Was tun gegen "Spielverderberei" im Spanier?

Was tun gegen "Spielverderberei" im Spanier?

Beitragvon Stratege » Do 18. Jun 2009, 13:57

Hallo,
Schwarz kann im Spanier wie ich finde sehr interessante Systeme erreichen, zum Beispiel die offene Variante (1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0-0 Sxe4), nur gibt es von Weiß neben der Abtauschvariante auch noch einige unangenehme Abweichungen, die gerade gegen die offene Verteidigung gerichtet sind: 5. Sc3, 5. De2 und vor allem 5. d3. Dagegen stehen in den Büchern dann auch noch Varianten mit d6, b5 und Lb7, was weit weg von dem ist, was Schwarz haben möchte. Gibt es da vielleicht interessante Varianten?

Eine andere Idee wäre vielleicht, über 3... Sf6 4. 0-0 Sxe4 5. d4 a6 zu spielen, wobei es da auch wieder das d3-"Problem" gibt.
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Re: Was tun gegen "Spielverderberei" im Spanier?

Beitragvon Lestat » Do 18. Jun 2009, 14:35

ich spiel das weder mit weiss noch mit schwarz, von da her alles ohne gewähr

1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 (Nf6!?) 3.Bb5 Nf6
4.0-0 Nxe4 5.d4 a6 und du bist im offenen spanier
4.d3 Bc5 und ich wüsste wirklich nicht wieso schwarz sich hier beklagen sollte
4.d3 Ne7 mit idee c6-d5 scheint auch interessant zu sein
4.Nc3 spanisches vier-springer-spiel, das muss du ja eh auch im repertoir haben, Nd4 soll hier gut sein, aber man sollte ein paar variante kennen
4.d4 ist der ichhabedennamenvergessen-angriff, muss man halt kennen, gibt es auch was ähnliches mit einschub der züge 3. ...a6 Ba4
4.Qd2 heisst glaub ich worall-angriff, das kannst aber auch nach der 3. ...a6-zugfolge haben...
e^(i*pi) + 1 = 0

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Re: Was tun gegen "Spielverderberei" im Spanier?

Beitragvon stoppelhoppler » Do 18. Jun 2009, 19:54

Du machst Dir vielleicht etwas zu viele Gedanken um Abweichungen von den Hauptwegen.
Wer als Weißer 3. Lb5 spielt, der dürfte zumeist einverstanden mit klassischem und offenem Spanier sein und sich eher darüber freuen, wenn Schwarz nicht 3... f5 (Jänischgambit), 3... Sf6 (Berliner V.), 3. ... Lc5 (Cordel), 3. ... d6 (Steinitz-Verteidigung) oder 3. ... g6 spielt.

Auf den Abtauschspanier solltest Du aber wirklich vorbereitet sein, weil er doch ziemlich beliebt ist.

Mit Hilfsvarianten zwecks Erreichen des offenen Spaniers kann ich Dir leider nicht dienen.
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Re: Was tun gegen "Spielverderberei" im Spanier?

Beitragvon Stratege » Do 18. Jun 2009, 22:07

Der Abtauschspanier ist nicht so das Thema, da bietet die Literatur genügend gutes Material. Klar muss man auf die ganzen Fischer-Jünger vorbereitet sein.

Das von Lestat vorgeschlagene 3... Sf6 4. d3 Lc5 dürfte sich doch auch ähnlich bei 3... a6 4. La4 Sf6 5. d3 Lc5 spielen lassen, oder macht der Einschub von a6 La4 da einen signifikanten Unterschied? Sieht auf jeden Fall schon mal aktiver aus als direkt d7-d6.

3... Sf6 4. d4 oder 3... a6 4. La4 Sf6 5. d4 lassen sich noch am aller ehesten vielleicht sogar mit direktem Sxe4 in den offenen Spanier biegen, das gehört gar nicht mal so zu den Spielverderber-Varianten. ;)

Dass 3... Sf6 4. Sc3 spanisches Vierspringerspiel ist, ist klar. Wo ich gerade mal so schaue: Auf 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Sc3 Sf6 4. Lb5 a6 wird im Buch auch nur 5. Lxc6 mit leichtem Vorteil für Weiß angegeben, was auch ausschließlich in der Eröffnungsdatenbank von Shredder Online gespielt wurde. 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. Sc3 Sollte daher eigentlich auch okay für Schwarz sein.

Eine nette Variante gegen Worral wäre noch ganz cool.

Und was heisst hier zu viele Gedanken? Ich spiele oft genug gegen Gegner, die kaum Theorie können, auf Nummer Sicher gehen und den e4 decken. Und das verhindert sämtliche Strukturen, die Schwarz einigermaßen kennt. Da will ich ja auch keine 20 Züge Theorie sondern einfach ein ordentliches Spielkonzept haben.
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Re: Was tun gegen "Spielverderberei" im Spanier?

Beitragvon stoppelhoppler » Sa 20. Jun 2009, 10:30

Wenn der Weiße brav den Bauern e4 mit Sc3 oder d3 deckt, dann sollte Schwarz mit d7-d6 ganz sicher seinen Bauern e5 decken und kann den Geschehnissen ruhig entgegensehen.
Natürlich kann Weiß immer noch etwas Initiative entfalten und auch in einigen spanischen Hauptabspielen wird d2-d3 und erst später d3-d4 gespielt, doch bei Deinen Gegnerkategorien halte ich es für wahrscheinlicher, daß diese eher selten den richtigen zeitpunkt für d3-d4 herausarbeiten werden, wenn sie schon anfangs auf aktivere Maßnahmen verzichten.

Wer Spanisch spielt, muß gerade als Schwarzer schon etwas Geduld aufbringen, weil man den offenen Spanier eben nicht erzwingen kann.
Kleine Anregung:
Solltest Du einige Gegner härter anpacken wollen (weil Du z. B. ihre zurückhaltendere Spielweise kennst oder antizipierst), dann empfiehlt sich vllt. doch eine Zweiteröffnung gegen e4 oder eben Jänisch-Gambit oder vielleicht auch verbesserter Steinitz mit der Möglichkeit eines frühzeitigen f7-f5.
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Re: Was tun gegen "Spielverderberei" im Spanier?

Beitragvon Jupp53 » Sa 20. Jun 2009, 11:02

Ich habe angefangen mit Weiß Spanisch zu spielen und zwar die Hauptvarianten. In meinem alten Schachleben habe ich die spanische Abtauschvariante à la Lasker - Capablanca genau mit der Idee gespielt, die Du fürchtest. Es gab dann schnell Endspielstrukturen.

Es gibt gerade in der Abtauschvariante eine Reihe schwarzer Möglichkeiten, zu interessanten Aufbauten mit Angriff auf den weißen König zu kommen. Der Aufbau von Fischer mit Lg4 und h5 ist ebenso spannend, wie frühes Dd6 (Bronstein) oder Df6. Weiß kann da nur mit (4.Lc6: dc6:) 5.d4 auszuweichen suchen. In ernsten Partien wurde mir nur 5. - ed4 vorgesetzt und trotz 54% für Schwarz aus 1724 Partien in CA10 habe ich nur Remis gespielt oder gewonnen. Der Grund war zögerliches Spiel der Schwarzen. Sie brachten ihr Läuferpaar nicht aktiv ins Spiel.

Wenn Du mit Schwarz 'aggressiv' spielen willst, dann schließe ich mich an: Nimm neben dem offenen Spanier Jänisch- und Schliemann-Gambit mit ins Programm und schau Dir ein paar alte Steinitz-Partien und zu den Aufbauten neuere Partien an. Grundsätzlich gilt: Bis 2100 hat kaum einer Ahnung, was er tut, wenn er Spanisch spielt. (Natürlich auch nicht bei anderen Eröffnungen. ;) ) Das merke ich an meinen Partien auf beiden Seiten ständig.
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Re: Was tun gegen "Spielverderberei" im Spanier?

Beitragvon Cresspahl » So 21. Jun 2009, 12:53

Stratege hat geschrieben:
Eine andere Idee wäre vielleicht, über 3... Sf6 4. 0-0 Sxe4 5. d4 a6 zu spielen, wobei es da auch wieder das d3-"Problem" gibt.


Davon würde ich - wenn ich einen Offenen Spanier zum Ziel habe - auch abraten, da Du bestimmt sehr oft 5.Te1 sehen wirst. Nach schwarzem 5...Sd6 ist es dann wieder eine ziemlich ausgeglichene, aber konturlose Sache.
(18:12:13) Latvian_Gambit: du bist der einzige der mich regelmäßig bügelt
(18:12:15) Latvian_Gambit: no homo
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Re: Was tun gegen "Spielverderberei" im Spanier?

Beitragvon Stratege » So 21. Jun 2009, 23:56

Zur Spielverderberei gehöhrt zweifelsohne auch noch 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0-0 Sxe4 6.Te1, was doch oft ziemlich verflacht. Von daher ist es vielleicht ganz gut, noch eine Alternative fürs Gewinnen müssen im parat zu haben. Vielleicht werde ich mir mal Jänisch ein bisschen anschauen (wobei ich auch so schon viele Eröffnungssystem habe, die ich mir unbedingt noch mal anschauen muss).

@stoppelhoppler: Spricht denn aus deiner Sicht etwas gegen Lc5 gegen frühes d3? Nach d6 ist der Läufer ja eingesperrt und d6-d5 hat Schwarz ja auch oft nicht zur Befreiung. Nicht dass der Läufer dann eine ganz schlechte Figur wie der andere Läufer im Franzosen wird.

@Jupp: Abtauschvariante ist ja zum Glück ein System, zu dem in den Büchern auch mal etwas mehr steht. 5.0-0 Df6 wird in Watsons "Mastering the chess openings 1" besprochen und sieht vielversprechend aus.

@Cress: Das scheint der Haken an der Zugfolge zu sein, wobei Weiß auch in der anderen Zugfolge mit frühem Te1 nerven kann, siehe in diesem Beitrag ganz oben.
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Re: Was tun gegen "Spielverderberei" im Spanier?

Beitragvon stoppelhoppler » Mo 22. Jun 2009, 20:13

Stratege hat geschrieben:...
@stoppelhoppler: Spricht denn aus deiner Sicht etwas gegen Lc5 gegen frühes d3? Nach d6 ist der Läufer ja eingesperrt und d6-d5 hat Schwarz ja auch oft nicht zur Befreiung. Nicht dass der Läufer dann eine ganz schlechte Figur wie der andere Läufer im Franzosen wird...


Carl Schlechter (verstorben 1918) und Mitarbeiter meinten in der 8. Auflage des Bilguer von 1922:

5. d3 Lc5 - fragwürdig bis schlecht, weil Weiß mit Le3 seinen Läufer entgegenstellt und sich bei Abtausch die f-Linie öffnet.
Was soll ich dazu noch sagen? Hm, 6. Le3 Lb6 kostet Schwarz ein Tempo, was sich mit 6. Le3 d6 vermeiden ließe. Danach muß man die Struktur nach 7. Lxc5 dxc5 bewerten, die ich aus dem kopf heraus als nicht so nachteilig für S ansehe - bin aber deutlich schlechter als Schlechter und Co.

Mal sehen, was andere Quellen so schreiben, aber zunächst zur Befürchtung von Strat wegen des schlechten Läufers: auf e7 vermeidet/mildert er deutlich die Fesselung mit Lg5.
Die Zentumsstruktur ist im spanier noch nicht so zementiert wie im Franzosen. Erst bei z.B. weißem d3-d4-d5 droht der Läufer richtig und dauerhaft schlecht zu werden.

Keres und/oder Mitarbeiter schreiben zu 5. d3 (Stand 1973):

"Diese feste, zurückhaltende Spielweise wurde gern von Anderssen angewandt, später bediente sich ihrer oft Steinitz (ich glaube, das ist auch aus dem alten Bilguer abgeschrieben).
Indes sind mit dieser recht passiven Fortsetzung keine Lorbeeren für Weiß zu holen...
Auf sofort 5. ... Lc5 ist 6. Le3 eine gute Erwiderung." das wars.

Suetin meint zu 5. d3 (Stand 1988):

"Eine wahrhaft historische Fortsetzung, wurde sie bereits von Anderssen und Steinitz angewandt. Heutzutage ist sie vor allem dann anzutreffen, wenn Weiß die bis ins Detail ausanalysierten Hauptvarianten vermeiden möchte. Ihr Vorzug ist, daß sie der Stellung bedeutende Stabilität verleiht, ihr mangel eine gewisse Passivität. weiß darf folglich trotz guter und fester Position kaum auf Eröffnungsvorteil hoffen (da denkt sich stoppel, daß dies wohl auch für Schwarz gilt und eben der bessere Spieler entscheidet).
5. ... Lc5, 6. Le3!"

Die Enzy 2. Auflage 1981 schreibt in C77/ 1. Abspiel (Bearbeiter Matanovic):

5. d3 Lc5, 6. c3 b5, 7. Lc2 d5, 8. exd5 Sxd5, 9. h3 0-0, 10. 0-0 h6, 11. Sxe5 Sxe5, 12. d4 Ld6, 13. dxe5 Lxe5 =

und 5. d5 Lc5, 6. Le3 de7, 7. Sc3 Sd4, 8. 0-0 0-0, 9. Lxd4 exd4, 10. Se2 d5, 11. exd5 Lg4 mit Kompensation

So, Strat, nun bist Du an der reihe die neueren Quellen und Einschätzungen einzustellen.
Ich habe erst einmal Teile der Vergangenheit bemüht.
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Re: Was tun gegen "Spielverderberei" im Spanier?

Beitragvon klötzchenschieber » Fr 26. Jun 2009, 16:03

Suetin hat so oft bei Keres abgeschrieben, dass man das nicht als eigene Quelle werten kann...
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