Die normale Schachliteratur ist uns ja als "Fachliteratur" zumeist recht geläufig.
Wie sieht es aber mit Hintergrundberichten oder Biographien aus? Bücher, in denen die gespielten Partien etwas in den Hintergrund rücken und Umstände wie Alltag und Lebensabläufe in den Vordergrund rücken! Bücher, die man tatsächlich lesen kann und nicht studieren muß.
Mir fallen da folgende Werke ein:
Milan Vidmar "Goldene Schachzeiten"
Alexander Koblenz "Schach lebenslänglich"
Botwinnik "Schacherinnerungen"
Kotschnoi "Ein Leben für das Schach"
Garri Kasparow "Politische Partie"
Edmonds/Eidinow "Wie Bobby Fischer den Kalten Krieg gewann"
Auch in kleineren Büchern wie Botwinnik "15 Schachpartien und ihre Geschichte" oder Rosal "Schach mit Karpov" erfahren wir mehr als die algebraische Notation.
Ich habe diese Bücher schon länger nicht mehr gelesen und lediglich neulich mal im "Kortschnoi" geblättert.
Dabei fiel mir anhand weniger Auszüge auf: Der "Schreckliche" ist eine authentische und ehrliche Haut - und natürlich schachbesessen.
Wie komme ich zu der ersten Aussage? Ein auf das Image achtender Mensch hätte einige Aussagen im Kortschnoi-Buch anders getroffen oder weggelassen. Nicht so Kortschnoi!
Obwohl er sicher erkannt hat, daß einige Statements auch negativ wirken, hat er sich niedergeschrieben - und sich damit authentisch verhalten.
Einige Beispiele:
"Schachspieler sind charakterlich verschieden. Einige benötigen zum optimalen Erfolg ein freundschaftliches Verhältnis zu ihrem Gegner, andere müssen unbedingt ein Feindbild entwickeln...Ich muß gestehen, daß die letzteren weitaus in der Mehrzahl sind, und auch der Verfasser gehört in diese Gruppe."
Zum Kandidatenwettkampf mit Tal (1968 - Tal hatte einen Leibarzt mitgebracht):
"Ohne meine Überlegungen auszusprechen
(Kortschnoi nahm an, daß Tal Drogen nahm und der visuelle Einfluß des Arztes seine geminderte Willenskraft wieder erhöhen sollte..!) schrieb ich einen Brief an das Schiedsrichtergremium, mit der Bitte, den Doktor ... in die hinterste Reihe zu setzen."
Dem Gesuch wurde stattgegeben, was Tal nicht sehr erfreute. 10 Jahre später wurde dann Dr. Suchar wieder auf die Achillesferse von Kortschnoi angesetzt.
Aus meiner Sicht war es nicht besonders sportlich von Kortschnoi gegenüber dem bekanntermaßen gesundheitlich instabilen Tal so zu verfahren. Aber er stand und steht dazu - ohne Ausrede und falsche Erklärungen.
Kortschnoi und Karpov bei einem Turnier 1971/72 in Hastings - letzte Runde:
"Als Karpov in seinem Zimmer über der Analyse seiner Abbruchpartie saß, drehte ich absichtlich ... das Radio auf volle Lautstärke, um ihn fühlen zu lassen, daß mich nun nichts anderes als die Musik interssierte. Karpov gewann die Partie und wir teilten den ersten Platz."
Bei anderen Schachspielern ist dies zu überprüfen. Ich habe gehört, daß man insbesondere bei Botwinnik vorsichtig kritisch an die Sache herangehen sollte.
Abschlußbemerkung:
Wer kennt andere Werke und möchte aus Ihnen etwas zitieren?
