linkinkev hat geschrieben:elvis hat geschrieben:Als 20-facher Teilnehmer an der Deutschen Meisterschaft ist Bastian das personifizierte Mittelmaß und ein Symbol dafür, dass Spitzenschach im DSB nicht stattfindet.
Diese Logik erschließt sich mir nicht. Kannst du das noch ein wenig ausführen?
Zur Ausführung:
Herbert Bastian ist ein mittelprächtiger Oberliga-Spieler, von der Sorte gibt es in Deutschland viele. DWZ 22xx, Tendenz fallend. In besseren Zeiten hat er mal den IM-Titel geschafft, aber die Zeiten sind lange her.
In seinem kleinen Landesverband (ca. 1100 Mitglieder) gibt es nicht ganz so viele Spieler dieser Sorte, da ist er einer der besten. Und bei der Saarländischen Landesmeisterschaft ist er regelmäßig auf einem der vorderen Plätze, auch wenn er nicht jedes Jahr Landesmeister wird.
Über die Landesmeisterschaft bekommt Bastian regelmäßig einen Startplatz bei der Deutschen Meisterschaft. Offenbar auch in Jahren, in denen er nicht Landesmeister wird - vielleicht haben die anderen Saar-Spieler keine Zeit oder keine Lust, zur "Deutschen" zu reisen. (Nur als die DM in Saarbrücken stattfand, waren mehrere saarländische Teilnehmer dabei.)
Das ist nämlich der Punkt, wo die Funktionäre ihre Hand im Spiel haben. Viele Landesverbände legen Wert darauf, dass ihre Landesmeister einen Startplatz bei der Deutschen Meisterschaft bekommen - die größeren Landesverbände mindestens zwei Plätze. Das Ziel der Übung ist offensichtlich nicht, dass die besten Schachspieler Deutschlands unter sich den Meister ausspielen, sondern dass die besten Teilnehmer der Landesmeisterschaften für ihren Erfolg belohnt werden. Ob bei der Deutschen Meisterschaft gutes Schach gespielt wird, ist zweitrangig - Hauptsache der Landesverband ist vertreten.
Bei der Frauenmeisterschaft ist dieses Prinzip jetzt auf die Spitze getrieben worden - übrigens von Bastians Landesverband Saarland. Weil die Landesmeisterin (die im Mittelfeld der schwach besetzten Frauenmeisterschaft hätte mithalten können) auf die Teilnahme verzichtet hat, reiste die Zweite der Landesmeisterschaft nach Bonn: eine Dame im Rentenalter, die früher mal eine 1600er DWZ hatte und jetzt nur noch bei 1400 herumdümpelt. Sarah Hoolt, die bei der Frauenmeisterschaft an Nr. 1 gesetzt war, beklagte in einem Interview vor dem Turnier, dass andere starke Spielerinnen explizit deshalb nicht bei der Deutschen Meisterschaft spielen, weil das Teilnehmerinnenfeld zu schwach ist. Den Funktionären scheint es egal zu sein - Hauptsache der Landesverband ist vertreten.