von Riddler » Mo 26. Apr 2010, 09:26
Ich empfinde das Problem als weniger relvant. Oder besser gesagt: ihr sucht nach dem falschen Schuldigen.
Mal ein paar Anmerkungen dazu:
1. Gemeinsame Endrunde
...ist eine prima Sache. Zum einen erzeugt sowas meist eine tolle Atmosphäre, zum anderen ist es einfach nett, wenigstens einmal im Jahr alle bekannten Gesichter zu sehen und zu grüßen. Am Problem der 4:4 ändert das allerdings nichts. Wenn Vereine nicht kommen wollen, weil sie die Leute nicht mehr motivieren können oder einfach lieber was anderes machen wollten, dann kommen sie halt nicht, verlieren kampflos und zahlen das Nicht-Antritts-Geld in die Verbandskasse. In meinem Verband sind das - auf die Mannschaft hochgerechnet - knapp 7 Euro für jeden.
Wenn sie kommen und 4:4 verabreden, dann gibt es immer noch genug Mittel und Wege, dies am Brett zu erreichen.
2. Die Beweggründe
Aus der Erfahrung in meinem Verband kann ich sagen, dass es in den meisten Fällen nicht die Spritkosten sind, die Mannschaften zu einem 4:4 bewegen. Viele Vereine haben einen Stammkader von 5-6 Leuten, plus ein Heer an Veteranen, die "wenn´s mal wichtig ist" vielleicht nochmal ans Brett kommen. Wenn es um nichts mehr geht, lassen sich wohl die meisten Ersaztspieler nicht mehr motivieren und genau dann brechen oft auch viele Stammspieler mit "och nö... mit nur 6 Leuten? Da mach ich mir den Sonntag nicht kaputt" weg. Es gibt halt Leute, die Schach nicht (mehr) als so wichtig betrachten, dass sie sich auf jede Partie eifrig vorbereiten und freuen. Wenn man nun mit allen Mitteln versucht, diese Vereine ans Brett zu prügeln, dann läuft man Gefahr, dass diese Leute in der nächsten Saison auf ihren Startplatz verzichten und den ohnehin schon siechenden Spielbetrieb im Amateurbereich noch weiter abbröckeln lassen.
3. Zur grundsätzlichen Ethik der Spielvereinbarungen
Schach bietet beiden Spielern die Möglichkeit, die Partie zu jedem beliebigen Zeitpunkt als Remis zu beenden, sofern keine Sonderregeln (Sofia oder was auch immer) in Kraft sind. Ob das nun im 3. oder 82. Zug geschieht, ist völlig egal, beides sind legale Spiele mit legalen Ergebnissen. Und da der Mannschaftsführer in einem Mannschaftskampf durchaus Direktiven für das Spiel seiner Mannschaft geben darf, kann man diese Möglichkeit der Einzelpartie auf die Mannschaft übertragen. Das ist weder unmoralisch, noch unsportlich, denn es wird den Amateuren ja praktisch in jeder Profiveranstaltung vorexerziert. Wenn Kramnik Vlad und Gelfand Boris am Ende des Turniers keine Chancen mehr auf den Sieg haben (und z.T. auch WENN sie noch Chancen haben), dann spielen sie halt 10 Züge Russisch und schütteln sich die Hände. Und genau dieses Recht sollte dann doch auch den Amateuren zugestanden werden. Daran können weder übereifrige badische Schiedsrichter, noch under cover Agenten etwas ändern.
Wenn man das Problem angehen will, dann muss man viel weiter unten an der Wurzle des Baums ansetzen und die Spielmechanik des Remisangebots überdenken. Versuche in diese Richtung gab es ja schon einige, allerdings sind die meist nicht für den Amateurbereich geeignet, da es eben Schiedsrichter an jedem Spielort voraussetzt, die die Einhaltung der Regeln durchsetzen.
Wake up the Dying
Don´t wake up the Dead
Change what you´re saying
Don´t change what you said
~Eels~