elvis hat geschrieben:...
Argumente für Schach in den Schulen unabhängig von der "Intelligenz"- oder "Schach-statt-Mathe"-Debatte:
Schach übt gewisse grundlegende Fähigkeiten wie Konzentration, Lang- und Kurzzeitgedächtnis, logisches und kombinatorisches Denken, Entscheidungsprozesse, Vorstellungsvermögen, Visualisierung, usw., und auch den emotionalen Umgang mit Erfolgs- und Misserfolgserlebnissen.
Ob der Transfer dieser Übungen vom Schach auf andere Bereiche gelingt, ist eine andere Frage; bei einem erheblichen Teil der Schüler geht das sicher nicht von selbst. Aber das sehe ich nicht als ein Problem des Schulschachs. Wenn die grundlegenden Fähigkeiten da sind und die Schüler sie praktisch anwenden können, ist es eher eine Aufgabe der Mathe-, Latein- und sonstigen Lehrer, ihren Schülern entsprechende Leistungen zu entlocken...
Ich möchte doch noch einmal auf die Transfereffekte zurückkommen und etwas ausführen.
Schach bietet auch Raum für Kreativität, Experimente und Forschung und daneben auch Spaß und Unterhaltung.
Die Komponenten sind für sich und in der Summe schon recht beeindruckend für ein "Spiel".
Allerdings gibt es auch andere Beschäftigungen, die ähnlich komplex und anregend sind.
Ich möchte hier lediglich auch das Spielen eines Musikinstruments hinweisen (was gleichzeitig wiederum ein interessanter Untersuchungsansatz ist: Korrelation von Schach und Musik).
Schach hat allerdings auch negative Wirkungen, die aber wohl nicht ursächlich aus der Beschäftigung mit Schach an sich entstammen:
1. Emotionen: Reichen von Überheblichkeit und überzogenem Selbstbewußtsein bis hin zu starken Selbstzweifeln und Pessimismus - trotz der "Objektivität des Spiels" an sich - in der Mehrzahl tendieren Schachspieler eher in die erste Richtung - natürlich nicht immer übertrieben.
2. Entschlußkraft/-freudigkeit: Sollte eigentlich gestärkt und angeregt werden. Wer sich intensiver mit dem Spiel beschäftigt, könnte aber eher in das Gegenteil verfallen (mit der Erkenntnis eigentlich wenig bis nichts zu wissen... wie der "Doc"...).
3. Zeitaufwand: sehr hoch und ablenkend von anderen (wichtigeren) Aufgaben, gewisse Suchtgefahr (gibts auch bei anderen Spielen)
4. Kommunikation: sehr eingeschränkt während der Partie
Bei der Beschäftigung mit Schach im Schulbereich ist imo schon darauf zu achten, daß negative Effekte nicht durch Schach herausgebildet bzw. verstärkt werden.
Ansonsten: Obwohl Schach recht ordentlich im Einzel- und Selbststudium angeeignet werden kann und als individualistisch gilt, kann es sehr gut auch in Gruppenarbeit angeboten werden.
Teamarbeit/-fähigkeit dürfte durchaus ein Ausbildungsziel der heutigen Schulen sein und gerade beim individuellen Schachspiel kann man die Effekte von Teamwork vielleicht besser erfahren, als man so gemeinhin denkt.