Frage an die Flankeneröffnungsexperten

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Beitragvon Patzerbezwinger » Mo 5. Apr 2010, 01:28

Hallo, nach den Zügen 1.Sf3 b6 2.c4 Lb7 3.g3 Lxf3!? ist eine ungewöhnliche Stellung entstanden. Da ich in meinen Büchern nichts darüber gefunden habe wollte ich fragen, ob jemand die Pläne in dieser Variante kennt. Offensichtlich kann Weiß nicht länger gut d4 spielen, seine Bauernstruktur wurde verschlechtert und der Sf3 fehlt dazu. Als Ausgleich dafür erhält er das Läuferpaar. Wie ist die Variante einzuschätzen? Ich freue mich auf eine interessante Diskussion.
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Re: Frage an die Flankeneröffnungsexperten

Beitragvon lovo » Mo 5. Apr 2010, 11:14

Das erinnert mich irgendwie an Dzindzi-Indisch: 1.d4 g6 2.c4 Lg7 3.Sc3 c5 4.d5 Lxc3!?+. Nach 5.bxc3 kann Schwarz versuchen, mit 5... f5 dem Weißen ein e4 zu vermiesen.

Ähnliches geht hier mit 4... c5. Allerdings könnte Weiß trotzdem 5.d4 probieren. Nach zum Beispiel 5... cxd4 6.Dxd4 Sc6 7.Dd1 (oder 7.Dd2) g6 8.Lg2 Lg7 9.0-0 Tc8 ist die Stellung dann schon recht gut für das Läuferpaar geöffnet.



Trotzdem wäre es nicht leicht, dieses einzusetzen: Ohne f3-f4 darbt der weiße Königsläufer. Und nach f3-f4 freut sich der weiße Damenläufer nicht gerade besonders. Bliebe also nur das Doppelfiancchetto, eingeleitet durch b2-b3. Das würde dann (neben der Aktivierung des Läufers) auch dem zu erwartenden schwarzen Druck auf der c-Linie begegnen (... Sa5). Allerdings gibts da noch den schwarzen Läufer. Und der erscheint mir derzeit aktiver als beide weiße Läufer zusammen. Vom Gefühl her würde ich darum dem Schwarzen Ausgleich attestieren.
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Re: Frage an die Flankeneröffnungsexperten

Beitragvon Geck0tierchen » Mo 5. Apr 2010, 16:04

lovo hat geschrieben:Das erinnert mich irgendwie an Dzindzi-Indisch: 1.d4 g6 2.c4 Lg7 3.Sc3 c5 4.d5 Lxc3!?+. Nach 5.bxc3 kann Schwarz versuchen, mit 5... f5 dem Weißen ein e4 zu vermiesen.


Muss, nicht kann.

@Threadersteller: http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1035250 ist _der_ Klassiker zu dem Thema (und fehlt in keiner Läuferpaarlektion). Wie man sieht, ist das die von dir gesuchte Stellung, nur farbvertauscht. Die Tatsache, dass d4 von weiß nicht verhindert werden kann (Minustempo c5, ansonsten könnte man mit Sc6 fortfahren, siehe Karpov), macht die ganze schwarze Idee aber ein wenig dubios.

Yermolinsky gibt in seinem Buch "Weg zur Verbesserung im schach" im Kapitel über das Doppelfianchetto eine partie, in der Schwarz ebenso fortfährt (Lxf3 + c5) und soweit ich weiß, erhält dieser Plan ein Fragezeichen. Kann ich bei Gelegenheit aber nochmal raussuchen.
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Re: Frage an die Flankeneröffnungsexperten

Beitragvon TheKillerGrob » Mo 5. Apr 2010, 17:22

4...e5 halte ich für stärker:


1.Sf3 b6 2.c4 Lb7 3.g3 Lxf3 4.exf3 Sc6

4...e5! 5.d4

(5.Lg2 Sc6 6.0-0 Ld6 7.Sc3 Sge7 8.d3 0-0 9.Le3 Sf5 10.Dd2 Te8 11.f4 Sxe3 12.fxe3 exf4 13.exf4 Lc5+ 14.Kh1 Df6 15.Sd5 Dd6 16.Tae1 Ld4 17.b4 a6 18.b5 axb5 19.cxb5 Sa7 20.Se7+ Txe7 21.Lxa8 Sxb5 22.Txe7 Dxe7 23.Lf3 Sc3 24.Te1 Df8=)

{5.f4 Sf6 6.Lg2 e6 7.d4 Lb4+ 8.Sc3 0-0 9.0-0 d5 10.f5 Sa5 11.fxe6 fxe6 12.Te1 Dd7 13.cxd5 exd5 14.Dd3 c6 15.b3 c5 16.Lb2 c4 17.bxc4 dxc4 18.Dd2 Tad8 19.Tad1 Sg4 20.Te2 Tde8 21.Txe8 Dxe8 22.Tf1 Dh5÷}

5...exd4 6.Dxd4 Sf6 7.Lg2 Lb4+ 8.Sc3 Sc6 9.De3+ De7 10.0-0 Dxe3 11.Lxe3 Lxc3 12.bxc3 0-0 13.Tad1 Tfe8 14.g4 Tad8 15.g5 Sh5 16.f4 Sa5 17.Lf3 g6 18.Lxh5 gxh5 19.c5 Sc4 20.Ld4 Sb2 21.Tb1 Te2=
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Re: Frage an die Flankeneröffnungsexperten

Beitragvon Casco » Mo 5. Apr 2010, 18:14

Dzinzi Indisch ist mit der Stellung m.E. niht zu vergleichen, da dort die Stellung ja darauf abzielt, daß die weißen Läufer keine Felder haben. Für meinen Geschmack gibt in der von dir angegebenen Variante Schwarz seinen Läufer etwas früh auf und überläßt Weiß kampflos die lange Diagonale. Klar sind der Doppelbauer und der fehlende Sf3 eine gewisse Kompensation. Ich würde allerdings, aus weißer Sicht, nach 1. ...b6 nicht c4 spielen wenn ich vorhätte den Lf1 zu fianchettieren, sondern sofort g3 spielen, nach 2. ...Lb7 3.Lg2 hab ich nach dem Nehmen nicht mal mehr den Doppelbauern und stehe doch besser.

Ich jedenfalls würd die Variante mit Schwarz generell nicht spielen da ich den Weißen geradezu dazu zwinge die lange Diagonalezu kontrollieren...

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Re: Frage an die Flankeneröffnungsexperten

Beitragvon Patzerbezwinger » Do 8. Apr 2010, 11:39

Hallo, danke erstmal für eure Antworten. Geck0, gut dass du das Buch von Yermolinsky erwähnst. Es steht bei mir zuhause, ich sollte also wohl mal die betreffende Stelle suchen. Deine Erläuterungen zur Wertigkeit der Idee aus schwarzer Sicht ist für mich einleuchtend. Ich ziehe bisher folgenden Schluss: Die Stellung so schnell wie möglich mittels d4 öffnen und das Läuferpaar zur Geltung bringen.
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Re: Frage an die Flankeneröffnungsexperten

Beitragvon Lestat » Mi 14. Apr 2010, 09:45

ich hatte diese possition jetzt 2x auf dem brett mit schwarz, habe beide male gegen elo-technisch einiges schwächere gegner (einmal 150 punkte, einmal 300 punkte) gewonnen. laut Bauer (play 1...b6) und King (english defence) ist d4 ein muss:

1.Nf3 b6 2.c4 Bb7 3.g3 Bxf3 !?( c5 wird ein igel) 4.exf3 c5!

dies ist der sinn hinter dem zug, die drohung ist Nc6, g6-Bg7 und die kontrolle des feldes d4. Wenn weiss einen eröffnungsvorteil haben will muss er 5.d4 sofort spielen, ansonsten hat schwarz mindestens ausgeglichen.

meine spiele gingen beide mit 5.Nc3 Nc6 6.Bg2 g6 weiter, ich hatte danach das feld d4 klar unter kontrolle.

nach 5.d4 ist der hauptzug 5. ...cxd4 6.Qxd4 Nc6 wonach weiss dank dem läuferpaar kompensation für den doppelbauern hat. eine interessante alternative ist:

5.d4 Nc6!? 6.d5 Nd4
hier muss der springer sofort angegriffen werden, wenn schwarz es schaft g6 und Bg7 zu spiele steht er excellent.
e^(i*pi) + 1 = 0

What the hell does the ratio of the circumference of a circle to its diameter have to do with the base of the natural logarithm and the square root of -1?
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