Zum gefühlt hunderttausensten Mal schau ich gerade mal wieder, was ich gegen Königsindisch spielen kann.
Bisherige Versuche:
Sämisch spielte ich ganz am Anfang. Aber so ganz wild drauf los schlagen ist wohl nicht so mein Ding.
Mar del Plata 9. Se1 erlaubte dem Schwarzen, seinen Angriff nach Schema F herunterzuspielen. Das ist mir zu heikel
Makogonov liefert interessante Partien in der HV. In Turnierpartien stellten alle zu Czech Benoni um, was ich zu geschlossen finde. Und mit 0-0-0 und Attacke loslegen ist vielleicht auch nicht immer so mein Ding.
Smyslov ist vielleicht einen Tick zu ruhig.
Barry-/150-Angriff sind sicherlich interessante Varianten, aber 2. Sf3 nebst 3. Sc3 wird wohl keine Zugfolge sein, die ich dauerhaft spielen werde.
Was mir also wichtig ist:
eher kurze Rochade
die Schwarze Initiative am Königsflügel (sofern es in der Variante überhaupt eine geben wird) ist verhältnismäßig leicht eindämmbar
möglichst keine komplett blockierten Stellungen
nicht zu ruhig, als eher nicht Abtauschvariante alá Ulf Andersson
Der Theorieaufwand wird sich dann schon passend einstellen. Ob Weiß bei bestem Spiel beider Seiten einen leichten Vorteil erreichen kann oder ob am Ende ein klares = steht ist auch eher sekundär, wichtiger ist es, dass mir die Stellungen gefallen und liegen.
Für alle Vorschläge bedanke ich mich schon vorab.
"Die Tromp- und Colorado-Quote steigt wieder an, genauso wie die Anzahl der gekauften, aber ungelesenen Schachbücher im Schrank (das Zeichen schlechthin für einen ewigen Verlierer!)" IM Ilja Schneider auf schachzoo.twoday.net
Zeige mal eine Partie, die Dich von Sämisch entwöhnt hat.
Grundsätzlich: Bleibe bei Deinem Repertoire, bis es widerlegt ist. Es muss doch ein paar Partien geben, die Dir gefallen haben. Und arbeite dann daran. (Königsindisch ist doch so oder so platt, wenn Weiß nicht patzt. )
Ich spiele gegen Königsindisch gerne die Awerbachvariante d4 Sf6 c4 g6 Sc3 Lg7 e4 d6 Le2 0-0 Lg5. Da der Schema-F Zug e5 nicht geht, bereiten diesen die meisten mit Sa6 vor. Darauf antworte ich h4, was natürlich nicht die Idee hat sofort mattzusetzen (wär ja naiv zu glauben, dass das wirklich funktionieren kann ), sondern die Idee mit h5 eine Abschließung des Königsflügels zu erreichen. Dann geht es z.B. weiter mit h6 Le3 e5 d5, Weiß lässt h5 folgen und Schwarz schließt mit g5 ab. ( Weiß lässt dann g4 und f3 folgen, vgl. Barejew-Kasparov, Linares 1992) Schwarz hat natürlich immernoch Möglichkeiten zu Gegenspiel, aber es scheint zumindest deine Kriterien zu erfüllen. (Weiß rochiert allerdings in mehreren Fällen garnicht)
Nach Lg5 gibt es natürlich noch andere Möglichkeiten, z.B. mit c5, aber Awerbach scheint eine gute Möglichkeit zu sein, die schwarzen Kenntnisse zu testen, z.B. nach d4 Sf6 c4 g6 Sc3 Lg7 e4 d6 Le2 0-0 Lg5 c5 d5 e6 dxe6 bezweifle das viele deiner Gegner das Opfer des Bauern d6 kennen/finden.
Die Variante ist heutzutage recht unpopulär auf GM-Ebene, aber früher wurde sie häufiger von soliden GMs gespielt, z.B. Uhlmann (86.5/129), Jussupow (7.5/12), Bareev (23/31) und Gelfand, und es finden sich noch weiter starke Spieler in der Liste ( z.B. Milov, mit einem Monsterscore von 40.5/50) Allgemein punktet weiß im Awerbach recht gut, ich glaube in dem Buch "Königsindische Geheimnisse" wurde es als für Weiß am besten (!) scorende Variante angeführt.
Hier noch ein zwei Partien: So wie die Partie Petrosian-Schweber laufen etwa 90% meiner Spiele gegen <2000: der Königsflügel ist zu, der Lg7 tot und Schwarz findet sein Gegenspiel am DF nicht:
Jupp53 hat geschrieben:Zeige mal eine Partie, die Dich von Sämisch entwöhnt hat.
Das mit Sämisch ist schon lange her. Habs glaube ich auch nie in einer Turnierpartie gespielt. Weiß auch gar nicht mehr, was der genaue Anlass war was anderes zu spielen. Aber das System scheint auch eher nicht besonders kompatibel zu meinen Wünschen zu sein?!
Jupp53 hat geschrieben:Grundsätzlich: Bleibe bei Deinem Repertoire, bis es widerlegt ist. Es muss doch ein paar Partien geben, die Dir gefallen haben. Und arbeite dann daran. (Königsindisch ist doch so oder so platt, wenn Weiß nicht patzt. )
So etwas wie ein Repertoire habe ich gerade gar nicht. Ich hatte zuletzt mal ein bisschen Smyslov probiert und war dann dabei auf Damenbauernspiele umzustellen, was denke ich aber ein Irrweg war. Nun überlege ich, womit ich neu starten könnte.
@Gast: Danke für deinen Beitrag. Averbach habe ich mir noch nie angeschaut, werd mich mal ein bisschen einlesen.
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Eine interessante Variante, wie ich finde ist, 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.Sf3 d6 5.Lf4 00 6.e3 sieht ziemlich harmlos aus, ist aber recht giftig. Nachdem mein Mannschaftskamerad das einmal gespielt hatte und ziemlich schnell damit gewann, schaute ich mir das mal näher an; dies kann recht garstig für Schwarz werden.
das nennt sich london-system. ist gar nicht so schlecht, einfach h3 nicht vergessen im richtigen moment...
aber ich bezweifle dass der stratege london spielen will...
e^(i*pi) + 1 = 0
What the hell does the ratio of the circumference of a circle to its diameter have to do with the base of the natural logarithm and the square root of -1?
Ich persönlich finde als Königsindisch-Spieler den 4 Bauernangriff sehr unangenehm, da ich mich vor allem mit dem Spiel nach e5 auskenne und hier halt c5 gespielt wird/werden muss.
Jemand der sich aber ein bisschen mehr mit Theorie auskennt, hat da wohl nicht so viele Schwierigkeiten mit.
Die Burg wird das Feld in Sachen Output in einem Jahr überholen! 5.9.2011 (Auch wenns nur in der Spielhalle ist, accomplished) Falls Svidler jemals WM wird, hör ich mit Turnierschach auf! 7.9.2011
@Vierbauernangriff: Für meinen Geschmack hat Weiß da schon einiges an positionellen Zugeständnissen gemacht und muss daher aggressiver spielen als es ich es normalerweise tun würde. Oder er überzieht. Ich erinnner mich in irgendeinem Lehrbuch mal eine Vierbauernangriff-Partie mit GM van der Wiel als Weißen gesehen zu haben.
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linkinkev hat geschrieben:Ich persönlich finde als Königsindisch-Spieler den 4 Bauernangriff sehr unangenehm, da ich mich vor allem mit dem Spiel nach e5 auskenne und hier halt c5 gespielt wird/werden muss.
Jemand der sich aber ein bisschen mehr mit Theorie auskennt, hat da wohl nicht so viele Schwierigkeiten mit.
Soweit ich weiß, gibt es auch im Vierbauernangriff sehr wohl die Möglichkeit, mit Schwarz ...e5 zu spielen.
Ich denke, dass dieses Video ganz interessant ist. Es werden grundsätzliche Pläne für Weiß erklärt. Denke auf Grundlage des Videos kann man dann ganz gut ein eigenes Repertoire erstellen. Müsste ich eigentlich auch machen . Derzeit spiele ich Se1 und gehe relativ häufig elend zu grunde, da ich daran scheitere mein Gegenspiel am Damenflügel schnell aufzubauen.
"So ist Fussball, manchmal gewinnt der bessere." (dürfte auch fürs Schach gelten ) Lukas Podolski