Riddler hat geschrieben:....findet sich unter diesem Link.
Ich kenne Herrn Bangiev nicht, aber er erscheint mir etwas arg auf Felderfarben fixiert zu sein. In den ersten 14 Zügen der Partie benutzt er 14 mal "weißfeldrig" oder "weiße Felder", gelegentlich auch in völlig unsinnigen Sätzen (13. Sge4 "Ein weißfeldriger Zug"... JA ICH HABS KAPIERT!

). Hilfreich fand ich die Kommentare jedenfalls nicht.
Der Kommentierungslink war dazu angedacht, die angegebenen
Varianten aufzuzeigen (Man lese z.B. mit ausreichender Sorgfältigkeit mein vorheriges Posting: "Eine kleine übersicht wie sich das Spiel entwickeln könnte [...]"), was in der Partiekommentierung in meinen Augen sehr gut gelungen ist. Sowohl die angegebenen Varianten mit 12...Sb4, in deren Endstellung Schwarz drei (!) Bauern geopfert und dafür reichhaltige INitiative entfaltet hat, als auch die Variante 16...Ta-e8!, in deren Endstellung das materielle Gleichgewicht weiterhin gestört, Schwarz aber vollständige kompensation sein eigen nennen kann, zeugen von der Art von Kreativität und richtigem Umgang mit Initiative, den man für die Analyse derartiger positioneller Gambitspielarten benötigt.
Dennoch: Es ist nicht zwingend trivial, dass Sge4 ein weißfeldriger Zug ist. Ein Springer auf einem weißen feld kontrolliert die schwarzen und wird daher klassischerweise als schwarzfeldrig gesehen. In diesem konkreten Fall droht es allerdings, den Sf6 abzutauschen, welcher wiederum ein weißfeldriger Verteidiger ist. Diese Partie wird vom Kommentator als Beispiel benutzt, in dem beide Parteien konsequent (!) versuchen weißfeldrig zu spielen, es dem Schwarzen aber besser gelingen sollte.
An einer Diskussion über Sinn und Nutzen der Felderstrategie fehlt mir jegliches Interesse.
Zu guter letzt:
Zu dem Zeitpunkt hat Bangiev seine Denkmethodik stark beworben und mehrere Beispiele praktisch ausschließlich anhand dieser Methode kommentiert, um sie besser illustrieren zu können. Deine Kritik ist demnach ungefähr so einzuordnen, als würdest du in einem Kapitel über die Farbe Blau die Monochromie des Werkes kritisieren.
@Topic (!):
Wer sich weiter mit 6...Ld7 beschäftigen möchte, dem kann das Studium von Partien einiger anderer Hochkaräter nicht schaden:
1) Zu 7.Lxd7+: Obwohl dieser Zug nach De2 (420 Partien in der Mega 2011) der zweithäufigste (180 Partien) ist, scheint es kein sinnvolles Partiematerial zu geben. Der einzige gute Spieler der diese Variante zog war Zurek (2458 Elo), auf Platz 2und 3 folgen schon Hernandez (2310) sowie Kratochvil (2257). Nach 7.Lxd7+ Dxd7 ist auch klar, warum dies so ist: Die weiße Stellung mag einfach nicht zu überzeugen. 8.Sc3 (häufigster) Sxd5 9.Sxd5 Dxd5 hilft nur Schwarz, der noch Le7 und Sc6 zieht und mühelos ausgeglichen hat. Auch das auf Entwicklung und Öffnen der Stellung setzende 8.O-O Sxd5 9.d4!? trifft mit 9...O-O-O! eine eiskalte Riposte. Nach 10.dxe5 (was sonst?) h6! 11.Sf3 Sc6! 12.Te1

spielt Schwarz einfach noch g5 + Lg7 und holt sich dann den Bauern auf e5 zurück.Will Weiß am Mehrbauern festhalten, muss er bereits g4 durch h3 verhindern, was eine Angriffsmarke schafft. Schwarz hat hier bequemen Ausgleich.
2) Zu 7.De2: Short - Xie Jun, Queens Kings 2002, [0:1].
Obwohl von Kortschnoi mit Fragezeichen versehen, ist dies der Hauptzug. Vermutlich war er in seiner Kommentierung zu sehr geblendet von dem Verlauf der Partie. Wichtig ist, dass Schwarz hier mit 7...Le7! reagiert, das scheinbar aktivere Ld6 lässt sich eiskalt mit 8.Sc3 O-O 9.Lxd7 Dxd7 10.a3! +/- (der oben erwähnte a3-kniff) kontern [Morozevich - Sokolov, Sarajevo 1999].
Nach 7...Le7:
Weiß kann
A) mit 8.d4?! exd4 9.b4 eine Figur gewinnen. Nach 9...O-O 10.bxa5 Lb4+ nebst Te8 hat Schwarz hier aber deutlichen Vorteil (-/+).
B) mit 8.b4?! Lxb4 9.Dxe5+ Vereinfachungen anstreben. Diese bringen ihm nach 9..De7! 10.Dxe7+ Lxe7 11.Lxd7+ Sxd7 12.Se4 (sonst Lf6) Sf6! 13.Sb-c3 Sxe4 14.Sxe4 O-O-O allerdings keinen Vorteil ein. In dem Mittelspiel ohne Damen hat durch die Schwäche auf a2 eher Schwarz die besseren Karten (wenn auch objektiv =).
C) mit 8.Lxd7+ Dxd7 9.Dxe5 direkt den Bauern wegbolzen (das ist für niedrige Klassen sicherlich sehr häufig anzutreffen). Spaß hat er daran sicherlich keinen: Nach 9...Sxd5 10.Sc3 Sb4! kann man c2 schon nicht mehr sinnvoll decken, analog zur Graf Partie schlagen wir c2 aber nicht sofort sondern ziehen erst 11.O-O Sa5-c6!. Anschließend nehmen wir auf c2 und rochieren lang, der Sg5 kriegt mit f6 einen mächtigen Kick. Weiß hat dann nen schwachen bauern auf d2, einen schwachen Läufer auf c1 und Entwicklungsnachteil. (=+ bis -/+)
D) Als Schlaufuchs erst 8.O-O spielen, um nach 8...O-O auf e5 zu nehmen und obige Variante C) zu umgehen. Auch die Variante ist nicht klar, nach 9.Dxe5 Ld6 oder 9..Tf-e8 hat Schwarz ausreichende Kompensation für den Bauern (man schaue nur auf die Entwicklung). Liebhaber der heterogenen Rochade mögen das pragmatische 8...Sxd5 bevorzugen. Wenn Weiß nun auf d7 schlägt, so kann er nachfolgend nicht den e5 nehmen (f6 gabelt Dame und Springer), läuft nach 10.Sf3...

aber in den Überfall 10..Sf4! 11.Dxe5 Dg4!, wonach Schwarz nach dem forcierten 12.g3 Dxf3 13.Dxf4 Dxf4 14.gxf4 O-O-O mehr als genug Kompensation für den bauern hat.
Somit verbleibt nur 9.Sf3 (ohne tausch auf d7), wonach Schwarz aber zum Beispiel die kompromittierte Stellung des Lb5 ausnutzen kann: 9..c6!? 10.La4 b5! 11.Lb3 Sxb3 axb3 recycled den abseitigen Sa5, und schafft durch 12.axb3 Lg4!= Spiel auf gleicher Augenhöhe. Geht der Läufer anstelle von a4 nach d3 (nach 9..c6!? 10.Dxe5 O-O 11.Ld3 (11.Le2? Te8! =+)) , so lähmt dies den weißen Damenflügel, was den Bauern nach Wert sein sollte.
Anstelle von Lxb5 (! - Bangiev) ist auch Lg4 (! - Kortschnoj) interessant, wenn man mehr Figuren auf dem Brett behalten und eine Schwächung (f3) erzwingen möchte.
3) Zu 7."Verschiedenes": Mamedyarov - Naiditsch, Dortmund 2007 [1:0].
Hier war ich live dabei und spielte auf der gleichen Bühne wie die beiden. Weiß spielt mit 7.Le2 nebst 8.d4 auf den Faktor Figurenkoordination, da Schwarz noch ein paar mehr Züge braucht um in dieser symmetrischen Stellung eine gute Aufstellung zu erreichen. Um den wie immer exzellenten Kommentar Marins zu zitieren (Stellung nach 12...O-O):
A first critical moment. White cannot claim to have obtained an advance in development, but his prospects of developing his pieces are slightly better than his opponent's. Black's main problem is that he will have to work a bit in order to find a good square for the queen. At the same time, we should not forget that the white queen, which has been developed early, is vulnerable and will offer Black the opportunity to win time for his development by attacking it with the minor pieces.
Im folgenden baut sich Schwarz etwas unglücklich auf und findet dann keinen Weg, den weißen Druck sinnvoll abzufangen. In Marins Anmerkungen findet der Schwarze aber genug Anregungen, wie Schwarz sich in dieser symmetrischen Stellung leicht Ausgleich verschaffen kann.
She gets upset and lashes out at him for letting himself be crushed by the weight of the world and wasting away his own life worrying about things beyond his control.
However, this is what chess should be like: rich and difficult.
- Tiger H. Persson