Ausgetrickst und in einen Leningrader gelockt...

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Beitragvon Cresspahl » So 11. Jul 2010, 14:02

das passierte mir kuerzlich bein einem Turnier in der 2.Runde: Hollaendisch war nicht geplant, aber da mein ganzes 1.d4 d6 2.Sf3 g6-Geplänkel mehr auf Modern Defence (oft mit Lg4) anstatt auf KI ausgelegt ist (zuviel Theorie...), musste ich hier improvisieren. M.E. war das eine clevere Zugfolge von meinem Gegner - ich hatte ihn im November 2009 schon Mal gespielt und er wusste wohl, was ich vorhatte. Nach einigem Überlegen fiel mir dann nix besseres als ein Holländer ein und er überspielte mich glatt, bevor er dann fehlgriff und doch noch verlor.

Aber was soll man nun gegen 1.d4 d6 2.Sf3 g6 3.g3!? machen? Ich mag kein Fianchetto-KI mit Schwarz, aber dann sind die Alternativen rar gesät, oder? auf 3.c4 Lg7 4.g3 spiele ich 4...c5 5.d5 b5 (oder auch 5.Lg2 Sc6 und es wird eben knapp kein Panno-Fianchetto). Ratlosigkeit allenthalben und auch GM Davies behandelt 3.g3 auf seiner ansonsten brauchbaren DVD "1...d6 universal" anscheinend nicht...


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Re: Ausgetrickst und in einen Leningrader gelockt...

Beitragvon elvis » So 11. Jul 2010, 18:10

Wenn du kein KI möchtest, wäre 3...Sbd7 und 4...e5 (mit oder ohne eingeschobenem c6) die nächste Alternative. U.a. Jörg Hickl spielt(e) das.
Hier eine Turnierpartie - der Schwarzspieler ist ein Bekannter, auch einer, der gerne die Theoriepfade vermeidet.



Michail Krasenkow hat mal 3...c6 und 4...Lf5 versucht (Wijk an Zee 2008 B, gegen Humpy Koneru), das sah aber noch verbesserungswürdig aus.
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Re: Ausgetrickst und in einen Leningrader gelockt...

Beitragvon Riddler » Mo 12. Jul 2010, 07:57

Aber was soll man nun gegen 1.d4 d6 2.Sf3 g6 3.g3!? machen?


Wenn Du weiter auf Moderne Verteidigung beharren möchtst, dann bietet sich doch hier der Standardplan c6, Da5 - Dh5, Lh3 an. Wenn Weiß den Damenschwenk unbedingt verhindern will, dann beißt der Lg2 dank des Bc6 immer noch für einige Zeit lang auf Granit. Meiner Meinung nach steht Schwarz in diesen Stellungen recht bequem.
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Re: Ausgetrickst und in einen Leningrader gelockt...

Beitragvon Cresspahl » Mo 12. Jul 2010, 09:11

Danke für die Tipps!

@Elvis: Hickl spielt ja aber meist Altindisch, also mit L auf e7. Ich hab aber schon g6 gespielt in meiner Partie.

@Riddler: Muss ich mir mal anschauen, sieht interessant aus. D

Generell ist die Frage, ob Weiß mit Sc3 weitertricksen kann, wenn er ohne c4 spielt.

Denke aber so schlimm sieht das alles nicht aus und für die nächste Partie habe ich damit gute Anhaltspunkte.
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Re: Ausgetrickst und in einen Leningrader gelockt...

Beitragvon Geck0tierchen » Mo 12. Jul 2010, 10:42

Prinzipiell hängt das davon ab, ob du dich mehr mit einer c5- oder e5-orientierten Spielweise abfinden kannst oder ob du eher auf UndergroundKampfpositionsmodus umschalten willst (alles mit der d6-g6 Zugfolge möglich). Ich geh aber mal davon aus, dass dir "Offbeat" entgegenkommt.

Ideen + Anhaltspunkte:

1) "Trotzdem KID", aber mit kleinem Twist (frühes Lg4)
Ich denke da an etwas, dass vergleichbar mit folgender Partie wäre:

http://www.gmturnier-berlin.de/partien/gmt2009.htm

Partie 55 (Schneider - Pähtz)

2) Um dem ...e5 dxe5 Wahn, der bei vielen Weißspielern (dein gegner inkl.) vorherrscht und ganz schön nervig ist vorzubeugen, eine experimentelle Spielweise mit ...Sh6!? nebst f6-Sf7-e5. Konkret seh ich da ein Problem mit sofortigem e4 (ist dann nen etwas krummer Sh6-Pirc), aber die Kombination von sf3,g3,e4 ist garnicht so günstig (kein draufhau mit f4).

3) 1.d4 d6 2.Sf3 g6 3.g3 b5!?

Das wirkt auf mich sehr attraktiv und auch stellungsgemäß. man denke nur an eine Verquickung zweier Ideen: Dem Tigers Modern mit g6 -Lg7 - a6 !? nebst schneller, aggressiver Expansion am Damenflügel und das immer mehr zur "natürlichen" Antwort auf weißes g3 avancierende b5, man denke da nur an z.B. 1.d4 Sf6 2.Sf3 e6 3.g3 b5!? oder sogar 1.Sf3 Sf6 2.c4 e6 3.g3 a6!? nebst b5.

Mit diesem Zug unterbindest du weißes c4, der Vorstoß des e-bauern harmoniert zum einen nicht 100%ig und zum anderen hat man als pircianer ja nix dagegen (es ginge ja auch 1.d4 d6 2.Sf3 g6 3.e4). Nach 4.Lg2 kann man entweder mit Lb7 federn oder es mit 4...c5?! richtig krachen lassen (da müsste man aber wohl ein Qualitätsopfer nach 5.Se5 einplanen - empfehlen kann ich das nicht ;) ). Bei 4...Lb7 scheinen die strategischen Risiken, die Schwarz bei Doppelfinachettosystemen eingehen muss, aber konkret weniger ausgeprägt als in verwandten Systemen.

die c6-Da5-Dh5 Idee finde ich aber auch sehr cool.
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Re: Ausgetrickst und in einen Leningrader gelockt...

Beitragvon WilhelmHH » Mo 12. Jul 2010, 23:50

Geck0tierchen hat geschrieben:1) "Trotzdem KID", aber mit kleinem Twist (frühes Lg4)
Ich denke da an etwas, dass vergleichbar mit folgender Partie wäre:

http://www.gmturnier-berlin.de/partien/gmt2009.htm

Partie 55 (Schneider - Pähtz)

1. Nf3 Nf6 2. c4 d6 3. d4 g6 4. g3 Bg7 5. Bg2 O-O 6. O-O Bg4 7. h3 Bxf3 8. Bxf3 Nc6 9. Nc3 Nd7


10.Tb1!?
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Re: Ausgetrickst und in einen Leningrader gelockt...

Beitragvon WilhelmHH » Di 30. Aug 2011, 22:17

Riddler hat geschrieben:
Aber was soll man nun gegen 1.d4 d6 2.Sf3 g6 3.g3!? machen?


Wenn Du weiter auf Moderne Verteidigung beharren möchtst, dann bietet sich doch hier der Standardplan c6, Da5 - Dh5, Lh3 an.


3.g3 c6 4.Lg2 Da5+ 5.Ld2 Dh5 6.h3!?
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