klötzchenschieber hat geschrieben:Na Männer, habt Ihr da nicht ein wenig hoch gegriffen? Angesichts der Spielstärke wäre ich mit den Kasparov Büchern vorsichtig (ob nun von oder über ihn), Fischer ist zu optimistisch und Hübner zu wissenschaftlich.
...
Hm, ein interessanter Einwand, allerdings gab naphta folgendes an:
naphta hat geschrieben:In 2009 hatte ich mir David Bronsteins "Zürich 1953" gekauft und bin damit zu 3/4 durch. Es gefällt mir bisher gut. Nun suche ich nach einem Nachfolger.
Die Kommentare könnten etwas ausführlicher sein und das Buch muss nicht so viele Partien beinhalten. Was ist empfehlenswert?
P.S.: Bitte bei den Empfehlungen darauf Rücksicht nehmen, dass ich das Ende der forumsinternen DWZ-Tabelle ziere. Ich muss die Analysen auch nachvollziehen können.
und ich habe dabei das P.S. überlesen ...
Doch ist die Angabe schon etwas widersprüchlich, da Zürich 1953 eben ein Kandidatenturnier kommentiert von einem WM-Anwärter betrifft und es gut gefiel mit dem Wunsch nach tieferen Analysen.
Das kann ich gut verstehen.
Wenn ich mir Weltklassepartien anschaue, dann bleiben auch bei mir sehr viele Fragen offen, die ich nur teilweise und mit massivem engine-Einsatz lösen kann.
Derartige Partien sind eben von balanciertem bis zweischneidigem Spiel beider Spieler geprägt, was die Klasse aber auch die Komplexität ausmacht.
Ich stelle mal die Hypothese auf, daß Partien, die sehr lange im dynamischen Gleichgewicht verlaufen, recht schwierig zu kommentieren sind für Spieler mit noch nicht ganz so großer Spielstärke. Vielleicht sind diese Partien auch nicht ganz so gut geeignet und die Lerneffekte sind größer bei Partien, die ein bißchen Einbahnstraßencharakter haben.
Diese gibt es auch mal unter großen Meistern, was das Interesse sicher steigert, als wenn N.N. gegen N.N. vorgeführt wird - so lehrreich dieses Beispiel auch sein mag.
Wer sich aber durch Zürich 1953 gearbeitet hat, der sollte auch mit Fischer gut fahren.
Fischer hat einen guten Weg gefunden, die kritischen Partiepassagen verbal zu kommentieren und mit Varianten zu unterlegen - nicht wissenschaftlich hochkomplex, manchmal aber schon sehr tiefgehend, aber nicht unnötig oft.
Perfektion bei der Partiekommentierung gibt es nicht.
Wer Fischer (später oder gleich) hinterfragen will, der kann den "Hübner" dazu nehmen.
Vielleicht stößt man dann auch auf Fragen, die man beim Fischer-Studium auch an diesen stellen mochte!?
Diese Möglichkeit finde ich zusätzlich reizvoll.
Dieser "Hübner" ist übrigens - vermutlich dank verlegerischer Einwirkung! - in großen Teilen wirklich lesbar geblieben und keine Doktorarbeit über jede Partie oder noch schlimmer jeden Halbzug.
Interessant finde ich auch Botwinniks kommentierte Partien. Er geizt etwas mit Varianten, erläutert dafür kurz aber sehr präzise verbal Verfahren und Merkmale des Partieverlaufs. Varianten kann man ggf. mit engines heutzutage unterlegen.
Das bereits erwähnte "Großmeisterschach Zug um Zug" von Nunn scheint mir nach vielen Beschreibungen am besten geeignet zu sein.
Leider kenne ich diese Buch selbst nicht. Bitte nicht verwechseln mit dem von mir genannten "Geheimnisse des ...".
Wer an Move-by-Move Komentaren - verbal und erforderlichenfalls mit Varianten - interessiert ist, der sollte mal zu Seirawans "Winning Chess Brilliancies" greifen. 12 ausführlich kommentierte, inhaltsreiche Partien der Weltklasse einschließlich Seirawans sieg gegen WM Karpow Anfang der 80er.
Vielleicht wird Seirawan als Autor und Lehrer überhaupt viel zu selten genannt.
Kladist hielt sehr viel von ihm und zeigte mir auch mal ein älteres Lehrvideo mit dem jungen, engagierten Seirawan am klassischen Demobrett.
Nachtrag:
naphta hat geschrieben:...
Vor der Erstellung dieses Threads habe ich über zwei Bücher nachgedacht: a) Großmeisterschach Zug um Zug und b) Der Zauberlehrling.
b) hatte ich mal durchgeblättert, aber nur noch dunkle Erinnerungen daran. 222 Partien von Bronstein kommentiert - das hört sich sehr gut an. Das wird es wohl werden...
Deinen Enthusiasmus will ich etwas bremsen.
Ich besitze dieses Buch in der Edition Olms-Ausgabe und es ist wegen etlicher Hintergrundinformationen und anderer Art der Kommentierung sicherlich lesenswert.
Die allermeisten Partien sind aber nicht so ausführlich kommentiert, wie Du es vielleicht erwartest. Da solltest Du doch noch einmal hineinschauen, insbesondere wenn Du das Buch nicht günstig als Remittendenexemplaren erwirbst.
Ausführliche (verbale und variantenmäßige) Erläuterungen im Zug-um-Zug-Prinzip liefern auch Euwe/Meiden "Amateur wird Meister" und "Meister gegen Meister". Vielleicht nicht "wissenschaftlich" vollkommen korrekt, dafür aber eingängiger und trotz eventueller Fehler lehrreicher.
