Mittelgambit 1. e4 e5 2. d4 exd4 3. c3 d5 4. Dxd4

Mittelgambit 1. e4 e5 2. d4 exd4 3. c3 d5 4. Dxd4

Beitragvon Stratege » Do 4. Jun 2009, 22:05

Hallo,
In meinen Büchern finde ich nichts zu diesem 4. Zug von Weiß. Ist der Zug denn so verkehrt?

Also 1. e4 e5 2. d4 exd4 3. c3 d5 4. Dxd4 und nun sollte Schwarz vielleicht 4... Sf6 spielen?!

5. Lg5 dxe4 6. Dxd8 Kxd8 7. Lxf6 gxf6 und Weiß hat zumindest etwas Kompensation wegen des Königs im Zentrum und der schwächeren Bauernstruktur.

5. exd5 Dxd5 6. Dxd5 Sxd5 ist vielleicht ein bisschen besser für Schwarz.

5. e5 Se4 und die weiße Dame steht hier exponierter als der Schwarze Springer.

Im Anhang finden sich noch alle 7 Partien, die ich zu 4. Dxd4 Sf6 gefunden habe, teilweise von gar nicht so schlechten Spielern. Hat hier wer Analysen zum Thema oder kann meine Einschätzungen beurteilen?
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Re: Mittelgambit 1. e4 e5 2. d4 exd4 3. c3 d5 4. Dxd4

Beitragvon Alois Schachownik » Mo 31. Aug 2009, 04:24

Ich bin kein besonders guter Eröffnungskenner, aber was mir an dieser Zugfolge auffällt ist, daß Weiß im dritten Zug zwar gambitmäßig auf 3.Dxd4 verzichtet, sich aber einen Zug später doch dazu entschließt. Das wird möglicherweise der Grund sein, warum das selten vorkommt und daher wenig Interesse vorfindet.

Wie ich in meiner Datenbank sehe, ist 4...Sf6 vorgekommen, aber auch 4...exd4. Denn 5.Dxd8 würde Schwarz einen Mehrbauern überlassen; offenbar fast ohne Kompensation, denn mit einer Ausnahme finde ich nur 5.Dxe4.

Der ChessOK-Eröffnungsbaum hat Züge aus immerhin 53 Partien mit der Variante aus dem Betreff:

http://chessok.com/?page_id=352

Move Eval. Games W/won B/won Draws W/ELO B/ELO Year
dxe4 -0.15 29 27.6% 37.9% 34.5% 2372 2613 2008
Be6 -0.15 10 10% 60% 30% 2220 2194 2007
Nf6 -0.18 6 16.7% 33.3% 50% 2464 2524 2005
Qe7 -0.26 2 50% 0% 50% 2188 2099 2001
Ne7 -0.11 2 0% 100% 0% 0 2287 2004
Nc6 -0.11 2 100% 0% 0% 2188 1879 2008
c6 +0.15 2 100% 0% 0% 1985 1600 2007


In der dortigen Datenbasis scorte 4.Dxd4 ca. 44% und 4.exd5 (380 Partien) ca. 53%.
Gruß, Alois :-D
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Re: Mittelgambit 1. e4 e5 2. d4 exd4 3. c3 d5 4. Dxd4

Beitragvon Stratege » Mo 31. Aug 2009, 21:24

Alois Schachownik hat geschrieben:Ich bin kein besonders guter Eröffnungskenner, aber was mir an dieser Zugfolge auffällt ist, daß Weiß im dritten Zug zwar gambitmäßig auf 3.Dxd4 verzichtet, sich aber einen Zug später doch dazu entschließt. Das wird möglicherweise der Grund sein, warum das selten vorkommt und daher wenig Interesse vorfindet.

c2-c3 passt nicht so recht zum "richtigen Mittelgambit" und Dxd4 nicht so recht zum schottischen Gambit (1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. d4 exd4 4. c3 d5 5. exd5 Dxd5), welches in der Mittelgambit-Zugfolge normalerweise über eine Zugumstellung erreicht wird. Aber ist halt immer die Frage, wie man nun praktisch gut gegen sotwas spielt. Die Bücher helfen da oft nicht weiter und den Statistiken darf man da auch nicht blind glauben.

Alois Schachownik hat geschrieben:Wie ich in meiner Datenbank sehe, ist 4...Sf6 vorgekommen, aber auch 4...exd4. Denn 5.Dxd8 würde Schwarz einen Mehrbauern überlassen; offenbar fast ohne Kompensation, denn mit einer Ausnahme finde ich nur 5.Dxe4.

4... exd4 muss nicht schlechter sein als 4... Sf6. Mit 4... exd4 hab ich mich wohl auch gar nicht richtig beschäftigt.

5. Dxd8 scheint in der Tat nicht so toll zu sein:

Wobei man so eine alte Partie sicherlich sehr kritisch analysieren muss.

Der Weißspieler war übrigens kein Unbekannter, immerhin wurde Boris Kostic später zum Großmeister ernannt. Da gibt es auch eine sehr nette Anekdote:
Beim Turnier in Bled 1931 geriet Meister Kostic gegen Kashdan in eine schwierige Lage. Kostic verschwand für einige Zeit und wurde schließlich auf der Toilette ertappt, als er die Partie mit einem Steckschach analysierte. Er wurde lediglich verwarnt, die Partie endete schließlich remis. Ein paar Runden später musste Meister Tartakower das stille Örtchen aufsuchen, aber alle 4 WCs waren besetzt. Er rüttelte an allen Türen und rief laut: "Verflixt, überall Kostic!"


Zurück zum Thema:
Nach 4... exd4 5. Dxd4 sieht das Spiel von Schwarz in folgender Partie ganz gut aus:
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Re: Mittelgambit 1. e4 e5 2. d4 exd4 3. c3 d5 4. Dxd4

Beitragvon Alois Schachownik » Di 1. Sep 2009, 07:01

Stratege hat geschrieben:4... exd4 muss nicht schlechter sein als 4... Sf6.


Hat ja auch keiner behauptet. - Ich finde es besser!

3.c3 ist doch ein völlig logischer Gambitzug (3...dxc3 4.Sxc3) für Weißspieler mit Selbstvertrauen. Würde ich glauben 3.Dxd4 spielen zu müssen, was Schwarz einen primitiven Tempogewinn mit 3...Sc6 verschafft, so wäre 2.d4 für mich total uninteressant.
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Re: Mittelgambit 1. e4 e5 2. d4 exd4 3. c3 d5 4. Dxd4

Beitragvon project_chaos » Di 1. Sep 2009, 11:26

3. c3 wird gespielt um in das nordische gambit (danish gambit) zu gelangen.

1. e4 e5
2. d4 exd
3. c3 d5
hier spiele ich eigenlich immer
4. exd Dxd5
5. cxd Sc6
6. Sf3 und man ist in einer art panov angriff der caro cann verteidigung und sollte gut spielbar für weiss sein



4. Dxd4 würde ich als danish gambit spieler nicht spielen und halte ich auch nicht für besonders gut.
Ich spiele ja ein gambit um meine figuren schnell entwickeln zukönnen und die dame ist nicht gerade die figur die ich in einem so frühen stadium entwickeln möchte

p.s. alles aus dem kopf bitte um berichtigung falls was falsch ist
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Re: Mittelgambit 1. e4 e5 2. d4 exd4 3. c3 d5 4. Dxd4

Beitragvon Tobi » Di 1. Sep 2009, 12:13

c3 nimmt dem Pferdchen das Feld weg und wenn die Dame beispielsweise nach e3 nach Sc6 zurückgeht, gibt es Probleme, wenn man sich die HV an->

1.e4 e5 2.d4 exd4 3.Dxd4 Sc6 4.De3 Sf6 5.Sc3+Ld2+000
Das spielt man im Moment aus weißer Sicht und sollte Weiß kurz rochieren müssen, sollte Schwarz recht simpel ausgleichen können, da die Dame dann unglücklich steht.
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Re: Mittelgambit 1. e4 e5 2. d4 exd4 3. c3 d5 4. Dxd4

Beitragvon Stratege » Di 1. Sep 2009, 18:05

Alois Schachownik hat geschrieben:Würde ich glauben 3.Dxd4 spielen zu müssen, was Schwarz einen primitiven Tempogewinn mit 3...Sc6 verschafft, so wäre 2.d4 für mich total uninteressant.

So einfach ist die Sache nach 3. Dxd4 Sc6 4. De3 nicht. Die Chancen sind wie in den allermeisten offenen Spielen in etwa gleich.
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Re: Mittelgambit 1. e4 e5 2. d4 exd4 3. c3 d5 4. Dxd4

Beitragvon Bauerndiplom » Di 1. Sep 2009, 18:11

Stratege hat geschrieben:
Alois Schachownik hat geschrieben:Würde ich glauben 3.Dxd4 spielen zu müssen, was Schwarz einen primitiven Tempogewinn mit 3...Sc6 verschafft, so wäre 2.d4 für mich total uninteressant.

So einfach ist die Sache nach 3. Dxd4 Sc6 4. De3 nicht. Die Chancen sind wie in den allermeisten offenen Spielen in etwa gleich.


Es wird ja auch Skandinavisch gespielt 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 trotz des primitiven Tempogewinns 3.Sc3 ...
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Re: Mittelgambit 1. e4 e5 2. d4 exd4 3. c3 d5 4. Dxd4

Beitragvon Stratege » Mi 2. Sep 2009, 00:20

@project_chaos:
In der HV
gibt GM Marin leichten schwarzen Vorteil an. In meiner Datenbank erzielt Weiß auch nur round about 40 % der Punkte, auf 2400+-Niveau auf beiden Seiten waren es gerade mal ca. 30 % bei allerdings geringer Datenbasis (14 Partien). Interessant übrigens, dass drei der 14 Partien über die Zugfolge 1. d4 d5 2. c4 Sc6 entstanden sind. Im Anhang ist die Datei mit den 14 Partien zu finden. Aber zweifelsohne hat ein Spezialist mit den weißen Steinen gute Chancen auf den vollen Punkt, gerade unter Patzern.
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Re: Mittelgambit 1. e4 e5 2. d4 exd4 3. c3 d5 4. Dxd4

Beitragvon Jupp53 » Mi 2. Sep 2009, 11:24

Bauerndiplom hat geschrieben:Es wird ja auch Skandinavisch gespielt 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 trotz des primitiven Tempogewinns 3.Sc3 ...
Ob das ein Tempogewinn ist? Darüber haben sich schon richtig gute Schachspieler in Artikeln gestritten. Daher möchte ich Dxd4 hier und Dxd5 dort nicht so einfach nebeneinander stellen.
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