stoppelhoppler hat geschrieben:Riddler hat geschrieben:...
Als präventive Verhaltensmaßregeln getarnte Kritik an den Spielern wird wohl nicht erst intern bei den zuständigen Gremien vorgetragen, sondern im Internet rausposaunt. An die Funtionäre des DSB werden geflissentlich keine Erwartungen "gerichtet". Die haben ja offenbar alles richtig gemacht.
Bleibt wohl alles beim Alten....
Diese Interpretation liegt nahe.
Auch wenn sie bestimmt nicht so beabsichtigt war beim Verfassen der Pressemitteilung.
Wer hat sie übrigens so in diesem Wortlaut verfaßt und daran mitgewirkt?
Der neue Präsident, sein Pressewart oder wer noch?
Jedenfalls ein erstaunlich einseitig wirkendes Ergebnis zu einem Streit, bei dem vorher Kritikpunkte und Vorwürfe sehr weit auseinanderlagen.
Sollten die Vorwürfe tatsächlich nur solche gewesen sein und keine handfeste Grundlage gehabt haben, dann ist die gewählte Darstellung möglich.
Waren die Kritikpunkte in mehreren Punkten berechtigt, dann würde ich als ein Partner dieser Einigung auf eine ausgewogenere Darstellung bestehen.Ich weiß nicht, ob die Spieler ahnen, welche Auswirkung diese Erklärung auf die zukünftige Arbeit Spitzenschach und ihre zukünftigen Interessen haben kann. Wenn jemand das so interpretiert, daß die Spieler kapituliert haben, weil ihre Forderungen überzogen waren und ihre Anschuldigungen im Wesentlichen unberechtigt waren, dann kann ich ihn vollauf verstehen. Ich selbst hielt die Forderungen der Spieler damals weitestgehend für berechtigt und ihre Vorwürfe hinsichtlich der organisatorischen Struktur im Spitzenschach für sehr glaubwürdig. Begründungen hatten sie nachvollziehbar gegeben!
Kämen in nächster Zeit wieder derartige Töne, würde ich nichts mehr glauben und sagen, die sollen mal ihr Ding alleine unter sich ausmachen und zusehen, daß sie mit meinen zwar geringen Geldbeiträgen für das Spitzenschach irgendwie auskommen.
Aus schachlicher Sicht wird mit einer reparierten Variante nunmehr auf 3 Ergebnisse gespielt. Das ist schachlich ja immer reizvoll, auch wenn die alte russisch-sowj. Schule das Spielen auf 2 Ergebnisse bevorzugte und damit gute Erfolge aufwies.
Die reparierte Variante besteht aus altem Personal beiderseits , das anscheinend neue Motivation gefunden hat und bereit ist, alte Fehler nicht zu wiederholen. So meine bisherige Interpretation. Nach Lesart des Artikels könnte ich auch sagen, daß Deventer und Bönsch ihre bewährte und gute Arbeit fortsetzen, sich sogar zu neuen Leistungsspitzen gemeinsam mit den Nationalspielern aufraffen und die Nationalspieler endlich erkannt haben, wie überdurchschnittlich sie bisher betreut waren.
Die Wahrheit liegt vermutlich deutlich darunter; denn sonst hätte es nach menschlichem Ermessen keine derartige Eskalation gegeben, zumal mit Jan Gustafsson zumindest ein Spieler mit Bodenhaftung und Augenmaß im Team der Kritiker/Neuerer war.
Auch wenn ich Naiditsch und Meier in vielen Positionen verstand und ihnen nachfühlen konnte, fehlte mir für ihre Vorgehensweise und einige Ansprüche doch etwas Verständnis. Man kann eben vieles nicht von heute auf morgen verändern, was auch in einem längeren Prozess entstand. Das sind Beharrungskräfte, die selten sauber mit Hauruck verletzungsfrei und nutzbringend in der Sache bewältigt werden können.
Warum Spiel auf 3 Ergebnisse?
Nun, es kann alles gut gehen, alle Beteiligten haben aus ihren Fehlern gelernt und machen es zukünftig anders und besser. Das ist ja auch der Sinn von Gesprächen und Kompromissen, daß man ohne Personalauswechslungen einfach mit besserem (Schach)verständnis und besserer (Schach)technik zu besseren (Schach)ergebnissen gelangt.
Die 2. oder 3. Chance ist etwas, was man jedem lernfähigen und entwicklungsfähigen Menschen in unserer Gesellschaft zubilligt und der übereilte, reflexhafte Personalwechsel zeigt häufig nur Unkenntnis von den eigentlichen Problemen und übertriebenen Aktionismus nach Tiefschlaf.
Wenn das Personal aber doch mehr Defizite hat und weniger lernfähig ist, als man vielleicht etwas voreilig analysierte, wenn die Gräben allzu rasch mit einem Bagger zugeschüttet wurden, anstatt sie in gemeinsamer, anstrengender Schaufelarbeit, bei der man sich auch etwas besser kennenlernen und schätzen lernen kann, langsamer aufzufüllen, sorgsam zu verdichten und eine Grasnarbe drüberwachsen zu lassen,
dann kann es passieren, daß sich ganz plötzlich im Graben ein Hohlraum bildet, in den beide Seiten ganz unverhofft hineinstürzen und gegenseitig wieder mit den Köppen aneinanderkrachen. Somit kann es zu 2 anderen Ergebnissen kommen:
Stillstand auf gewissem Niveau, weil die Probleme nur zugeschüttet, aber nicht behoben wurden bzw. man die Lösung in guter Hoffnung auf die Zukunft vertagte (Zeitgewinn, nicht nur im Schach ein Spielinstrument, manchmal nicht das entscheidende)- der unverhoffte Geldsegen z.B., der viele Probleme trotz bestehender Differenzen eben wirklich zuschüttet.
Eskalation, weil der Burgfrieden nicht mal ein solcher war, persönliche Differenzen nur zurückgestellt aber nicht ausgeräumt waren, der Zeitgewinn sich verbrauchte und die erhofften positiven Entwicklungen
(mehr Geld, besseres Training dadurch, mehr Erfolge, mehr Sponsoren, mehr Aufmerksamkeit, mehr Geld - ja ein Kreislauf, der in Schwung gebracht genauso schnell laufen kann , wie er oft versiegt!) nicht eintraten.
Ich kann nur mein Gefühl wiedergeben und hoffen, daß es falsch ist, und ggf. auch Zufall und Glück in der Zukunft zu einer positiven entwicklung des Leistungsschachbereichs führen: Ich persönlich habe kein gutes Gefühl.
Schachlich werden die Spieler meine moralische Unterstützung bekommen, was ihnen in der Partie gar nichts hilft.
Ob sie noch einmal in schachorganisatorischen Dingen meine moralische oder sogar tätige Unterstützung bei Veränderungsprozessen erhalten werden, hängt von vielen Einzelheiten ab, die ich beim letzten Spieler"aufstand" wohlwollend unterstellt habe, jetzt aber etwas differenzierter sehen werde.
Die Führungsspitze des Schachbunds ist zu personellen Reformen anscheinend nicht bereit, sieht sie als nicht notwendig an.
Die Personen Deventer und Alt halte ich nicht für weiter tragbar, aber er ist zu befürchten, daß sich bessere Alternativen nicht aufdrängen oder gar bereiterklären.
Zu Buhmann hat elvis bereits das Nötige geschrieben. Das "alte" Konzept, insbesondere jüngere Spieler aufzubauen und in das A-Team zu bringen, unterstütze ich. Nicht als Selbstzweck ohne jede Ausnahme aber als Grundkonzeption.
Rainer Buhmann hat in Khanty das 1. Brett des gerupften A-Teams bestens verteidigt (Ratingperformance 2613, 5,5 aus 10 bei nur einer Niederlage). Er scheint in keiner Formkrise zu sein, seine Elo ist nicht im Tiefflug.
Warum muß man einen älteren, zwar aktuellen deutschen Meister diesem jüngeren Spieler vorziehen? Ich sehe es nicht!
Um aber auch Khenkin gerecht zu werden (und Anand erst

):
Sollten die Kaderkriterien des Schachbunds von Bestimmungen der Sportförderung so beschränkt und bestimmt sein, daß sie unabhängig von der Spielstärke das Altersfallbeil niedersausen lassen, dann läuft hier etwas für den Schachsport falsch.
Ich weiß es nicht, aber ich halte es durchaus für vorstellbar, daß in der deutschen Sportförderung insgesamt der Altersrasenmäher gepflegt wird, weil er recht einfach zu bedienen ist und in vielen Sportarten die "Medaillenverluste" durch zu frühe Aussonderung zu alter Sportler nicht so offensichtlich oder beweisbar sind.
Es gibt aber bestimmt auch andere Verbände, die wissen, welchen Sportlichen Stand ihre "alten" Sportler haben und warum man sie noch ein paar Jahre ähnlich den jüngeren Sportlern fördern und unterstützen sollte.