Turnhallen fürs Schach nicht repräsentativ?

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Turnhallen fürs Schach nicht repräsentativ?

Beitragvon Tico » Mo 29. Mär 2010, 09:57

aus dem Thread "Matt mit Läufer und Springer"

Stratege



OT: Schach ist also doch Sport, wenn es in einer Turnhalle ausgetragen wird... :?
Handelt es sich bei der Aufnahme um eine länger zurückliegende Veranstaltung? Ich dachte, dass die Rahmenbedingungen für die Bundesliga seit ein paar Jahren etwas repräsentativer wären.
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Re: Turnhallen fürs Schach nicht repräsentativ?

Beitragvon LowScore » Mo 29. Mär 2010, 10:17

Tico hat geschrieben:OT: Schach ist also doch Sport, wenn es in einer Turnhalle ausgetragen wird... :?
Handelt es sich bei der Aufnahme um eine länger zurückliegende Veranstaltung? Ich dachte, dass die Rahmenbedingungen für die Bundesliga seit ein paar Jahren etwas repräsentativer wären.

Das ist ein Bundesligakampf vom April 2008, also erst 2 Jahre alt.
...
Aber viel repräsentativer als eine Turnhalle kann es doch für den Schachsport gar nicht mehr werden...es sei denn, der Wettkampf wird mitten im Olympiastadion ausgetragen! ;)
Ein Rathaus oder ein Hotelsaal ist doch wirklich nicht der Ort, an dem man einen hochklassigen Sportwettkampf ausrichtet...dann sollte sich Schach mal lieber vom "Sport" verabschieden. :)
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Re: Turnhallen fürs Schach nicht repräsentativ?

Beitragvon Stratege » Mo 29. Mär 2010, 10:59

Turnhallen haben den Vorteil, dass sie genug Platz bieten. Nicht jede Gemeinde hat einen Saal, der groß genug für zwei Bundesliga-Kämpfe ist. Auch bei Open bei sommerlichen Temperaturen bieten Turnhallen vergleichweise angenehme Luft.
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Re: Turnhallen fürs Schach nicht repräsentativ?

Beitragvon Riddler » Mo 29. Mär 2010, 11:18

Nicht jede Gemeinde hat einen Saal, der groß genug für zwei Bundesliga-Kämpfe ist.


Diese Aussage möchte ich bezweifeln. Jede Gemeinde >5000 Einwohner wird über irgendein Gebäude verfügen - Rathaus, Bank, Theater- oder Konzertsaal, Gemeindesaal - das in der Lage ist, 16 Tische und Bretter und ein paar Zuschauer aufzunehmen. Ob dies dann immer verfügbar und auch noch repräsentativ ist, sei mal dahin gestellt.

Ich persönlich finde eine Turnhalle für Schachwettkämpfe auf höherem Niveau (= Bundesliga aufwärts) nicht sonderlich gelungen. Man stelle sich vor, Anand müsste seinen Titel gegen Topalov neben Stufenbarren und Weichbodenmatten und unter Trapez und Ringen verteidigen. :)
Natürlich akzentuiert so ein Spielort den Anspruch, Schach als Sport zu betrachen. Konsequenterweise müsste das dann aber auch bedeuten, dass man in Zukunft dann ganz auf andere Spielorte verzichtet, denn man will ja auch nicht, dass durch die Beliebigkeit des Spielortes dieser Anspruch dann wieder gefährdet wird.
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Re: Turnhallen fürs Schach nicht repräsentativ?

Beitragvon Tico » Mo 29. Mär 2010, 11:42

Riddler hat geschrieben:
(...)
Man stelle sich vor, Anand müsste seinen Titel gegen Topalov neben Stufenbarren und Weichbodenmatten und unter Trapez und Ringen verteidigen. :)
(...)

Herrlich!

Ich persönlich finde Sporthallen-Atmosphäre furchtbar: Ich verbinde damit immer einen knartschenden und dröhnenden Boden und den allgegenwärtigen Geruch aus einer Mixtur von Reinigungsmitteln und Kinderschweiß - nicht unbedingt das Milieu, in dem schachliche Kreativität aufblüht...
Zuletzt geändert von Tico am Mo 29. Mär 2010, 12:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Turnhallen fürs Schach nicht repräsentativ?

Beitragvon Stratege » Mo 29. Mär 2010, 11:53

Riddler hat geschrieben:
Nicht jede Gemeinde hat einen Saal, der groß genug für zwei Bundesliga-Kämpfe ist.


Diese Aussage möchte ich bezweifeln. Jede Gemeinde >5000 Einwohner wird über irgendein Gebäude verfügen - Rathaus, Bank, Theater- oder Konzertsaal, Gemeindesaal - das in der Lage ist, 16 Tische und Bretter und ein paar Zuschauer aufzunehmen. Ob dies dann immer verfügbar und auch noch repräsentativ ist, sei mal dahin gestellt.


Ganz so einfach ist das nicht. Wenn ich folgende Liste durchgehe, streiche ich in der Kleinstadt, in der mein Verein beheimatet ist, alles außer den Turnhallen und zwei Schulaulen aus der Liste der potentiellen Veranstaltungsorte für einen Doppelkampf in der Schach-Bundesliga.
Jeder Ausrichter von Wettkämpfen der 1. Schach-Bundesliga hat folgende Standards zu erfüllen:
5.1 Spiellokal
5.1.1 Das Spiellokal muss eine ausreichende Größe haben; die Deckenhöhe muss mindestens 2,60 m betragen. Der Spielbereich muss gegenüber dem Zuschauerbereich abgegrenzt sein; zwischen Spielertisch und Zuschauern muss ein Mindestabstand von 1m vorhanden sein. Die Spielfläche soll bei Einzelkämpfen 80 qm, bei Doppelkämpfen 150 qm betragen. Sie darf nicht geteilt sein. Zwischen den Brettern ist genügend Bewegungsfreiheit für Spieler und Schiedsrichter vorzusehen.
5.1.2 Der Spielsaal muss gut belüftet und ggf. ausreichend beheizt sein. Die Temperatur muss zwischen 20 und 23° C liegen. Für eine ausreic hende Lüftung ohne Zug ist Sorge zu tragen.
5.1.3 Die Spieltische müssen ausreichend beleuchtet sein; die Lichtquellen dürfen nicht blenden.
5.1.4 Im Spielsaal muss Ruhe herrschen. Es dürfen keine störenden Geräusche von außen und aus Nebenräumen eindringen. Der Ausrichter hat für Ruhe im Zuschauerbereich zu sorgen.
5.1.5 Für jedes Brett ist ein separater Tisch von mindestens 1,20 m x 0,80 cm vorzusehen.
Er soll nicht tiefer als 90 cm sein. Für jeden Spieler ist ein stand- und kippsicherer Stuhl in passender Größe vorzusehen.
5.1.6 Für jeden Schiedsrichter ist ein Tisch von mindestens 1,20 m x 0,80 cm vorhanden. Am Tisch ist ein Stromanschluss für ein evtl. Notebook vorzuhalten. Zum Tisch ist ein stand- und kippsicherer Stuhl in passender Größe vorzusehen.
5.1.7 Für die Spieler und Schiedsrichter sind ausreichend saubere Toilettenräume
vorzusehen. Für das Gepäck der Gastmannschaften ist eine sichere Aufbewahrung
vorzusehen. Ein Analyseraum mit mindestens sechs Brettern muss vorhanden sein.
5.1.8 Während der Wettkämpfe dürfen im Spielsaal keine Mannschaftskämpfe anderer Spielklassen stattfinden.

aus http://schachbundesliga.de/pics/downloa ... 090110.pdf
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Re: Turnhallen fürs Schach nicht repräsentativ?

Beitragvon Riddler » Mo 29. Mär 2010, 12:22

Die meisten Punkte der Anforderungsliste betrachte ich als Allgemeinplätze. Natürlich muss der Raum groß genug sein und über Fenster, Heizung, Steckdose und eine Lichtanlage verfügen. Der einzig kritische Punkt ist aus meiner Sicht:

5.1.7 Für die Spieler und Schiedsrichter sind ausreichend saubere Toilettenräume
vorzusehen. Für das Gepäck der Gastmannschaften ist eine sichere Aufbewahrung
vorzusehen. Ein Analyseraum mit mindestens sechs Brettern muss vorhanden sein.


Es müssen also - neben dem Spielsaal - noch weitere Räume zur Verfügung stehen. Das macht es bei öffentlichen Gebäuden wie Rathäusern etc. vielleicht schwierig.

Ich lebe auch in einer Kleinstadt (etwa 80.000 Einwohner) und kann aus dem Stegreif fünf Gebäude und Einrichtungen nennen, die diesen Anforderungen geüngen würden. Schulen mal ganz außen vor gelassen. Wie groß ist denn Deine Kleinstadt?
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Re: Turnhallen fürs Schach nicht repräsentativ?

Beitragvon linkinkev » Mo 29. Mär 2010, 12:38

Am repräsentativsten war in diesem Jahr wohl unser (SV Mülheim Nord) Bundesliga-Wochenende am 6.2 und 7.2.

Da dieser Termin scheinbar kurzfristig uns überlassen wurde, hatten unsere eigentlichen Spielstätten keine Räumlichkeiten für uns.

Also sind wir ins "Haus des Sports" gezogen, was wohlgemerkt ein wenig eng war, da es sich um Beamten-Büroräume handelte.

Impressionen: http://svmuelheimnord.de/Bundesliga/200 ... 010_02_05/
Die Burg wird das Feld in Sachen Output in einem Jahr überholen! 5.9.2011 (Auch wenns nur in der Spielhalle ist, accomplished)
Falls Svidler jemals WM wird, hör ich mit Turnierschach auf! 7.9.2011
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Re: Turnhallen fürs Schach nicht repräsentativ?

Beitragvon Stratege » Mo 29. Mär 2010, 12:46

Riddler hat geschrieben:Ich lebe auch in einer Kleinstadt (etwa 80.000 Einwohner) und kann aus dem Stegreif fünf Gebäude und Einrichtungen nennen, die diesen Anforderungen geüngen würden. Schulen mal ganz außen vor gelassen. Wie groß ist denn Deine Kleinstadt?

80000 ist ja schon keine Kleinstadt mehr. Bei mir gehts um eine richtige Kleinstadt mit 15000 Einwohnern. Da ist z. B. auch der Ratssaal entsprechend klein.
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Re: Turnhallen fürs Schach nicht repräsentativ?

Beitragvon Tico » Mo 29. Mär 2010, 12:54

5.1.7 Für die Spieler und Schiedsrichter sind ausreichend saubere Toilettenräume
vorzusehen. Für das Gepäck der Gastmannschaften ist eine sichere Aufbewahrung
vorzusehen. Ein Analyseraum mit mindestens sechs Brettern muss vorhanden sein.


Bei den Kleinstadtturnhallen, die ich kennenlernen durfte, wäre ich mir aber auch nicht sicher, ob diese zusätzlichen (geschützten) Räume vorhanden wären.

Ganz abgesehen davon sind saubere Toilettenräume und Turnhalle fast schon ein Widerspruch in sich...
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