Kann Weiß das Springerendspiel gewinnen? Wenn ja - wie?

Moderator: Jupp53

Kann Weiß das Springerendspiel gewinnen? Wenn ja - wie?

Beitragvon Stratege » Fr 18. Dez 2009, 22:10

Folgende Stellung ergab sich heute in einer Turnierpartie:

Ich hatte Weiß, war am Zug und hatte ein Remisgebot vorliegen. Da ich rein gar nichts gesehen habe, wie ich die Stellung weiter verbessern kann (spiele ich meinen Springer nach vorn, dringt der gegnerische Springer ein und ein Vorrücken des h-Freibauern blockiert der gegnerische Springer auch ganz gut. Anstatt mich noch lange ohne besseres Ergebnis weiter zu quälen, gab ich remis.

Wie schätzt ihr die Lage ein?
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Re: Kann Weiß das Springerendspiel gewinnen? Wenn ja - wie?

Beitragvon Riddler » Fr 18. Dez 2009, 23:04

Also.. so ein paar interessante Ideen gibt es schon noch. Weiß steht meiner Meinung nach besser, weil der schwarze Springer sich nie zu weit vom h-Bauern entfernen darf. Weiß könnte versuchen, eine weitere Schwäche bei Schwarz zu evozieren (... sorry, der musste sein ;)), etwa durch a5 (bxa und der c-Bauer ist frei, während die schwarzen a-Bauern sich ziemlich auf den Füßen stehen. Ein anderer Plan wäre Kf3 Se2 und Kg3-h4. Ich bin nicht sicher, ob das gewonnen ist, aber es ist auf alle Fälle eine Überlegung wert.
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Kann Weiß das Springerendspiel gewinnen? Wenn ja - wie?

Beitragvon stoppelhoppler » Fr 18. Dez 2009, 23:13

Nach einer anstrengenden Partie mit vielleicht wenig verbleibender Bedenkzeit vor einem Endspiel zu sitzen, das man nicht irgendwie runterspulen kann, läßt natürlich die Frage nach der eigenen Schmerzgrenze auftauchen.
Ich behelfe mich mit der Frage, ob ich von meinen Gegnern trotz Minusbauern ein Remis bekäme.
da fallen mir dann doch einige ein, die mir doch zeigen würden, was man mit einem mühsam errungenen Mehrbauern so alles anstellen kann.
Dazu kommt dann noch die "Theorie", daß Springerendspiele mit Mehrbauern ähnlich den Bauernendspielen seien.

Möglichkeiten für Weiß:

Sa2-b4 mit Befragung des Bauern a6, zieht dieser nach a5, dann Springer nach b3 bringen und c4-c5 ins Auge fassen, wonach der a5 geschwächt würde.
Natürlich kann Schwarz auch mal ziehen...
Aber das wäre meine erste Idee für Weiß.

Erste Einschätzung somit: Weiß hat da wohl noch seine Möglichkeiten und beide Seiten dürfen noch weitere 15-60 Minuten weiter rechnen und spielen je nach Modus.

Ergänzung:

Riddlers Plan hatte ich auch kurz angedacht.
Allerdings gibt eigenes a4-a5 dem Schwarzen Gegenspiel mit seinen Freibauern.
Unter Bauernopfer sollte man imo nicht a4-a5 spielen, sondern es vorbereiten - also auch wieder Sprinter nach b3.
Die Signatur, die Signatur hat nicht immer Recht.
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Re: Kann Weiß das Springerendspiel gewinnen? Wenn ja - wie?

Beitragvon kladist » Fr 18. Dez 2009, 23:33

Mit dem Mehrbauer, der ja sogar ein entfernter Freibauer ist, sollte Weiß sehr gute Gewinnchancen haben. Es heißt ja, Springerendspiele könnten wie Bauernendspiele eingeschätzt werde. Aber Springer machen die Sache schon viel unübersichtlicher.

Mein erster Gedanke war, mit dem König am Königsflügel einzudringen. Aber da macht Sf6-h5 schnell die Tür dicht.

Zweite Idee: Wegen des entfernten Freibauern auf der h-Linie sind vielleicht Durchbrüche in der Mitte möglich. Da wäre es natürlich schön, wenn der schwarze a-Bauer auf a5 stünde. So verfalle ich auf das Manöver Sc3-a2-b4.

Das scheint mir die richtige Fährte zu sein, wenn vielleicht auch aus anderen Gründen. Der weiße Springer steht wohl besser auf d3 als auf c3. Einige Varianten:

1) 1.Sa2 Se4 2.Sb4 a5 3.Sd3 und nun ist schon mal schön, dass Schwarz nicht 3.-Sc3 4.h4 Sxa4 5.h5 Ke7 6.Kd2 ziehen darf. Dann ist der schwarze Springer eingesperrt und die Komplikationen nach eventuellem schwarzem b6-b5 und weißem c4-c5 wegen des abgelenkten schwarzen Königs bestimmt gut für Weiß.

2) 1.Sa2 Se4 2.Sb4 a5 3.Sd3 und jetzt besser 3.-Kc6 4.h4 Kd6. Nun geht zwar h4-h5 wegen Se4-f6-g4 nicht. Aber Weiß kann vielleicht den Springer über c1 nach e2 bringen und dann mit Ke3-c3 doch das Vorgehen des h-Bauern vorbereiten. Alles nicht klar, aber vielversprechend.

3) 1.Sa2 Kc6 2.Sb4 Kb7 vermeidet a6-a5. Aber nach 3.Sd3 Kc6 4.h4 kann Weiß ähnlich Variante 2) Fortschritte anstreben. Ein wichtiges Motiv mit dem Springer auf d3 ist auch der Vorstoß c4-c5. Wie etwa nach 4.-Sh5 5.c5. Schwarz zieht besser anders.

Kurz: Einen richtigen Gewinnplan habe ich nicht. Aber es würde mich schon erstaunen, wenn Schwarz die Stellung verteidigen könnte.
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Re: Kann Weiß das Springerendspiel gewinnen? Wenn ja - wie?

Beitragvon Jupp53 » Sa 19. Dez 2009, 00:13

Sollte gewonnen sein.

Brainstorming: Zu den bisher genannten Ideen für Weiß fällt mir noch ein, den Springer nach g3 zu ziehen, dann mit dem h-Bauern vorzugehen. Das bindet Springer oder König von Weiß. Falls der König sich um den h-Bauern kümmert, dann droht c4-c5.

Wie wäre es, direkt auf c4-c5 hinzuspielen: 1.Sa2 Kc6 2.Sb4+ Kb7 3.Sd3 Kc6 4.c5 Sd5+ 5.Kf3 bxc5 6.Sxc5.

Das ist jetzt nur eine schnell hingeworfene Variante, die Weiß neben dem Freibauern auch noch Angriff auf die beiden Schwächen a6 und e6 bringt.
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Re: Kann Weiß das Springerendspiel gewinnen? Wenn ja - wie?

Beitragvon elvis » Sa 19. Dez 2009, 03:05

Weiß kann das Endspiel eigentlich nicht mehr verlieren (außer durch grobe Fehler) - von daher kann man immer weiterspielen und, falls sich wirklich nichts ergibt, später noch Remis anbieten, Motto: "Wann Remis ist, bestimme ich!" Mit dem Mehrbauern hat Weiß Anrecht auf solche Sprüche. ;)

Und mit dem Mehrbauern sollte eigentlich ein Gewinn drin sein. Schwarz kann zwar jede einzelne Initiative von Weiß abwehren, aber nicht alle gleichzeitig, von daher sollte es möglich sein, die schwarze Stellung zu überlasten. In diesem Sinne würde ich empfehlen, die Bauern zunächst stehen zu lassen und den Springer und/oder den König in Position zu bringen, um einen weiteren Vormarsch zu unterstützen. Tendenziell den h-Bauern als Drohung einsetzen, um den Gegner am Königsflügel festzunageln, und dann eine zweite Drohung aufs Brett zaubern. Konkrete Pläne wären auf den ersten Blick Se2-g3 oder Kf3-g3-h4.
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Re: Kann Weiß das Springerendspiel gewinnen? Wenn ja - wie?

Beitragvon JerryCotton » Sa 19. Dez 2009, 08:30



Ich habe es über einen längeren Zeitraum zusammen mit meinem Rechner versucht zu lösen.
Meine Antwort lautet:
Weiß sollte alles daran setzen mit seinem Freibauern sofort zu maschieren, um den Gegner in die Defensive zu zwingen.
Das einzige Gegenspiel, dass Schwarz hat ist b5 zu spielen.
Es scheint knapp zum Gewinn zu reichen. 7.Nxg3 Kxg3 verliert laut Tablebase in 66 Zügen :D.

ps. der Plan mit a5 und Sa4 (Riddler)ist wahrscheinlich noch leichter umzusetzen. Entsprechend der Logik Springendspiele sind ähnlich wie Bauernendspiele, hat Weiß damit 2 Freibauern, die alle zu stoppen nahezu unmöglich sein wird. Gibt wol einige Gewinnpläne. Gewinnpläne für Schwarz kann ich mir wirklich nur unter weißer Mithilfe vorstellen :D
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Re: Kann Weiß das Springerendspiel gewinnen? Wenn ja - wie?

Beitragvon Stratege » Sa 19. Dez 2009, 14:28

Ich war in der Partie davon ausgegangen, dass der gegnerische Springer nicht nach e4 gelassen werden darf, weil er von da aus weiter in mein Lager kommt und die Bauern angreift. Das war wohl mein Problem bei der Sache. Nach bestimmt 20 Minuten Grübeln ohne einen Weg zu sehen, wie man weiterkommt, hab ich halt das Remis gegeben. Am Endspiel muss ich Patzer eh noch weiter arbeiten, dieses Beispiel war mal wieder ein Beweis dafür. :oops:
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Re: Kann Weiß das Springerendspiel gewinnen? Wenn ja - wie?

Beitragvon JerryCotton » Sa 19. Dez 2009, 15:12

Naja, Kf3 hättest du zumindest erst einmal unbesorgt spielen können. Der Springer von c3 scheint doch sämmtliches Gegenspiel von Schwarz im Keim zu ersticken.
Dannach würde ich einfach schon bei kurzem Blick auf die Stellung ausgehen, dass im Springerentspiel ein entferter Randfreibauer so ziemlich das stärkste ist, was man haben kann. Auch wenn deine sonstigen Bauern eventuell etwas verwundbarer als die des Gegners sind.
Ok, ich gebe zu, dass ich in der Analyse gegen die Engine einmal reingefallen bin.
Aber Grundsätzlich solltest du doch bei etwa gleichstarken Spielern die besseren Gewinnchancen haben!
Free Pawns must be pushed ist son weiterer Lehrsatz, den ich aus den englischen Schachvideos die ich so sehe behalten habe :).
Kommt auf den Gegner und Situation an. Mit Mut und Ehrgeiz würde ich das denke ich in jedem Fall noch weiter spielen.
Wenn ich vorher einige Spiele vergeigt habe, oder den Gegner sehr stark einschätze, kann ich das Remis nachvollziehen.
Ob du im Endspiel etwas zu lernen hast zeigt sich ja auch erst, wenn du solche Stellungen ausspielst.
Wie die Frage zeigt bist du ja nicht davon ausgegangen, dass es Remis ist ;)
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Re: Kann Weiß das Springerendspiel gewinnen? Wenn ja - wie?

Beitragvon kladist » Sa 19. Dez 2009, 15:47

Hi Jerry,

sehr schöne Idee mit Ke3-f3 und Sc3-e2-g3 den h-Bauern zu unterstützen. Zusammen mit dem Bauernopfer d4-d5 reicht es nach Sf6-h5 zum Gewinn. Aber der Übergang erst ins Bauern- und dann ins Damenendspiel nach (0. Kf3 Nh5 1. Ne2 Kc6 2. h4 b5 3. axb5+ axb5 4. cxb5+ Kxb5 5. d5 exd5 6. Ng3) 6.-Sxg3 ist schon heftig. Auch wenn die Tablebases den Gewinn im Damenendspiel mit f-Bauer anzeigen. - Vielleicht ein Wink, sich das Endspiel mal anzugucken (was ich, wie ich zugeben muss, noch nie gemacht habe).

Mir ist dazu noch aufgefallen, dass im Fall der schwarzen Königswanderung Richtung h-Bauer (an Stelle von Sh5) Weiß mit c4-c5 zum Erfolg kommt. Insgesamt sieht man, wie der weiße h-Bauer immer mindestens eine schwarze Figur bindet, die dann woanders fehlt.

Ich schätze aber immer noch, dass es eine "einfachere", etwas menschlichere Methode für Weiß geben sollte.
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