Läufer gegen Springer und umgekehrt

Läufer gegen Springer und umgekehrt

Beitragvon stoppelhoppler » Fr 2. Jan 2009, 18:30

Die Thematik des Kampfes und der Wertigkeit der beiden so unterschiedlichen Leichtfiguren wurde schon vielfach hinterfragt und auch aktuell immer wieder thematisiert, was bei mir diesen Beitrag evoziert. ;)

Ich möchte diesem Thema gleich den Untertitel "Die Kunst der richtigen Abtauschs" anheften.

Der Läufer beherrscht als langschrittige Figur wesentlich mehr Felder, wirkt aus der Ferne und ist auch schnell mal "vor Ort".
Hier zeigt sich aber auch gleich sein großer Nachteil: Er ist vor Ort und machtlos, weil die in der konkreten Situation falsch gepolt ist. Er kennt eben nur Weiß oder Schwarz.

Der Springer dagegen wirkt im Nahkampf. Er kann als einzige Figur Hindernisse in seinem Weg überspringen und sich durch das Gewühl von Bauern und Figuren durcharbeiten. Obwohl er wendig ist, ist er nicht unbedingt ein Sprinter und kommt ausdauernd, aber manchmal zu zeitaufwendig an sein Ziel. Seine Kampfkraft variiert abhängig von der Zentral-, oder Rand- bzw. Eckstellung. Im Gegensatz zum Läufer kommt er aber theoretisch überall hin.

Als Richtschnur für den Anfänger wird ausgegeben, daß Läufer und Springer einander relativ gleichwertig sind. Dieser relative Figurenwert (relativ, weil jede Figur in einer bestimmten Stellung einen tatsächlichen Wert hat, der von ihrem Normalwert in beide Richtungen (weit) entfernt sein kann) ist bei diesem Figurenpaar besonders bedeutsam, weil sich im Laufe einer Schachpartie häufiger die Frage zur Wirksamkeit oder Notwendigkeit des Abtauschs eines Läufers gegen einen Springer und umgekehrt stellt.
Häufiger fragt sich allerdings die Läuferpartei, ob sie einen (gefesselten) Springer abtauschen soll/muß. Einem Läufer fällt es im Normalfall leichter sich gegen eine Abtausch zu verwahren, es sei denn er wird aufgegabelt oder weicht einfach nicht aus.

Die Möglichkeiten von Läufer und Springer bestimmen sie aber nicht allein, sondern die Schwerfiguren Dame und Türme und insbesondere die "Seele" des Spiels - der gemeine Rand-, Flügel- und Zentralbauer bestimmen mit ihrem reinen Vorhandensein, ihrer Mobilität, ihrer "Verzahnung" und ihren strukturellen Änderungsmöglichkeitern Funktion und Wert von Läufer und Springer.

Die Frage "Was ist besser? Läufer oder Springer?" muß aus meiner Sicht immer unbeantwortet bleiben. Auch bei einer konkreten Stellung bleibt die Frage strenggenommen häufig ungeklärt und Analysen und Partieverlauf geben uns gewisse Hinweise.

Unbestritten ist aber, daß viele Meisterspieler eine offen geäußerte oder deutlich erkennbare Vorliebe für bestimmte Leichtfiguren haben. Man erkennt dies an ihrem Abtauschverhalten und an der Spielführung mit bestimmten Figuren auch über verschiedene Eröffnungsvarianten hinweg.
Bobby Fischer wird zugeschrieben, daß er eine besondere Vorliebe für den weißen Königsläufer hatte. Auch wollte er Nona Gaprindaschwili nur einen Springer und nicht etwa eine Leichtfigur vorgeben.
Einer Vielzahl von Meistern (Mehrzahl?) wird zugeschrieben, daß sie lieber mit dem oder den Läufern spielen und sich bei einem Abtausch ohne konkrete und vorhersehbare Gründe schwertun.
Anderen Spielern wie z. B. Tschigorin, Petrosjan und auch Karpov wird zugeschrieben, daß sie gerne (und eben auch erfolgreich und kreativ) mit den Springern spiele(t)en.
Für mich deutet vieles darauf hin, daß es sich um eine Stilfrage und damit auch um die Auswahl des Eröffnungsrepertoires handelt, welche Leichtfigur zum strahlenden Helden oder tragischen Verlierer wird.
Die wirklich großen Meister sind Experten im Umgang mit allen Figuren und sie wissen, ahnen und spüren, wann welche Figur wohin gehört oder abgetauscht wird. Im Idealfall ganz vorurteilsfrei entsprechend den konkreten Stellungsgegebenheiten.
Weil ein Abtausch von nicht gleichschrittigen Figuren aber auch eine Investition in die Zukunft und deren Gestaltung ist, sind auch Meister von Fehleinschätzungen oder fehlerhafter Folgebehandlung nicht geschützt.

Die übermittelte launige Bemerkung eines deutschen Meisterspielers, er bevorzuge den schlechtesten Läufer gegenüber einem x-beliebigen Springer, hat mich aber doch in Erstaunen und ein leichtes Entsetzen versetzt. Sollte ich aber auch tausende von anderen Schachspielern bisher dramatischen Fehleinschätzungen gefolgt sein? Hat die "Springergemeinde" hier vieles übersehen und schöngefärbt? Stimmen Stellungseinschätzungen und Partiefolgen doch nicht?

Hier möchte ich doch beruhigen. Man sollte die Äußerung als Geschmacksmuster und nicht als Rezept und vielleicht ist sie auch aus einem bestimmten mir unbekannten "Stellungskontext" gerissen.

Um das Thema gleich bei den Hörnern zu packen, werde ich demnächst hier einige Beispiele mit dominanten Springern als besserer Leichtfigur einstellen.
Keine Sorge einige "gute" und einige "gute und erfolgreiche" Läufer werden schon beigemischt werden!


Literaturhinweise:

Steve Mayer "Bishop vs. Knight: The Verdict" (Batsford 1997)
Uhlmann/Vogt "Gute Läufer, schlechte Läufer" (Sportverlag 1988)
Zuletzt geändert von stoppelhoppler am Fr 2. Jan 2009, 21:54, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Läufer gegen Springer und umgekehrt

Beitragvon Tico » Fr 2. Jan 2009, 19:16

Moin,

im Großen und Ganzen gehe ich mit Dir chloroform, um es mit Alt-Bundestrainer Helmut Schön zu sagen.

Allerdings würde ich dies nicht so behaupten:

stoppelhoppler hat geschrieben:
Häufiger fragt sich allerdings die Läuferpartei, ob sie einen (gefesselten) Springer abtauschen soll/muß. Einem Läufer fällt es im Normalfall leichter sich gegen eine Abtausch zu verwahren, es sei denn er wird aufgegabelt oder weicht einfach nicht aus.



Es gibt meiner bescheidenen Meinung nach recht viele (typische) Manöver, bei denen einer Seite gar nichts anderes übrig bleibt, als dem "Tausch" eines Läufers gegen einen Springer einzuwilligen. Häufig wird ein schwarzer Läufer auf g4, der einen weißen Springer auf f3 fesselt, mit h2-h3 nebst g2-g4 und Sf3-h4 zur Strecke gebracht. Mit Weiß passiert es mir recht häufig, dass mein Lc4, dem durch den Bauern d3 der Rückzug verbaut ist, mit einem Manöver Sc6-a5 Lc4-b3 nebst Sa5xb3 gegen einen Springer getauscht wird. Offtopic: Immerhin kann ich in diesem Fall dann mittels a2xb3 gleich meinen Ta1 entwickeln. :)

Herzliche Grüße
Tico
 

Re: Läufer gegen Springer und umgekehrt

Beitragvon stoppelhoppler » Fr 2. Jan 2009, 19:54

Tico hat geschrieben:...Es gibt meiner bescheidenen Meinung nach recht viele (typische) Manöver, bei denen einer Seite gar nichts anderes übrig bleibt, als dem "Tausch" eines Läufers gegen einen Springer einzuwilligen. ... Mit Weiß passiert es mir recht häufig, dass mein Lc4, dem durch den Bauern d3 der Rückzug verbaut ist, mit einem Manöver Sc6-a5 Lc4-b3 nebst Sa5xb3 gegen einen Springer getauscht wird. Offtopic: Immerhin kann ich in diesem Fall dann mittels a2xb3 gleich meinen Ta1 entwickeln....


D'accord - damit wurde gleich überprüft, ob ich auch gelesen werde... ;)
Ich meine es mehr in dem Sinn, daß sich für die Läuferpartei allgemein eher Alternativen ergeben, einem Abtausch aus dem Weg zu gehen oder ihn zu erschweren.
So muß die Springerseite häufiger einige (nicht selten schwächende) Bauernzüge machen, um zum Abtausch zu gelangen. Ein Läufer kann auch häufiger noch auf einem dem Springer nicht sofort zugänglichen Feld nahezu identische Wirkung erzielen, wie auf einem Abtauschfeld.
Ein Springer dagegen muß häufiger Felder betreten, wenn er die gewünschte Wirkung erzielen will, auf denen er vom Läufer ggf. einfach abgetauscht wird. Dazu kommt noch das Fesselungsthema, das nur der Läufer beherrscht.
Ich glaube schon, daß es mehr Stellungen und Situationen gibt, in denen die Läuferpartei vor der Frage steht: Abtausch zulassen oder selbst vornehmen oder verhindern?

Umgekehrt stelle ich die Hypothese auf, daß es einfacher ist, die Frage nach dem Abtausch eines Springers gegen einen Läufer zu beantworten als umgekehrt - wenn dieser Abtausch nicht von einleitenden Bauernzügen begleitet wird.
Sind Bauernzüge dabei, dann wird es wieder sehr schwierig und interessant! 8-)

P.S. Deinen weißfeldrigen Läufer hätten einige Spieler mit vorsorglich a2-a3 bzw. a2-a4 längerfristig vor einem Abtausch geschützt. In einigen Situationen wird aber sicher auch gerne der Tausch auf c4 zugelassen, um kein Tempo zu verlieren und Druck gegen d5, d6 in Verbindung mit der halboffenen d-Linie auszuüben - :idea: kleine Alternative zur halboffenen a-Linie.
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Re: Läufer gegen Springer und umgekehrt

Beitragvon Lestat » Fr 2. Jan 2009, 20:14

Dennis Monnodingsbums hat zu diesem thema 3 wirklich gute videos gemacht (normalerweise mag ich dennis' videos nicht, da werden einem einfach 100te von taktischen variante an den kopf geschmissen, das kann mir auch crafty berechnen).

hier die links:

http://www.chessvideos.tv/forum/viewtop ... =19&t=3747
http://www.chessvideos.tv/forum/viewtop ... =19&t=3788
http://www.chessvideos.tv/forum/viewtop ... =19&t=3830
e^(i*pi) + 1 = 0

What the hell does the ratio of the circumference of a circle to its diameter have to do with the base of the natural logarithm and the square root of -1?
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Re: Läufer gegen Springer und umgekehrt

Beitragvon stoppelhoppler » Sa 3. Jan 2009, 23:58

An zwei Beispielen möchte ich zeigen, daß auch ein sehr guter Läufer überfordert sein kann, während sein Springergegenpart wichtige Aufgaben übernimmt.
Die Partien sind in entscheidenden Strukturen und in ihren nicht ganz alltäglichen "Lösungsverläufen" erstaunlich ähnlich, obwohl sie aus unterschiedlichen Epochen und Eröffnungen stammen.
Die moderne Partie Short-Timman 1991 ist vielen sicherlich bekannt. Ich habe hier versucht mal den Aspekt der Leichtfiguren und der Springer-Läufer-Problematik in den Vordergrund zu stellen.

Beginnen wollen wir aber mal mit einem "alten Meister" - einer Beratungspartie von Richard Teichmann aus dem Jahr 1902.
us einem Zweispringerspiel ergab sich folgende Stellung:
Bild

Beide Leichtfiguren sind auf ihre Art Prachtkerle. Sie haben große Wirkungsmöglichkeiten und erfüllen wichtige Aufgaben.
Der schwarze Läufer baut Druck auf der langen Diagonalen auf und deckt das wichtige Feld e8.
Der weiße Springer ist ein Krake in der schwarzen Stellung. Er verhindert ein wirksames Zusammenspiel der schwarzen Schwerfiguren. Er bietet den Ansatz für Unruhe auf der Diagonalen a2-g8.
Aus meiner Sicht ist er die bessere Leichtfigur im Vergleich zum Läufer, weil er eben mit den eigenen Schwerfiguren besser zusammenarbeiten kann und den Tf8 weitgehend aus dem Spiel heraushält. Die schwarze Dame und der Läufer schaffen es derzeit im Verbund, den Te2 noch aus dem Angriff herauszuhalten.
Teichmann nutzte im weiteren Verlauf eine weitere Figur für Angriffsoperationen.
Wer die erwähnte Shortpartie kennt, kommt leichter darauf... 8-)
Die weitere Partiefolge findet sich im Anhang.

Die Partie Short - Timman zeigt meines Erachtens deutlich, welchen relativen Wert Läufer und Läuferpaar haben. Ohne Einsatzziele oder freie Bahn können sie mit einem Springer bzw. einer Springer-Läuferkombination eben nicht mithalten. Der Wert der Figuren wird eben immer durch ihr gesamtes Umfeld bestimmt.


Short - Timman Tilburg 1991 B04

1. e4 Nf6 2. e5 Nd5 3. d4 d6 4. Nf3 g6 5. Bc4 Nb6 6. Bb3 Bg7 7. Qe2 $5 Nc6 8.
O-O O-O 9. h3 a5
(9... Na5 (Anand) 10. Nc3 Nxb3 11. axb3 0,6.0,4 (Weil es zum
Thema passt: Auch hier wird der Abtausch eines Laeufers gegen einen Springer
als vorteilhaft eingeschaetzt.))

10. a4
(Zur Notwendigkeit des Textzugs siehe die Variante:10. a3? a4 11. Ba2 dxe5
12. dxe5 Nd4 13. Nxd4 Qxd4 14. Re1 Ra5)

10... dxe5 11. dxe5 Nd4 12. Nxd4 Qxd413. Re1 e6 14. Nd2 Nd5 15. Nf3
Qc5 16. Qe4!(plant Dh4 nebst Sg5 oder Lh6)
16... Qb4 17. Bc4 (interessantes Konzept von Short - er ist wohl hier schon bereit das Laeuferpaar aufzugeben und sich zusaetzlich - statisch gesehen - die Bauernstellung zerrupfen zu lassen - 17. Bxd5 exd5 18. Qxd5 Be6 mit Kompensation)
17... Nb6 18. b3!? (konventionell war Ld3 möglich)
Bild

18. ... Nxc4 19. bxc4

Bild
Erstaunlich! Trotz Verlust des Laeuferpaars und zerrissener Bauern am
Damenfluegel duerfte eher Weiss bessere Aussichten haben. Woran liegt es?
Beide Laeufer von Schwarz sind nicht gerade sehr wirkungsvoll derzeit. Weiss
muss natuerlich verhindern, dass diese ihre Wirkung verbessern koennen. Die
weissen Leichtfiguren haben dagegen einen guten Aktionsradius. Jetzt muessen
Schwaechen geschaffen und der Kampf um die d-Linie gewonnen werden.
Schwarz fehlt es dagegen an geeigneten Angriffsobjekten. Der Bauer e5 ist gut
geschuetzt und die Bauern am Damenfluegel werden von der sD alleine nicht
ausreichend bedroht. Schwarz ist zum Reagieren gezwungen.

19... Re8 (vermeidet den Spieß La3 und könnte Ld7-c6 folgen lassen - 19... Rd8 (der "natürliche" Zug) 20. Qh4 Rd7 21. Bh6 Bxh6 22. Qxh6 mit Angriff)
20. Rd1 (Einfaches, aber gutes Schach: Besetzt die d-Linie und verhindert vorerst Ld7!)
20... Qc5 21. Qh4 b6 (... nutzt die Chance zur Entwicklung - 21... Bxe5?? 22.Ba3 +-)
22. Be3 Qc6
(22... Qf8 23. Ng5 h6 24. Ne4 g5 25. Bxg5! hxg5 26. Qxg5 Kh8 (26... Kh7 27. Rd4 +-) 27. Qh5+ Bh6 (27... Kg8 28. Nf6+ Bxf6 29. exf6 e5 30. Ra3! +-) 28. Nf6 Bb7 29. Rd4 +- (Fazit: beide Laeufer sind "gut", aber wehrlos gegen den Angriff der Schwerfiguren auf der Basis eines einzigen hervorragend postierten Springers))
23. Bh6 Bh8
(23... Bxh6 24. Qxh6 Bb7 25. Rd4 {Anand - Idee Th4 +-} (25. Rd5! (junior, shredder) 25... exd5 (25... Re7 26. Ng5 f5 27. exf6+-) 26. Ng5 Qd7 27. Nxh7+-))
24. Rd8 Bb7 25. Rad1
(Weiss beherrscht die d-Linie und hat eine Uebermacht am Koenigsfluegel. Dieser erweist sich aber als erstaunlich schwer zu stuermen. Schwarz erzielt endlich
Wirkung mit einem Laeufer. Der Druck auf der weissfeldrigen Diagonalen schraenkt die "Ausflugsmoeglichkeiten" des Sf3 ein.)

25... Bg7
(25... Bxe5? 26. Qe7 Bg7 27. Rxa8 Bxa8 28. Rd8 - 25... Qxa4? 26. Qe7! Bxf3 27. gxf3! Qc6 (27... Bxe5 28. Rxa8))
26. R8d7 Rf8 (notwendig - 26... Qe4 27. Rxf7! (Von Timman vorher uebersehen!) Qxh4 28. Rxg7+ Kh8 29. Nxh4 +-)
27. Bxg7 Kxg7 (Ein guter Laeufer, doch vermag er nicht zu helfen.)
28. R1d4 Rae8 29. Qf6+ Kg8 30. h4
Bild
Zugegeben, der weisse Springer ist kein allzu aktiver Teil des weissen Angriffs. Seine jetzige Hauptaufgabe erfuellt er aber zuverlaessig: Er blockt den Angriff gegen g2 ab. Die Varianten im 31. Zug zeigen aber, welche unterschiedlichen Karrieren die beiden Leichtfiguren noch
vor sich haben!

30... h5 31. Kh2! (Ein harmloser Beginn eines erfolgreichen Marsches!)
31... Rc8?
(hartnäckiger ist: 31... Bc8 32. g4! hxg4 (32... Bxd7 33. gxh5 Kh7 34. Ng5+ Kh6 35. Nxf7+ Kxh5 36.Qg5# - 32... Bb7 (Anand) 33. Rd3 mit Vorteil) 33. Ng5 g3+ (33... Bxd7 34. h5 gxh5 35.Qh6 +-) 34. Kxg3 Bxd7 35. Kh2 (junior, Speelman) 35... Bc8 36. h5 Bb7 37. Ne4 - und Schwarz ist mit Mehrturm und gutem Laeufer faszinierend hilflos...)
Variantenschlußdiagramm:
Bild

32.Kg3 Rce8 33. Kf4 Bc8 34. Kg5 1-0

Bild

(34. Kg5 Kh7 (34... Bxd7 35. Kh6 +-) 35. Qxg6+ (35.
Rxf7+ Rxf7 36. Qxf7+ Kh8 37. Kh6 +-) 35... Kh8 36. Qh6+ Kg8 37. Kf6 +-)


Eine Glanz- und Modellpartie von Short!

Das Laeuferpaar war nicht wirklich zu sehen.
Der gute Läufer war letztlich ziellos.
Die Partie zeigt sehr deutlich, daß der absolute Wert der einzelnen Figuren immer von ihren Mitspielern und der Bauernstruktur abhängt.
Die theoretische Frage "Läufer oder Springer?" muß immer konkret beantwortet werden und es gibt in Abhängigkeit von der Position die drei Antworten, die auch das Partieergebnis beschreiben.
Entsprechend der Partieführung treten im Verlauf immer wieder Bewertungsveränderungen auf.
Deshalb muß man regelmäßig überprüfen, ob eine Figur, die man vor ein paar Zügen noch als "gut" eingeschätzt hat, tatsächlich noch diesen Wert hat. Man darf nicht darauf vertrauen, daß die Figuren immer oder wenigstens ziemlich lange "gut" oder "schlecht" sind.
Das Erkennen und Ausnutzen von Veränderungsmöglichkeiten ist ein Teil der Meisterschaft genauso wie der richtige und rechtzeitige Abtausch.
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Re: Läufer gegen Springer und umgekehrt

Beitragvon stoppelhoppler » Di 6. Jan 2009, 18:27

Der Abtausch Läufer gegen Springer stellt sich in einigen Eröffnungssystemen sehr frühzeitig:

Französisch-Winawer, Nimzoindisch, Spanisch-Abtausch, Berliner Verteidigung, einige Englisch-Systeme ...


Die Anwendung dieser Eröffnungen zeigt sehr deutlich, daß viele (Spitzen)schachspieler ein pragmatisches Verhältnis zum Wert des Läufers und zum Läuferpaar haben.
Maßgeblicher scheint ihnen in vielen Fällen dIe Veränderung der Bauernstruktur (häufig Doppelbauern) und die Tempofrage zu sein.
Der "Läuferspieler" Bobby Fischer gab im Abtauschspanier (also ohne Not :lol: ) gerne und erfolgreich seinen Lieblingsläufer.

Wenn das nicht Grund genug ist, häufiger über den Abtausch eines Läufers gegen einen Springer nachzudenken und die Läufer nicht zu sehr zu schonen :!:
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