Pro und Contra Nullkarenz

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Re: Pro und Contra Nullkarenz

Beitragvon Peloton » Mi 8. Jun 2011, 20:39

klötzchenschieber hat geschrieben:Peloton in der Regel dagegen, aber manchmal dafür

Habe ich den Eindruck hinterlassen, ich wäre manchmal dafür. Dann muss ich mich missverständlich ausgedrückt haben. Meine Aussage war, ich lehne die neue Regel ab, da der in ihr definierte Standard, eben die Nullkarenz, für die Gesamtheit aller betroffenen Schachspieler schlechter ist als der Standard (1h) in der Vorgängerregel. Und dies habe ich nur ergänzt mit dem Hinweis, falls ein Veranstalter von Profiturnieren die Nullkarenz haben will, dass mein Mitleid mit den Profis sich in Grenzen hält, da ich von diesen annehmen kann, dass sie sich Verhalten wie Profis und die Ausschreibung gelesen und durch die Teilnahme an so einem Turnier ausdrücken, diese Regel zu akzeptieren. Daraus lässt sich jedoch nicht schließen, dass ich die Regel bei Profi-Turnieren per se gut finde.
"Chess is not a game for fun!", Anna Sharevich, während sie die Finals des Weltcups kommentierte.
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Re: Pro und Contra Nullkarenz

Beitragvon klötzchenschieber » Do 9. Jun 2011, 11:00

Nur ganz kurz (wir werden uns sowieso nicht einigen):

In jeder Sportart hat die Mannschaft verloren, die verspätet antritt. Es gibt nur in unterschiedlichen Sportarten und Ligen unterschiedliche Zeiten, die einzuhalten sind. Hier liegt somit keine besondere Härte vor, Verlust ist die normale Strafe fürs Zuspätkommen, die ganze Polemik bezüglich der "übermäßigen Reaktion auf einen Regelverstoß" ist damit hinfällig.

Aus dieser Argumentation (übertriebene, schachfeindliche Reaktion) folgert, dass die Festlegung einer Karenzzeit, die ja immer zur Konsequenz hat, einen Wettbewerb zu unterbinden, wenn dagegen verstoßen wird, grundsätzlich abzulehnen ist (vgl. mein Beispiel: 32 min zu spät = kampfloser Verlust des Mannschaftskampfes). Wenn wir Karenzzeiten abschaffen, müssen wir auch keinen Rundenbeginn mehr definieren: Mannschaftskämpfe finden demnächst also nicht mehr um 16 Uhr, sondern "vor der Sportschau" statt?

Natürlich ist die Null willkürlich - wie jede andere Zahl auch. Und wieder nicht vergessen: Ich plädiere nicht dafür, allüberall Nullkarenz einzuführen, sondern Augenmaß walten zu lassen.

Dass Schiedsrichter mit Augenmaß entscheiden können, ist in allen Sportarten so - wo beim Fußball das "gefährliche Spiel" beginnt und die "gesunde Härte" aufhört, wird in jedem Spiel neu definiert (was für den Spieler per roter Karte zum Wettkampfverbot führen kann...- womit Schach wieder nicht singulär wäre). Nur darf man nicht mal so, mal so vorgehen.
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Re: Pro und Contra Nullkarenz

Beitragvon stoppelhoppler » Do 9. Jun 2011, 13:00

Weil es so krass ist:

klötzchenschieber hat geschrieben:Nur ganz kurz (wir werden uns sowieso nicht einigen):

In jeder Sportart hat die Mannschaft verloren, die verspätet antritt. Es gibt nur in unterschiedlichen Sportarten und Ligen unterschiedliche Zeiten, die einzuhalten sind. Hier liegt somit keine besondere Härte vor, Verlust ist die normale Strafe fürs Zuspätkommen, die ganze Polemik bezüglich der "übermäßigen Reaktion auf einen Regelverstoß" ist damit hinfällig...


Die mir bekannten Sportarten kennen eine Strafe für Nichtantritt.
Eine Null-Karenz mit sofortiger Verlustfolge ist in allen ernsthaften Sportarten unbekannt.
Und natürlich ist Null-Karenz übermäßig und überflüssig und eine "Sportart" macht sich bei einer Wettkampfdauer von 4-7 Stunden extrem lächerlich, diese Null-Karenz zu fordern.
Daneben hat Schach im Gegensatz zu anderen Sportarten den großen Vorteil, trotz Verspätung pünktlich enden zu können.
Verlustregelungen wegen größeren Verspätungen resultieren bei anderen sportarten zumeist daher, daß der organisatorische Ablauf nicht mehr einzuhalten ist, weil der Sportplatz, die Sporthalle nur für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung steht.
Ansonsten steht bei jeder Sportart das Bemühen im Vordergrund, einen Wettkampf stattfinden zu lassen.

klötzchenschieber hat geschrieben:...
Aus dieser Argumentation (übertriebene, schachfeindliche Reaktion) folgert, dass die Festlegung einer Karenzzeit, die ja immer zur Konsequenz hat, einen Wettbewerb zu unterbinden, wenn dagegen verstoßen wird, grundsätzlich abzulehnen ist (vgl. mein Beispiel: 32 min zu spät = kampfloser Verlust des Mannschaftskampfes). Wenn wir Karenzzeiten abschaffen, müssen wir auch keinen Rundenbeginn mehr definieren: Mannschaftskämpfe finden demnächst also nicht mehr um 16 Uhr, sondern "vor der Sportschau" statt? ...


Es gibt einen qualitativen Unterschied, ob jemand genullt wird, weil er 15.00 Uhr nicht am Brett oder ob er genullt wird, weil er 15.29 Uhr kam und es beim Schiri aber bereits 15.31 Uhr auf seiner Sonnenuhr war.
Nicht jeder wird diesen Unterschied begreifen, wie auch manche Feinheiten an anderer Stelle unfaßbar bleiben.
Ansonsten kann ich in den obigen Ausführungen keine praxisrelevante Logik erkennen.

klötzchenschieber hat geschrieben:...
Natürlich ist die Null willkürlich - wie jede andere Zahl auch. Und wieder nicht vergessen: Ich plädiere nicht dafür, allüberall Nullkarenz einzuführen, sondern Augenmaß walten zu lassen...


Dein Augenmaß steht bei mir in wichtigen Punkten außerhalb meiner "Augenmaßkarenz"!

Es ist unnötig und unproduktiv, jeden Kleinkram zu regeln und insbesondere sanktionieren zu müssen.
Leute mit Augenmaß brauchen so etwas nicht. Ihnen reicht bei so einfachen Vorgängen wie Schachturnier/Schachpartie die Fide-Präambel mit der Forderung nach einer sportlichen, logischen und den Gegebenheiten angemessenen Entscheidung.
Weit überwiegend Leute ohne Augenmaß fordern die explizite Regelung von Kleinkram, weil sie ohne genaue Betriebsanleitung überfordert sind. Nicht verwunderlich ist, daß sie sich dann in den Regelungen verirren und jedes Augenmaß verlieren.
Wenn dies schon einem erfahrenen Volljuristen und Strafrichter so geht, dann kann man die anderen besser davor schützen, indem man ihnen weniger Regelballast an die Hand gibt!
Die Signatur, die Signatur hat nicht immer Recht.
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Re: Pro und Contra Nullkarenz

Beitragvon klötzchenschieber » Do 9. Jun 2011, 14:04

stoppelhoppler hat geschrieben:Weil es so krass ist:


stoppelhoppler hat geschrieben:Ansonsten kann ich in den obigen Ausführungen keine praxisrelevante Logik erkennen.


stoppelhoppler hat geschrieben:Dein Augenmaß steht bei mir in wichtigen Punkten außerhalb meiner "Augenmaßkarenz"!


Hattest Du Dich nicht über den Ton anderer aufgeregt?

Ich habe eingesehen, dass mein spontanes "blöd" nach Deinem ersten Beitrag über das Ziel hinausgeschossen ist, ich bitte dies zu entschuldigen. Seither versuche ich, nur zu argumentieren, und keine Spitzen Dir gegenüber einzupflegen.

stoppelhoppler hat geschrieben:Die mir bekannten Sportarten kennen eine Strafe für Nichtantritt.


Mir bekannte Sportarten werten verspätetes Antreten als Nichtantreten. Da ist kein Unterschied zur Verlustwertung für Zuspätkommen.

PS: Einmal schnell gegoogelt: Fußball Anstoßzeit Spielordnung

http://www.hfv-online.de/fileadmin/hfv-online.de/dokumente/Satzung/Spielordnung.pdf

§ 40: Beim Hessischen Fußballbund müssen nur dann 45 min gewartet werden, wenn höhere Gewalt vorliegt. Ansonsten ist der reisende Verein verantwortlich für das Einhalten der Anstoßzeit (unter Berücksichtigung von Verkehrsproblemen!). Riecht das nicht gewaltig nach Nullkarenz (ich bin kein Fußball-Schiedsrichter...)?

stoppelhoppler hat geschrieben:Es gibt einen qualitativen Unterschied, ob jemand genullt wird, weil er 15.00 Uhr nicht am Brett oder ob er genullt wird, weil er 15.29 Uhr kam und es beim Schiri aber bereits 15.31 Uhr auf seiner Sonnenuhr war.


??? Richtet sich das jetzt gegen die Nullkarenz oder gegen die Sonnenuhr?
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Re: Pro und Contra Nullkarenz

Beitragvon Riddler » Do 9. Jun 2011, 15:05

Dem verlinkten pdf entnehme ich eigentlich nichts, was auf Nullkarenz hinweist. Bei höherer Gewalt (was auch immer damit nun gemeint ist) wird eine 45 minütige Karenz anberaumt, ansonsten hat die Gastmannschaft - interessanterweise nicht die Heimmannschaft - sich so zu verhalten, dass sie pünktlich zum Spiel erscheint. Was genau passiert, wenn sie (oder die Heimmannschaft) aus Gründen, die nicht höherer Gewalt zuzuordnen sind, zu spät kommt, wird nirgendwo beschrieben.
Dieser Punkt der Spielordnung ist extrem schwammig, unvollständig und enthält jede Menge Interpretations- und Ermessensspielraum.


Nachtrag:
Ein Beispiel aus dem Tischtennis
http://www.fvtt-berlin.de/spielordnung.pdf

23.6
Sollte eine Mannschaft nicht pünktlich zur Anfangszeit wenigstens in Mindeststärke (3 Spieler in einer Vierermannschaft bzw. 4 Spieler in einer Sechsermannschaft) anwesend sein, so muss auf sie bis zu 15 Minuten gewartet werden.
Zuletzt geändert von Riddler am Do 9. Jun 2011, 15:17, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Pro und Contra Nullkarenz

Beitragvon stoppelhoppler » Do 9. Jun 2011, 15:13

klötzchenschieber hat geschrieben:Hattest Du Dich nicht über den Ton anderer aufgeregt? ...


Ich hatte mich explizit über Deinen Ton geärgert.
Wenn Du mir ironisch mitgeteilt hättest, daß Du meine Ironie blöd fandest dann gerne.
Das profane "blöd" zeigte mir nur, daß Du wesentliche Punkte nicht erkennen kannst oder willst, selbst wenn man sie überzeichnet darstellt.
Ich kann mit derartigen Leuten nicht umgehen. Das ist mein Problem.

Ansonsten zu meinen Formulierungen Dir gegenüber:

stoppelhoppler hat geschrieben:Weil es so krass ist:


Soll ich sagen, daß ich Deine Darstellung für absolut einseitig und nicht genügend durchdacht halte?
Das ist meine Meinung. Ich finde Deine Argumentation für Nullkarenz bei der DEM tatsächlich krass.

stoppelhoppler hat geschrieben:Ansonsten kann ich in den obigen Ausführungen keine praxisrelevante Logik erkennen.


Deiner Logik, daß es bei Karenz ja wohl auch keinen Sinn mache, überhaupt einen Beginn als Zeitpunkt festzulegen kann ich nicht folgen. Die Praxis des weltweiten Sportbetriebs steht dem entgegen:

Festlegung eines Beginns und an den Gegebenheiten von Sportlichkeit und Augenmaß orientierter Umgang mit Verspätungen.

Als Ironie konnte ich Deinen Verweis auf die "Nullrelevanz" einer Startzeit bei einer "Mehralsnullkarenz" nicht erkennen.
Sollte ich die Ironie übersehen haben, bitte ich um Entschuldigung. Es hob sich für mich nicht ausreichend von der allgemeinen Argumentationslinie ab.

stoppelhoppler hat geschrieben:Dein Augenmaß steht bei mir in wichtigen Punkten außerhalb meiner "Augenmaßkarenz"!


Damit ist klar ausgesagt, daß sich unser beider Augenmaß ziemlich genau 180 Grad gegenüberstehen.

klötzchenschieber hat geschrieben:...
Mir bekannte Sportarten werten verspätetes Antreten als Nichtantreten. Da ist kein Unterschied zur Verlustwertung für Zuspätkommen.

PS: Einmal schnell gegoogelt: Fußball Anstoßzeit Spielordnung

http://www.hfv-online.de/fileadmin/hfv-online.de/dokumente/Satzung/Spielordnung.pdf

§ 40: Beim Hessischen Fußballbund müssen nur dann 45 min gewartet werden, wenn höhere Gewalt vorliegt. Ansonsten ist der reisende Verein verantwortlich für das Einhalten der Anstoßzeit (unter Berücksichtigung von Verkehrsproblemen!). Riecht das nicht gewaltig nach Nullkarenz (ich bin kein Fußball-Schiedsrichter...)?...


Vielleicht solltest Du im Bereich Fußball mal ganz oben anfangen und schauen, welche Strafen die Ligaordnung vorsieht, wenn eine Mannschaft verspätet antritt und was passiert, wenn die Zuschauer nach Hause gehen müssen, weil eine Mannschaft nicht pünktlich 15.30 Uhr nach Sonnenuhr der Offiziellen auf dem Platz stand.
Ich kenne die diesbezüglichen Bestimmungen nicht, weiß nur, daß es auch schon mal im Profifußball Probleme mit der Startzeit gab und habe nicht mitbekommen, daß ein Spiel ausgefallen wäre und kampflos gewertet wurde, weil die Anstoßzeit nicht minutengenau aufgrund eines Verschuldens einer Mannschaft eingehalten wurde.

In der Sportart Tischtennis kommt es bei überregionalen Spielen häufiger zu Doppelveranstaltungen bei Auswärtsfahrten.
Hier passiert es schon mal, daß der Gast wegen eines unerwartet langen 1. Spiels, Verkehrsproblemen bei der Fahrt von Spielort A nach B, zu spät zum 2. Spiel erscheint (manchmal auch zum 1. Spiel).
Hier wird nach Möglichkeit der Hallenbelegung immer ermöglicht, daß der Gast das Spiel aufnehmen kann und zusätzlich noch eine angemessene Zeit für das Einspielen erhält.

Das ist Sportsgeist unter Sportfreunden, die sich teilweise sehr hart und manchmal leicht unfair an der Platte bekämpfen, aber nie auf die Idee kommen würden, ein Spiel wegen Verspätung des Gegners kampflos zu gewinnen, wenn man das Match noch austragen kann.

Aus der Spielordnung der Berliner Basketballverbands:

§ 52

Verzögert sich der Spielbeginn, insbesondere

a) weil Kampfrichter fehlen oder
b) weil Spielausrüstung fehlt oder
c) weil Spielausrüstung nicht rechtzeitig bereitgestellt wurde oder
d) weil der SBB zu spät ausgefüllt wurde oder
e) weil eine Mannschaft zu spät angetreten ist,

so hat dies der Verursacher zu vertreten.


Eine logische Regelung. Über die Art der Bestrafung, für das was der Verursacher zu vertreten hat, habe ich leider nichts gefunden. Du kannst es gerne ergänzen.

Aus der Spielordnung des niedersächsischen Verbands:

§ 46 Spielverlust wegen Verzögerung des Spielbeginns

1. * Auf Antrag eines Spielpartners bei der Spielleitung ist gegen eine Mannschaft auf Spielverlust zu entscheiden, wenn diese eine Verzögerung des Spielbeginns von mehr als 15 Minuten verursacht und dies zu vertreten hat.
2. * Der Antrag ist nur zulässig, wenn er vor Spielbeginn beim 1. Schiedsrichter angemeldet wird. Der 1. Schiedsrichter hat dies zusammen mit der Begründung auf dem Spielbericht zu protokollieren.
3. * In diesen Fällen ist das Spiel durchzuführen, es sei denn, der Spielbeginn verzögert sich um mehr als 30 Minuten nach dem angesetzten Spielbeginn. Diese Frist ist von Mannschaften, Schiedsrichtern und Kampfgericht abzuwarten. Wird nach Ablauf dieser Frist das Spiel durchgeführt, ist der Antrag hinfällig.
4. * Der Antrag ist gebührenfrei.
5. * Für Fristen und Kosten gelten die Vorschriften des Protestverfahrens der Rechtsordnung entsprechend.

Ich erkenne hier einen deutlichen Unterschied zur Nullkarenz.
Das "Vertreten" erfährt zudem eine Einschränkung durch § 50 Höhere Gewalt.

Aus den Fiba-Interpretationen zum Spielbeginn:

Art. 9 Anfang und Ende einer Spielperiode
Festlegung 1:
Ein Spiel kann nur beginnen, wenn beide Mannschaften mit mindestens fünf spielberechtigten und spielbereiten Spielern antreten. Sind zum angesetzten Spielbeginn weniger als fünf Spieler auf dem Spielfeld, müssen die Schiedsrichter mit Fingerspitzengefühl auf unvorhersehbare Umstände als mögliche Ursache einer Verzögerung reagieren. Wird für die Verzögerung eine plausible Erklärung abgegeben, ist kein technisches Foul zu verhängen. Andernfalls kann bei verspätetem Eintreffen weiterer Spieler ein technisches Foul verhängt und/oder auf Spielverlust erkannt werden.
Anmerkung: Diese Festlegung gilt nur zu Spielbeginn, nicht zu Beginn aller weiteren Spielperioden oder Verlängerungen.

Erkennst Du bei dieser von Dir selbst begleiteten Sportart einen wesentlichen Unterschied zum Schach in Sachen Augenmaß und Bestrafungsreihenfolge?
Zuletzt geändert von stoppelhoppler am Do 9. Jun 2011, 16:12, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Pro und Contra Nullkarenz

Beitragvon klötzchenschieber » Do 9. Jun 2011, 15:42

Nein, ich antworte jetzt nicht. Nein, ich antworte jetzt nicht, nein ich antworte jetzt nicht... :D

Welches meiner Argumente war "Krass"?

Relativität der Zeit, Selbstbestimmung gegenüber einer unverhältnismäßigen Regel, Unsportlich - solche Argumente fand ich krass.

Meine Auflistung des Meinungsbilder hier im Thread zeigt nur, dass ich mit der Befürwortung von Nullkarenz für entsprechende Turniere (nicht überall!) nicht ganz so allein darstand, wie zuvor dargestellt wurde (sorry elvis, ich hab dich übersehen!)

Mein Beispiel aus dem Fußball zeigt nur, dass die angeführte Singularität der Regelung im Schach nicht gegeben ist.

Mein Beispiel mit 32 min Verspätung im Mannschaftskampf zeigt, dass eine wie auch immer geartete Karenz das Problem des Augenmaßes nicht beseitigt. Mein "Ansatz" zur vollständigen Aufhebung der Karenz dient nur dazu, ein Argument (unverhältnismäßig etc.) ad absurdum zu führen, weil für jede beliebige Karenz das gleiche Problem der Sanktion, des Augenmaßes und der Sonnenuhr des Schiedsrichters besteht.

Und mir ging es nur um die Nullkarenz bei der DEM. Und ich verspreche hoch und heilig: wenn unser Gegner zu spät kommt, werde ich mich trotzdem für eine Partie entscheiden! So weit ist unser Augenmaß nicht auseinander!

PS Bezüglich meines mangelnden Verständnisses für Ironie: Ist es Ironie, wenn man Gegenargumente ironisch überspitzt? Ich hatte das als entsprechende Überspitzung schachfeldtypischer Argumente gegen eine Nullkarenz empfunden (daher auch ursprünglich der leider von Peloton nicht transferierte Smiley als Antwort). Um auf die Aussage "Ich finde Nullkarenz für die DEM gut" ironisch zu antworten - hätten da nicht Argumente für die Nullkarenz ironisch überspitzt dargestellt werden müssen?

Aber jetzt antworte ich wirklich nicht mehr.
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Re: Pro und Contra Nullkarenz

Beitragvon klötzchenschieber » Do 9. Jun 2011, 15:44

Riddler hat geschrieben:Dem verlinkten pdf entnehme ich eigentlich nichts, was auf Nullkarenz hinweist. Bei höherer Gewalt (was auch immer damit nun gemeint ist) wird eine 45 minütige Karenz anberaumt, ansonsten hat die Gastmannschaft - interessanterweise nicht die Heimmannschaft - sich so zu verhalten, dass sie pünktlich zum Spiel erscheint. Was genau passiert, wenn sie (oder die Heimmannschaft) aus Gründen, die nicht höherer Gewalt zuzuordnen sind, zu spät kommt, wird nirgendwo beschrieben.
Dieser Punkt der Spielordnung ist extrem schwammig, unvollständig und enthält jede Menge Interpretations- und Ermessensspielraum.


Nachtrag:
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Sollte eine Mannschaft nicht pünktlich zur Anfangszeit wenigstens in Mindeststärke (3 Spieler in einer Vierermannschaft bzw. 4 Spieler in einer Sechsermannschaft) anwesend sein, so muss auf sie bis zu 15 Minuten gewartet werden.


Einmal noch: :D

In dem PDF steht auch, dass bei weniger als 7 Spieler auf dem Platz ein Nichtantreten vorliegt, was mit 0:2 Punkten und 0:3 Toren gewertet wird.
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Re: Pro und Contra Nullkarenz

Beitragvon stoppelhoppler » Do 9. Jun 2011, 16:43

klötzchenschieber hat geschrieben:...

Welches meiner Argumente war "Krass"?...


Dieses hier:

klötzchenschieber hat geschrieben:...
In jeder Sportart hat die Mannschaft verloren, die verspätet antritt. Es gibt nur in unterschiedlichen Sportarten und Ligen unterschiedliche Zeiten, die einzuhalten sind. Hier liegt somit keine besondere Härte vor, Verlust ist die normale Strafe fürs Zuspätkommen, die ganze Polemik bezüglich der "übermäßigen Reaktion auf einen Regelverstoß" ist damit hinfällig...


Die Darstellung ist krass unvollständig und entstellend - insbesondere "Es gibt nur ... unterschiedliche Zeiten".
Mein Hinweis auf die Relativität der Zeit findet hier seinen unverständigen Eingang.

Nachtrag:

Aus der Spielordnung des wflv:

§ 42 Verspäteter Beginn

(1) Tritt eine Mannschaft verspätet an, wird aber das Spiel ordnungsgemäß durchgefüht, so wird das Spiel entsprechend seinem Ausgang gewertet...
(3) Die Wartezeit zu Abs.1 ... beträgt grundsätzlich 45 Minuten.


Verstehst Du jetzt, warum ich Deine obige Darstellung als "krass" bezeichne?

klötzchenschieber hat geschrieben:...
Relativität der Zeit, Selbstbestimmung gegenüber einer unverhältnismäßigen Regel, Unsportlich - solche Argumente fand ich krass. ...


Ich kann verstehen, daß man sich als Sportler nicht gern als unsportlich benennen läßt.

Nur kann ich hier nicht anders:

Wer die Nullkarenzregel (und sei es nur bei Profis oder DEM) befürwortet, ist Anhänger einer unverhältnismäßigen und unnötigen Regel, die die Nichtdurchführung eines sportlichen Vergleichs anordnet und ein Ergebnis kampflos bestimmt.
Das ist für mich in hohem Maße unsportlich und widerspricht jedem Wettkampfgedanken.

klötzchenschieber hat geschrieben:...
Mein Beispiel aus dem Fußball zeigt nur, dass die angeführte Singularität der Regelung im Schach nicht gegeben ist......


Sieh Dir mal die Beispiele wenigstens aus Deinem Bereich Basketball an.
Wenn Du mir 3 Beispiele halbwegs bekannter und anerkannter Sportarten bringst, wo Verspätungen mit der Nullkarenzhärte des Schachs bestraft werden, dann gestehe ich ein, daß Schach nicht die einzige "Sportart" mit im Regelwerk festgeschriebenen Unsportlichkeiten ist. ;)
Schach hat sich unter Sportlern mit dieser Regel ins weite Abseits bewegt, selbst wenn es noch andere Disziplinen geben mag, die auf diesem irrigen Holzweg sind.

klötzchenschieber hat geschrieben:...
Aber jetzt antworte ich wirklich nicht mehr.


Schade, ich wollte wirklich noch herauskitzeln, wie jemand, der sich für qualitatives Wettkampfschach einsetzt und engagiert, auf die Idee kommen kann, gerade dieses Wettkampfschach mit der Nullkarenz-Regel zu konterkarieren.
Das verstehe ich wirklich nicht :? bei jemanden, der schon viele kritisch-interessante Beiträge zum Wettkampfschach auf hoher und weniger hoher Ebene geleistet hat und dem diese Regel ganz weit entfernt sein müßte.
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Re: Pro und Contra Nullkarenz

Beitragvon klötzchenschieber » Do 9. Jun 2011, 21:56

Machen wir uns doch mal auf die Suche. Untere Ligen sind hierbei nicht relevant, hier bin ich ja auch für eine Karenzzeit (Verzögerungen sind immer möglich, schließlich ist es ein Hobby). Und das es beim Basketball Karenzzeiten gibt, war mir wohl bewusst.

Beim Tischtennis gilt wohl bei offiziellen Einzel-Wettkämpfen (ich hoffe, ich interpretiere das richtig): Wird nach Zeitplan gespielt, so ist die Partie nach einer Zeit X (durch Veranstalter zu definieren, kann also auch Null sein) verloren. Erscheint der Spieler bei "Spiel nach Aufruf" nach dreimaligem Aufruf nicht am Tisch (= 2 x 2 Minuten Wartezeit), ist die Partie verloren. Das ist also auch schon nahe dran - die rauchenden Chinesen wären also auch beim Tischtennis rausgeflogen :D

http://file1.npage.de/000876/02/download/wettkampfordnung.pdf, Teil C - Punkt 7

Bei Box-Wettkämpfen ist es ähnlich: Erscheint der Boxer nach 3. Aufruf nicht am Ring, so "wird er von der Teilnahme an der Veranstaltung ausgeschlossen". Und das gilt auch für einen evtl. 2. Wettkampftag!

Beim Tennis ist bei Mannschaftskämpfen die Aufstellung 15 min vor Wettkampfbeginn anzugeben, ist ein Spieler zu diesem Zeitpunkt (15 min vor Beginn!) nicht anwesend, ist das Spiel mit 0:6, 0:6 gegen ihn zu werten.

http://www.ntv-tennis.de/downloads/DTB-Wettspielordnung2008.pdf §§69/70

Reiten: Erscheint der Reiter nicht zur vorgesehenen Startzeit am Prüfungsplatz, wird er gestrichen (bei den Dressurreitern gibt es minutengenaue Startzeiten - z.B. 14.00 - 14.08 - 14.16 - 14.24 etc.) Wenn er Glück hat, rufen die Richter ihn auf und lassen die Uhr laufen (jeder Reiter hat nach dem Einreiten 40 - 60 s, um mit der Prüfung zu beginnen). Ist die Zeit um, wird er gestrichen. Er kann auch nicht einfach mal später starten - das sehen die Kollegen gar nicht gern (der letzte Reiter kennt die Ergebnisse seiner Vorgänger). Hab ich aber nicht nachgelesen, so stand es immer in der LPO.

Beim Fußball scheine ich vorhin die Ausnahme gefunden zu haben, selbst S04 darf gegen den BVB 45 min zu spät kommen (Bundesliga-Spielordnung). Das wäre doch mal lustig :lol:

Aber: So exotisch ist Nullkarenz gar nicht. Und so krass ist mein Satz daher auch nicht gewesen.

Nur um das nochmal klarzustellen: Nullkarenz bei Profiturnieren finde ich völlig in Ordnung - aber ich würde keinen einzigen Beitrag schreiben, wenn diese wieder abgeschafft wird. Im Just-for-Fun-Bereich ist eine Karenz sinnvoll und notwendig, auch wenn sie für die andere Partei nervig ist (und daher ein bewusstes Zuspätkommen m.E. eine Unsportlichkeit darstellt). Ich finde nur halt die Argumente, die gegen die Nullkarenz vorgebracht werden, gelinde gesagt, etwas schwach, oft narzistisch und den pünktlichen Gegner missachtend (Selbstbestimmung, Relativität der Zeit, Aversion, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten etc.).

Und, wie beim Basketballbeispiel: Augenmaß ist erforderlich! Wenn ich als Schiedsrichter tätig gewesen wäre (was ich durchaus gerne machen würde, wozu mir aber die Zeit fehlt), hätte ich Falko Bindrich nicht genullt, wenn ich vorher Herrn Natsidis die Teilnahme an der Partie ermöglicht habe. So viel Augenmaß muss sein! Aber Augenmaß brauche ich auch, wenn ich einen Spieler in der dritten Minute vom Platz stelle. Das man Augenmaß braucht, sagt also noch nichts gegen eine Regel. Hatte ich aber auch schon mal geschrieben.

Das ganze Thema wäre auch nicht so kritisch, wenn man sich beim Schach vorher auf dem Spielbrett einspielen müsste - uns fehlt einfach der damit verbundene Zeitpuffer...
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