Wer die Augustausgabe der "Schach" gelesen hat, dem ist sicher nicht der Artikel "Das Schach der Zukunft oder Die Rettung liegt in den Ursprüngen" verborgen geblieben. Der Autor beschreibt dort in opulenter Länge den Zustand des Schachs und empfiehlt zu dessen Rettung einige Regeländerungen wie etwa heterogene Aufstellung von König und Dame bei beiden Seiten (wK d1, wD e1 - sK e8, sD d8), Umwandlungsregel und was nicht noch alles.
Tatsächlich scheint das Phantom "Remistod" nach vielen Jahrzenten mal wieder aus dem Grab gekrochen zu sein. Selbst ein Vladimir Kramnik beweint den Untergang des schachlichen Abendlandes und fordert - natürlich nur im Scherz - die Abschaffung des Rochaderechts vor dem 10. Zug. Doom.. DOOOOOM!
Was ich mich bei allden Diskussionen frage ist: was genau ist denn nun bitte der Remistod?
Angenommen, ein Computer würde herausfinden, dass die perfekt gespielte Schachpartie Remis endet. Oder meinetwegen auch für eine Seite gewonnen ist.. ganz egal. Was bedeutete das für die schachspielenden Menschen? Solange diese nicht in der Lage sind, diese perfekte Partie - unter Berücksichtigung ALLER Seitenvarianten - aufs Brett zu bringen, würde diese Erkenntnis nicht mehr bedeuten als "Autos kommen schneller von A nach B als Menschen." Würde das einen Menschen davon abhalten, weiter Schach zu spielen (oder zu Fuß zu laufen)?
Und selbst wenn das ein paar semiautistische Großmeister alles in ihr Hirn einspeichern könnten: was würde das für die restlichen 99,999% der Menschheit bedeuten?
Die nächste Frage ist: WO ist denn nun dieser Remistod?
Die letzten großen Schachereignisse... Dortmund, Biel, WC2011... überall sah man neben den üblichen Salonremisen interessante und ausgespielte Partien abseits jeglicher Perfektion. Schach mit Fehlern und allem drum und dran wurde geboten, und das auf höchstem Niveau. Erstaunlich lebhaft für ein totes Spiel, oder?
Wie seht ihr das so? Droht der Remistod? Und wenn ja, mit was für Konsequenzen?
