Holländisch, ein Kampf um Ausgleich?

Holländisch, ein Kampf um Ausgleich?

Beitragvon Zauberlehrling » Do 26. Mär 2009, 16:01

ANMERKUNG: Wenn ich im Folgenden von Holländisch spreche, so ist das Leningrader System stets nicht mit eingeschlossen.

Holländisch hat schon seit jeher einen sehr zweifelhaften Ruf. Obwohl zahlreiche Koryphäen wie Botwinnik oder Aljechin diese Eröffnung entweder regelmäßig oder zumindest einige Male gespielt haben, konnte sich diese Eröffnung nie wirklich durchsetzen.

Ist dieser Eröffnungskomplex wirklich so 'schlecht'? Holländisch, eine Eröffnung nur für die 'unteren' Spielklassen(alles unter GM-Ebene)? Wollen Spieler, die den Stonewall spielen, 'nur' ein Remis? Sind wirklich jene Fernschachspieler, die so waghalsig sind und Holländisch spielen, einfach nur verrückt?

All diese Eindrücke könnte man bekommen, wenn man sich in der Schachwelt so 'umhört'. Die Eröffnung wird kaum im GM-Bereich gespielt und in den niedrigeren Spielklassen oft nur mit der Begründung: 'Hier kann man schließlich alles spielen'. Wie sieht es aber mit der Literatur aus? Tja, selbst bei entsprechenden Monographien bleibt meiner Meinung nach oft ein gewisser Beigeschmack. Wenn man sich die Eröffnungsbücher zu anderen Eröffnungen anschaut, ist es oft so, dass diese entweder unendlich gelobt werden, als ultimative Waffe dargestellt werden oder zumindest als eine „korrekte“ Eröffnung mit entsprechenden Chancen. Bei Holländisch hingegen ist der Autor meist schon froh, wenn er aufzeigen kann, dass das Spiel unklar ist oder im günstigeren Fall sogar ausgeglichen ist. Bezogen auf die Hauptvarianten oder die 'üblicheren' Nebenvarianten wäre das vollkommen in Ordnung, aber oft kann Schwarz noch nicht mal einen Vorteil herausschlagen, wenn Weiß zweifelhafte Züge spielt.
Erwarte ich da vielleicht zu viel von der Eröffnung bzw. von der entsprechenden Literatur?

Summa summarum was ist euer Eindruck zur Holländischen Verteidigung? Warum spielt ihr sie und für wen ist diese Eröffnung bzw. die einzelnen Varianten wie Stonewall oder Ilyin-Zhenevsky-System sinnvoll?

MfG
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Re: Holländisch, ein Kampf um Ausgleich?

Beitragvon Jupp53 » Fr 27. Mär 2009, 16:26

Holländisch hat bei mir den Ruf einer 'Ich muss unbedingt gewinnen' - Eröffnung. Daher spiele ich das auch nur im Blitz. Meine Versuche in der Jugend haben mich (eher mangels eigenem Wissen) nur in Schwierigkeiten gebracht.

Grundsätzlich: Bis Elo 2000 kann man jede Eröffnung spielen. Bei Holländisch denke ich, das ist für Taktiker. Die können dann besser scharfes Zeug im Halbslawen auspacken.
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Re: Holländisch, ein Kampf um Ausgleich?

Beitragvon Zauberlehrling » Sa 28. Mär 2009, 15:59

Schön, dass du geantwortet hast.

Wenn du von Holländisch sprichst, von welcher Variante sprichst du dann genau? Bezieht sich deine Aussage auf eine Holländisch Variante mit frühem d5, mit d6 oder auf etwas ganz anderes?

Jupp53 hat geschrieben:Grundsätzlich: Bis Elo 2000 kann man jede Eröffnung spielen. Bei Holländisch denke ich, das ist für Taktiker. Die können dann besser scharfes Zeug im Halbslawen auspacken.

Meinst du damit, dass Spieler die normalerweise Holländisch spielen ab einer Spielstärke von 2000 lieber Halbslawisch spielen sollten?

MfG
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Re: Holländisch, ein Kampf um Ausgleich?

Beitragvon Jupp53 » So 5. Apr 2009, 22:04

Wieder zurück hier:

Holländisch ist doch von Botwinnik als Kampferöffnung gewählt worden. Er hatte Französisch im Repertoire und antwortete daher auf 1. d4 mit 1. - e6, angeblich um dem Staunton-Gambit mit einfachem Ausgleich zu entgehen. Selbst, wenn das heute aus der Mode ist - sein Stellungsgefühl kann nicht so daneben gelegen haben.
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