Im offenen spanier hat weiss 2 hauptvarianten, 9.c3 und 9.Nbd2. Der erste zug wird normalerweise die Hauptvariante genannt, während der zweite meinstens die Karpov-Zaizev-variante genannt wird, aus praktischer sicht kann man heute aber sagen dass der zweite zug viel öfters gespielt wird.
Ein theorie-freund mit den schwarzen steinen würde wohl 9.c3 Bc5 und 9.Nbd2 Nc5 10.c3 d4 spielen, beide spiele führen zu scharfen spiel wo theorie-wissen wichtig ist und beide variante führen bei "bestem theoretischen spiel" zu eindspiel-possitionen mit eigenartigem materiellen "gleichgewicht" (entweder turm für 2 leichtfiguren + "druck" oder 2 verbundene freibauern für leichtfigur).
Auf clubniveau (und noch einiges höher) ist das lernen dieser beiden theorie-variante aber wohl eine kleine zeitverschwendung, nach 1.e4 e5 kommt eher selten spanisch aufs brett und falls es mal aufs brett kommt spielen viele die abtauschvariante. von daher entschied ich mich dafür, die etwas untheoretischere berliner variante zu spielen:
9.c3 Nc5 10.Bc2 Bg4
9.Nbd2 Nc5 10.c3 Bg4
Krasenkov gibt in seinem buch von 1995 die hauptzugfolge
9.c3 Nc5 10.Bc2 Bg4 11.Nbd2 Be7 12.Re1 und danach 2 kapitel zu je 12...0-0 13.Nf1 Bh5 und 12...Qd7 13.Nf1 Rd8 und kommt zu der schlussfolgerung dass schwarz gedrückt steht, in einer notiz steht aber dass 12...0-0 13.Nf1 Re8!? eine gute idee von yussupov ist und es schwer zu sagen ist ob dies besser ist als 13...Bh5, schwarz steht in dieser variante weniger gedrückt muss aber oft den d-bauern opfern.
Flear in seinem buch von 2000 hat eine ganz andere zugfolge:
9.c3 Be7 10.Nbd2 Nc5 11.Bc2 Bg4 12.Re1
er nennt dies die klassische variante und hält 10...0-0 für eine nebenvariante, er "zeigt", dass 12...0-0 13.Nf1 Re8 (13.Bh5 sei ungenau) zu ausgleich führt und 12...Qd7 leichten vorteil für weiss gibt.
Erstens mal glaube ich Flear nicht, wenn diese variante so einfach ausgleich gibt, wieso haben sowohl kortschnoi wie auch anand die komplikationen nach 9.Nbd2 Nc5 10.c3 d4 11.Ng5 bei ihren WM-matchs in kauf genommen?
wieso haben beide bücher 9.c3 als hauptvariante, wo doch heute jeder 9.Nbd2 spielt?
wenn ich in meiner datenbank (alle spiele mit beiden spieler 2300+ elo) schaue, dann scheint diese possition am wichtigsten sein:
9.Nbd2 Nc5 10.c3 Bg4 11.Bc2:
hier habe ich 3 "gute" schwarzen möglichkeiten:
- 11...Be7: 28x, 57.1%
- 11...Ne6: 26x, 61.5%
- 11...Qd7: 23x, 60.8%
interessant finde ich aber 11...Ne6, die idee ist, den läufer auf das aktivere feld c5 zu stellen. Dies scheint eine spezialität von sokolov zu sein, welcher damit dies sehr oft gespielt hat. sowohl krasenkov wie auch flear halten nicht viel von diesem zug, krasenkov meint er passe nicht zur restlichen "harmonischen" aufstellung von schwarz und dass 12.Re1 Bc5 13.a4! sehr gut sein, flear meint schwarz verliert zu viel zeit und gibt 12.Re1 Bc5 13.Nb3. interessanterweise hat meine datenbank kein spiel mit 13.a4 und nach 13.Nb3 nur eine verlustpartie, von Flear selbst! Der hauptzug in meiner datenbank ist 13.Nf1 was von Flear "vergessen wird" und von Krasenkov als ungefährlich für schwarz angesehen wird. evtl ist diese idee doch nicht so schlecht?
11...Qd7 wurde von den schwergewichtern Anand und Ivanchuk gespielt, kann also gar nicht so schlecht sein...
die frage ist jetzt, was spielen? ich weiss nicht genau ob ich 11...Be7 oder 11...Ne6 vorziehen soll, 11...Qd7 ist mir irgendwie etwas zu riskannt, aktionen im zentrum bevor man rochiert hat mögen gut gehen wenn man anand oder ivanchuk heisst weil man alles perfekt durchrechnen kann, aber ich habe meinen könig doch lieber in sicherheit...
