Endspiel Tum mit A und C Bauer gegen Turm

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Endspiel Tum mit A und C Bauer gegen Turm

Beitragvon JerryCotton » Fr 23. Okt 2009, 14:25

Ich poste hier einmal eine selbstgebaute Analyse. Es wäre schön, wenn jemand die Züge einmal kommentieren könnte. Nach welchen Plänen müssen Schwarz und Weiß vorgehen. Wir haben in unserer Analyse ja größtenteils nach Gefühl gespielt.
Dateianhänge
Endspielanalyse.pgn
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Re: Endspiel Tum mit A und C Bauer gegen Turm

Beitragvon TheKillerGrob » Fr 23. Okt 2009, 18:01

Das gleiche Endspiel hatte ich auch einmal in einem Teamleague-Game gegen Maeck:http://mekk.waw.pl/mk/watchbot/search/advanced; dieses endspiel ist für Schwarz absolut gewonnen (was mich nicht daran hinderte,dies noch zum Remis zu vergeigen). Die Stellung nach dem 60.Zug in eurer Analyse ist Remis, weil der Bauer auf der 5.Reihe steht und (!) sich der verteidigende König auf der kurzen Seite befindet. Folgende Regeln kann man angeben:
[*]Ein Bauer auf der fünften Reihe oder darüber hinaus gewinnt, wenn der verteidigende König auf der langen Seite um 1 Linie abgeschnitten ist.
[*]Ein Bauer auf der vierten Reihe gewinnt, wenn der verteidigende König auf der langen Seite um 2 Linien abgeschnitten ist.

Wenn die angreifende Seite über 2 verbundene Freibauern verfügt ist die Sache einfach, schwieriger wirds ,wenn beide Bauern Turm-und Springerbauern sind, das ist das härteste für die angreifende Seite; bei einem Randbauern muss man eh immer aufpassen, da bei diesen oft Ausnahmeregeln in Kraft treten , Silman nennt das "Rook-Pawn-Curse". Das vorgehen bei den 2 Bauern wie in der Analyse ist, die Bauern vorrücken und als Schutzschild für den Köning nutzen, wenn möglich den verteidigenden König auf die lange Seite abdrängen, aber selbst auf der kurzen Seite ist es bei 2 Bauern hoffungslos, man muss nur auf Patt-Tricks achten, so wie in meiner Partie geschehen. So, ich hoffe, damit konnte ich etwas weiterhelfen.
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Endspiel Tum mit A und C Bauer gegen Turm

Beitragvon stoppelhoppler » Fr 23. Okt 2009, 20:17

Vor einigen Wochen habe ich mich mit diesem Endspieltyp "Läufer- und Turmbauer" - zumeist f + h in Praxis und Literatur - beschäftigt und einiges Material zusammengestellt.
Die Menge und der Bearbeitungsaufwand ist aber sehr hoch, wenn man das Vorgehen und die Fehler selbst der Meister verständlich beschreiben und sortiert vortragen will.

Grundsätzlich gilt:

Der verteidigende König darf nicht abgeschnitten sein von den Bauern und er darf auch nicht auf der letzten Reihe abgeschnitten werden (Mattgefahren neben Umwandlungsdrohungen).
Der verteidigende Turm wechselt von Seitenschachs zu Schachs von hinten.
Das "Feintuning" ist hier nicht gerade einfach, wie etliche Meisterpartien lehren.
Der verteidigende König blockiert vornehmlich den Läuferbauern und erst den Turmbauern, wenn er andernfalls auf die letale letzte Reihe zurückweichen müßte.
Dies ist nicht ganz eingängig, weil der König vor dem h-Bauern ja auf der richtigen kurzen Seite gegenüber den f-Bauern steht.

Wenn der verteidigende König den Randbauern blockieren muß, dann muß der Verteidiger aufpassen, daß der angreifende König nicht bei gleichzeitiger aktiver Turmstellung nach f7 (bzw. f2, c7, c2) eindringt. Hier ergeben sich dann Gewinnstellungen bzw. (gerade noch) Remisstellungen mit dem Solo-Läuferbauern.

Eine vielfach zitierte Musterverteidigung ist die Partie Smyslovs gegen Gligoric von 1949(?).
Allerdings kann man dem Verteidiger auch etwas schwierigere Probleme stellen, wie dies später anderen GMs gelang. (Partie von 1947 in Moskau, schwieriger für den Verteidiger die Aufstellung von Keres aus dem gleichen Turnier).

Eine interessante Partie der Irrungen und Wirrungen in diesem Endspiel ist Nogueiras gegen Dominguez von ca. 2004. (richtig 2006)
Es war wohl eine Finalpartie im KO-Wettkampf um die kubanische Meisterschaft.
Nogueiras ließ sich ohne Not auf der letzten Reihe abschneiden.
Dominguez erreichte somit eine Gewinnstellung und versuchte bei begrenzter Bedenkzeit und wahrscheinlich Inkrement, den Gewinnweg zu finden (mehrere Ziehzüge dienten offensichtlich der Zeitakkumulation), wobei er scheiterte.
Wenn man die Gewinnverfahren nicht parat und eintrainiert hat, sind diese nicht so leicht zu errechnen unter Zeitdruck.
Dominguez gab einen Bauern an der falschen Stelle und sie erreichten ein "einfaches" Turmendspiel, das dann wiederum Nogueiras (immerhin ehemals im Kandidatenturnier) doch etwas grob wegstellte.

Zwischenergebnis: Dieses Endspiel ist härteste Arbeit für beide Seiten und ohne intensives Studium der Lehrbücher für Amateure nicht zu bewältigen.
Auch wenn Dworetzki/Jussopow in einigen Werken eine Anleitung für "Dummies" geben, fürchte ich, daß diese Anleitung in der Praxis schnell von konkreten Zweifeln begleitet wird, wenn der Gegner Plan a, b oder c wählt. Es gibt da doch einige Feinheiten selbst für großmeisterliche Verteidiger.

Arbeitshinweise:

Aus Datenbanken kann man mit Materialsuche sehr schnell diese Endspielart herausfiltern.
Dann nehme man sich die Partien von bekannt starken Spielern und untersuche die Gewinnpartien. Mit den Tablebases kann man ja sehr schnell kontrollieren, wer wann gefehlert hat und dies dann mit den Grundsätzen zu diesem Endspiel vergleichen, die man sich vorher aus der Endpiel-Uni oder älteren Werken geholt hat.

Zur konkreten Partie:

In der tatsächlichen Partiefolge gefällt mir die Verteidigung 54. Ta1 gar nicht.
In Turmendpielen gehört der Turm grundsätzlich seitlich weit weg bzw. ganz weit hinter die Bauern (jeweils für störende Schachgebote).
Der verteidigende Turm vor den Bauern ist fast immer grausam - es fehlen eben die rettenden Schachs .
Shredderbase zeigt zwar hier immer noch = an, doch dürfte die weitere Verteidigung für einen Menschen ohne tablebases bald unlösbar werden. (Kann man sehr schön selber durchspielen und sehen, wann man einzige Züge finden muß oder recht natürliche Züge schon verlieren!)
Der "richtige", weil systemgerechte Zug ist daher 54. Th1 aus weißer Sicht.

Änderungen in blau am 25.10.09
Zuletzt geändert von stoppelhoppler am So 25. Okt 2009, 20:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Endspiel Tum mit A und C Bauer gegen Turm

Beitragvon JerryCotton » Sa 24. Okt 2009, 00:41

TheKillerGrob hat geschrieben:[*]Ein Bauer auf der fünften Reihe oder darüber hinaus gewinnt, wenn der verteidigende König auf der langen Seite um 1 Linie abgeschnitten ist.
[*]Ein Bauer auf der vierten Reihe gewinnt, wenn der verteidigende König auf der langen Seite um 2 Linien abgeschnitten ist.

aber selbst auf der kurzen Seite ist es bei 2 Bauern hoffungslos, man muss nur auf Patt-Tricks achten, so wie in meiner Partie geschehen. So, ich hoffe, damit konnte ich etwas weiterhelfen.


Die Lehrsätze kannte ich noch nicht und sind sicherlich hilfreich eine Stellung einzuschätzen.
Das mit dem Hoffnungslos ist definitiv nicht richtig. Denn wie ich in meiner Analyse schreibe zeigt die Tablebase die gesammte Zeit remis an.

stoppelhoppler hat geschrieben:Der verteidigende König darf nicht abgeschnitten sein von den Bauern und er darf auch nicht auf der letzten Reihe abgeschnitten werden (Mattgefahren neben Umwandlungsdrohungen).
Der verteidigende Turm wechselt von Seitenschachs zu Schachs von hinten.
Das "Feintuning" ist hier nicht gerade einfach, wie etliche Meisterpartien lehren.
Der verteidigende König blockiert vornehmlich den Läuferbauern und erst den Turmbauern, wenn er andernfalls auf die letale letzte Reihe zurückweichen müßte.
Dies ist nicht ganz eingängig, weil der König vor dem h-Bauern ja auf der richtigen kurzen Seite gegenüber den f-Bauern steht.


Ok, dass war eine der kritischen Fragen in unserer Analyse. Welchen Bauern verteidige ich mit dem König. Und wann verteidigt der Turm von der Seite, wann dann von hinten.

stoppelhoppler hat geschrieben:Eine vielfach zitierte Musterverteidigung ist die Partie Smyslovs gegen Gligoric von 1949(?).
Allerdings kann man dem Verteidiger auch etwas schwierigere Probleme stellen, wie dies späteranderen GMs gelang.

Eine interessante Partie der Irrungen und Wirrungen in diesem Endspiel ist Nogueiras gegen Dominguez von ca. 2004.


Das beruhigt mich etwas ;). Dachte so ein Endspiel könnte durch befolgen relativ einfacher Grundsätzen von GMs gehalten werden. Werde die Partien mal heraussuchen und hier dazu posten.
Die konkrete Partie hatte ich allerdings eher zur belustigung, denn zur Analyse dazu gepostet. Es war die Zeitnotphase einer 3 min Blitpartie ;). Interessanter wäre es ungenauigkeiten in unserer Analyse aufzuzeigen bzw. zu erklären.
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Re: Endspiel Tum mit A und C Bauer gegen Turm

Beitragvon JerryCotton » Sa 24. Okt 2009, 06:06

Ich habe sowohl meine Million Datenbank sowie chesslab.com durchsucht. Leider kann ich die erwähnte Partie von Smyslov und Gligoric nirgends finden.
Auch die ander Partie scheint nicht in der Million Base zu sein. Über Namen und Material zumindest nicht zu entdecken.
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Endspiel Tum mit A und C Bauer gegen Turm

Beitragvon stoppelhoppler » Sa 24. Okt 2009, 09:17

Okay Jerry, ich werde meine Arbeitsdatei im Rohzustand an diesem Wochenende mal einstellen. (muß leider noch etwas verschoben werden)

Gligoric-Smyslov findest Du als Beispiel meines Wissens in allen (!) Endspielwerken:
Awerbach, Keres, Cheron, Pachman und natürlich in der Uni von Dworetzky.
"Effektives Endspieltraining" von Pöffi und Mark beschreibt die Verfahren recht ausführlich.
Dazu Keres-Sokolski (selbes Turnier!), das die vllt. für den Verteidiger unangenehmste Aufstellung des Angreifers zeigt. Ebenfalls in den Endspielwerken enthalten und erläutert.

Die richtigen Daten sind allerdings Moskau 1947. Damit sollte die Partie in jeder größeren Datenbank auffindbar sein.
Die "Kubapartie" stammt aus 2006 und ist bestimmt in jeder TWIC-Sammlung, die man sich so zusammenstellt, enthalten. Über 100 Züge.

Den Wechsel von Seitenverteidigung zur Verteidigung von hinten wollte ich selbst noch herausarbeiten.
Erster Leitfaden: Man verteidigt grundsätzlich so lange seitlich (Schach, Fessselung des Läuferbauern), wie der Gegner es erlaubt.
Droht die Absperrung des eigenen Königs auf der letzten Reihe, dann ist rechtzeitig auf die Verteidigung von hinten umzustellen. Hierbei dürfte der Läuferbauer so weit vorgerückt sein, daß er die Absperrung des verteidigenden Königs unterstützt, aber dem eigenen König keinen ausreichenden Schutz mehr von hinten gegen Schachs bietet.
Rechtzeitig ist hier natürlich der kritische Punkt.

Man sollte auf jeden Fall mit der Verteidigung bzw. Gewinnführung eines singulären Läuferbauern im Turmendspiel vertraut sein (kurze Seite, lange Seite, Seitenschachs, Karstedt-Stellung mit Bauern auf der 5.).

Grundsätzlich kann der Angreifer einen Übergang in diesen Endspieltyp erzwingen.
Zuletzt geändert von stoppelhoppler am So 25. Okt 2009, 20:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Endspiel Tum mit A und C Bauer gegen Turm

Beitragvon elvis » Sa 24. Okt 2009, 09:41



Kurzer Blick in die Datenbank förderte noch einige andere Partien mit derselben Thematik zutage, z.B. vom selben Turnier Keres - Sokolsky, wo Weiß gegen mangelhafte Verteidigung gewann:

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Re: Endspiel Tum mit A und C Bauer gegen Turm

Beitragvon Jupp53 » Sa 24. Okt 2009, 11:50

Vom Thema selbst habe ich keine Ahnung. Die Erinnerung sagt mir aber: Es gibt von Botwinnik Arbeiten zu dem Thema h- und f-Bauer. Das wurde dann mehrfach in der Literatur aufgegriffen.
Mein Schachblog: http://patzer53.wordpress.com

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Endspiel Tum mit A und C Bauer gegen Turm

Beitragvon stoppelhoppler » Fr 30. Okt 2009, 19:09

Die letztlich entscheidende Partie der EMM zwischen

:mrgreen: Vugar Gashimov :!: :arrow: Daniel Stellwagen

nahm in der Schlußphase auch das Thema Läufer- und Randbauer an.
Die eigenen Bauern der verteidigenden Seite (Stellwagen) spiel(t)en dabei eine untergeordnete Rolle.

Ein eigener Bauer ist für den Verteidiger häufig weniger nützlich, als man denkt.
Zur Orientierung sei auf Kramnik-Beljawski Groningen 1994 hingewiesen.
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Re: Endspiel Tum mit A und C Bauer gegen Turm

Beitragvon TheKillerGrob » Sa 14. Nov 2009, 19:35

Heute hat Carlsen nochmal gezeigt, wie man das gewinnt:
http://livechess.chessdom.com/site/
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