Ich möchte gerne einen schachphilosophischen Thread eröffnen:
Es gibt zwei unterschiedliche Interpretationen des Schachspiels, eine ganzheitliche und eine, ich will sagen, realistische. Die ganzheitliche Interpretation setzt voraus, daß es idealiter einen Universalplan im Schach gibt, den besonders gute Schachspieler von Anfang bis zum Ende verwirklichen können. Wenn sie diesen dem Gegner von Beginn an aufdrücken können, gewinnen sie die Partie.
Die realistische Betrachtung des Schachspiels dagegen assumiert, daß das Schachspiel eine zu komplexe Angelegenheit ist, als daß man einen Universalplan von Anfang bis zum Ende durchhalten könne. Stattdessen setze sich das Schach aus mehreren kleineren (bescheideren) Plänen zusammen, die sich immer aus dem konkreten Stellungsbild ergeben. Ein guter Schachspieler muß flexibel sein, um auf die sich verändernden Stellungsbilder adäquat darauf reagieren zu können. Ich denke, mit dieser Betrachtungsweise kommt man der Wahrheit zum Schachspiel näher. Denn wer hat schon einmal erlebt, daß er seinen Plan von Anfang an durchsetzen kann? Es gibt eben immer den Gegner, der auch mitspielt und jederzeit versucht, Dich vor Probleme zu stellen, die er evoziert.
