Stratege hat geschrieben:...
@stoppelhoppler: Spricht denn aus deiner Sicht etwas gegen Lc5 gegen frühes d3? Nach d6 ist der Läufer ja eingesperrt und d6-d5 hat Schwarz ja auch oft nicht zur Befreiung. Nicht dass der Läufer dann eine ganz schlechte Figur wie der andere Läufer im Franzosen wird...
Carl Schlechter (verstorben 1918) und Mitarbeiter meinten in der 8. Auflage des Bilguer von 1922:
5. d3 Lc5 - fragwürdig bis schlecht, weil Weiß mit Le3 seinen Läufer entgegenstellt und sich bei Abtausch die f-Linie öffnet.
Was soll ich dazu noch sagen? Hm, 6. Le3 Lb6 kostet Schwarz ein Tempo, was sich mit 6. Le3 d6 vermeiden ließe. Danach muß man die Struktur nach 7. Lxc5 dxc5 bewerten, die ich aus dem kopf heraus als nicht so nachteilig für S ansehe - bin aber deutlich schlechter als Schlechter und Co.
Mal sehen, was andere Quellen so schreiben, aber zunächst zur Befürchtung von Strat wegen des schlechten Läufers: auf e7 vermeidet/mildert er deutlich die Fesselung mit Lg5.
Die Zentumsstruktur ist im spanier noch nicht so zementiert wie im Franzosen. Erst bei z.B. weißem d3-d4-d5 droht der Läufer richtig und dauerhaft schlecht zu werden.
Keres und/oder Mitarbeiter schreiben zu 5. d3 (Stand 1973):
"Diese feste, zurückhaltende Spielweise wurde gern von Anderssen angewandt, später bediente sich ihrer oft Steinitz (ich glaube, das ist auch aus dem alten Bilguer abgeschrieben).
Indes sind mit dieser recht passiven Fortsetzung keine Lorbeeren für Weiß zu holen...
Auf sofort 5. ... Lc5 ist 6. Le3 eine gute Erwiderung." das wars.
Suetin meint zu 5. d3 (Stand 1988):
"Eine wahrhaft historische Fortsetzung, wurde sie bereits von Anderssen und Steinitz angewandt. Heutzutage ist sie vor allem dann anzutreffen, wenn Weiß die bis ins Detail ausanalysierten Hauptvarianten vermeiden möchte. Ihr Vorzug ist, daß sie der Stellung bedeutende Stabilität verleiht, ihr mangel eine gewisse Passivität. weiß darf folglich trotz guter und fester Position kaum auf Eröffnungsvorteil hoffen (da denkt sich stoppel, daß dies wohl auch für Schwarz gilt und eben der bessere Spieler entscheidet).
5. ... Lc5, 6. Le3!"
Die Enzy 2. Auflage 1981 schreibt in C77/ 1. Abspiel (Bearbeiter Matanovic):
5. d3 Lc5, 6. c3 b5, 7. Lc2 d5, 8. exd5 Sxd5, 9. h3 0-0, 10. 0-0 h6, 11. Sxe5 Sxe5, 12. d4 Ld6, 13. dxe5 Lxe5 =
und 5. d5 Lc5, 6. Le3 de7, 7. Sc3 Sd4, 8. 0-0 0-0, 9. Lxd4 exd4, 10. Se2 d5, 11. exd5 Lg4 mit Kompensation
So, Strat, nun bist Du an der reihe die neueren Quellen und Einschätzungen einzustellen.
Ich habe erst einmal Teile der Vergangenheit bemüht.