Schottisch - Mieses Variante mit 8. ... La6

Schottisch - Mieses Variante mit 8. ... La6

Beitragvon Dragonfighter » Mi 3. Aug 2011, 02:24

Hallo zusammen :)

Da ich gerade nichts zu tun habe und die einmalige Chance sehe, den ersten Beitrag im Schottisch-Forum zu stellen dachte ich mir, dass ich mal eine Diskussion zur Mieses-Variante im Schotten starte.
Nicht zu irgendeinem Teil der Mieses-Variante sondern zu der wohl meistgespielten (zumindest seit der Gustafsson-DVD ;) ) Variante:

1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sxc6 bxc6 6. e5 De7 7. De2 Sd5 8. c4 La6 9. b3 g6



Hier gibt es wohl im wesentlichen drei bedeutende Optionen für Weiß:
A) 10. La3
B) 10. g3
C) 10. Lb2
D) 10. f4

A) 10. La3 hat den Nachteil, dass es zu einem etwas seltsamen Endspiel führt nach 10. ... d6 11. exd6 Dxe2+ 12. Lxe2 Lg7! 13. cxd5 Lxe2 14. Kxe2 Lxa1 15. Tc1 0-0-0!!


Der beste weiße Zug scheint nun 16. f4 zu sein um dem schwarzfeldrigen Läufer das Feld e5 zu nehmen. Das Endspiel ist meiner Ansicht nach aber höchstens ausgeglichen (sieht Gustafsson übrigens auch so bloggt er in "Wie kilt man Schottisch"). Nicht unbedingt das, was man mit den weißen Steinen anstrebt.

B) 10. g3 hat den Nachteil, dass man in das typische Schottischendspiel gezwungen werden kann: 10. ... Lg7 11. Lb2 0-0 12. Lg2 Tae8 13. 0-0 Lxe5 14. Lxe5 Dxe5 15. Dxe5 Txe5 16. cxd5 Lxf1 17. Kxf1 cxd5 18. Sc3 c6



Auch nicht unbedingt die angenehmste Wahl wenn man als weißer auf Sieg spielen möchte finde ich.

C) 10. Lb2 führt laut Emms nach 10. ... Lg7 11. Sd2 Sb4!? 12. Sf3 c5 13. g3 0-0 14. Lg2 d5! zu gutem Gegenspiel für Schwarz.
Die von ihm gegebene Verbesserung 12. Se4!? mag nach 12. ... 0-0 (siehe Diagramm) auch nicht sonderlich schmecken weil man sich als weißer irgendwie überlegen muss, wie man seine Figuren jetzt entwickelt und den e5 deckt. Ich würde zumindest Schwarz bevorzugen.



D) 10. f4 hat den Nachteil, dass Gustafssons Neuerung 10. ... d6 relativ stark zu sein scheint.
Nach 11. Df2 Sf6 12. Le2 dxe5 13. La3 De6 14. 0-0 Lxa3 15. Sxa3 0-0 16. fxe5 Sd7 sehen die schwarzen Bauern zwar etwas wackelig aus aber der Mehrbauer sollte das ohne Probleme kompensieren.


Insgesamt sieht meiner Ansicht nach keines der Mieses-Systeme besonders gut aus für Weiß finde ich.
Eher gerät man als weißer in die unangenehme Lage, dass Remis abklammern zu müssen.
Was meint ihr dazu?
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Re: Schottisch - Mieses Variante mit 8. ... La6

Beitragvon Geck0tierchen » Sa 6. Aug 2011, 14:50

Ich wurde in einer Turnierpartie bislang noch nicht mit Mieses konfrontiert. Da in meiner Spielstärkeregion sowie im Schnellschach eher die aktiven Alternativen ...Dh4 (a3!), O-O-O (g3!) und g5 (h4!) gespielt werden, habe ich bei g6 auch eher wenig Erfahrung. Mehr außer "f4 und dann gucken" war mir bis zu dem Gustafsson artikel auch nicht bekannt. Dieses Posting fokussiert eben genau diese Gustafsson variante (f4 d6).

Ich habe erst einmal die 3 Werke (Emms: "Starting Out: the scotch game", Barsky: "Scotch game for white" und Dembo/Palliser: "the scotch game") bezüglich der Info angeschaut. Zu deiner Aufzählung an Zügen kann man höchstens noch 10.De4? und 10.Sd2 ergänzen, wobei 10.De4 zum einen nach 10..Sf6 zur Zugwiederholung führen oder mittels 10...f5! direkt bestraft werden kann, wohingegen 10.Sd2 nach Lg7 11.Lb2 direkt zu der dir angegebenen Variante führt.

Da Barsky ein Repertoirebuch ist, besieht er hier nur 10.f4 und analysiert hier Db4+, f6, Lg7, g5 und O-O-O, "übersieht" aber Gustafssons d6.

Da Emms ein (hervorragendes) Überblicksbuch schreibt, deckt er natürlich viele Zugideen, darunter auch 10...d6!? ab. Das Buch ist von 2005, damals gab es zu dem Zug noch keine Partien.

Da Dembo den Versuch einer Monographie unternimmt, deckt sie mehr oder weniger alles ab, darunter sogar Lh6?!.

Nach eingehender Lektüre habe ich in diesen Büchern aber keine große Hilfe gefunden. Wem das unbalancierte Qualitätsopfer auf a1 mittels exd6 nicht zusagt, der muss sich mit 11.Df2, 11.Lb2 o.ä. auseinandersetzen.

Nachdem ich auf dem Brett ein bisschen herumgegrübelt habe, meine ich das Dilemma erkannt zu haben:

Nach 10.f4 Lg7?! erhält Weiß eine angenehme Stellung, angefangen mit 11.Df2 Sf6 12.Le2. Wenn jetzt 12...d6, dann hat Weiß neben den sehr verlockenden Opfern Lf3! und O-O!? auch noch 13.La3, was auch leichten vorteil verspricht.

Nach 10.f4 d6!? scheint Schwarz in jeder Variante das "richtige" Tempo zu sparen! Spielt man nun z.B. 11.Lb2 Lg7 12.Df2 Sf6, so hat man jetzt weder Lf3, O-O oder La3 sondern das schüchterne Lb2 gespielt. Nach 11.Df2 Sf6 hingegen hat man Lg7 gespart!

Ein paar Ideen von mir gehen in die Richtung, sich die Option La3 aufrechtzuerhalten und "erstmal" einen sinnvollen Zug zu machen. Meine erste Idee war 11.Sd2!? mit der Idee 11...Sxf4 12.De4 Dxe5 13.Lb2! Dxe4 14.Sxe4 +=, allerdings ist mir nach 11..Lg7 12.Sf3 O-O garnicht so klar, wie ich mich hier zu Ende entwickeln soll. Insbesondere der Zug f4 wirkt etwas deplatziert.

Weder 11.Df3 Sb4! noch 11.Kf2 dxe5! konnten mich überzeugen. Meine momentane Überlegung ist, dass man vielleicht 11.Dd2!? anstelle von 11.Df2 probieren sollte. Einer der Vorteile der schwarzen Zugfolge ist es ja, dass man eine gut getimte Anrempelung der Df2 (-> Se4) bringen kann. Nach Dd2 hat Weiß allerdings die Möglichkeit, einen Ausflug mit Da5 zu unternehmen und seinerseits durch Angriff auf den La6 einen Halbzug gewinnt.

Ich muss dazu aber ganz ehrlich sagen, dass ..d6 in meiner Mega 2011 nur 3x auftaucht, 2 partien davon von Gustafsson. In der einen spielte Mueller schablonenhaft 11.Df2?! und stand nach der Eröffnung bereits schlechter, in der anderen patzte sein 2400er Gegner bereits im 12.ten Zug (12.Df3?? -+). Sicherlich wird es etwas populärer werden (wurde ja gebloggt und so), aber ich glaube nicht, dass Gustafssons Idee den Schotten endgültig begräbt, insbesondere da er damit Siege gegen über 200 Punkte schwächere Gegner eingefahren hat.

So, dass war zu f4. Bei Sd2 gilt es auf jeden Fall, die neue Idee O-O-O von Carlsen aus seiner Partie gegen Aronian zu untersuchen. Warum das besagte Endspiel (g3 variante) nicht gut zum Gewinnen sein soll, verstehe ich allerdings nicht. Soweit ich weiß kann Weiß dieses Endspiel spielen und spielen und spielen und spielen... und Schwarz muss eine deutlich abwartendere Taktik verfolgen.
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Re: Schottisch - Mieses Variante mit 8. ... La6

Beitragvon Dragonfighter » Di 9. Aug 2011, 00:20

Hey :)
Erstmal dankeschön für deinen guten Beitrag!!!

Ich habe "nur" das Emms-Buch und finde es eigentlich ziemlich gut (mal mit der Ausnahme, dass er gegen Lc5 auch die Blumenfeldvariante vorschlägt :D).
Erstmal vorweg noch zum schottischen Endspiel: Ich hab mich wohl missverständlich ausgedrückt. Ich meinte nicht, dass es zum Gewinn nicht ausreicht sondern das ich es nicht so angenehm finde um auf Gewinn zu spielen. Mir fehlt in dem Endspiel irgendwie ein sinnvoller aktiver Plan weil ich mit Sc3-a4-c5 und Festlegung der Bauern nicht wirklich weiterkomme. Die Strategie von Emms, den schwarzen a-Bauern zu massieren klappt auch nur selten.

Jetzt aber zu der interessanten Variante :)

11. Dd2!? sieht wirklich relativ gut aus.
Ich habe es mir jetzt ein wenig angesehen und die Idee mit der Verzögerung von La3 wirkt sehr schlüssig.
Setzt Schwarz mit 11...Sf6 fort kann man 12. La3 spielen.

Nun habe ich mir zwei schwarze Antworten angeschaut:
A) 12...De6
B) 12...c5

12...Lg7 scheitert an 13.Sc3 De6 (13...0-0 14. 0-0-0 Se8 15. c5 +/-) 14. 0-0-0 dxe5 15. Sa4 +/-
Nach 12...Se4 geht einfach 13. De3 f5 14. Ld3

A) 13. Da5 sieht hier stark aus. Auf 13...Lb7 geht natürlich einfach 14. Dxc7 und der Läufer hängt.

Auf 13...Lc8 14. Dxc7 dxe5 15. fxe5 Sg4 ist die Stellung wohl etwa ausgeglichen, z.B: 16. Le2 Sxe5 17. Lxf8 Kxf8 18. 0-0 De7 19. Dxe7+ Kxe7 (Diagramm)


Auf 13...dxe5 habe ich bisher leider noch nichts besseres gefunden als das wohl forcierte Remis:
14. f5 (fxe5 scheitert an Sg4) Dxf5 15. Dxa6 De4+ 16. Le2 Td8 17. 0-0!? Dxe2 18. Dxc6+ Sd7 19. Dd5 Sf6 20. Dc6+ = (siehe Diagramm)

Sicherlich kann man mit 19. Lxf8 oder so weiterspielen aber das sieht aufgrund der aktiven schwarzen Dame relativ gefährlich aus.

Insgesamt sehen die Stellungen aber besser aus als nach 11. Df2?!
Abgesehen davon bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Schwarz nach 11. Dd2 wohl 11...Sb6 spielen sollte.
Da es so scheint, dass sich Weiß nach Dd2 "besser" entwickeln kann als nach Df2 und Se4 nicht unbedingt eine gute Möglichkeit ist den Springer wieder zu bewegen, sollte man ihn auf ein Feld stellen wo er nicht gleich schon wieder hängt.
Nun geht vielleicht wieder 12. La3 aber nach 12...c5 13. Sc3 dxe5 14. 0-0-0 Lb7!? weiß ich nicht so recht, wie man den weißfeldrigen entwickeln soll. 15. Ld3 0-0-0 sieht etwas seltsam aus mit der Fesselung. Die Stellung bietet Weiß aber wohl auf jeden Fall mehr Perspektiven als nach 11. Df2.




Eine Alternatividee könnte noch sein, nach 11...Sb6 12. c5 zu spielen.
Nach 12...Lxf1 13. Kxf1 dxc5 14. Sc3 Td8 15. De2 Lg7 16. La3 (siehe Diagramm unten) sieht der schwarze Trippelbauer zwar etwas gefährdet aus aber der Th1 ist im Moment eher ein Möchtegernteilnehmer, den muss man da erstmal rausbekommen. Außerdem ist die offene d-Linie von Schwarz schon besetzt. Nicht so leicht das Ganze.
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