Blueoct hat geschrieben:Ich habe lange ziemlich viel gegen e4 gespielt und ausprobiert, jetzt bin ich endgültig beim Sveshnikov gelandet, jetzt gehts ans Repertoire bauen.
Im Laufe meines Repertoireaufbaus werde ich natürlich die ein oder andere Frage haben, ich hoffe ihr könnt mir dann ein wenig auf die Sprünge helfen (andere Sveshnikovspieler können hier selbstverständlich auch fragen).
Ich habe gleich selbst mal ein paar Fragen:
a) Was spielt man gegen 3.Sc3 am besten?
b) In der HV kann man ja 10. ...f5 oder 10. ...Lg7 spielen, welche Fortsetzung ist grad in Mode und warum?
c) Vor ein paar Jahren war doch auf Topniveau Sveshnikov sehr sehr beliebt, warum hat sich das geändert? Kann sein, ich täusche mich, aber es werden doch auf TopLevel im Moment weniger Sveshnikovpartien gespielt als zB vor ein paar Jahren?!
MFG Blueoct
a1) Die Top-GMs spielen hier im Allgemeinen 3...e5 und unterbinden dabei weißes d4 endgültig. Die Stellung ist im Vergleich zu Svesh aber recht statisch, also nichts für furioses Angriffsspiel.
a2) Im Sinne eines ambitionierten Sveshnikov-repertoires ist hier 3...Sf6 der angebrachte Zug. Wenn Weiß nicht reumütig zum Sveshnikov zurückkehrt, wird er 4.Lb5 ziehen (4.e5 Sg4 5.De2 d6 6.exd6 e6 ist, soweit ich weiß, nicht gefährlich für Schwarz). Die Hauptvariante lautet hier 4...Dc7. Willst du das SPiel weiter aus dem Gleichgewicht bringen (was mit Svesh übereinkommt), kannst du hier recht provokant 4...g6 ziehen.
a3) Mit 3...e6!? kann man nach 4.d4 noch über die klassische Umgehungsstraße zum Sveshnikov gelangen (4..cxd4 5.Sxd4 Sf6 6.Sd-b5 d6 7.Lf4 e5 8.Lg5 a6 9.Sa3 b5). Hier muss man sich natürlich noch was gegen 6.Sxc6 (...bxc6 7.e5 Sd5 8.Se4 Lb7!? Kasparovremis oder das ambitionierte 8...Dc7 9.f4 Db6 10.c4 Lb4+) und 4.Lb5 (4...Sg-e7 oder 4...Sd4 [5.Sxd4? cxd4 6.Se2 Dg5! -/+]) überlegen.
b) Eine gute Frage. 10...f5 ist etwas gehaltvoller, da es mehr Figuren auf dem Brett lässt, während 10...Lg7 (Idee Se7) auf Entlastung setzt. Lg7 ist weniger Theorie, dafür muss man diese in den wichtigsten Stellungen auch sehr gut kennen (z.B. Radjabovs Bauernopfer mit d5. Grundsätzlich würde ich sagen, dass Lg7 eine etwas technischere behandlung erfordert, weniger Ungleichgewicht provoziert und schwerer auf Sieg zu spielen ist. Aus diesem Grund denke ich, dass f5 mehr in Mode ist.
Ansonsten ist, wie JerryCotton richtig sagt, im Moment sowieso 9.Sd5, 10.Lxf6 die gängige Mode, weil die meisten Bücher hier leichtes Spiel suggerieren.
@JerryCotton:
9.Sd5 Da5+ ist zwar eine Überraschungs-remiswaffe, 10.Ld2 Dd8 11.c4 ist aber soweit ich weiß mittlerweile bis zu einem Punkt analysiert, an dem das kein Schwarzer mehr spielen will (wer spielt schon von vornerein mit Da5+ auf die beiden Ergebnisse remis oder niederlage?

)
c) Ja, es war mal sehr in Mode. Die Theorie wurde sehr stark ausgelötet und mittlerweile ist es hier auf GM-Niveau wohl einfach schwerer, hochgradige Verbesserungen zu finden - die "Playability" nimmt für die Top-GMs ab. Da ich aber nicht mit den Gedankengängen des Super-GM-Kollektivs vertraut bin, kann ich dir auch nicht sagen, warum manche Eröffnungen bei denen generell in Mode sind und andere nicht.
She gets upset and lashes out at him for letting himself be crushed by the weight of the world and wasting away his own life worrying about things beyond his control.
However, this is what chess should be like: rich and difficult.
- Tiger H. Persson