Skandinavisch mit 5. d3

Skandinavisch mit 5. d3

Beitragvon linkinkev » Mi 17. Aug 2011, 22:22

Hallo zusammen,
ich habe mir nochmal meine Partien vom Mülheimer Urlaubsopen angesehen und bin, neben taktischen Unfähigkeiten und einer erschütternden Najdorf-Partie vor allem auf meine absolut grausige und ideeenlose Behandlung des Skandinaviers mit 2. ... Dxd5 aufgefallen.

Im Zuge dessen ist mir die Videopartie von Latvian_Gambit wieder eingefallen und ich habe mir diese nochmal angesehen. Wer sie sich nochmal ins Gedächtnis rufen will, hier das Video



Nun sieht die Partie natürlich sehr schön und sehr flüssig aus.
Schwarz spielt seinen normalen Skandinavisch-Aufbau und wird für diesen hart bestraft.

Jedoch ergeben sich für mich nun mehrere Fragen:

- Schwarz gibt mit Lg4-h5-g6 eine wichtige Angriffsmarke für Weiß aus und verhilft Weiß zusätzlich noch diverse Bauernsturmtempi.
Kann weiß den Bauernsturm genauso durchziehen, wenn Schwarz etwas wie Ld7 oder eventuell sogar sowas wie Lb7 spielt (ich habe von der Theorie keine Ahnung, ich weiß nicht, ob es so einen Aufbau im Skandinavier gibt.)

- Was ist der konkrete und wichtige Unterschied von d3+De2 gegenüber d4+De2?
Das Feld e4 ist überdeckt, ist dies in diesem Aufbau elementar?

- Was kommt gegen einen "Langweiler-Aufbau" mit c6-Dd8-Sf6-Lf5-e6-Sbd7-Le7?

- Latvian_Gambit erwähnt im Video, dass Nigel Short diesen Zug eingeführt bzw. zumindest interessant behandelt hat. Gibt es dort wichtige Beispielpartien, die man sich dringend ansehen sollte?
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Re: Skandinavisch mit 5. d3

Beitragvon Jupp53 » Mi 17. Aug 2011, 23:06

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Diese beiden Partien sind schnell gefunden. Hat jemand mehr zu bieten?
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Re: Skandinavisch mit 5. d3

Beitragvon Latvian Gambit » Do 18. Aug 2011, 15:50

Hier kann ich mich natürlich zu Wort melden, ich spiele das System andauernd.
Von Schwarz gespielt werden fast ausnahmslos folgende drei Aufbauten:
a) c6 nebst Lg4 (meine Blitzpartie. Kommt sehr oft)
b) c6 nebst Lf5 (Kommt oft)
c) Sc6 Aufbau (Kommt auch vor: von vor allem guten Skandinavischspielern (ja, die scheint es zu geben :D ))
(d) a6 wie in der zweiten Nigel-Partie von Jupp angegeben, ist gar nicht so dämlich, aber besser mit der Absicht: 5.Ld2 Df5! nebst Le6! abtauschen usw. Das ist ein interessanter Plan für Schwarz, wenn er denn geht, da das Manöver leicht wacklig anmutet)

"a)" ist sehr nett für Weiß.
4.Lc4 Sf6 5.d3 c6 6.Ld2 Dc7 (Manche lassen die Dame provokant auf a5 stehen. 6. ...Lf5 7.De2 Sbd7?? 8.Sb5! 1-0. Ansonsten spielt man bei 7. ...e6 analog zur "b)" Variante, h3+g4 und f4 hinterherschieben und gut stehen)
7.De2 Lg4?! 8.f3 Lh5 9.g4 Lg6 10.f4. Gute Stellung! Beispiel: 10. ..h5? (10. ...e6?? 11.f5 1-0) 11.f5 Lh7 12.g5 Sg4 13.Lxf7+ usw.

"b)" ist genauso nett für Weiß. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass der auf den ersten Blick zahm anmutende Lc4+d3 Aufbau die schwarze "Skandinavisch-Schablone" "verhindert"!! Du fragtest was der Unterschied zwischen d4 und d3 ist, nun, ohne ins Detail gehen zu wollen ist Augenscheinlich, dass ein Lf5-Lxc2 nie ein Thema ist hier. Zudem funktioniert das Caro-Kann-Skandinavisch-Zentrums-Anknabbern à la c5(e5) nicht, da Weiß anstatt direkter Bauernkontrolle mit d4 sich lieber fluffig mit d3 hingestellt hat :)
Der Plan von Weiß bei einer schwarzen Stellung mit c6, Dc7, Lf5 ist h3+g4 und f4 in einem Zug! Gute Stellung!
Oft kann Weiß nach Vorbereitung und guter Postierung der Figuren (Te1/de2 usw) auch an Opfer gegen e6 denken oder auf Brechstangen-f4-f5-Ideen hinarbeiten.

Will Schwarz also gutes Schach spielen, so muss er geschickter vorgehen.
Die Idee a6!? nebst Df5+Le6 fiel mir eben erst auf. Short-Cherniaev mit 5. ...a6 6.Ld2 c5 gefällt mir nicht, Nigel steht da einfach etwas besser. 6. ...Df5!? 7.Sge2 Le6 ist ein nettes Motiv. Etwas gekünstelt, weshalb fast niemand auf diesen Plan hinarbeitet, aber für mich sehr logisch. Langsam das Gift (Lc4) aus dem weißen Spiel rausnehmen. Muss ich hier selbst mal irgendwann ein bisschen reinschauen :)

Ich hatte immer das Gefühl, dass die cleveren Skandinavischspieler zu 5. ...Sc6 ("c") greifen. Und das aus gutem Grund. Denn der Plan Sc6, Lc8 raus, dann 0-0-0 und e5, Da5 schwenkt zum KF ("Wikingerplan" oder so. Whatever.)

Zudem: 5. ...Sc6 hier ist 6.Ld2 mit einem Nachteil verbunden. Richtig: 6. ...Df5 nebst Le6! 6.Sge2 ist flexibler, joa und dann mal selbst schauen und eine normale Schachpartie spielen.

Ach, du wolltest wissen was man gegen einen passiven Langweileraufbau spielt. Ich würde die Figuren großzügig entwickeln, an h3+g4+f4 denken, 0-0-0, Sf3. Sieht doch nett aus!

Soweit was mir grad spontan dazu einfiel. Ist keine Mega-Theorie-Variante sondern eher ein Entwicklungsschema, also genau das richtige für dich Linkinkev! Aber erzähl von dem System nicht so viel rum, sonst gehen irgendwann die Skandinavisch-Opfer aus :cry: ;-)
(23:37:13) linkinkev: keiner von diesen 3 honks [Svidler, Gashimov, Karjakin ] soll jemals in die Nähe des WM-Titels kommen!!!
(23:37:19) Latvian_Gambit: lol
(23:37:21) Latvian_Gambit: wieso?
(23:37:40) Peloton: weil da Schirow hingehört

wie wahr.
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