Grand Prix Angriff

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Grand Prix Angriff

Beitragvon loot » Mi 19. Jan 2011, 21:36

such ein gutes Buch für den Grand Prix Angriff kann da jemand was empfehlen?
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Re: Grand Prix Angriff

Beitragvon linkinkev » Mi 19. Jan 2011, 22:18

http://www.freechess.info/content/view/433/2/

Wenn man des Englischen mächtig ist.

Im vorliegenden Buch stellt Jones seinem Publikum dieses System ausführlich und detailliert vor. Die Gliederung des Materials ist recht übersichtlich, nach 1.e4 c5 2.Sc3 folgt auf 2…d6, 2…e6 und 2…Sc6 jeweils ein Kapitel, wobei der Autor dem Leser die Wahl überlässt, ob er lieber den aggressiven Aufbau mit Lc4 oder die ruhigere Gangart mit Lb5 anstrebt.


Bearbeitet also nicht nur stumpf Varianten, sondern auch variable Weißaufbauten, was mir persönlich sehr gefällt.

Allerdings behandelt das Buch nicht den klassischen GPA, sondern den verzögerten nach 2. Sc3
„Du Lauch, aus dir wird nie etwas werden!“

Die Burg wird das Feld in Sachen Output in einem Jahr überholen! 5.9.2011 (Auch wenns nur in der Spielhalle ist, accomplished)
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Re: Grand Prix Angriff

Beitragvon Geck0tierchen » Mi 19. Jan 2011, 23:42

Ich fand das oben zitierte Buch nicht sonderlich gut. GM Jones stellt zwar die wesentlichen Motive und Pläne des Weißen dar, diese lassen sich aber auf zwei Seiten zusammenfassen. Er geht auch auf die wichtigsten grundsätzlichen Abspiele ein, präsentiert diese aber recht oberflächlich, gibt nur selten Analysen und zeigt außer Lb5+ Ld7 Lc4 keine eigenen Ideen.

Die schwarzen Möglichkeiten werden in meinen Augen zu sehr runtergespielt, die Weißen Möglichkeiten zu fulminant dargestellt. Gerade da die schwarzen Gegenspielmöglichkeiten nur unzureichend dargestellt werden, könnte es für viele Spieler eine gewisse ÜBerraschung geben, wenn sie in ihren Turnierpartien mit den sinnvolleren Alternativen konfrontiert werden. In einer der Hauptvarianten gibt er in der Tabiya anstelle des mit Abstand am natürlichsten aussehenden schwarzen Zuges, mit dem ich z.B. im Blitzen fast ausnahmslos konfrontiert werde, einen Alternativzug als Hauptvariante, den ich noch nie in meiner Bullet-, Blitz- und Turnierpraxis gesehen habe (und ich spiele das System mit Unterbrechungen seit so grob 7 Jahren). In einer der anderen Hauptvarianten folgt er der Theorie.... nun, und zwar der Main Line, die aber als Widerlegung des ganzen weißen Planes angesehen wird !! im gegensatz dazu findet sich z.B. auf Bangievs CD in dieser Hauptvariante die "moderne", von den starken treuen GPA ANhängern ausschließlich gespielte Variante.

Natürlich kann sich die Starting Out Reihe immer darauf zurückzhiehen, das sie die Eröffnung nur einstweilig vorstellen und die tiefere Analyse dem Leser überlassen will. Dagegen ist ja nichts einzuwenden, aber dann doch nicht auf die Art und Weise, in der es GM Jones tut.

Als Vergleich habe ich z.B. auch das "Starting Out: Scotch Opening" von John Emms. Letzteres ist ein großartiges Buch _mit einer Unmenge an Ideen_. In den sehr gut kommentierten Partien findet sich eine Vielzahl an Zugabweichungen und eine Menge natürlicher aber auch origineller "!?" Züge findet sich an. Bei jedem wird die Idee kurz erklärt und dann konkret mit einer kürzeren oder längeren Variante auf die konkreten Vor- und Nachteile eingegangen. Dabei ist Emms absolut ehrlich (nicht selten sagt er dass Schwarz super steht ;) ) und findet die Ideen _selbstverständlich_ für beide Seiten. Ein krasses Beispiel dafür ist z.B.

1.e4 e5
2.Sf3 Sc6
3.d4 exd4
4.Sxd4 Sf6

und hier diskutiert er im einleitenden Kapitel die Alternativen zu Sxc6 und Sc3. Eine wahrhaft originelle Idee die er dabei präsentiert ist 5.Lb5!?, dessen Idee erklärt und mit ein paar varianten untermauert wird. Am Ende empfiehlt er die für ihn "optimale" Entgegnung von Schwarz und zeigt dabei auch die Nachteile dieser Zugfolge auf.

Bei Jones sucht man sowas vergebens. Als jemand, der die MAterie sehr gut kennt, weiß ich natürlich, woher er die Ideen hat. So präsentiert er (natürlich!) die kritische Anand - Gelfand Partie, die die Gelfand Variante wieder etwas aus dem Rampenlicht gerückt hat. Er zeigt hier aber kaum eigene ANalysen! Jeder, der die wunderschöne Kommentierung Anands kennt, sieht sofort dass er diese im wesentlichen nur übernommen hat, was sich besonders gut an der "Van Wely hält auch Sf-d4 für spielbar" (Jones) Kommentierung zeigt. Im Originallaut hieß es dagegen ungefähr so: "Van Wely told us about this idea on our way to the hotel, but we didn't look at it as we just wanted to get some food" (Anand). Selbstverständlich zeigt GM Jones danach keinerlei eigene ANalysen zu dem Thema!

Wenn GM Jones zum x-ten Mal eine vollkommen gesunde schwarze Antwort anstelle des schwachen Partiezugs präsentiert und zu dieser dann lediglich eine Partie angibt, in der Schwarz rosige Aussichten hat, aber keine Verbesserungsvorschläge für Weiß in petto hat, macht sich ein gewisses Gefühl der Ratlosigkeit breit.

In dem Kontext kann man auch mal direkt ausholen. Lehrreicht ist z.B. die Partie

http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1482513

In der IM Wippermann (ein ehemaliger Schüler von einem DER Experten des GPAs, IM Bangiev) Mr.Jones mit spielerischer Lässigkeit überspielt.


Ich persönlich hatte mir von dem Buch viele neue Ideen analog zum Emms Buch erhofft, um ein bisschen alternieren zu können. Ebenso wäre eine aktuelle Präsentierung der Eröffnung wünschenswert gewesen (Anands Erfolge damit stammen aus den 90ern - das ist mittlerweile knapp 20 Jahre her!). Ich persönlich habe in diesem Buch keine einzige neue Idee gelernt.

Eine deutlich bessere Darstellung gibt es meiner Ansicht nach in der "Weißrepertoire 1.e4" CD von IM Bangiev. Es gibt auch Material von dzindzichashvilii zu dem Thema (chess openings for white, explained), aber damit kenne ich mich nicht aus. Durch die negative Färbung durch den damals legendär stupide und dreist daherkommenden User "Dzindzi" im Schachfeld sowie die Äußerungen Yermolinskys in seinem "Weg zur Verbesserung im Schach" über den grundsätzlichen Ansatz dzindzichashvilis werde ich das wohl auch nie tun. :)
She gets upset and lashes out at him for letting himself be crushed by the weight of the world and wasting away his own life worrying about things beyond his control.

However, this is what chess should be like: rich and difficult.
- Tiger H. Persson
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