Suche kommentierte Partiensammlung

Die ganze Welt der Schachbücher.

Re: Suche kommentierte Partiensammlung

Beitragvon stoppelhoppler » Do 17. Feb 2011, 12:53

klötzchenschieber hat geschrieben:Na Männer, habt Ihr da nicht ein wenig hoch gegriffen? Angesichts der Spielstärke wäre ich mit den Kasparov Büchern vorsichtig (ob nun von oder über ihn), Fischer ist zu optimistisch und Hübner zu wissenschaftlich.
...


Hm, ein interessanter Einwand, allerdings gab naphta folgendes an:

naphta hat geschrieben:In 2009 hatte ich mir David Bronsteins "Zürich 1953" gekauft und bin damit zu 3/4 durch. Es gefällt mir bisher gut. Nun suche ich nach einem Nachfolger.

Die Kommentare könnten etwas ausführlicher sein und das Buch muss nicht so viele Partien beinhalten. Was ist empfehlenswert?

P.S.: Bitte bei den Empfehlungen darauf Rücksicht nehmen, dass ich das Ende der forumsinternen DWZ-Tabelle ziere. Ich muss die Analysen auch nachvollziehen können.


und ich habe dabei das P.S. überlesen ... :oops:

Doch ist die Angabe schon etwas widersprüchlich, da Zürich 1953 eben ein Kandidatenturnier kommentiert von einem WM-Anwärter betrifft und es gut gefiel mit dem Wunsch nach tieferen Analysen.

Das kann ich gut verstehen.
Wenn ich mir Weltklassepartien anschaue, dann bleiben auch bei mir sehr viele Fragen offen, die ich nur teilweise und mit massivem engine-Einsatz lösen kann.
Derartige Partien sind eben von balanciertem bis zweischneidigem Spiel beider Spieler geprägt, was die Klasse aber auch die Komplexität ausmacht.
Ich stelle mal die Hypothese auf, daß Partien, die sehr lange im dynamischen Gleichgewicht verlaufen, recht schwierig zu kommentieren sind für Spieler mit noch nicht ganz so großer Spielstärke. Vielleicht sind diese Partien auch nicht ganz so gut geeignet und die Lerneffekte sind größer bei Partien, die ein bißchen Einbahnstraßencharakter haben.
Diese gibt es auch mal unter großen Meistern, was das Interesse sicher steigert, als wenn N.N. gegen N.N. vorgeführt wird - so lehrreich dieses Beispiel auch sein mag.

Wer sich aber durch Zürich 1953 gearbeitet hat, der sollte auch mit Fischer gut fahren.
Fischer hat einen guten Weg gefunden, die kritischen Partiepassagen verbal zu kommentieren und mit Varianten zu unterlegen - nicht wissenschaftlich hochkomplex, manchmal aber schon sehr tiefgehend, aber nicht unnötig oft.
Perfektion bei der Partiekommentierung gibt es nicht.

Wer Fischer (später oder gleich) hinterfragen will, der kann den "Hübner" dazu nehmen.
Vielleicht stößt man dann auch auf Fragen, die man beim Fischer-Studium auch an diesen stellen mochte!?
Diese Möglichkeit finde ich zusätzlich reizvoll.
Dieser "Hübner" ist übrigens - vermutlich dank verlegerischer Einwirkung! - in großen Teilen wirklich lesbar geblieben und keine Doktorarbeit über jede Partie oder noch schlimmer jeden Halbzug. ;)

Interessant finde ich auch Botwinniks kommentierte Partien. Er geizt etwas mit Varianten, erläutert dafür kurz aber sehr präzise verbal Verfahren und Merkmale des Partieverlaufs. Varianten kann man ggf. mit engines heutzutage unterlegen.

Das bereits erwähnte "Großmeisterschach Zug um Zug" von Nunn scheint mir nach vielen Beschreibungen am besten geeignet zu sein.
Leider kenne ich diese Buch selbst nicht. Bitte nicht verwechseln mit dem von mir genannten "Geheimnisse des ...".

Wer an Move-by-Move Komentaren - verbal und erforderlichenfalls mit Varianten - interessiert ist, der sollte mal zu Seirawans "Winning Chess Brilliancies" greifen. 12 ausführlich kommentierte, inhaltsreiche Partien der Weltklasse einschließlich Seirawans sieg gegen WM Karpow Anfang der 80er.
Vielleicht wird Seirawan als Autor und Lehrer überhaupt viel zu selten genannt.
Kladist hielt sehr viel von ihm und zeigte mir auch mal ein älteres Lehrvideo mit dem jungen, engagierten Seirawan am klassischen Demobrett.

Nachtrag:

naphta hat geschrieben:...

Vor der Erstellung dieses Threads habe ich über zwei Bücher nachgedacht: a) Großmeisterschach Zug um Zug und b) Der Zauberlehrling.
b) hatte ich mal durchgeblättert, aber nur noch dunkle Erinnerungen daran. 222 Partien von Bronstein kommentiert - das hört sich sehr gut an. Das wird es wohl werden...


Deinen Enthusiasmus will ich etwas bremsen.
Ich besitze dieses Buch in der Edition Olms-Ausgabe und es ist wegen etlicher Hintergrundinformationen und anderer Art der Kommentierung sicherlich lesenswert.
Die allermeisten Partien sind aber nicht so ausführlich kommentiert, wie Du es vielleicht erwartest. Da solltest Du doch noch einmal hineinschauen, insbesondere wenn Du das Buch nicht günstig als Remittendenexemplaren erwirbst.
Ausführliche (verbale und variantenmäßige) Erläuterungen im Zug-um-Zug-Prinzip liefern auch Euwe/Meiden "Amateur wird Meister" und "Meister gegen Meister". Vielleicht nicht "wissenschaftlich" vollkommen korrekt, dafür aber eingängiger und trotz eventueller Fehler lehrreicher.
Zuletzt geändert von stoppelhoppler am Do 17. Feb 2011, 16:40, insgesamt 1-mal geändert.
Die Signatur, die Signatur hat nicht immer Recht.
stoppelhoppler
Schachprofi
 
Beiträge: 586
Registriert: Do 25. Dez 2008, 23:04
Wohnort: Berlin
Wertungszahl: Tendenz fallend...

Re: Suche kommentierte Partiensammlung

Beitragvon Lestat » Do 17. Feb 2011, 15:13

naphta hat geschrieben:
Ist das zufällig das Buch, welches vom Novice Nook-Autor empfohlen wird? Hatte ich auch mal dran gedacht. Wie viele Partien beinhaltet das Buch?

ja, aber von Dan Heisman hingegen halte ich nicht viel :-)

Es handelt sich um 33 Partien, aber durchgehend "nur klassische" eröffnungen, es hat glaub ich 3 nimzo-partien und 1 sizilianisch ansonsten nur 1.e4 e5 resp. 1.e4 e6 und 1.d4 d5
e^(i*pi) + 1 = 0

What the hell does the ratio of the circumference of a circle to its diameter have to do with the base of the natural logarithm and the square root of -1?
Benutzeravatar
Lestat
Moderator
 
Beiträge: 460
Registriert: Do 18. Dez 2008, 12:01
Wohnort: Lausanne
Wertungszahl: CH-ELO 1878, FIDE-ELO 1893

Re: Suche kommentierte Partiensammlung

Beitragvon Jupp53 » Do 17. Feb 2011, 22:23

Nochmal kurz kommentiert und etwas anders, weil hier im Thread noch erwähnt oder einen zweiten Anlauf verdienend:

Emanuel Lasker - St. Petersburg 1909 wurde von A. Aljechin als das Buch benannt, aus dem er alles über das Positionsspiel lernte, was ihm half WM zu werden. Es ist GUT.

Capablanca - Gründzüge der Schachstrategie, enthält neben hervorragendem Lehrmaterial noch 18 Partien. Es ist deswegen bemerkenswert, weil er zu diesem Zeitpunkte seine sämtlichen Verlustpartien (=9) in Großmeisterturnieren kommentiert. Das habe ich lange nach Lektüre erfahren. (Ich bin allerdings ein Schieber, der gerne im Bauernendspiel gewann.)

Aljechin - Meine besten Partien; Auf dem Wege zur WM; New York 1924; New York 1927; Nottingham 1936; fünf Klassiker, die Spaß machen und lehrreich sind. Die Partiekommentare sind etwas einseitig für die Attacke und Aljechin lobt sich selbst über den grünen Klee - aber trotzdem ....

Euwe - die Meister gegen Amateur-Serie!!!! Eine hervorragende Lehrbuchserie, die wirklich Prinzipien erläutert. Euwe ist mit seinen Büchern dafür verantwortlich, dass die Niederländer immer wieder hervorragende Meister und ebensolche Trainingsliteratur hervorbrachten.

Botwinnik - 100 beste Partien. Für 1600+ sehr gutes Material

Smyslov - Ich bin hin und hergerissen.

Bronstein - 200 offene Spiele (!!!); Der Zauberlehrling (der erste Nichtweltmeister in dieser Reihe) sind gut, gut, gut

Tal - das neue Buch von Karsten Müller; Tals Bücher sind zur Zeit nur auf englisch erhältlich, aber sensationell gut, er war selbstbewusst genug, wirklich offen zu schreiben.

Fischer - 60 memorable games oder Meine 60 denkwürdigen Partien.

Es gibt mehr und aktuelleres, qualtivativ wirklich gutes Zeug - wichtig: Das Leben ist zu kurz, um schlechte Schachbücher zu lesen! Lieber 10 Bücher 20zigmal als 200!
Mein Schachblog: http://patzer53.wordpress.com

Fußball ist nicht nur Dong. Es ist Ding-Dang-Dong. (G. Trappatoni)
Benutzeravatar
Jupp53
Schachprofi
 
Beiträge: 887
Registriert: Fr 19. Dez 2008, 17:16
Wertungszahl: Deine Zahl Minus 300

Re: Suche kommentierte Partiensammlung

Beitragvon naphta » Fr 18. Feb 2011, 09:16

stoppelhoppler, Jupp,

nett, dass ihr mir die Amateur/Meister Trilogie empfohlen habt. Leider habe ich die schon. Meister gegen Amateur und Amateur wird Meister sind das beste, was mir an Schachbüchern unter die Finger gekommen ist. Ich erinnere mich gern an die italienische Partie, in der es um Sinn bzw. Unsinn von Randbauernzügen geht, die Partie mit dem Minoritätsangriff, die Strategie im abgel. Damengambit, die Grünfeldpartie und und und. Diese typischen Fehler des Amateurs, die zum Verlust führen, obwohl das Material ausgeglichen ist. Sehr lehrreich. Jupps Begeisterung teile ich uneingeschränkt.

Ich lasse die Ratschläge mal auf mich wirken.
Wir wissen nicht, was dieser freundliche Großmeister empfiehlt, aber wir empfehlen bei Schachsucht die Schachkiste.
naphta
Schachenthusiast
 
Beiträge: 129
Registriert: So 30. Aug 2009, 21:03

Re: Suche kommentierte Partiensammlung

Beitragvon Stratege » Fr 18. Feb 2011, 13:25

Ich wäre jetzt auch noch mit auf den Euwe-Zug aufgesprungen.

Ansonsten ist das Buch
schachbuecher-f72/the-mammoth-book-of-the-worlds-greatest-chess-game-t317.html auch eine Überlegung wert. Von der Kommentierung passt das Buch super zu deinen Ansprüchen und es sind jede Menge Partien enthalten, bei denen viele Leute sagen, dass ein richtiger Schachspieler sie einfach kennen muss.
"Die Tromp- und Colorado-Quote steigt wieder an, genauso wie die Anzahl der gekauften, aber ungelesenen Schachbücher im Schrank (das Zeichen schlechthin für einen ewigen Verlierer!)" IM Ilja Schneider auf schachzoo.twoday.net
Stratege
Administrator
 
Beiträge: 946
Registriert: Do 18. Dez 2008, 03:02
Wohnort: Münsterland
Wertungszahl: > 1600 DWZ

Re: Suche kommentierte Partiensammlung

Beitragvon stoppelhoppler » Fr 18. Feb 2011, 20:37

naphta hat geschrieben:... Leider habe ich die schon. ...


Warum leider? ;)

Amateur wird Meister habe ich mir als Jugendlicher mehrfach aus der Bücherei ausgeliehen.
Vielleicht sollte ich da doch mal wieder reinschauen :geek: , damit es noch klappt. :lol:

Der Hinweis von Jupp, gute Bücher mehrmals zu lesen oder zu bearbeiten, sollte nicht untergehen. Bei Aufgabensammlungen gelingt mir dies. Bei Partiensammlungen dagegen nicht.
Je weniger Schachbücher man besitzt, desto leichter ist es, ein paar auch mal durchzuarbeiten.

Zu Botwinniks selected 100: hier dürfte es verschidene Versionen geben. Die Ausgabe von Schmaus von 1980 (unschön tituliert mit einfach Michael Botwinnik) erfaßt Partien bis zu B.s Turnierschachende im Jahre 1970.
Englische Vorgängerversionen gibt es auch von 1951 und von 1960 und beinhalten 100 Partien bis 1946.

So jetzt keine Empfehlungen mehr, weniger, aber konzentriert ist besser als Verzettelung.
Die Signatur, die Signatur hat nicht immer Recht.
stoppelhoppler
Schachprofi
 
Beiträge: 586
Registriert: Do 25. Dez 2008, 23:04
Wohnort: Berlin
Wertungszahl: Tendenz fallend...

Vorherige

Zurück zu Schachbücher

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast