Folgende situation:
letzter sonntag war Team-Cub, die regeln sind wie folgt:
* Mannschaft muss 6 spieler anfangs saison melden, nur 2 spieler dürfen stärker als 2030 elo sein
* gespielt wird 4 gegen 4, nur ein spieler darf stärker als 2030 sein
* Knock-out verfahren, der gewinner kommt eine runde weiter, für den verlierer ist die saison fertig
unsere aufstellung war:
brett 1: ca 2100 vs 2200
brett 2: 2050 (war aber auf der liste für die anmeldung noch 2005) vs 1950
brett 3: ich, 1846 vs 1970
brett 4: 2050 (war aber auf der liste für die anmeldung 1990) vs 1950
der team-capitain, welcher auf brett 1 spielte, setzte vor dem spiel folgende ziele: brett 1 und 3 machen remis (da wir je ca. 100 elo schlechter waren), brett 2 und 4 gewinnen.
ja gut, und hier ist der springende punkt, die ganze partie durch hatte ich immer eine stimme im kopf welche mir sagte "du musst remis machen". mein gegner hat nicht sonderlich kreativ gespielt und nach 12 zügen stand er eindeutig schlechter, bot mir dann aber remis. ich ging zum team-capitain, fragte ihn, und er meinte ich solle noch weiterspielen da es auf brett 4 eher schlecht aussah.
ich spielte also weiter aber war noch nervöser, jetzt war die stimme im kopf eher "du hattest du chance auf ein remis, wenn du das jetzt verhaust bist du der idiot des tages". in dieser entspannten situation habe ich dann auch langsam den vorteil wieder verspielt, konnte dann aber in ein endspiel abwickeln welches ganz leicht besser war für mich. mein gegner schlug nochmals remis vor, ich ging zum team-capitain und der meinte ich solle annehmen da sich das blatt auf brett 4 gewendet hat. ich nehme also das remis an, bei der analyse zeigte sich auch dass ich in der endstellung zwar die "schönere stellung hatte", aber mein gegner das remis recht einfach halten konnte. es stellte sich aber auch heraus dass ich 4 züge zuvor eine abwicklung in ein klar gewonnenes turm-endspiel hatte. ich habe diese variante auch durchgerechnet aber ich habe mich dagegen entschieden, da die abwicklung eher kompliziert war und der zug, welchen ich dann gewählt hatte ein remis garantierte (keine komplikationen, einfach eine leicht bessere stellung für mich)
der match ging 2.5-1.5 für uns aus, brett 4 hat gewonnen, die anderen 3 machten remis, glück gehabt.
mein frage ist jetzt, wie geht man mit diesem psychologischen druck "ich muss remis machen" um? ich meine, von anfang an war für mich klar dass mein ziel ein remis ist, auch wenn ich mir sagte, ich spiele nicht auf ein remis sondern versuche natürlich zu gewinnen klappte das nicht wirklich. ich hatte die chance auf einen klaren vorteil, habe ihn aber nicht genommen da ich angst hatte in der abwicklung was falsches zu machen und entschied mich für das "sichere remis".
