Zuallererst möchte ich anmerken, dass es nicht (nur) DEN Stonewall gibt; ich möchte hier einige Stonewall-Varianten aufzeigen:
der klassische und der moderne Aufbau wurden ja schon genannt
Short-Stonewall: 1.d4 f5 2.g3 Sf6 3.Lg2 e6 4.Sf3 Le7 5.00 00 6.c4 d5 7.b3 Sc6!? Short hat auch noch andere ähnliche Aufbauten versucht
das "zukertortige" 1.d4 e6 2.c4 f5 3.Sf3 Sf6 4.g3 d5 5.Lg2 Ld6 6.00 00 7.b3 7.b6!?
Botwinnik-Stonewall: 1.d4 f5 2.c4 e6 3.g3 Sf6 4.Lg2 Le7 5.Sc3 00 6.e3 d5 Sge2 oder 1.d4 f5 2.g3 Sf6 3.Lg2 e6 4.Sf3 Le7 5.00 0 6.c4 c6 7.Sc3 d5 8.Lg5 Sbd7 9.e3 De8
Meiner Meinung nach stellt der Botwinnik-Stonewall (mit De8-h5) eine sehr gute (beinhahe vergessene) Aufstellung dar; man braucht sich nur mal die Partien von Botwinnik damit anzuschauen; später kam diese Aufstellung aus der Mode, da man entdeckte dass, Weiss Sge2-f4 spielen kann, was den schwarzen Aufbau in Frage stellte. Wenn man sich das aber heute nochmals im Lichte der modernen Engines anschaut, sieht man, dass dies keinerlei "Widerlegung" des Botwinnik-Stonewalls ist.
Eine Geheimwaffe also!
Noch eine Anmerkung zur Läuferentwicklung Ld7-e8-(f7)-(g6)-h5 und b6+Lb7+(La6): Als ich mir ein Repertoire mit dem Stonewall zurechtlegte und die Partien dazu studierte, kam ich zur folgenden Erkenntnis: Schwarz sollte meiner Meinung nach das erstgenannte Manöver ausführen, auch wenn es lange dauert, aber hey, ist der Läufer erst mal auf h5 angekommen, wird er zu einer sehr guten Figur! Vorallem wenn man ihn mit dem weissen Läufer auf g2 vergleicht, der im Stonewall ja notorisch behindert ist (d5-c6-Granit); Kramnik selbst sagte einmal, das der Lg2 meist kaum besser ist als der schwarze Lc8; das Problem mit b6+Lb7 ist, dass es in manchen Stellungen gut geht, und wenn es gut geht, dann steht der Läufer ok, aber es gibt auch Stellungen, Zugfolgen, wo das Manöver ungenau ist; wenn man die Muse hat und all die kleinen Details in diesen Zugumstellungen, Manövern kennt, dann ist es kein Problem; aber wenn man ein einfaches System sucht ,dann ist ld7-e8-h5 die geeignete Wahl, denn dieses Manöver geht immer! Schwarz braucht sich nicht darum zu sorgen ,ob es in einer gegebenen Stellung ungenau ist wie bei b6+Lb7; wenn sich der Lh5 gegen einen Springer (f3) tauschen kann ist das in der Regel ein kleiner Vorteil; Weiss versucht dies in der Regel zu vermeiden, indem er den Springer rechtzeitig wegzieht (e5, d2,e1).
Wann kann Le7 anstatt Ld6 noch vorteilhaft sein?
Wenn man weiss, dass der Gegner den "besten" Aufbau gegen den modernen Stonewall spielt, mit Sh3 anstatt Sf3. In der Variante mit Sh3 versucht Weiss Lf4 zu spielen um den Ld6 abzutauschen und anschliessend f4 mit den Springer zu besetzen. In der Regel möchte Schwarz dies nicht zulassen und zieht deshalb den Läufer nach e7 zurück. Hier kann man also ein Tempo sparen, wenn man sofort Le7 spielt (allerdings könnte Weiss dann auch wieder abweichen mit dem "besseren" Sf3

) .
Auch selten gespielt wird der Zug dxc4; der durchschnittliche Stonewallspieler vermeidet diesen Zug (auch wenn c4 oft lange ungedeckt rumsteht), weil es einfach seine schöne Stronewall-Kette zerstören würde und dann nicht mehr in die Struktur passt. Aber der moderne Stonewallspieler sollte immer flexibel sein (mal modern, mal klassisch, Botwinnik-S. oder Short-Stonewall, ld7-e8-h5 oder b6+lb7 oder auch mal dxc4!?) . Struktur ist viel, aber nicht alles! In vielen Fällen ist dxc4 ein guter Zug, vorallem Viktor Moskalenko hat das in vielen Partien bewiesen. Die Idee ist, einerseits dem Springer das Feld d5 zugänglich zu machen und andereseits schnell e5 oder c5 zu spielen, ohne cxd5 befürchten zu müssen. Gegen Sh3-Aufbauten ist dies auch ein gutes Kampfmittel, da Weiss den Bauer nicht so einfach zurückbekommt. Gegen Sf3-Aufbauten eher nicht, da Weiss dort schnell Se5-xc4 spielen kann.
Zu den von Lestat geposteten Varianten (korrigiert) :
A) 1.d4 f5 2.c4 e6 3.g3 Nf6 4.Bg2 Be7 5.Nf3 0-0 6.0-0 d5 7.b3 b6 8.Ba3 c5
Also erstmal 7.b6 ist spielbar, auch wenn leicht besser für Weiss; besser ist noch 7.c5 und Schwarz hat sofort Ausgleich. 8.La3 ist ungenau, besser ist erst Sc3! z.b weiter mit 8.Sc3 Lb7 9.Sg5! Dd7 10.Lf4 Sa6 11.Sf3 c5 12.Se5 Dd8 13.Tc1 und Weiss behält leichten Vorteil. Nach 8.La3 ist sowohl 8...c5 oder 8...Sc6 nur Ausgleich. Das bedeutet,dass schon 7.b3 ungenau ist, auch wenn dies der theoretische Hauptzug ist

Genauer ist eigentlich erst Sc3 oder cxd5 im Vorteilssinne.
B) 1.d4 f5 2.c4 e6 3.g3 Nf6 4.Bg2 d5 5.Nf3 c6 6.0-0 Bd6 7.0-0 (7.c5 könnte dies die widerlegung sein?) 0-0 8.b3 b6 9.Ba3 c5
Nun, nach 9.La3 ist 00 Ausgleich. Dein ... c5 ist hingegen nicht gut! -> dxc5! und egal wie Schwarz wiedernimmt, die Struktur ist deutlich besser für Weiss, aber 9.00 ist ja schon gut genug.
Allgemein ist mein Eindruck, dass die Idee mit La3,um diesen gegen den Ld6 abzutauschen für Schwarz absolut ungefährlich ist; wenn Weiss den Ld6 befragen will, dann sollte er eher zu dem Lf4-System greifen oder Sh3 nebst Lf4 spielen; Lf4 scheint mir das richtigere Feld dafür zu sein. Z.B. kann Weiss im 7.Lf4-System nach ...Lxf4 gxf4 eine ordentliche Struktur erreichen.
Dein Vorschlag 7.c5 in obiger Variante allerdings ist recht gut! Schwarz muss dann schon zu ...Lc7 greifen, andernfalls bekommt Weiss mit Lf4 eine Idealstellung; Schwarz wird in der Folge versuchen c5 mit b6 anzugreifen und Weiss wird versuchen c5 zu zementieren mit b4 etc. Weiss sollte hier etwas besser stehen.
So, das war ein kleiner strategischer Abriss von mir dazu.
