Guten Morgen Schachkiste,
hier ist die Düsseldorfer Presseschau für Dienstag, 14. Juni 2011.
Die populäre Regionalzeitung "Rheinische Post" berichtet vom sportpolitischen Großereignis des Wochenendes nur auf Seite 5 in einer kleinen Notiz nebst einem briefmarkengroßen Foto, unter der Überschrift: "Gaddafi spielt Schach mit russischem Besucher". Im Text wird der Besucher immerhin als "Präsident des Weltschachverbands" identifiziert. Großen Platz auf der Titelseite nimmt dagegen eine andere Randsportart ein, in der ein deutscher Sportler einen großen Erfolg feierte. Ein großes Foto zeigt Dirk N., "ein deutscher Weltstar", mit einem müden Lächeln und einem amerikanischen Pokal.
Die kleinere regionale Konkurrenz "Westdeutsche Zeitung" bringt dagegen die Schachpartie zwischen Muammar und Kirsan als Aufmacher mit großem Foto oben auf der Titelseite (in der Online-Ausgabe etwas tiefer versteckt
hier), der "deutsche Held" Dirk wandert deshalb an den unteren Seitenrand.
Die lokale Boulevardzeitung "Express" erwähnt das Schachereignis mit keinem Wort, gemäß ihrem Prinzip, sich von der konkurrierenden "Bild" zu unterscheiden.
NB 1:
Als ich das Bild zuerst sah, erinnerte es mich spontan an ein anderes berühmtes Werk des Schach-Journalismus, Benjamin von Stuckrad-Barres "Die Guttenbergs spielen nur mit weißen Figuren". War aber ein Irrtum. Die Print-Ausgabe der WZ hat ein anderes Foto als online, und man sieht deutlich, dass Kirsans Figuren eine Gold-, Braun- oder Beige-Ton haben.
NB 2:
Auf den überregionalen Titelseiten ist heute auch nur der Randsportler Dirk N., in der "Süddeutschen" mit großem Mannschaftsfoto, in der "Frankfurter" mit kleinem Text.
Der Vergleich der Presse-Präsenz fällt mal wieder auf, dass die Nationalität einen übergewichtigen Einfluss hat. Wir hätten Kirsan abfangen und stattdessen Igor hinschicken sollen, oder Elli, oder unseren blassen Ex-Präsi von Weh (der ist als Fernschach-Großmeister doch für Fernreisen zuständig, oder?!), dann hätten wir jetzt die Schlagzeilen.
Leider fällt dem Bastian dazu nur "völlig unangemessen" und "kein Verständnis" ein.
Sorry, aber das muss auch mal gesagt sein: Ilju versteht ungefähr sechsunddreißigmal soviel von Öffentlichkeitsarbeit wie das alte und das neue DSB-Präsidium zusammen.