Stonewall II von J.Aagard

Stonewall II von J.Aagard

Beitragvon Statler » Do 16. Sep 2010, 12:03

Hallo,

ich überlege, den Stonewall ins Repertoire mit auzunehmen, jedoch nur gegen bestimmte weiße Zugfolgen.
z.B.
1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 oder Sf3 c6 4. e3 und dann f5
1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sf3 c6 4. g3 f5 ... Stonewall gegen Katalanisch

hat wer von euch das Buch http://www.amazon.de/Stonewall-II-Jacob ... 721&sr=8-5?
Ist es empfehlenswert?

Angeblich ist besonders gut an dem Buch der erste Part (Seiten 7-64).
Zitat aus einer Rezension:
In einer wahrhaft voluminösen Ein leitung (S. 7-64!) blickt der Verfasser zunächst in die Historie zurück - hier war Botwinnik der große Stonewall-Protagonist - , erklärt sodann die diversen strategischen Merkmale (wohin mit dem Lc8? - weißer Springer e5 und schwarzer Springer e4, abtauschen oder nicht?), und listet schließlich die Pläne beider Seiten auf: Weiß kann am Damenflügel aktiv werden mittels b2-b4-b5 oder durch c4-c5, bzw. er kann im Zentrum tauschen mit c:d5. Schwarz kann am Königsflügel angreifen mit ...f5-f4 bzw. mit ...g7-g5, oder am Damenfügel ...d5:c4 ziehen, ...a7-a5-a4 bzw. ...b7-b5. All dies wird durch 25 vollständige Beispielpartien und 48 Partieausschnitte bestens veranschaulicht.

Speziell diese "allgemeinen" Prinzipien, aufgrund welcher weißer Struktur Schwarz Spiel am Damenflügel oder Königsflügel suchen sollte, wären für mich als Stonewall-Nichtkenner besonders interessant.
Wie sind eure Erfahrungen mit diesem Buch?

Gruß
Statler
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Re: Stonewall II von J.Aagard

Beitragvon naphta » Fr 17. Sep 2010, 08:26

Habe es. Das Buch ist wohl objektiv nicht zu kritisieren. Nahezu alle Fragen im Zusammenhang mit dem Stonewall werden hier beantwortet. Ob die geschichtl. Entwicklung so interessant ist - Botwinnik hat ja ausschließlich Le7 statt Ld6 gezogen - weiß ich nicht. Bemerkenswert ist in jedem Fall, dass der Autor kein Stonewall spielt. Er geht sehr realistisch an die Sache ran und deshalb beinhaltet das Buch recht viele schwarze Verlustpartien. Darüber hinaus ist es eine gewaltige Menge Stoff und Du wirst den Stonewall vielleicht nur in jeder 8. Partie aufs Brett bekommen.

Ich möchte Dir von dem Buch nicht abraten, aber Alternativen aufzeigen:

- starting out the dutch - Das Kapitel über den Stonewall ergänzt mit Deiner praktischen Erfahrung, die Du sammeln wirst, ist vielleicht für Deine Zwecke (...nur gegen bestimmte weiße Zugfolgen...) schon ausreichend.

- positionelles Schach von Dworetski enthält einen mehrseitigen Beitrag von Kramnik über den Stonewall. Sehr gut sein Punkt zur Entwicklung bzw. Abtausch des schwarzfeldrigen Läufers. Vielleicht kannst Du dir das Buch mal ausleihen.

- win with the stonewall dutch - Das Buch deckt ebenfalls alle Bereiche ab, im Unterschied zum Stonewall II kommentiert der Autor z. T. seine eigenen Partien und das Buch beinhaltet eine Euphorie, sodass das Durcharbeiten mehr Spaß macht. Das Thema wird interessanter vermittelt. Weiterhin wird in besonderem Maße auf die Flexibilität der Bauernstruktur hingewiesen.
Wir wissen nicht, was dieser freundliche Großmeister empfiehlt, aber wir empfehlen bei Schachsucht die Schachkiste.
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Re: Stonewall II von J.Aagard

Beitragvon Statler » Fr 17. Sep 2010, 11:18

Hallo,

danke für deine Antwort.

An "Win with the Stonwall Dutch" stört mich ehrlich gesagt ein Autor und zwar der Herr Svere Johnsen. Nicht weil er selbst kein IM oder GM ist, sondern weil ich das Buch "Gewinnen mit dem Londoner System" habe, welches er zusammen mit Kovacevic veröffentlicht hat. Das Buch ist in meiner Meinung nach sehr unseriös. Es kann einfach nicht sein, dass ich in diesem Buch andauernd +/- lese .... Ich habe den Eindruck, dass das Material dort extrem geschönt dargestellt wird :o
Und deswegen bin ich in Bezug auf dieses Buch etwas skeptisch.

Spielst du selbst auch den Stonewall?
Wird das Material deiner Meinung nach in dem Buch seriös/ausgewogen und fair dargestellt?

Bezüglich des Buches von Aagard. In der Onlinerezension erschien mir diese Passage mit der langen und ausführlichen Einführung bemerkenswert. Welche Möglichkeiten hat man mit seinem Lc8? Wann lohnt es sich normalerweise den Läufer nach h5 zu bringen, wann fianchetiere ich in besser usw.
Dieser "strategische oder positionelle" Aspekt wird für den Neuling im Stonewall im Buch "Win with the Stonwall Dutch" hinreichend gut erklärt?

Gruß
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Re: Stonewall II von J.Aagard

Beitragvon Lestat » Fr 17. Sep 2010, 12:38

Statler hat geschrieben:An "Win with the Stonwall Dutch" stört mich ehrlich gesagt ein Autor und zwar der Herr Svere Johnsen. Nicht weil er selbst kein IM oder GM ist, sondern weil ich das Buch "Gewinnen mit dem Londoner System" habe, welches er zusammen mit Kovacevic veröffentlicht hat. Das Buch ist in meiner Meinung nach sehr unseriös. Es kann einfach nicht sein, dass ich in diesem Buch andauernd +/- lese .... Ich habe den Eindruck, dass das Material dort extrem geschönt dargestellt wird :o
Und deswegen bin ich in Bezug auf dieses Buch etwas skeptisch.


hast du das buch "win with the london" (ich habe die englische version) wirklich gelesen? meiner meinung nach ist dies das beste eröffnungsbuch das ich gelesen habe, und ich finde überhaupt keine +/-; im besten fall mal ein += in ein paar 1.d4 d5 2.Bf4 Nf6 3.e3 e6 linien, wo weiss halt einfach besser steht. Aber schau dir mal die abschnitte zu 1.d4 d5 2.Bf4 c5!?, 1.d4 Nf6 2.Bf4 d6, 1.d4 Nf6 2.Bf4 e6, 1.d4 Nf6 2.Bf4 g6 usw an, die schlussfolgerung ist eigentlich immer, dass schwarz, wenn er wirklich weiss was er spielt, theoretischen ausgleich erhält, aber weiss die angenehmere stellung hat weil er sich in den strukturen auskennt.
Dass es im ersten teil nur gewinnpartien von weiss hat finde ich ehrlich gesagt logisch, wenn ich das london-system lernen will will ich sehen wie man typische schwarze fehler ausnutzt und nicht, wie schwarz typische weisse fehler ausnutzt.

"win with the stonewall" habe ich nicht, aber es wurde bestes buch des jahres von chesscafe.com gewählt, und da sind nicht nur eröffnungsbücher in der auswahl...

nach 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 c6 4.e3 (4.e4!?) ist 4...f5 nicht zu empfehlen wegen 5.g4, am besten mit 4...Bd6 noch 5.Nf3 abwarten und dann 5...f5 spielen.
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Re: Stonewall II von J.Aagard

Beitragvon Statler » Fr 17. Sep 2010, 14:04

Lestat hat geschrieben:"win with the stonewall" habe ich nicht, aber es wurde bestes buch des jahres von chesscafe.com gewählt, und da sind nicht nur eröffnungsbücher in der auswahl...

Lestat hat geschrieben: nach 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 c6 4.e3 (4.e4!?) ist 4...f5 nicht zu empfehlen wegen 5.g4, am besten mit 4...Bd6 noch 5.Nf3 abwarten und dann 5...f5 spielen.


Danke, das ist gut zu wissen ;)

Lestat hat geschrieben:hast du das buch "win with the london" (ich habe die englische version) wirklich gelesen? meiner meinung nach ist dies das beste eröffnungsbuch das ich gelesen habe, und ich finde überhaupt keine +/-; im besten fall mal ein += in ein paar 1.d4 d5 2.Bf4 Nf6 3.e3 e6 linien, wo weiss halt einfach besser steht. Aber schau dir mal die abschnitte zu 1.d4 d5 2.Bf4 c5!?, 1.d4 Nf6 2.Bf4 d6, 1.d4 Nf6 2.Bf4 e6, 1.d4 Nf6 2.Bf4 g6 usw an, die schlussfolgerung ist eigentlich immer, dass schwarz, wenn er wirklich weiss was er spielt, theoretischen ausgleich erhält, aber weiss die angenehmere stellung hat weil er sich in den strukturen auskennt.


Ich habe die deutsche Version. Ich habe nicht das ganze Buch gelesen, sondern mir nur einige Varianten, die ich aus schwarzer Sicht interessant finde, angeschaut.
Und ja, ich habe auch das Vorwort gelesen, wo er erklärt, warum er in Part_1 nur Weiße Gewinnpartien präsentiert.
Bsp:
a) Abspiel 8A, wo Schwarz in eine Caro Kann Abtauschvariante überleitet --> Sein Fazit, dass dies ein für Weiß vielversprechender Aufbau ist, ist in meinen Augen nicht objektiv. Seine Besipielpartien, wo Schwarz mit Sh5-f4 und/oder f7-f5-f4 am Königsflügel spielt, halte ich persönlich für fragwürdig. In aktuellen Großmeisterpartien sieht man Schwarz seltsamerweise nie sowas spielen .... 1959 mag das vielleicht anders gewesen sein

b) In der Nebenvariante 9... Lf5 des Abspieles 8A wird eine Beispielpartie mit +/- ageführt... aber nach 11.Se5 hat Schwarz z.B ein bequemes remis mit der bekannten Schaukel 11... Sxd4 12. cxd4 Lc2! 13. Dc1 Lf5=. Warum gibt er nicht an, dass Schwarz in besagter Nebenvariante besser 15... Tc2 ziehen sollte statt 15...Le6, was erneut nach 16. Df3 mit einem +/- endet

c) Abspiel 1D: Nebenvariante mit 5 ... Lf5 --> Warum ist der Weg zum Ausgleich eine Nebenvariante in der Variante 5... Lf5 ( ich meine Zug 7... e6)? Stattdessen macht er einen seltsamen Aufbau von Schwarz, wo sein Königsflügel nicht entwicklet wird, sondern zuerst der Damenflügel und dann noch ein langsames Königsfianchetoo zur Hauptvariante in der 5.... Lf5 Zugfolge und erweckt somit den Eindruck, dass 5... Lf5 nicht vollwertig ist.

Vielleicht bin ich auch zu streng ... ich weiß es nicht, aber mir stößt sowas negativ auf
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Re: Stonewall II von J.Aagard

Beitragvon Statler » Fr 17. Sep 2010, 16:43

Hier noch andere Beispiele:

Fazit von Kapitel 13C:
Der Stonewall ist für Schwarz keine erstrebenswerte Option, wenn Weiß einen Läufer auf f4 installiert hat.

Fazit von Kapitel 13D=Leningrader Variante
Ein bauernsturm auf dem Königsflügel hat durchaus seinen Reiz. Schwarz muss aufpassen, dass er die ersten 20 Züge überlebt usw. :o

Wenn man das so liest, muss Londoner Angriff echt ne richtig tolle Sache sein ... ich möchte auf keinen Fall sagen/andeuten, dass dieses System minderwertig oder so ist. Es ist halt extrem solide mit Weiß und dass macht es für viele so interessant.
Aber ich habe den Eindruck, dass die Objektivität in diesem Buch leidet.

Aber um wieder back to topic zu kommen ... teilt mir bitte eure Erfahrungen und Einschätzungen zu den Büchern "Stonewall II" und "Win with the Stonwall Dutch" mit ;)
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Re: Stonewall II von J.Aagard

Beitragvon Lestat » Sa 18. Sep 2010, 13:50

ok, zum london-buch nehme ich mal stellung wenn ich es zur hand habe, bin im moment bei meiner freundin...

aber:

Fazit von Kapitel 13C:
Der Stonewall ist für Schwarz keine erstrebenswerte Option, wenn Weiß einen Läufer auf f4 installiert hat.

Das ist die realität, es gibt ein grund warum 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 c6 4.Nf3 f5?! nicht gut ist, nämlich wegen 5.Bf4! das ist klarer positioneller vorteil für weiss. Das gleiche gilt für 1.d4 f5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Nf3 f5?! (hier ist Bb4 ein guter zug)

zu den büchern kann ich dir leider nichts sagen, aber allgemein dafür allgemein zum stonewall.
nach 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nf3 c6 4.e3 f5 5.Nc3:
(a) sowohl weiss wie auch schwarz hat einen schlechten läufer (deshalb ist 4.Nc3 f5 5.Bf4 auch "so gut", der schlechte läufer kommt vor die bauernkette und nimmt dem Bf8 das beste feld
(b) schwarz spielt auf königsangriff, weiss auf damenflügelangriff
(c) schwarz sollte fast immer auf cxd5 mit exd5 reagieren und nicht mit cxd5, weiss kann die c-linie leichter besetzten als schwarz. deshalb ist z.bsp. 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nf3 c6 4.e3 f5 5.Nc3 Nf6 6.e3 Bd6 7.Bd3 Nbd7?! schlecht wegen 8.cxd5 was cxd5 erzwingt (oder der f-bauer geht verloren). auf dieses manöver muss man mit schwarz achten
(d) das manöver b3-Bb2-Qc1-Ba3 ist zwar langsam, für weiss aber erstrebenswert --> durch Qe7 kann man es verhindern
(e) der Bc8 ist das schwarze problemkind, normalerweise liquidiert man ihn per Bd7-e8-g6 oder -h5
(f) Ne4 + Rf6 sind häuffig vorkommende angriffsideen für schwarz

nach 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nf3 c6 4.g3 f5 bist du in der hauptvariante des stonewalls, wobei 3.Nf3 für dich gut ist, die moderne weisse hauptvariante wird mit Nh3+Bf4 (abtausch des läufers auf d6) gespielt).
Hier ist zu achten:
(a) auch hier hat weiss das manöver b3-Bb2-Qc1-Ba3, ebenfalls mit Qe7 am besten verhindern
(b) nach b3-Bb2-Qc1-schwarzes Qe2-a4 ist schwarzes a5 angesagt, nach Ba3 spielt man Bb4, nach Bxb4 axb4 hat schwarz gutes spiel
(c) der schwarze läufer kann entweder wie im vorherigen (e) liquidirt werden, oder kann durch das "moderne" manöver b6-Bb7-c5 aktiviert werden --> das ergibt hängende bauern, sollte man also kennen. mit diesem manöver muss man aber aufpassen, weil oft Ne5 in kombination mit cxd5 unangenehm sein kann.
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Re: Stonewall II von J.Aagard

Beitragvon TheKillerGrob » Fr 1. Okt 2010, 00:33

Ich habe Band 1, welcher meiner Meinung nach recht gut ist, da sehr viel zur Startegie des Stonewalls erklärt wird; da Band 2 nur um einige aktuelle Partien ergänzt wurde, denke ich, dass auch dieser Band wie der Erste gut von der Qualität ist.
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