Immer wieder diese Zeitnot

Immer wieder diese Zeitnot

Beitragvon Zauberlehrling » Sa 28. Mär 2009, 15:18

ANMERKUNG: Zwar passt das Thema hier vielleicht nicht optimaler Weise herein, aber immerhin ist die „schlimmste“ Zeitnotphase immer noch die, welche im Mittelspiel stattfindet. ;)

Mit Zeitnotphase bezeichne ich alles bei einer „normalen“ Partie, wo ich weniger als eine Minute in einer mehr oder weniger komplizierten Stellung besitze.
Was für Tipps gibt es noch außer Taktikaufgaben zu lösen, so dass man schneller Gefahren und Chancen erfassen kann und keine Figuren mehr einstellt während der Zeitnotphase?

MfG
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Re: Immer wieder diese Zeitnot

Beitragvon Stratege » Sa 28. Mär 2009, 19:43

Nach frustrierenden Resultaten in den letzten Partien drucke ich mir jetzt alle Novice Nooks aus und bearbeite diese (freundlicher für die Augen). Da ist auch sehr sehr viel zum Zeitmanagment und zum Denkprozess drin.
"Die Tromp- und Colorado-Quote steigt wieder an, genauso wie die Anzahl der gekauften, aber ungelesenen Schachbücher im Schrank (das Zeichen schlechthin für einen ewigen Verlierer!)" IM Ilja Schneider auf schachzoo.twoday.net
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Re: Immer wieder diese Zeitnot

Beitragvon stoppelhoppler » Sa 28. Mär 2009, 21:01

Ich leide eher an einem leicht umgekehrten Problem.
Aus Respekt und Angst vor der Zeitnot ziehe ich zwischendurch vielleicht etwas zu schnell; denn im Hinterkopf steckt drin, daß ich pro Zug am Schluß ca. eine Minute haben möchte.
Daher kommt es selten vor, daß ich eine Handvoll Züge in 1-2 Minuten machen muß.
Sicher verpasse ich vorher etliche Möglichkeiten, doch hat sich bei mir die Erkenntnis durchgesetzt, daß ich mein durchschnittliches Figurengeschiebe auch durch längeres Nachdenken in einer Turnierpartie nicht deutlich verbessern kann. Also spiele ich dann schon nach meinem Gefühl, versuche grobe taktische Patzer auszuschließen und versuche nicht alle Stellungsprobleme vorab zu sehen und zu lösen.
Blitz spiele ich fast gar nicht (zu stressig), was ich aber zum Training der Geistesgegenwart und Übersicht doch mal wieder versuchen sollte. Schnellpartien 15-30 min gehen ganz gut, so lange ich mehr als 2 Restminuten habe. Danach werde ich dann doch zu nervös.

Bei häufiger größerer Zeitnot sollte wirklich am Zeitmanagement gearbeitet werden. Nach meinen Beobachtungen gehen hier doch mehr Partien verloren, als daß sie durch vorherige Zeitinvestitionen gewonnen werden.
Leider gibt es kein wirklich gutes, bekanntes Mittel gegen die Zeitnot, wie man auch an Spitzenspielern sieht.

Wenn man häufig herumwandert und auch in Zeitnot kommt, dann sollte man irgendwie Sitzfleisch entwickeln, auch wenn es schwerfällt. Man läßt dann wohl zuviel Zeit ungenutzt verstreichen, die man mit Gegner am Zug zumindest für allgemeine Stellungserwägungen und -beurteilungen nutzen sollte.
Konkrete Variantenberechnungen auf Bedenkzeit des Gegners halte ich nur in handfesten Situationen für sinnvoll. Aber man kann sich Gedanken über die Struktur und einzelne Pläne machen. Eine gewisse "Kopfkondition" ist natürlich Voraussetzung, sonst ist der Akku am Schluß ggf. zu leer.
Die Signatur, die Signatur hat nicht immer Recht.
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Re: Immer wieder diese Zeitnot

Beitragvon Zauberlehrling » Sa 28. Mär 2009, 23:22

Ich danke euch beiden für eure Antworten.

Zum Link bezüglich der „Novice Nooks“:
Da fällt mir gerade nur eins ein, „wow“. :)
Mal abgesehen von den Artikeln zu „Novice Nooks“, gibt es auf der Seite so viele interessante Artikel, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Ich muss wirklich mal öfters englische Seiten zum Thema Schach besuchen.

@ stoppelhoppler
Deine Ratschläge werde ich mir wirklich mal zu Herzen nehmen, auch wenn das mit dem Sitzfleisch entwickeln nicht ganz so einfach ist.

Tatsächlich bin ich nämlich jemand, der nach fast jedem Zug aufsteht und am liebsten für ein zwei Minuten an die frische Luft geht. Man könnte also meinen: „ Dann ist das Problem ja gelöst.“ Leider nicht ganz. Vermutlich verliere ich durch das Aufstehen meist „nur“ 10-15 Minuten, dafür verspreche ich mir aber davon, mit einem klareren Geist und einem neuen Blickwinkel die Partie fortsetzen zu können. Hinzu kommt, dass ich mir meist schon während der Partie denke, du wirst eh gleich wieder in Zeitnot kommen, dann steh jetzt lieber noch einmal auf, sodass du in der Zeitnotphase konzentriert bist. :D

Das Interessante an der ganzen Angelegenheit ist die, dass meine Gegner fast immer selbst in Zeitnot geraten und oft sogar in stärkere! In den letzten drei Partien war dies mal wieder der Fall. In allen drei stand ich bereits auf Gewinn, nach der Zeitnotphase leider nicht mehr. Wir mussten teilweise 20 Züge ziehen, dabei hatte ich noch knapp 15 Minuten und mein Gegner weniger als 10 Minuten. Leider konnten meine Gegner aber stets besser damit umgehen. Fast jedes Mal stellte ich entweder eine Figur ein oder machte sonst irgend einen gravierenden Fehler.

Kennt ihr vielleicht „effektive“ Mittel um zumindest die fatalen Einsteller zu vermeiden?

MfG
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Re: Immer wieder diese Zeitnot

Beitragvon elvis » So 29. Mär 2009, 00:34

Zum einen: Ich spiele gern Schnell- und Blitzschach, und bin in den schnellen Formaten im Durchschnitt ein wenig erfolgreicher als in Turnierpartien. Und das, obwohl (oder weil?) ich Schnell- und Blitzpartien nicht wirklich ernst nehme.

Als Training, um Zeitnotfehler zu vermeiden, eignet sich das Schnellschach kaum. In Schnellpartien werden die gleichen Fehler gemacht, eher noch mehr als in Zeitnot-geplagten Turnierpartien. Vielleicht der größte Unterschied ist, dass man weniger über die Fehler nachdenkt, analysiert und Feherquellen sucht, sondern einfach die nächste Partie spielt.

In einer Hinsicht kann Schnell- oder Blitzschach allerdings eine brauchbare Übung sein: Man bekommt Routine darin, komplizierte Stellungen auf dem Brett und nur wenige Minuten auf der Uhr zu haben. Die Routine hilft gegen aufkeimende Nervosität.

Zum anderen:
Zauberlehrling hat geschrieben:Kennt ihr vielleicht „effektive“ Mittel um zumindest die fatalen Einsteller zu vermeiden?


Der übliche Fragenkatalog (jeder hat da seine eigene Checkliste, mit kleinen Unterschieden, aber in etwa läuft es zumeist auf dasselbe hinaus):
- Wie hat sich die Stellung durch die letzten Züge (sowohl des Gegners als auch meine eigenen Züge) verändert?
- Was ist angegriffen?
- Sind Schachgebote möglich?
- Können eigene Figuren geschlagen werden, und wenn ja, welche wichtigen Aufgaben haben diese Figuren?
- Kann eine Figur andere Felder erreichen als vorher, oder bestimmte Felder nicht mehr erreichen?
- Droht ein Abzug, eine Gabel, ein Doppelangriff, eine Fesselung, ein anderes einfaches taktisches Motiv?
usw.

Diese Fragen kann man in 5-10 Sekunden durchgehen.
Wenn man ca. 1 Minute pro Zug hat, sollte das reichen, um ein- oder zweizügige Einsteller zu vermeiden.
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