtig.
Beim Essen vor allem Sachen, von denen man satt wird. - Die Frage nach einer Pommes- oder Dönerbude in der Nähe wird trotzdem mit Sicherheit kommen.
Süße Snacks (Schokoriegel und dergleichen) bringen viele selbst mit.
Bei Getränken muss man auch mit einem guten Teil "Selbstversorger" rechnen. Mit günstigen Preisen für Kaffee, Cola, Mineralwasser kann man trotzdem einigen Umsatz (+ Gewinn) machen.
Wenn ein lokaler Händler Interesse hat, macht ein Verkaufsstand mit Schachbüchern und DVDs sich gut.
Unterkunft:
Im städtischen Raum hat man bei einem solchen Turnier fast nur Pendler, die keine Hotel-Unterkunft brauchen.
Werbung für das Turnier:
Einladungen per E-Mail empfehle ich an möglichst viele Spieler direkt zu schicken.
Vereinsvorsitzende oder Webmaster funktionieren nur selten als Multiplikatoren; was bei denen landet, wird nicht unbedingt an die Vereinsspieler weitergegeben. Die einzigen zuverlässig guten Multiplikatoren sind engagierte Jugendtrainer.
Eintrag in regionalen, eventuell auch nationalen Turnierkalendern ist hilfreich, gerade um für ein neues Turnier zu werben.
Andere Turniere in räumlicher Nähe sind (mit Erlaubnis der Veranstalter) ein guter Ort, um mit Aushang oder Flyern für euer Turnier zu werben.
Internet:
Eine rechtzeitige und vollständige Ausschreibung ist Pflicht. Die eigene Vereins- oder Turnier-Homepage ist der beste Ort, sonst geht es auch über Schach-Ticker etc.
Die Ausschreibung als druckbare PDF-Datei ist Kür. Macht sich in jedem Fall gut.
Wenn vor dem Turnier eine Liste der vorangemeldeten Spieler im Internet steht, kann man damit noch mehr Leute für das Turnier interessieren.
Runden-Ergebnisse, Tabellen und Auslosung für die nächste Runde mindestens am Ende des Tages, besser am Ende jeder Runde möglichst schnell ins Internet bringen.
Eine Foto-Galerie ist keine Pflicht. Ist aber schnell erstellt und kommt meistens gut an. Erstaunlich viele Schachspieler sehen sich selbst gerne auf Fotos.
Presse:
Einige Schachzeitschriften veröffentlichen Turnierankündigungen, z.T. als kostenlose Kleinanzeigen.
Bei Tageszeitungen kommt man höchstens in den Lokalteil. In kleineren Orten geht das eigentlich recht gut, in Großstädten ist es schwierig. - Über eine Vorankündigung in der örtlichen Zeitung erreicht man vielleicht einige Hobby-Spieler oder Leute, die früher regelmäßig gespielt haben und es immer noch leidlich können. Viel bringt das nicht; aber wenn man die Chance hat, sollte man sie ruhig nutzen. - Ein Bericht nach dem Turnier (selbst schreiben und an die Lokalredaktion schicken) ist gut fürs Image des Vereins. Auf lokaler Ebene kann man ihn auch nutzen, um beim nächsten Mal für das nächste Turnier zu werben. Ansonsten bringt das nicht viel; aber ich bin trotzdem immer dafür, wenn neben Badminton und Taekwondo auch andere Randsportarten etwas Publicity bekommen.