Trainingsplan - bitte nicht hauen!

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Trainingsplan - bitte nicht hauen!

Beitragvon Jupp53 » Fr 16. Sep 2016, 18:14

Nachdem ich jetzt die 2k DWZ erreicht habe und den Sommer überstanden, mache ich mir so im Fernsehsessel meine Gedanken.

Wie soll es weitergehen? Was hat Igor Borissewitsch mir gesagt?

1. Du sollst Dich focussieren!

Gut. Also lese ich ab jetzt nur in zwei Büchern. Im Moment sind das

Taktik Chess School - Band2 - Ivanshenko - Russian Chess House. (Hier gilt: Don't judge a book by his cover!)

Positionsspiel Pachman - Moderne Schachstrategie - Band 1-3 [Die Partiebeispiele sind exzellent ausgewählt.]

2. Du hast keine Ahnung von Positionsspiel!

Ja. Aber ich bin glücklich, dass das inzwischen eine Rolle spielt. Und Pachman, s.o. Dann analysiere ich mit Khenkin und kriege durch die Rückmeldung Hinweise, die ich in Büchern überlesen würde.

3. Man merkt, dass Du kaum Eröffnungen kennst!

Da habe ich jetzt mal eine Bilanz aufgemacht, wie mein Repertoire aussieht. Und das Ergebnis führt zu dem Nachtrag im Titel.

Mit Weiß: 1.e4

Gegen 1... Sf3 Aljechin wird 2.e5 Sd5 3.d4 im weiteren mit exd6, Tc1, b3 gespielt. Bringt zwar keinen Vorteil, aber Raumvorteil langfristig lästig und stärkere Schwarzspieler haben Probleme im Gewinnsinne dagegen.
Fazit: Zugfolge besser ausarbeiten.

Gegen 1... e6 2.d4 d5 Französisch
Da habe ich immer 3.Sd2 gespielt und meine Remispartie gegen GM Milov spricht dafür. Noch keine ernste Partie habe ich mit 3... c5. Das spricht dagegen, weil ich hier völlig neu einsteigen müsste.
Zufällig (??) sind auf meinem Schreibtisch die drei Bücher von Sweshnikow zu 1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 und 1.e4 c5 2.c3 gelandet. Didaktisch nach langsamen Überblättern große Klasse.
Fazit: 3.Sd2 mit Riesenloch weiter oder 3.e5 anfangen.

Gegen 1... e5 habe ich alle möglichen Hauptvarianten gespielt. Sollte ich mal Schottisch statt Spanisch anfangen?

Gegen 1... d6 und 1... g6 habe ich improvisiert. Gerne mit c3 um das Zentrum zu unterstützen.
Fazit: Die perfekte Ahnungslosigkeit.

Gegen 1... d5 habe ich inzwischen 3 Partien. 2.exd5 und dann die Hauptvarianten mit Learning by doing.
Fazit: Die Vorbereitung gegen Milov wiederholen und das ist so selten, dass ich es hinten anstelle.

Gegen 1... c6 spiele ich den Panow-Angriff. Ich mag Isolani-Stellungen mit Schwarz und Weiß. Und jede Turnierpartie hilft mir, etwas tiefer in die Probleme einzudringen. Nirgendwo sonst ist meine Vorbereitung bereits bei Zug 13.
Fazit: Das Glanzstück meines Repertoires.

Gegen 1... c5 Sizilianisch komme ich besser zurecht, als die Megabase über mich verrät. Es fehlen halt ein paar Turnierpartien.
2.Sf3 - gegen 2... g6 und a6 3.c3, gegen d6 und Sc6 hilft Lb5, nur 2... e6 ist ein Thema. 3.De2 hat den Vorteil, den Repertoire-Empfehlungen gegen 3.d3 ein Schnippchen zu schlagen und den Nachteil, dass die Stellungen nicht so dolle sind. Also wieder 3.c3 wegen der Konsistenz im Rep?
Fazit: 2... e6 ist ein Problem, der Rest sind Hauptvarianten, die der typische Sizilianischspieler eher nicht so liebt und eher schlechter kennt (auf meinem Niveau und darunter!) als ich.

Gegen Nebenvarianten, z.B. 1... b6 und 1.e4 c5 2.Sf3 Sf6 krame ich im Gedächtnis und habe auch was am Rande. Die sind erst der Mühe wert, wenn ich das andere Programm abgearbeitet habe.


Mit Schwarz


Gegen Réti und 1.g3 irgendwas mit 1... d5 nebst c6. Zentrum aufbauen und drauf auf den König.
Fazit: Keine Zugfolgen, nur eine allgemeine Idee.

Gegen 1.e4 habe ich jetzt vier Jahre Russisch geübt und gegen 2.Lc4 und 2.Sc3 schlecht ausgesehen. Ab jetzt wird Caro-Kann meine Hauptverteidigung. Zum einen spielt Igor das, so gibt es wiederholt qualifizierte Beispiele und wirklich gute Anregungen. Zum anderen muss ich einsehen, dass ich inzwischen mehr als eine Hauptvariante im Russen einfach deutlich leichter für Weiß zu spielen halte. Das gilt zumindest auf meinem Level. Was ein IM und ein GM leicht Remis hält, kann für Fußsoldaten ein Gewaltmarsch sein. Zum dritten gibt Caro-Kann asymmetrische Stellungen mit Kampfpotential und ist nicht mehr das Geschiebe aus meiner Kindheit und Jugend.
Fazit: Caro-Kann voran!

Gegen 1.d4 bleibe ich bei 1.d5 und Slawisch, Halbslawisch. Hier muss ich an meinem Einachtelwissen weiterarbeiten. Ich kenne kaum längere Zugfolgen. Noteboom bin ich kurz vor der Endspielvorbereitung, der Rest verlangt noch sehr viel Arbeit.

Gegen 1.c4 1... c6 und Übergänge in die anderen Aufbauten werden wohl meistens kommen.

Zusammenfassung und Diskussion :oops: :? :roll:

Insgesamt meine ich zu bemerken, mit Schwarz mehr getan zu haben als mit Weiß. Es ist aber herzzerreißend, wieviel Ahnungslosigkeit ich mir eingestehen muss.

Bevor mir jetzt zusätzliche Alternativen vorgeschlagen werden, z.B. 1.d4 f5!?, möchte ich noch sagen: Eine zweites Repertoire zwecks Abwechslung und gegen Vorbereitung der Gegner erscheint mir im Moment zu aufwändig.

Was ich bedaure: Es gibt ein ganzes Universum an Eröffungen, dass mir so erst einmal versperrt bleibt. Die ganzen scharfen Fianchettos, Holländisch, Königsgambit, .... Vielleicht gibt mir das Schicksal mehr Zeit, als ich erwarte. Dann kann ich in fünf Jahren erweitern.

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Re: Trainingsplan - bitte nicht hauen!

Beitragvon Lestat » Fr 16. Sep 2016, 19:33

Ok, also zuallererst, wirklich eine frage habe ich ja nicht gefunden :-)

Was das Taktikbuch angeht, das kenne ich nicht, aber beim taktiktraining kommt es ja nicht wirklich auf das buch drauf an, hauptsache man macht es regelmässig. Wie ist der schwierigkeitsgrad? Viele "experten" auf chesstempo sind ja der meinung, dass das lösen von vielen einfachen aufgaben mehr bringt als das lösen von wenigen schweren. Ich weiss es nicht. In einer partie hat man im schnitt 3min pro zug zeit, evtl. sollte man taktikaufgaben anvisieren die man in 3min lösen kann? Zumindest sollte man nach 3min gemerkt haben, dass es was taktisches gibt...

Der Pachman ist ziemlich alt, oder? Ich habe mal das Positionsschach-Buch von Euwe durchgearbeitet, wirklich was neues gelernt habe ich aber nicht. "Positionsschach" ist für mich immer vor allem eine ausrede für schlechte taktiker. Wo die figuren hin SOLLTEN ist ja oft nicht so das problem, sondern die konkrete frage, wie sie dahin KOMMEN. Und da ist wieder rechenfähigkeit gefragt... Axel Schmid (trainer aus Schweden von z.bsp. Grandelius) meint, positionsschach sei (a) bauernhebel (b) der richtige figurentausch und (c) schwächen angreiffen (König, bauern, felder).

Was die eröffnungen angeht, das sieht vernünftig aus.
Bei mir in der gegend kommt skandinavisch sehr oft vor (hatte ich öfters als 1.e4 e5), ich habe da das system mit 1.e4 d5 2.exd5 Qxd5 3.Nf3 einstudiert und bin bis jetzt 100%, aber wenn du mit 3.Nc3 zufrieden bist spricht nichts dagegen.
Gegen 1.e4 e5 erinnere ich mich noch, dass du gegen mich als ich das berliner endspiel anstrebte das spanische 4SS spielte. Das ist momentan ziemlich aktuell, vor allem die zugfolge
1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Nc3 Nf6 4. Bb5 Bb4 5. O-O O-O 6. d3 d6 7. Ne2, gibt eine nette partie von Anand.
wenn du was gegen Rubinstein hast (4...Nd4) ist das durchaus eine gute alternative zu spanisch oder schottisch.
Gegen sizilianisch werde ich dir natürlich 3.c3 (oder sogar 2.) ans herz legen, habe mit 2.c3 11/12 geholt seit auf auf 1.e4 umgestiegen bin. Wenn du 3.d4 spielst hat schwarz halt schon viele möglichkeiten die du kennen musst. Evtl. kannst du mit 3.Nc3 abkürzen, und je nachdem dann 4.d4 oder 4.Bb5 spielen? weiss aber nicht wie kritisch das ist.

Zu schwarz ist nicht viel zu sagen, ich habe eine kurze zeit Petrov gespielt als ich gegen spanisch ahnungslos wurde, bin jetzt aber wieder bei 2...Nc6 weil
(a) kommen die hauptvariante fast nie aufs brett (ok, das ist eigentlich ein vorteil),
(b) muss man extrem viele varianten kennen in den kritischen abspielen,
(c) hat weiss doch ein paar mühsame remis-varianten, z.bsp. 1. e4 e5 2. Nf3 Nf6 3. d4 Nxe4 4. Bd3 d5 5. Nxe5 Nd7 6. Nxf7 und
(d) wurde ich mit der heutigen hauptvariante, 1. e4 e5 2. Nf3 Nf6 3. Nxe5 d6 4. Nf3 Nxe4 5. Nc3 Nxc3 6. dxc3 nie glücklich.
Anders formuliert, die einzige variante die mir gefiel ist 1. e4 e5 2. Nf3 Nf6 3. Nxe5 d6 4. Nf3 Nxe4 5. d4 d5 6. Bd3 Bd6 , und die kam in turnierpartien nie aufs brett und in onlinepartien nur gegen ganz wenige starke gegner, die das dann aber sehr gut kannten und mich gnadenlos überspielten.
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Re: Trainingsplan - bitte nicht hauen!

Beitragvon Jupp53 » Sa 17. Sep 2016, 18:52

Danke.

Das Taktik-Buch ist in einer Reihe von 4 Büchern erschienen und leichteres Material, immer schwerer werdend. Das folgt der Idee der Fingerübungen.

Auf chess.com arbeite ich mit Ratingbewertung. Dort schwankt die Schwierigkeit im Schnitt um die 50%. Es gibt gute und schlechte Tage.

Pachmann ist wegen des Partiematerials interessant. Z.B. habe ich mal eine Analyse mit Khenkin im Chat vorgestellt. Da wollte Igor gar nicht über meinen Zug Le3-h6 mit Abtausch eines Läufers auf g7 sprechen. Er hat nur Alternativen betrachtet. Sowas passiert, wenn ihm mein Zug schmerzt. Ich habe immer automatisch nach dem Abtausch des Fianchettoläufers auf g7 geguckt. Pachmann hat je 3 Partien, in denen der Läufer auf g7 gut und schlecht ist. Da hat man dann schönes Studienmaterial. Wichtig ist die Beziehung zu den eigenen Partien. Jetzt bin ich gerade bei einer Partie aus dem WM-Kampf Lasker - Janowski. Es geht um den Wert der Figuren. Lasker hat die Qualle mehr, aber es nutzt nichts. Das finde ich spannend.

Die Eröffnungsgeschichte ist halt nur Arbeit. Die Darstellung hier soll mein Comittment erhöhen. Deine Kommentare zeigen auch Alternativen. Das spanische 4SS ist sowas, was ich für das Jugendtraining kennen sollte. Aber dann fange ich an, mich zu zerfleddern.
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Re: Trainingsplan - bitte nicht hauen!

Beitragvon TheKillerGrob » Mi 21. Sep 2016, 23:04

Und was machst du so für das Endspieltraining, oder beherrscht du da schon alles :D ?!

Taktiktraining finde ich langweilig (und habe deswegen nie welches gemacht :D ) und nicht sehr ergiebig;
Ich finde es besser, sich einfach kommentierte Partie von GMs anzuschauen (wie z.B. im CBM). Aber das ist nur meine Vorgehensweise.

Was war nochmal die Frage genau? :lol:
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Re: Trainingsplan - bitte nicht hauen!

Beitragvon Jupp53 » Fr 23. Sep 2016, 13:56

Endspieltraining kommt nach dem Pachmann. Das ist dann das nächste Buch.

Taktiktraining ist für mich nötig. Sonst sehe ich rein gar nichts.
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Re: Trainingsplan - bitte nicht hauen!

Beitragvon Lestat » Fr 23. Sep 2016, 15:08

Bei mir ists umgekehrt, zuerst das de la Villa Buch durcharbeiten, danach habe ich eigentlich vor den Broznik ernsthaft durchzuarbeiten
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