Psychotricks vor/bei Schachpartien

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Psychotricks vor/bei Schachpartien

Beitragvon JerryCotton » So 11. Okt 2009, 10:53

Ich versuche mal ein bei aller Schachwissenschaft teilweise übergangenes Thema anzustoßen.
Meine Frage ist: Versucht ihr vor der Partie euch irgendwie auf die anstehende Partie einzustellen. Macht ihr z.B. Entspannungsübungen, oder motiviert euch mit Hilfe einiger Tricks?
Auch während der Partie spielt die Psychologie eine wichtige Rolle. In der Not greift manch einer ev. sogar zu eventuell unfairen Tricks? Bzw. merkt das bei euren Gegnern?
Bei mir ist das denke ich relativ unspektakulär. Vor den Partien versuche ich erst einmal möglichst Ruhig zu sein. Also vielleicht ein paar mal tief durchatmen um dann am Anfang ev. hektische Reflexzüge zu vermeiden.
Nach Anfang der Partie spiele ich meine ersten Züge (bis zum ersten Einsteller ;) ) dann scheinbar selbstbewusst hinunter. Manch einer mag das als Arroganz ansehen. Ich denke einfach während eines Wettkampfs sind Selbstzweifel unangebracht. Deshalb versuche ich dergleichen auszublenden.
Anscheinend mache ich das teilweise etwas zu überzeugend. Manchmal führe ich meine Züge dann so zackig aus, dass ich unbewusst die Uhr etwas maltretiere. Dadurch fühlte sich schon der ein oder andere gestört :oops:
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Re: Psychotricks vor/bei Schachpartien

Beitragvon Jupp53 » So 11. Okt 2009, 11:56

'Mentales Training' möchte ich hier empfehlen.

Wie bei jeder sachlichen psychologischen Intervention kommt hier die Diagnose vorher. Die erste Frage ist also: Wo sind die eigenen Schwächen? Dazu sollte man sich mit jemanden über die eigenen Partien unterhalten, der wirklich kritische Rückmeldungen geben kann.

Ein paar allgemeine Hinweise: Zumindest bis ~2000 passieren sehr viele grobe Schnitzer, wenn der Charakter der Partie sich ändert. Das geschieht in der Regel (aber nicht nur!) nach Schlagfällen. Aus einer Mittelspielstellung wird ein Endspiel. Oder die Bauernstruktur hat sich geändert. Oder über Abtausch wird Ausgleich erreicht. Oder der Gegner macht einen leichten Fehler.

Zweierlei ist dann zu tun. Die Veränderung der Stellung ist bewusst wahrzunehmen. Und - wenn vorhanden - sollte jetzt etwas Zeit investiert werden, um die Konsequenzen der Veränderung für Pläne und Varianten auszuloten. In der Situation haben sich bei mir und einem Freund eine Reihe von Selbstinstruktionen bewährt, wobei die genauen Formulierungen von jedem selbst auszuarbeiten sind. "Ruhe jetzt. Zieh' langsam. Beachte Gefahren." , bei Freude über die Veränderung. "Ruhe jetzt. Suche Ressourcen.", bei Ärger oder Schreck.

Ist der Affekt zu stark, dann gehe ich fünf Minuten an die frische Luft, bewege mich dabei und überlege dabei mögliche Motive und die Stellungsbewertung.

Ähnliche Hinweise gebe ich mir selbst, wenn es schwer fällt Varianten zu berechnen. "Langsam, systematisch rechnen." Unter Druck und in Verluststellungen instruiere ich mich: "Suche Ausgleichschancen. Überstehe die nächsten fünf Züge." Hier ist dann nicht das Ziel, unmögliches zu vollbringen, sondern möglichst lange Widerstand zu leisten. Wenn der Gegner die Partie korrekt fortführt, dann gewinnt er halt. Aber je länger die Partie dauert, umso größer ist die Chance einer Ungenauigkeit.

Der Vorteil solcher Selbstgespräche liegt in zwei Bereichen: Die Aufmerksamkeit wird auf die kritischen Bereiche der Partie gelenkt und die Emotionen während der Partie werden bearbeitet. Hier lohnt es sich zu wissen, dass lt. Dr. Pfleger (in einem verlegten Schachzeitungsartikel) Blutdruck- und Pulsfrequenzmessungen bei Spitzenspielern während laufender Partien in den 50-er und 60-er Jahren in der SU im Schnitt fünfmal Spitzenwerte ergaben, die sich bei Sprintern vor dem Start zeigten. Diese körperlichen Reaktionen weisen auf starke Emotionen hin. (Nebenbei belegen sie die Bedeutung einer ausreichenden körperlichen Fitness.) Es lohnt sich für jeden Schachspieler über die Emotionsregulation während der Partie nachzudenken und die vorhandenen Verhaltensweisen bewusst einzusetzen oder zu verändern.
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Re: Psychotricks vor/bei Schachpartien

Beitragvon Stratege » So 11. Okt 2009, 13:45

Ein unfairer Trick: Ich habe kürzlich in einer Turnierpartie gegen einen nominell deutlich schwächeren Gegner ganz früh in der Partie auf ganz dämliche Weise eine Figur eingestellt, setzte mich dann mit einem Bier ans Brett und zog nur noch a Tempo, als ob die Partie für mich eh gelaufen wäre. Das ging dann aber nur so lang, bis ich die Figur glücklicherweise zurückbekam. Dann stellte ich wieder von Bier auf Cola um und spielte halbwegs normal.
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Re: Psychotricks vor/bei Schachpartien

Beitragvon JerryCotton » So 11. Okt 2009, 19:18

Stratege hat geschrieben:Ein unfairer Trick: Ich habe kürzlich in einer Turnierpartie gegen einen nominell deutlich schwächeren Gegner ganz früh in der Partie auf ganz dämliche Weise eine Figur eingestellt, setzte mich dann mit einem Bier ans Brett und zog nur noch a Tempo, als ob die Partie für mich eh gelaufen wäre. Das ging dann aber nur so lang, bis ich die Figur glücklicherweise zurückbekam. Dann stellte ich wieder von Bier auf Cola um und spielte halbwegs normal.



Wow, dass ist ja schon unterste Schublade :mrgreen:.
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Re: Psychotricks vor/bei Schachpartien

Beitragvon Blueoct » So 11. Okt 2009, 19:19

Stratege hat geschrieben:Ein unfairer Trick: Ich habe kürzlich in einer Turnierpartie gegen einen nominell deutlich schwächeren Gegner ganz früh in der Partie auf ganz dämliche Weise eine Figur eingestellt, setzte mich dann mit einem Bier ans Brett und zog nur noch a Tempo, als ob die Partie für mich eh gelaufen wäre. Das ging dann aber nur so lang, bis ich die Figur glücklicherweise zurückbekam. Dann stellte ich wieder von Bier auf Cola um und spielte halbwegs normal.



:mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
Da würde ich mir aber auch ein wenig veräppelt vorkommen, andererseits, wenn er dann "zu dumm" ist, das zu gewinnen (bzw sich von deinem Geblitze anstecken lässt), dann kann man ihm auch nicht mehr helfen
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Re: Psychotricks vor/bei Schachpartien

Beitragvon klötzchenschieber » Di 20. Okt 2009, 21:12

Schon die Jüngsten spielen mit fiesen Tricks:

http://www.youtube.com/watch?v=9xk3ew7kSLc :lol: :lol: :lol:
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Re: Psychotricks vor/bei Schachpartien

Beitragvon TheKillerGrob » Mi 21. Okt 2009, 18:22

Mein "Psycho-Trick" : Selbstbewusst am Brett auftreten und niemals den Verdacht aufkommen lassen, man wüsste nicht, was man da tut. Bei einem Turnier spielte ich mal die Eröffnung a Tempo (gegen einen nominell schwächeren Gegner), obwohl ich nicht die genauste Theorie kannte (war in einem Paulsen-Sizi); ich tat einfach so, als wäre das alles noch bekannte Theorie; mein Gegner ließ sich dadurch beeindrucken, versank immer mehr ins Grübeln und verbrauchte immer mehr Zeit, was schlussendlich dazu führte,dass ich einen einfachen Sieg einfahren konnte. Auch bei Opfern niemals den Verdacht aufkommen lassen, als sei daran auch nur das geringste falsch! :mrgreen:
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Re: Psychotricks vor/bei Schachpartien

Beitragvon Kiffing » Mi 21. Okt 2009, 19:35

klötzchenschieber hat geschrieben:Schon die Jüngsten spielen mit fiesen Tricks:

http://www.youtube.com/watch?v=9xk3ew7kSLc :lol: :lol: :lol:

Also ich kann da nichts von mutmaßlichen Psychotricks erkennen. Der Schlagzug mit dem König war mit Sicherheit ein Versehen, wie er im Eifer des Gefechts gerade bei sehr jungen Schachspielern schon mal vorkommen kann. Wahrscheinlich hatte er in der Schnelle den König mit der Dame verwechselt. Und im zweiten Fall war natürlich kraß, daß der rechte Spieler das noch vergeigt hat. Das Beispiel zeigt, daß es sich im Blitzschach immer noch zu kämpfen lohnt. Der rechte Spieler wird sich sehr geärgert haben. Ich kann aber auch hier nichts Unfaires erkennen. Denn unabhängig davon, ob ein Kibitz nach einer Zeit die Uhr "entführt", so geht Patt vor Zeit wie auch Matt vor Zeit gilt. Da ist es völlig egal, ob das Plättchen des linken Spielers schon gefallen ist.
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Re: Psychotricks vor/bei Schachpartien

Beitragvon Blueoct » Mi 21. Okt 2009, 19:42

Kiffing hat geschrieben:
klötzchenschieber hat geschrieben:Schon die Jüngsten spielen mit fiesen Tricks:

http://www.youtube.com/watch?v=9xk3ew7kSLc :lol: :lol: :lol:

Also ich kann da nichts von mutmaßlichen Psychotricks erkennen. Der Schlagzug mit dem König war mit Sicherheit ein Versehen, wie er im Eifer des Gefechts gerade bei sehr jungen Schachspielern schon mal vorkommen kann. Wahrscheinlich hatte er in der Schnelle den König mit der Dame verwechselt. Und im zweiten Fall war natürlich kraß, daß der rechte Spieler das noch vergeigt hat. Das Beispiel zeigt, daß es sich im Blitzschach immer noch zu kämpfen lohnt. Der rechte Spieler wird sich sehr geärgert haben. Ich kann aber auch hier nichts Unfaires erkennen. Denn unabhängig davon, ob ein Kibitz nach einer Zeit die Uhr "entführt", so geht Patt vor Zeit wie auch Matt vor Zeit gilt. Da ist es völlig egal, ob das Plättchen des linken Spielers schon gefallen ist.


Ähm du meinst das war nicht mutmaßlich? Haben wir das gleiche Video gesehen??? :mrgreen:
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Re: Psychotricks vor/bei Schachpartien

Beitragvon JerryCotton » Mi 21. Okt 2009, 21:53

So wieder Junge nach dem Schlagzug mit dem König in die Kamera grinst, kann mann mutmaßen, dass es mutmaßlich war.
Dann wäre es auch nicht besonders lustig, da es wohl nur erfolgte um das Video anschließend bei Youtube hoch zu laden.
Ich unterstütze allerdings eher die Sicht vom Katzenliebhaber.
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