Fernpartien / CM - Stellungsanalyse

Schulung der strategischen Fähigkeiten.

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Fernpartien / CM - Stellungsanalyse

Beitragvon CandidateMaster » Mi 16. Dez 2009, 10:39

Hallo Leute,

ich habe hier eine interessante Stellung, die ich gerne mit euch besprechen würde.
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CandidateMaster (1200)- pankmsh (1200)[/CENTER]

Ich bin am Zug.
Ich habe mir folgendes überlegt, wäre super wenn ihr es kommentieren könntet und korrigieren könntet falls was falsch sein sollte oder ihr was besseres findet.

Stellung charakterisieren:

Imbalances:


Leichtfiguren:


Weiß besitzt das Läuferpaar und einen Springer. Schwarz nur noch den weißfeldrigen Läufer und zwei Springer. Sein weißer Läufer ist ein schlechter, also sollte er ihn gegen eine gleichwertige Figur tauschen oder im idealfall gegen den guten Läufer des Weißen. Seine Springer sollten nach Vorposten ausschau halten, was in der gegebenen Stellung nicht möglich ist, da es keine gibt. Weiß hat einen schlechten Läufer ( Schwarz ) und sollte versuchen ihn gegen eine gleichwertige Figur zu tauschen, oder das Spiel weitgehend zu öffnen um das Läuferpaar zur Geltung zu bringen. Also entweder tauschen oder öffnen. Der Springer hat zurzeit keine großen Ausichten ein Vorpostenfeld zu bekommen, da der Gegner jedes Feld mit einem Bauern abdecken kann.

Bauernstruktur:

Weiß hat eine Bauernmehrheit im Zentrum. Schwarz eins am Damenflügel. Das Verhältnis ist jeweils: 1:3 und 6:4. Eine Möglichkeit von Weiß bestünde, mit dem a-Bauern, der isoliert ist, vorzurück und die gegnerischen Bauern zu hemmen. Allerdings kann der Gegner nach abtausch ( z.B. späteren b6 ) zwei Freibauern bilden. Ernsthafte Schwächen in der Bauernstruktur hat Schwarz nicht. Nur Weiß hat einen isolani auf a, weshalb der Turm wohl zur Verteidigung da bleiben muss. Ein potentieller Freibauer besteht auf d. Denn nach d5 kann der Zwischenzug Lxb6!? dem d-Bauen gute Aussichten auf eine Beförderung geben.

Raum:


Weiß hat einen Raumvorteil im Zentrum und ein volle Bauernzentrum, dass durch den c-Bauern gestützt ist. Da der Raumvorteil ein eher langfristiger Vorteil ist, sollte man zuerst versuchen das Gegenspiel des Gegners zu unterbinden. Dieser könnte eventuell mittels f5 versuchen sein Spiel etwas zu lockern, deshalb sollte der Weiße Plan schnell voranschreiten. Die gegnerischen Figuren stehen etwas passiv und behindern die eigenen Befreiungszüge.

Material:

Gleich.

Linien und Schlüsselfelder:

Zurzeit gibt es zwei Halboffene Linien: b für Weiß und d für Schwarz. Da der a-Turm noch an den Bauern a gebunden ist bzw. ihn besser decken sollte, müsste erst die Dame weichen bevor man die Linie in Beschlag nehmen kann.

Entwicklung und Königssicherheit:

Weiß hat seine Entwicklung weitgehend abgeschlossen, während Schwarz noch schauen muss, dass er seinen weißen Läufer entwickelt und die Türme verbindet.Das ganze gibt Weiß etwa zwei Tempi in der Entwicklung. Die Königssstellung von Weiß ist noch Frei von Mängeln, während die des schwarzen Königs bereits erste Luftlöcher aufweist ( h6 aufgezogen ). Eventuell sollte man einen Einschlag mit einer Läufer-Dame-Batterie in Erwägung ziehen.

Initiative:

Da Weiß droht, mittels dem Vorstoß d5 einen Freibauern zu bilden, kann er innerhalb von ca. 2 Zügen die Initiative an sich reißen. Eventuell sogar schon mit dem nächsten Zug, der den Vorstoß vorbereitet.


Fazit:

Weiß hat einen klaren Vorteil im Zentrum, und was die Koordination der Figuren anbelangt. Er hat freies Spiel und sollte versuchen, seinen Vorteil umzuwandeln ( z.b. über den Freibauern ). Schwarz hingegen muss versuchen seine Entwicklungs zu beenden und Gegenspiel zu erhalten, bevor Weiß völlig auf Sieg steht. Eine Möglichkeit für Weiß besteht also in der besetzung der d-Linie wo der Freibauer nachher entstehen könnte. Vielleicht lässt sich sogar der b-Bauer nach dem Tausch des Läufers gegen den Springer als Angriffsobjekt benutzen.


Einschätzung:


+/-


Kandidatenzüge:


A) c4!?

B) Tab1?!

C) Dd2




---


So das wäre mal mein Teil. Wäre super wenn ihr euch in den Thread einschalten könntet und mitreden könntet :)
CandidateMaster
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Beitragvon stoppelhoppler » Mi 16. Dez 2009, 15:37

Über diese Stellung sind im Feld ja schon Ideen und Einschätzungen ausgetauscht worden.

Ich gebe hier eine überarbeitete Meinung ab:

Weiß steht klar besser, weil er durch seine starke Zentrumsstellung über mehr Raum verfügt und sein Läuferpaar in einer sich noch gestaltenden Zentrumsstruktur ein potentieller Machtfaktor ist.

Einen schlechten Läufer hat derzeit nur Schwarz mit dem Lc8, der sich für diese Figur eine Verwendung einfallen lassen muß. Mit einem e6-e5 gewönne er Zentrumseinfluß und Entwicklungsmöglichkeiten für den Lc8, wobei die Möglichkeit allein noch keine Lösung darstellt.
Seine Verwendung muß auch tatsächliche Wirkung haben.

Die schwarze Königsstellung ist durch h6 geschwächt und es fehlt dort auch an verteidigenden Leichtfiguren. Angriffsmöglichkeiten sind somit für Weiß latent gegeben.

Eine genauere Betrachtung zeigt, daß Weiß hierfür aber noch mächtig arbeiten muß.
Der eigentlich wünschenswerte Zug Dd2 zieht, wie im Feld genannt wird, nicht eine passive schwarze Verteidigung etwa mit De7 (Df6 halte ich für schlechter) nach sich, sondern Schwarz nutzt die kleinen Defekte der weißen Bauernstruktur mit Sa5 aus!
Er verteidigt sich gegen Aktionen am Königsflügel mit dem (einzig) guten Feld c4 für die Springer und dem Ziel, den gefährlichen Le3 abzutauschen.
Zwar kann und muß Weiß diesen Plan mit Da2 abwehren und wohl Vorteil behalten, doch ist er etwas vom Weg abgekommen und es lohnt sich nach Alternativen auszuschauen.

Hierbei rückt das bereits aufgeworfene c3-c4 in den Vordergrund.
Es kann gespielt werden, um im Zentrum einen Durchbruch (bei passender Gelegenheit) zu starten.
Ein wichtigerer Effekt könnte aber sein, daß den schwarzen Reitern das Feld c4 streitig gemacht wird und Weiß anschließend doch zu einer Drohkulisse mit Dd2 kommt.

Die richtige Strategie scheint letztlich zu sein, über einen weiteren Zentrumsausbau, die schwarzen Kräfte dort zu binden und am Damenflügel abgeschnitten zu lassen, um dann vom Zentrum aus, eine entscheidende Aktion am Königsflügel zu starten (die Option eines Zentumsbauernkeils bleibt erhalten).

Schwarze Aktionen am Königsflügel sollten imo weitere Felderschwächen hinterlassen und danach ausgenutzt werden können, auch wenn Schwarz damit einen schnellen direkten Zusammenbruch vermeiden kann.

Entscheidend ist für mich auch, ob Schwarz überhaupt einmal erträglich zu e6-e5 kommt.

Die halboffenen Linien spielen noch keine hervorzuhebende Rolle.

Bei einer Variante mit d4-d5 nebst Le3xb6 als Zwischenzug ist auch mit schwarzen Zwischenzügen zu rechnen:
d4-d5 e6xd5, Le3xb6 d5xe4 als Beispiel.
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Re: Fernpartien / CM - Stellungsanalyse

Beitragvon Jupp53 » Mi 16. Dez 2009, 18:44

Es lohnt auch über Le3-f4 nachzudenken. Der Druck auf den Punkt e5 und den Bc7 lässt die erste schwarze Idee e6-e5 (evtl. unter kurzzeitigem Bauernopfer) schwerer umsetzbar erscheinen.
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Re: Fernpartien / CM - Stellungsanalyse

Beitragvon Jupp53 » Do 12. Feb 2015, 12:42

Kevs Positionsbewertungsthema habe ich auf die Schnelle nicht gefunden. Also lieber ein altes Thema von 2009 ausgraben als ein neues anfangen:



Weiß muss ziehen

Reden wir mal (besser) nicht über das Zustandekommen der Stellung aus dem Fernbullet. Was haltet ihr von folgender Einschätzung der Stellung?

Das Läuferpaar bringt Weiß im Moment nichts, kann aber später eine Rolle spielen.
Der Springer hat auf e5, c5, c4 aktive Felder.
Der wK braucht, bis er sich am Kampf beteiligen kann.
Die offene d-Linie ist leichter von Schwarz zu besetzen.
Am D-Flügel hat Schwarz Raumvorteil und kann leichter manövern.
Bauerngewinn oder ein Freibauer sind nirgends in Sicht.

Fazit: Schwarz steht leicht besser, Weiß muss sich was einfallen lassen, um die Figurenstellung schnell zu verbessern.
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Re: Fernpartien / CM - Stellungsanalyse

Beitragvon Milian » Do 12. Feb 2015, 13:41

Ich finde, die Figurenstellung ist relativ ausgeglichen, wobei ich tendenziell lieber mit dem Läuferpaar spielen würde.
Ich würde mir hier eher Gedanken um die Bauernstruktur machen, denn die ist bei Weiß etwas dynamischer.
Kann man nicht mit a4 oder c4 die schwarzen Bauern angehen und für Schwächen sorgen?
Vielleicht ist 1. a4, a6 2. b4 mit der Idee c4 eine Überlegung? Z. Bsp. 2. -, Ld4 3. c3, Lf6 4. f4 gefolgt von e5 und c4
Wenn Schwarz versucht, am Damenflügel zu blockieren, landen seine Bauern auf schwarzen Feldern.
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Re: Fernpartien / CM - Stellungsanalyse

Beitragvon Jupp53 » Do 12. Feb 2015, 14:02

Auf 1.a4 kommt wohl eher Se5 2.Lf1(e2) Sc4. Oder 2.ab5 Sxd3 3.cxd3 cxb5 und auch das ist für mich eine unklare Stellung.
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