Jupp53 hat geschrieben:Um zu versuchen, von der persönlichen Ebene runterzukommen, mal eine Frage an Geckotierchen: Weshalb siehst Du das als Schrott an?
Schön. Sonst wäre hier wohl auch keine Antwort meinerseits zu erwarten gewesen (will ja eh keiner lesen). Wieso führt eine harsche Kritik
des Inhalts in Foren skurrilerweise augenblicklich zu harscher Konterkritik
an der kritisierenden Person? Als ich damals im Schachfeld der erste war, der im Fischer-ist-tot-Thread Bobby nicht über den KLee gelobt hat (sondern mal seine unübersehbaren menschlichen Defizite als durchaus stichhaltige Begründung GEGEN solches Lob anführte), wurden sofort aufs übelste die Tomaten geworfen. Hier ist es ähnlich: Sobald der erste nicht zustimmt, wird anvisiert.
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Um nicht in nichtschachlichem Palaver zu ertrinken, folgt nun die schachliche Auseinandersetzung mit den beiden Partien Dr.Hartlaubs. Ich beginne hierbei mit der "besseren" Schwarzpartie:
1.c4 b6
2.d4 Lb7
3.Sc3 e6
4.e4 f5? (Stumpf. Pointiert und mit Preisung versehen ist hingegen 4...Lb4 5.Ld3 f5! (Punkt g2!) bzw. 4...Lb4 5.f3 f5! (nun hat sich Weiß bereits hässlich mit f3 aufgestellt). In beiden fällen hat Weiß Konzessionen zu machen, die in der Partie nicht vorhanden sind)
5.exf5! Sf6 (die Ruine nach exf5 will man ja nicht spielen, Sf6 ist daher only move)-
6.fxe6 Le7?! (im aktiven Sinne wäre z.B. Ld6 vorzuziehen, dann hätte Schwarz für das Bauernopfer zumindest eine Form der Schmuddelkompensation (Horwitz-Läufer) vorzuweisen.
7.Sf3 (bleibt cool) O-O
8.Ld3 (muss man nicht machen, e4 unter Kontrolle zu behalten ist aber grundsätzlich nicht verkehrt. 8.Le2 ist gleichwertig) dxe6
9.O-O Sc6
10.Te1! Sb4? (I don't get it - wenn schon sinnlos nach vorne, dann doch bitte Sg4, Schwarz kann nach 11.Txe6 Sxf2 oder 11.Txe6 Sxd4 zumindest noch im Trüben fischen. Nach 11.Le4 wäre aber auch der Zug abgefahren.)
11.Le2? (Wovor hatte Weiß Angst? Vor der klar besseren Stellung nach 11.Txe6 Lxf3 12.Dxf3 Dxd4 13.Lf5? Oder nach der quasi-Gewinnstellung nach dem naheliegenden 11.Sg5? In beiden Fällen muss man nicht mehr als 5 Halbzüge rechnen, um zu sehen, dass Schwarz in keiner der beiden Varianten einen Giftstachel in der Hinterhand hat.) Sg4?!
12.a3 Sxf2?? (Nach 12...Sc6 ist die Stellung sogar garnicht so schlecht, Schwarz kann noch ein wenig gegen die hängenden Bauern drücken.)
13.Kxf2 Sc2 (es gibt keinen Weg mehr zurück)
14.Dxc2 Dxd4+
15.Le3 Lh4+
16.g3 Dg4
So. Jeder Spieler mit Turniererfahrung weiß, dass dies der Augenblick ist, in dem man den Sack zu ziehen muss. Da f3 überlastet ist, bleiben als einzige Kandidatenzüge nur 17.Sd5 mit Rückopferentlastung sowie 17.Dd1 mit der Idee Tf1-Kg2 und 1:0. Wir rechnen selbstverständlich zunächst Dd1. Bekommen wir noch einen Zug zur Festigung der Stellung (z.B: nach Tf7 mit der Idee Taf8), so kommt Tf1 und wir haben gewonnen. Also muss man lediglich Ta-d8 rechnen. Da die weiße Dame nicht ziehen darf (->f3), können wir jetzt aber unsere zweite Ressource ziehen: Nach 18.Sd5 exd5 drohen d4 und dxc4. Für einen Moment ist der Lb7 aber nicht auf f3, f3 ist also entlastet und wir haben einen Zug Zeit zum Reduzieren des schwarzen Angriffsmaterials: 19.Dd4! und Aufgabe. Weiß hat eine Mehrfigur gegen zwei Bauern, was hierbei einen reibungslosen Sieg garantieren sollte.
Sd5 mit der Idee Kg1 ergibt hingegen keinen Sinn. Selbst nach sofortigem Kg1 hatte Schwarz mindestens Dauerschach, der schreckbare Weiße hatte die Partie hier also schon gegen sich abgehakt. Hätte er einen der 4 Fehler (!) in den ersten 16 Zügen des Gegners ausgenutzt, wäre das Endergebnis anders ausgefallen. Was uns zur zweiten Partie bringt...:
1.b4 (kann man machen) d5
2.Lb2 f5
3.e3 Sf6
4.f4 e6
5.Sf3?? (das stellt kompensationslos einen Bauern ein.) Lxb4
6.Sc3? (das passt erstens nicht zum Entwicklungstenor des Weißen [warum hat er den b4 denn bitteschön geopfert??] und zweitens keinen Stück in den schwarzfeldrig orientierten Aufbau hinein. Andererseits bin ich hier auch überfragt, was man ziehen sollte, denn die Stellung sieht hier bereits verloren aus. Vielleicht 6.Ld3 mit Pseudokompensation.) O-O
7.Sg5?! (quo vadis?) h6 (Im Sinne der Ausnutzung sämtlicher strategischer Orientierungslosigkeit seitens des Weißen wäre hier wohl eine konkrete Bestrafung angebracht: Sowohl 7..Sc6 mit der Idee d5-d4 als auch sofortiges 7...d4!? gefallen mir sehr gut. Letzteres nutzt übrigens aus, dass Weiß seiner eigenen schwarzfeldrigen Strategie keinerlei Beachtung schenkt (Sc3, Sg5)
8.h4? (Wenn schon verlieren, dann richtig..) Sg4! (eine starke Riposte! Das erzwingt das traurige Eingeständnis 9.Sf3, wonach 8.h4 äußerst peinlich aussieht. Die unterentwickelte weiße Stellung kann danach mit Sc6 und dann entweder d4 oder e5 geknackt werden. Sofortiges 8...hxg5 ging selbstverständlich auch, lässt Weiß 9.hxg5 Sg4 10.Df3 mit Rumgeschummel leichter finden.)
9.Ld3? (rennt beständig gegen die Wand. Im Zockersinne war 9.Df3!? die einzige Idee, nach 9..hxg5 10.hxg5 wäre es Zugumstellung zur obigen Stellung. Selbstverständlich ist auch diese Stellung banal verloren.)
9..hxg5
10.hxg5 c5 (die Verstopfung der langen Diagonale mit d5-d4 ist jetzt nachhaltig, unvermeidbar und sollte zur weißen Aufgabe führen.)
11.Sb5? siehe mein Kommentar zum 6.Zug - man stand der da unnütz) a6 (
12.Th7? (sieht aus wie der letzte "man kanns ja mal versuchen" Gag-Zug vor der Aufgabe)
Und hier geschieht das unfassbare..
12...Tf7??
Wo hat Teichmann Gespenster gesehen? 12...Kxh7 13.Dxg4. Ok, durchatmen, Stellung besehen... Ok, außer Schachs auf der h-Linie hat Weiß keine Drohung, also nehm ich ihm diese mit 13...Kg6. Nächster Zug ist Th8 und voila, Mehrturm.
Auf die Art und Weise wie Teichmann es spielt, ist die Stellung
nur "noch gewonnen". Evtl. hat Teichmann ja (zurecht) gedacht, die Mehrfigur würde locker reichen..
13.g6 Tf6
14.Ke2 Txg6
15.Dh1 Sh6
16.Txg7+ Txg7
17.Dxh6
...okay, wenn ich meine Entiwcklung beenden (unrealistisch) oder mit dem König zum Damenflügel rennen kann, hab ich locker gewonnen. "Erst einmal den Lb2 ausschalten" hätte zum naheliegenden 17...d4-+ und baldigem Händereichen geführt.
17...De7??
Nun ist die Stellung leider nur noch Remis. Allein dies sollte den Schwarzspieler bereits fuchsteufelswild machen..
18.Sd6? Ein weiterer, sehr schlechter Zug, der jedwedes Feingefühl vermissen lässt. (18.Th1 d4 19.Dh8+ Kf7 20.Sc7! Dxc7 21.Th7 Kg6 22.Th6+ Kf7 23.Th7=)
Nach 18..Df8! -/+ droht Txg2+ und hier braucht es einen echten Verteidiger, um den EINZIGEN Zug 19.Dh5!!= zu finden, der da Remis sichert. Nicht die Verteidigung ist hier schwer zu führen (wie der Kommentator schreibt) , sondern vielmehr ist es der Angriff!
Stattdessen kommt erneut ein Doppelfragezeichen in Form von:
18...Ld7???
19.Th1 +- Kf8!? (wenigstens nur noch 3 Züge diese Schande ertragen.. ob der weiße aber 19..Th7 20.Dg6+ Tg7 21.Lf6! Le8 22.Th8+! gefunden hätte?)
nebst Matt.
Wow. 8 Fehler in 19 Zügen - das erinnert an die U12.
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Dies ist eine andere Kommentierungsform Hartlaubscher Spielweise. Wem das zu hart erscheint, soll sich beide Partien noch einmal langsam angucken. Es sollte nun aber klar sein, warum ich die Partien Dr.Hartlaubs als kompletten Schrott abtat und -tue.
Und jetzt kommt genau der springende Punkt. Ich bin u.a. aus dem Schachforum, deren interner Verlauf dieses hier indirekt hervorgebracht hat, als ein Forenmitglied bekannt, welches eher lange, ausschweifende und doch nicht zwingend prozentual kritikärmere Beiträge verfasst. Warum habe ich also nur einen Einzeiler zu hinterlassen?
Ich hatte und habe natürlich nicht vor, die wirklich ansprechenswerte Präsentationsform des Threaderstellers zu schmähen. Warum man diese Partien außer ihrem streitbaren Unterhaltungswert angucken soll, wird mir aber nicht klar. Aus schachlicher Sicht heraus kann ich das weder Zurschaustellung von Kreativität noch große Inspiration sondern allerhöchstens komplett fehlende Verteidigungsfähigkeiten nennen.
Wenn jemand
eigene Partien veröffentlicht, hat dies meist etwas andere Gründe. Solange es nicht offensichtliche, zur Belustigung gedachte Zurschaustellung der eigenen UNfähigkeit ist ("guck mal, ich hab nen Turm eingestellt und es irgendwie noch geschafft, remis zu halten!

"), wird aber wohl niemand derartige Partien wie die Partie Hartlaub - Teichmann zeigen. Die erste ist ja sogar noch ganz nett! Die zweite hingegen ist schlimmer als ein AUtounfall. Eine derartige schachliche INkompetenz (beiderseitig!) habe ich lange nicht mehr gesehen. Das ist vielleicht im Blitz ganz lustig (erfahrungsgemäß sogar ziemlich!), hier ist man sich der eigenen Niveaulosigkeit im ALlgemeinen aber ja auch bewusst.
Und hier kommen wir auch schon zu Tico: Wie gesagt, war es mit Sicherheit nicht respektlos gegenüber dem Threadersteller gemeint (wenn das so angekommen ist, entschuldige ich mich selbstverständlich dafür). Allerdings habe ich ja auch nicht die Qualität seiner Recherche, sondern sehrvielmehr die Qualität des dargelegten INhalts (dafür kann man ja nichts) kritisiert! Somit ist es keine sonderlich anders geartete Konstellation als die, dass ein Kritiker (Ich) das Buch (Partien) eines Autors (Dr.Hartlaub) als schlecht bezeichnet, ohne den Verleger (Threadersteller) mit Kritik auch nur zu streifen. Im Gegenteil: Die schöne Form des Einbands und die liebevolle Präsentation des Autoren seitens des Verlegers halfen keinem der dargebotenen Kapitel! Der Verleger muss sich höchstens noch der indirekt gestellten Frage stellen, warum er ein derartiges Buch darbietet.
("Aber das ist Verlegerlogik, und wie wir wissen stammen diese vom Planeten Zog." - Douglas Adams)
Damit habe ich auch einen beachtenswerten Haken zu meinem Schlusssatz geschlagen. Der KOntrast zwischen meiner sonst sehr ausladenden Schreibweise und diesem Kurzzüngler sollte in letzter Konsequenz eine Hommage an Tony Miles Rezension im Kingpin sein. Ich bin ziemlich überrascht, dass das hier offensichtlich niemand erkannt hat.
She gets upset and lashes out at him for letting himself be crushed by the weight of the world and wasting away his own life worrying about things beyond his control.
However, this is what chess should be like: rich and difficult.
- Tiger H. Persson