von klötzchenschieber » Do 18. Feb 2010, 23:27
Ich habe das Buch inzwischen gekauft- und ich muss sagen, es ist zumindest das Geld wert - ein abschließendes Urteil würde voraussetzen, dass ich es durchgearbeitet habe, aber das wird noch Monate dauern.
Großformat A4 (und das bei 300 Seiten!), Aufmachung (Satz, Bildanordnung, Überschriften) ähnlich wie beim Schachmagazin 64 (die Autoren sind dort tätig, einige/wenige Fotos und Partien waren auch dort damals schon zu sehen), m.E. gute Papier- und Bindequalität. Die Seiten sind dabei nicht verschwendet worden, für ein Buch sind sie vielmehr schon fast zu dicht beschrieben (dichter als im SM 64!). Aber sonst wäre das Ding endgültig aus den Nähten geplatzt.
Vom schriftstellerischen: viele verschiedene Autoren, die eigentlichen Autoren sind mehr aktive Editoren, denn wirkliche Alleinautoren. Daher gibt es auch große Schwankungen. Einziger Nachteil: Es ist zu offensichtlich, dass Englisch nicht die Muttersprache der Autoren ist. Man mag es gegengelesen haben, der "deutsche" Satzbau und ab und zu seltsame Vokabeln fallen mir persönlich schon auf (ich bin durch New in Chess einen anderen Standard gewohnt, mit Texten von Miles, Short oder anderen "native Speakern" vergleicht man am besten nicht). Man kann es gut lesen, darf aber nicht zu hohe Ansprüche stellen.
Schachlich: Es gibt nicht nur analysierte Großmeisterpartien (die gibt es auch in ausreichender Zahl, mal kurz, mal lang kommentiert, mal Schwerpunkt auf aktuelle Eröffnung, mal auf taktische Scharmützel oder Endspiele), es werden auch ganz bewußt immer wieder Partien "von unten" hochgeholt, ob nun als "Meister gegen Amateur" oder als "Amateur gegen Amateur". Zielsetzung ist es halt nicht, die Großen zu beweihräuchern, sondern die Vielfalt der Teilnehmer zu präsentieren. Hierzu tragen dann auch viele Porträts, Interviews etc. bei.
Apropos Beweihräucherung: Die erste Kritik an den Veranstaltern gibt es im einleitenden Kapitel zur Begrüßung, auch im Fortgang der Texte hält man nicht hinter dem Berg, wenn etwas nicht richtig passte, sei es bei der Organisation, den Schiedsrichtern oder was auch immer.
Insgesamt wohl noch auf Jahre eine interessante Lektüre und schöne Erinnerung!