Endspielliteratur

Die ganze Welt der Schachbücher.

Endspielliteratur

Beitragvon stoppelhoppler » Fr 4. Sep 2009, 10:38

Die Endspielliteratur im Schach unterteilt sich in verschiedene Kategorien:

Lehrwerke:

Klassiker sind die verschiedenen Ausgaben der Arbeitsgruppe um Awerbach (Maiselis, Tschechower, Kopajev...) in russischer, englischer, deutscher und weiterer Sprachen.
In deutscher Sprache gibt es eine ältere vierbändige Reihe "Lehrbuch des Endspiels" gefolgt von der 2-Bändigen Ausgabe gleichen Titels (Sportverlag).
Mitte bis Ende der 80er gab der Sportverlag dann wieder eine mehrbändige, erweiterte und aktualisierte Fassung heraus: Bauernendspiele, Damenendspiele, Turmendspiele 1 + 2, Läufer- und Springerendspiele sowie die Mischung Springer gegen Läufer und Turm gegen Leichtfigur.
(Auch von Awerbach gibt es Zusammenfassungen, z. B. "Erfolg im Endspiel" (Ullstein).)

Obwohl dies Klassiker und gewisser Standard sind, ist diese Reihe als Referenz von Dworetzkys "Endspieluniversität" abgelöst worden (und wohl auch von Müller/Lamprecht "Grundlagen der Schachendpiele", das ich leider nicht kenne :oops: ), die meines Erachtens nur den Fehler hat, zu dick und zu gewichtig zu sein, um "aus der Hand" bequem lesbar zu sein.
Didaktisch hat sich hier in der Darstellung Wesentliches getan, auch die Fehler bei Awerbach (es gibt sie!) dürften ausgemerzt sein und der aktuelle Wissensstand wird dargestellt (Bewertung der Turmendspiele mit einem entfernten Mehrfreibauern :!: ).

Doch auch die Vergangenheit bietet noch weitere interessante Lehrwerke, von denen mir
Keres "Praktische Endspiele" am besten gefällt (gute Beschränkung des Materials und Darstellung!).
Auch Ludek Pachman hat sich mit Endspielen beschäftigt, doch besitze ich nur seine Taschenbuchzusammenfassung "Endspielpraxis im Schach".
Meines Wissens sollte es hier noch eine ausführlichere Darstellung vielleicht als Verlagskoproduktion Artia/Sportverlag geben.
Das kleine Taschenbuch bei Heyne ist auf jeden Fall ein Tip und gefällt mir besser als Teschners Taschenbuch bei Goldmann "Das Endspiel".

Von Portisch/Satközy gibt es "600 Endspiele" - Verlag Harri Deutsch - mit sicherlich gut ausgewählten Beispielen aber eher dürftiger Erläuterung und Variantendarstellung...

Das Lehrbuch "Das 1x1 des Endspiels" von Staudte/Milescu geht etwas anders an die Darstellung heran und ordnet weniger nach Endspielarten als nach Themen wie Zugzwang, Freibauer, Mehrbauer, Tempogewinn mit dann verschiedenen Endspielarten als Beispielen.
Das ist mal eine Abwechslung und fördert einen anderen Zugang zum Endpiel bei gleichzeitiger Vertiefung, wenn man nach der anderen Methode schon studiert hat :!:

Die eher klassische Herangehensweise findet man bei Euwe "Endspieltheorie und -praxis" (de Gruyter", das ich beim Anblättern als solides Werk einschätze - es dürfte auch noch ein mehrbändiges Werk von Euwe analog zu seinem und Kramers "Mittelspiel" geben.

Enzyklopädien:

Hierzu rechne ich zuerst Cherons 4-Bänder "Lehr- und Handbuch des Endspiels".
Die didaktische Aufbereitung ist doch eher wissenschaftlich.
Als Enzyklopädie ist es ein Meisterwerk, als Lehrbuch muß man aber deutliche Abstriche machen.
Der Verlag Sahovski Informator (Schachinformator) hat in der bekannten Darstellungsweise ("Informatorsprache") mehrere Bände zu den verschiedenen Endspielarten herausgegeben - (sehr anspruchsvoll, aber gedruckt wohl eher etwas für Sammler, insbesondere nach dem Einzug der Datenbanken).

Besprechung praktischer Endspiele:

Darunter verstehe ich Werke, die Endspiele anhand kompletter Partien bzw. anhand von Fragmenten sehr ausführlich untersuchen. Die endspiele gehen erst allmählich in schon bekannte und bereits analysierte Strukturen über.

Aus dieser Kategorie kenne ich:

Chistopher Lutz "Endspieltraining für die Praxis" (Schach!!- Jürgen Daniel) - der Untertitel "Analysen und Übungen aus Grossmeisterhand" verspricht nicht zuviel. Dieses großartige Buch ist für den Endspielspezialisten und Meisterkandidaten eine Fundgrube und deswegen - leider - kein Verkaufsschlager für die Masse.

Botwinnik "Meine 25 interessantesten Endpiele"
: Eine Zusammenstellung der Analysekunst aus der Zeit der Hängepartien, ein Einblick in Botwinniks Endspiellabor (ohne Übungscharakter natürlich).

Smyslow "Die Kunst des Endpiels" (Verlag Bock & Kübler): Sammlung von interessanten Endspielsituationen Smyslows ohne ausführlichste Analysen aber mit 30 kompletten Partien.

Übungs- und Lehrbücher (hoher Übungsanteil):

Frank Röder "Endspiel - leicht gemacht" (Rau) ist wie ich finde ein äußerst gelungenes Buch.
Interessanter und prägnanter Lehrteil und dann anspruchsvolle, an der Praxis orientierte Aufgaben mit sehr guter Lösungsbesprechung. Das Punktesystem beim Selbsttest erscheint mir gut ausgearbeitet zu sein und die Lösungen wirklich leistungsgerecht zu bewerten.
Somit ist eine gute Selbsteinschätzung der erzielten Leistungen nöglich.

Beyer-Verlag Testreihe: Testbuch der Endspieltechnik, - taktik, des Endspielwissens, der kombinatorischen Endspiele, der Abwicklungen und Übergänge und vermutlich weiterer Titel zu Endspielen

Ich finde die gesamte Reihe sehr gut.
Wer selbst via Datenbanken und anderer Bücher keine eigenen "Trainingsstrecken" anlegen will, findet hier aufbereitetes Material.

John Nunn "Taktische Schachendspiele" (Falken) könnte man wohl auch in diese Rubrik aufnehmen. Ein Klassiker durch Nunns eigene Analysen und Entdeckungen und eben mal ein anderer Ansatz, sich dem Endspiel zu nähern.

Spezialliteratur:

Löwenfisch/Smyslow "Theorie und Praxis der Turmendspiele" (Teoria de Finales de Torre) diente etlichen späteren Werken als Fundgrube und Anleitung.
Leider entsprechen einige Ausführungen nicht mehr dem aktuellen Stand.

Földeak "Turmendspiele in Schachpartien": umfangreiche Sammlung interessanter Situationen, großartige Fundgrube mit eigener Systematik ähnlich Staudte/Milescu 1x1

Hinweis auf weitere Werke von Karsten Müller mit und ohne Frank Lamprecht sowie Jan Timman.

Endspielrubriken:

In der Zeitschrift Schach tauchten immer mal wieder einzelne Artikel auf, zumeist von Mikhail Marin, aber auch von anderen Autoren (Oliver Zierke sezierte Botwinnik-Bronstein 23. Partie 1950).
Früher war im "Schach-Report" die Kolumne von Hajo Hecht "Schach- und Turniertaktik" nicht selten eine Fundstelle für Endspielanalysen (Beispiel März 1983: Analyse von Polugajevski-Kavalek Luzern 1982).

Bei NewinChess wird man natürlich auch fündig, wie sollte es auch anders sein.

Ich bitte um Ergänzungen, Nachträge, weitere Einschätzungen.

Strateges Berichtigung habe ich schon eingearbeitet: "Endspieluniversität", natürlich :!: :o
Zuletzt geändert von stoppelhoppler am Di 8. Sep 2009, 09:28, insgesamt 7-mal geändert.
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Re: Endspielliteratur

Beitragvon Stratege » Fr 4. Sep 2009, 11:06

stoppelhoppler hat geschrieben:Dworetzkys "Schachuniversität"

Das Buch heißt Endspieluniversität, es gibt von ihm aber auch "Die Universität der Schachanalyse".

Im Bereich "Lehrwerke" gibt es noch das vergleichsweise neue Endspielbuch von Silman, welches die Endspiele in Kategorien [ ENDSPIELE FÜR ANFÄNGER (< 1000), "ENDSPIELE FÜR KLASSE "E" (1000-1199)", ... ,"ENDSPIELE FÜR MEISTER (2200-2399)" ] einteilt.

"Fit im Endspiel" von Bernd Rosen ist imho irgendwo an der Granze zwischen Lehr- und Übungsbuch. Gehört in die gleiche Kategorie wie das Röder-Buch.
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Re: Endspielliteratur

Beitragvon klötzchenschieber » So 6. Sep 2009, 20:12

Es fehlt m.E. Schereschewski: Strategie der Schachendspiele, Sportverlag. M.W. leider vergriffen, selten bei Ebay zu bekommen.

Der Awerbach aus dem Sportverlag (die sechsbändige Reihe Damen-, Turm-, Leichtfiguren-, Turm/Leichtfiguren-, Bauernendspiele) wird vom Autor/den Autoren (Awerbach war Leiter eines der berühmten "Autorenkollektive") nicht als Lehrbuch, sondern als Nachschlagewerk, ergo Enzyklopädie bezeichnet. Ich habe es auch immer nur als Nachschlagewerk benutzt.

Auch noch empfehlenswert: Timman: Die Kraft der Leichtfiguren. Klingt vordergründig nicht nach Endspielbuch, arbeitet aber gerade am Beispiel von Endspielen die Motive starker Springer/Läufer heraus.

Letztendlich möchte ich noch auf das Schachmagazin 64 hinweisen, dass in jeder Ausgabe zwei/drei Seiten für eine feste Endspiel-Rubrik reserviert hat, in der anhand aktueller Beispiele grundlegende Endspielmotive erklärt werden. Vielleicht nicht gerade etwas für die 2000+ Jungs, aber für uns kleine Krauter durchaus hilfreich.
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Re: Endspielliteratur

Beitragvon Stratege » So 6. Sep 2009, 22:10

Ich hab hier "Richtig und falsch" von Kurt Richter und Hans-Hilmar Staudte sowie "Praktische Endspieltipps" von Edmar Mednis liegen. Beide passen denke ich am ehesten in die Kategorie Lehrbücher.

"Van Perlo's Endgame Tactics" ist ein hervorragendes Werk mit über 1100 taktischen Endspielen, die gut sortiert sind (aufteilt in Bauern-, Damen-, Turm- und Leichtfigurenendspielen mit weiteren Unterteilungen in den Kapiteln). Kategorie: Spezialliteratur

klötzchenschieber hat geschrieben:Es fehlt m.E. Schereschewski: Strategie der Schachendspiele, Sportverlag. M.W. leider vergriffen, selten bei Ebay zu bekommen.

Das Buch gibt es neu und in algebraischer Notation in englischer Sprache, Verlag Everyman Chess.
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Endspielliteratur - Ergänzungen

Beitragvon stoppelhoppler » So 6. Sep 2009, 22:29

klötzchenschieber hat geschrieben:Es fehlt m.E. Schereschewski: Strategie der Schachendspiele, Sportverlag. M.W. leider vergriffen, selten bei Ebay zu bekommen...


Klar fehlt das :!:
Und es gehört für mich in die nicht gerade ausufernde Kategorie "Besprechung praktischer Endspiele".

Bei der Spezialliteratur habe ich noch nicht die Studienliteratur erwähnt.
In Studien werden auch häufig Endspielthemen bearbeitet.
Einige Studien sind quasi Endspieltheorie wegen ihrer großen und häufigen Partienähe.
In Kasparians "Domination in 2545 Endgame Studies" findet man aber sehr viele Stellungen, denen ich eher Mittelspielcharakter geben möchte.

klötzchenschieber hat geschrieben:...Letztendlich möchte ich noch auf das Schachmagazin 64 hinweisen, dass in jeder Ausgabe zwei/drei Seiten für eine feste Endspiel-Rubrik reserviert hat, in der anhand aktueller Beispiele grundlegende Endspielmotive erklärt werden. Vielleicht nicht gerade etwas für die 2000+ Jungs, aber für uns kleine Krauter durchaus hilfreich.


Doch, da werden 2000+ auch schnell fündig und lernen wieder etwas dazu oder frischen auf, was schon wieder vergessen ist und in einer hektischen Inkrementphase auch nicht aus dem Ärmel geschüttelt wird (Großmeister aller Epochen inbegriffen).
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Re: Endspielliteratur

Beitragvon Peloton » So 6. Sep 2009, 22:41

Bei den Endspielrubriken fehlt noch der Informator oder gibt es die da nicht mehr? Es ist schon ne Weile, dass ich mir einen gekauft oder gesehen habe.
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Re: Endspielliteratur

Beitragvon Jupp53 » Mo 7. Sep 2009, 09:30

Wer an alte Jahrgänge des Schach-Echo günstig kommt, hat dort mit Max Euwe 'Das Endspiel des Monats' eine interessante Spalte mit ausführlicher Untersuchung jeweils eines damals aktuellen Endspiels. Von wann bis wann ist mir allerdings nicht bekannt.
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Re: Endspielliteratur

Beitragvon naphta » Di 8. Sep 2009, 07:21

Zu den Lehrbüchern fällt mir ein: Lothar Nikolaiczuk - Keine Angst vor Endspielen.

Besprechung praktischer Endspiele: Vladimir Budde - Vom Mittelspiel ins Endspiel.

Beide Bücher sind wohl nur noch antiquarisch verfügbar und das liegt im ersten Fall sicherlich mit daran, dass die von Stratege erwähnten Werke "Fit im Endspiel" od. "Silmans Endspielkurs" ihm didaktisch den Rang abgelaufen haben.
Wir wissen nicht, was dieser freundliche Großmeister empfiehlt, aber wir empfehlen bei Schachsucht die Schachkiste.
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Endspielliteratur

Beitragvon stoppelhoppler » Mi 9. Sep 2009, 15:43

In die Kategorie "Besprechung praktischer Endspiele" möchte ich folgende Werke einordnen:

Mednis "Vom Mittelspiel ins Endspiel", Beyer-Verlag

Dieses von mir ungelesene Buch macht beim Durchblättern den Eindruck in nächster Zeit unbedingt mal gelesen werden zu wollen.
Kapitelüberschriften und längere erläuternde Texte verlangen irgendwie danach.

Mednis "Aus der Eröffnung ins Endspiel", Edition Marco Schachverlag Arno Nickel, orientiert sich an endspiellastigen Eröffnungsvarianten und führt diese an Musterpartien aus.
Es könnte sein, daß dieses Buch nur schwer erhältlich ist - also beim Verleger nachfragen.

Nesis (Band 1 zusammen mit Rasuvaev) "Die Kunst der Vereinfachung", Band 1-3, beleuchtet ebenfalls den Übergang vom Mittelspiel ins Endspiel.

Die Beispiele aus der Informatorrubrik haben inzwischen wohl die Zahl von 2500 Beispielen überschritten.
Wer mit tablebases und wachem Auge unterwegs ist, dürfte hier einige Verbesserungen finden.

Abschließend möchte ich auf folgende Website hinweisen, die sich mit Endspielen befaßt (über 400 Beispiele):

http://www.chessending.com/
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Re: Endspielliteratur

Beitragvon Peloton » Mi 9. Sep 2009, 19:02

stoppelhoppler hat geschrieben:Die Beispiele aus der Informatorrubrik haben inzwischen wohl die Zahl von 2500 Beispielen überschritten.

Es tut mir leid, aber hier muss ich doch widersprechen. Eben noch schnell ein Blick in meine alten Informatoren um mich zu vergewissern: Die meisten Endspielaufgaben im Informator sind keine typischen Tablebase-Stellungen.

stoppelhoppler hat geschrieben:Wer mit tablebases und wachem Auge unterwegs ist, dürfte hier einige Verbesserungen finden.

Und das mit dem wachen Auge und einer etwaigen Korrekturen gilt für viele der genannten Werke, insbesondere der erwähnten Bücher von Cheron oder der Endspiel-Enzys aus dem Hause Sahovsky. Von den beiden habe ich einige Teile. Auch wenn sich bei Cheron einige Tablebase-Verbesserungen -korrekturen finden lassen, ist das trotzdem für mich ein Klassiker.
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