Hallo zusammen,
die Diskussionen um die Olympiamannschaft wirft für mich die grundsätzliche Frage, ob Schach als Leistungssport in Deutschland überhaupt gefragt ist. Da gibt es eine Reihe von sehr polemischen Ansätzen unter http://rankzero.de/, andere Meinungen sind verstreut über zig Foren- und sonstige Diskussionsseiten.
Dabei geht es immer wieder um die Frage, wie kann man von Schach leben, sollte man vom Schach leben können und bis zu welchem Umfang sollte dies gefördert werden.
Meine Meinung:
Ich freue mich darüber, wenn deutsche Spieler in starken Turnieren mitspielen und Erfolg haben. Das geht nur, wenn sie Profis sind, daher sollte man vom Schach leben können.
Vom Schach leben kann man auch international nur, wenn man entweder lange Zeit Top 10 ist oder auf Dauer diversifiziert, d.h. nicht nur spielt, sondern trainiert, schreibt oder erbt (Lobron). Auch andere Karrieren sind denkbar, John Nunn ist Verleger geworden.
Ich denke schon, dass der DSB hier mehr machen muss. Entweder er akquiriert Sponsoren oder - wenn das nicht läuft - er lässt durch seine Mitglieder fördern.
Mit 2 €/Jahr pro Mitglied ließe sich genug Geld auftreiben, um
- die Deutsche Meisterschaft auch im bisherigen Format finanziell vernünftig auszustatten (40.-50.000 €., Preisfond, sonstiges wie gehabt)
- ein Rundenturnier zur Qualifikation für die Nationalmannschaft zu spielen (nochmal 40-50.000 € + Nebenkosten)
- die Olympiamannschaft auszustatten (nochmals 40.-50.000 €, dann aber erfolgsabhängig, z.B.: Grundgehalt 4.000 €, Top 10: +4.000 €, Top 5: + 4.000 €, letzteres passiert sowieso nicht so oft, hier kann man mehrere Jahre zusammenfassen...) Für die Damen rechne ich nichts, da dies nur Lieschen betreffen würde - der Rest sind sowieso Amateure.
Mein Bedarf an nationalem Leistungssport wäre damit gedeckt, für ein Bier in der Kneipe oder manch anderes Freizeitvergnügen bezahlt man mehr. Und die Spieler müssten was leisten, um an die Fleischtöpfe zu kommen, die dafür aber auch ordentlich ausgestattet wären. Aber ich habe den Verdacht, dass diese 2 €/Jahr den meisten schon wieder existenzgefährdend vorkommen.
Ich vergleiche Schach gerne mit anderen Sportarten (es müssen ja nicht direkt die Pferde meiner Familie sein, die den berühmten halben Uhrensatz pro Monat fressen), in denen schnell ein Vielfaches investiert werden muss - und sei es nur in ein Paar Schuhe pro Jahr um überhaupt laufen zu können. Schachspieler wollen es kostenfrei - und möglichst sponsorenfinanziert.
