Wie frage ich richtig?

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Wie frage ich richtig?

Beitragvon Jupp53 » Mi 2. Sep 2009, 19:45

Hier sind eine Reihe von Leuten aktiv, die gerne helfen. Jetzt, da das Forum langsam voller wird (100 Mitglieder sind überschritten) und aufgrund der mir bekannten Zusammensetzung hier, lohnt sich die Titelfrage für Neue mit der Ergänzung um:

1.) Damit mir geholfen wird.
2.) Damit Trolle (bitte googeln, falls unbekannt) hungrig bleiben.
3.) Damit die Frage mir und dem Antwortendem (!)etwas bringt.

Fangen wir von hinten an, weil das die Voraussetzungen einer guten Frage klärt.

Damit die Frage mir und dem Antwortendem (!)etwas bringt.

Wieso soll dem Antwortenden die Frage bzw. die Antwort etwas bringen?

- Ganz einfach, weil er dann wieder bereit ist zu antworten und du damit die Chance erhöhst, auf weitere Fragen gute Antworten zu kriegen.
- Weil im guten Sinne fordernde Fragen zu verschiedenen Antworten führen.

Jetzt denkt sich der einsichtige, aber verwirrte Forenneuling: Bis hierher einverstanden. Bloß, wie kriege ich eine Frage hin, die für Andere interessant ist? Die Lösung dieses Problems ist verblüffend einfach:

Regel 1: Schildere Deinen bisherigen Lösungsweg für Dein eigenes Problem!

Das hat mehrere Vorteile für Dich:
- Du beschreibst Deinen Umgang mit dem Problem genauer und findest evtl. selbst eine Lösung.
- Du bekommst sachliche Antworten zu alternativen Lösungswegen.

Und es gibt Vorteile für die Antwortenden:
- Sie verstehen Dein Problem genauer.
- Sie fühlen sich nicht verarscht, wenn das Problem auf den ersten Blick zu klein oder zu groß ist.

Beispiele:

1. Was spiele ich gegen 1.d4?

Eine der übelsten Fragen überhaupt. Keinerlei Vorbereitung, keinerlei Hinweise auf die eigene Spielstärke, keinerlei Hinweise auf die bisherigen Versuche, keinerlei Hinweise auf eigene Erfahrungen. Die Antworten werden eine Stichprobe aus der Enzyklopädie der Schacheröffnungen (=ECO) sein und Dir mitteilen, was der jeweilige Antwortende selbst spielt.

Ach so, Du bist Anand und wolltest nur mal testen, ob wir Dein Repertoire kennen? Naja, verarschen können wir uns selber!

Falls es hier zu einer Diskussion kommt, aber unabhängig davon: Dieser Post wird ständig editiert und mit Beispielen nur aus diesem Forum angereichert.

2. Was spiele ich gegen 1.d4? Ich bin seit 6 Wochen in einem Schachverein und da gibt es noch einen, der mich immer schlägt. Die Stellungen nach 1. - Sf6 und 1. - d5 liegen mir nicht.

Es geht gerade so. Du wirst jetzt Hinweise auf Dein Anspruchsniveau bekommen, weil keiner weiß, dass Du vorher als Vereinsloser viele Open Turniere gewonnen hast. Die Hinweise auf Dein Anspruchsniveau sind indirekt, z.B. über Hinweise auf brauchbare Lehrbücher für Anfänger. Natürlich wird Dir von freundlichen, aber leider inkompetenten, Helfern die ECO dekliniert. Das hilft letztendlich keinem weiter, außer Dir war noch nicht bekannt, dass es Lehrbücher für Anfänger und für Open-Gewinner gibt.

3. Was spiele ich gegen 1.d4? Gegen 1.e4 spiele ich .... und bin damit zufrieden.

Schon besser. Je nach System kann man jetzt einschätzen, welcher Typ Du bist. Außerdem wird sich bei guter Stimmung im Forum eine Diskussion über die Ähnlichkeit von ... gegen 1.d4 und von ... gegen 1.e4 entwickeln. Du hast eine Chance auf Antworten, die Dir etwas bringen.

4. Gegen 1.d4 habe ich x und y und z versucht. Hier sind drei Partien, bis ich breit stehe. (Es folgt ein nachvollziehbares!!! Geschreibsel, dass den Verlauf der Partien wiedergibt und Ähnlichkeiten mit einer Schachnotation sind mehr als zufällig!). Was soll ich machen?

Klasse! Jetzt werden bei den Lesern die Vater-/Mutter-/großer Bruder-/große Schwester-/Helferinstinkte geweckt. Da hat sich einer seine Sachen angesehen und die üblichen Anfängerprobleme bei der Forenbenutzung. Du wirst mit zielführenden und unnützen Informationen zugedeckt. Zielführend, obwohl für Dich irritierend, sind die Hinweise auf den pgn-Viewer und die pgn-Notation. Die werden Dir in Deinem späteren Forenleben mehr als einmal weiterhelfen. Denke bereits jetzt an Deinen Stolz, wenn Du Deine erste Partie im Internet nachspielen kannst, in der Dein Gegner aufgab, weil Du ihn überspielt hast! Ein weiterer hilfreicher Geist wird Deine Partie nachspielen und sie im den pgn-viewer posten. Danach gibt es Tipps die sich auf Deine Partien beziehen und Du wirst auch mit den eben erwähnten unnützen Ratschlägen (=Schlägen) eingedeckt. Dein Job ist es nun, nachzulesen, und die Perlen von den Säuen zu trennen. Tipp: Schreibe, was Du für eine Perle hältst, und wie Du sie verstehst. Das klärt manches.

5. Gestern wurde mit in der Vereinsmeisterschaft 1.d4 vorgesetzt. Hier ist die Partie (im pgn-viewer). Nach 20 Jahren bin ich erstmals raus aus dem geliebten Königsinder und habe es mit halbslawisch versucht. Schaut Euch mal die Partie an und schreibt, was ihr denkt?

Du bist kein Noob. Aber die Noobs werden Dir jetzt antworten, Du sollst beim KI bleiben (Achtung - Alarmstufe Gelb - Troll hinter dem Post?). Wenn Du Forenprofi bist, wartest Du auf den, der fragt, weshalb Du so entschieden hast. Dann kriegst Du wieder sinnvolle Antworten. Außerdem hast Du die Chance auf ein paar kompetente und ein paar gut gemeinte Hinweise zur gespielten Partie. Der Thread wird zwar keine 100 Posts lang, aber für zwei, drei sinnvolle Gedanken sollte es reichen.

6. Die Frage geht nicht um Schachzüge, -eröffnungen, -systeme.

Regel 2: Wer vor einer Frage nicht googelt oder in seine Bücher guckt, der ist ein Depp.

Damit Trolle (bitte googeln, falls unbekannt) hungrig und ungenährt bleiben.

Jetzt wo Du weißt, was ein Troll ist, fehlt immer noch das Wissen, wovon sie sich ernähren. Das lassen die meisten nämlich aus, um nur scheinbare harmlose Seelen, die Trollnährer, nicht an der Welt irre werden zu lassen. Trotzdem: Trolle und Nährer leben von der Lebenszeit, in der Du ein Volldepp bist und Dich mit Ihnen befasst. Wenn Du vor dem Monitor sitzt und antwortest, nachdenkst, ...., dann fängt der Troll an zu leben. Einen Höhepunkt (sexuelle Konnotation beabsichtigt!) hat der Troll, wenn er irgendeine Person ärgern kann. Und es ist ihm völlig wurscht, ob Du dann noch nach außen reagierst. Der Troll spürt das durch die Leitungen über die Peripherie hinweg, ist glücklich und beginnt die nächste Attacke auf weitere Opfer. Einen Höhepunkt hat der Nährer, wenn er unter der 'Last' des Trolls zusammenbricht. Er ist zumeist zufriedener mit sich selbst, als der Troll. Gelegentlich muss er sich aber doch versichern, dass sein Ärger über den Troll berechtigt ist. Dafür braucht er Deine Unterstützung, die er mit 'sachlichen' Hinweisen auf die Gefährlichkeit des Trolls angelt. Deshalb wird die Gefahr des Nährers oft übersehen. Er hat ja Recht und spielt das Opfer.

Es gibt so viele verschiedene Sorten Trolle, wie es verschiedene Sorten Trollnährer gibt. Der Versuch einer Kategorisierung ist also von Beginn an zur Vereinfachung verurteilt. Damit es nützlich bleibt, seien ein paar weitere Beispiele gegeben, wie man Trolle und Nährer (im weiteren TeeN) zusammenbringt.

Weitere Beispiele? Aber ja doch. Die Fragen 1 bis 3 aus dem vorigen Kapitel haben alle das Zeug, allerdings in absteigender Folge, TeeNs anzulocken.

Regel 3: Je unklarer die Frage, umso größer die Wahrscheinlichkeit, einen TeeNtreff zu erzeugen.

TeeNs riechen Unverbindlichkeit. Deshalb sind sie sofort dabei, wenn die Chance auf Missverständnisse steigt. Hier können sie dann Gefühlsfallen legen. Die verbergen sich im Anfangsstadium meist hinter Geschmacksfragen oder überraschender 'Dummheit'. Wenn das dann einmal hochgekocht ist, kann sich die TeeN-Fraktion offen zeigen und den Thread übernehmen. Da Affekte irgendwann einmal nachlassen, wird der Thread dann zerstört liegen gelassen und sich neuen Jagdrevieren zugewandt.

Woran erkennt man TeeNs, außer der bereits beschriebenen Unverbindlichkeit noch? Sie tarnen sich mit

- ungebetenen Ratschlägen. Das sind Schläge. Der Troll verleugnet das. Er ist ein Gutmensch und nicht aggressiv. Der sachliche Poster erkennt das an und steht zu seiner Aggression, ohne sie dreimal schriftlich zu wiederholen.
- Unverständnis über andere Ansichten. Zeige mir einen Troll, der es böse meint und Du bist bereits auf der Spur ein Nährer zu werden. (@Nährer: Ich weiß, ich weiß: Wäre ich alt genug, dann hätte ich noch das braune Parteibuch in der Tasche. Bitte zum Faschismusvorwurf googeln.)
- Wiederholungen anscheinend ernst gemeinter Fragen. Die Wiederholungen können dabei leicht variiert werden, müssen aber nicht. 5 - 10 Threads werden eröffnet mit der Frage, welches das passende Buch für ist. Irgendwann ärgert sich ein Nährer, weil ja die ersten vier Bücher noch nicht durch sein können und schön beginnt der TeeN-Schwoof. In dieser Situation sind dann Neulinge im Forum beliebte Opfer. Sie reagieren 'normal' und kriegen plötzlich einen Anpfiff, der eigentlich dem Nährer gebührte. So entsteht neues Trollfutter.
- vermischen von Argumenten zur Person mit Argumenten zur Sache. Das ist ein alter rhetorischer Trick. Er funktionierte schon bei Demosthenes' Urahnen und führte zu manchem Krieg. Wir sind heute zivilisierter und zerstören Threads in Foren. (Keine Ironie, kein Sarkasmus.)
- plumpe Beschimpfungen. Sie seien der Vollständigkeit aufgeführt, weil leicht zu durchschauen. Frauen können kein Schach spielen.

Spannend wird das Ganze, weil auch die 'sachliche' Gegenposition bereits durch leichte Übertreibung emotionalisieren und damit einen TeeN-Treff schaffen kann. Ehrlich gesagt hilft da nur Ortskenntnis. Charly ist halt etwas grob, aber herzensgut. Klaus guckt nett, aber wartet nur auf die Gelegenheit, RambaZamba zu veranstalten. Deshalb sammelt hier jeder seine Erfahrungen mit dem Phänomen. Es ist wie beim Schach. Der einzelne Fehler tut weh. Die Wiederholung der Fehler ohne Lerneffekt bremst Dich in der Weiterentwicklung. Also keine Angst vor dem Fehler. Aber wehe, Du wiederholst die Fehler ständig, ohne mal über Dich nachzudenken!

Regel 4: TeeNs tarnen sich. Daher wirst Du auf sie reinfallen. Nur wer lernt geht immer seltener in die Falle.

Damit mir geholfen wird.

Fassen wir zusammen:

Ein gute Frage ist verbindlich, zeigt Bemühen um eine Problemlösung, vermeidet TeeNs nach Kräften (nur teilweise möglich) und wird durch Nach- und Zwischenfragen konkretisiert.

Ach ja, der letzte Satzteil war noch nicht angesprochen. Dafür kommt jetzt die

Regel 5: Gib Rückmeldung, was Du verstanden hast und was Du aus der Diskussion lernst.

Du wirst überrascht sein, wenn Du später einmal selbst antwortest, wie Dir das weiterhilft, auf Deinen Gesprächspartner einzugehen und aus der scheinbar dümmsten Frage noch vernünftige Schlüsse für Dich selbst zu ziehen. Du hilfst Dir durch die Rückmeldung sowohl als Frager, wie als Antworter selbst, weil Missverständnisse verringert, die Diskussionen geleitet und konkretisiert werden.


Disclaimer: Es ist nur ein Versuch.
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Ein Gentleman ist ein Mann, der einen anderen nie unabsichtlich beleidigt.
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Re: Wie frage ich richtig?

Beitragvon Tobi » Mi 2. Sep 2009, 19:58

\|||/
(o o)
,~~~ooO~~(_)~~~~~~~~~,
| Please |
| don't feed the |
| TROLL! |
'~~~~~~~~~~~~~~ooO~~~'
|__|__|
|| ||
ooO Ooo

Schade, der zerstückelt das Männchen :oops:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Abkürzungen_(Netzjargon)
Könnte vl. teilweise etwas helfen...
Zuletzt geändert von Tobi am Mi 2. Sep 2009, 20:08, insgesamt 3-mal geändert.
"Ja, wie geil, nun muss ich in der Schlussstellung der Italienischen Partie auch noch feststellen, das ich den Läufer einfach nehmen konnte, saustark gespielt Freddy."
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Re: Wie frage ich richtig?

Beitragvon Randspringer » Mi 2. Sep 2009, 20:01

Stimme dir zu 99,99% zu.

0,01% Schwankungen :D

Eine gute Einleitung die uns hoffentlich manche unnützlichen Threads ersparrt, welche einem nur die Lust aufs Foremleben vermiesenPUNKT
Mögen die Springer mit Euch sein!
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Wie frage ich richtig?

Beitragvon stoppelhoppler » Mi 2. Sep 2009, 22:42

Starke Ausarbeitung,

allerdings schon sehr umfangreich/ausführlich - vielleicht noch eine kürzere Art Checkliste aus den Erkentnissen filtern :?: :!:
Der Chat, der Chat hat nicht immer Recht.
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Re: Wie frage ich richtig?

Beitragvon Alois Schachownik » Do 3. Sep 2009, 03:18

Mir fällt spontan ein: Am besten kurz und präzise fragen, aber dennoch mit allen relevanten Informationen zum Problem. Das dürfte die besten Chancen bieten, daß sich jemand zum Antworten motiviert fühlt.

(Sehr) lange Postings setzen sich der Gefahr aus, überhaupt nicht gelesen zu werden, ein Problem das ich vielleicht auch hin und wieder habe.
Gruß, Alois :-D
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Re: Wie frage ich richtig?

Beitragvon stoppelhoppler » So 16. Dez 2012, 20:41

Scheint mir als Threadüberschrift für mein Anliegen teilgeeignet. Will keinen Extra-Thread aufmachen.

Ich versuchte gerade ein paar ältere Anhänge herunterzuladen,
z. B. diesen hier - download/file.php?id=43 - in taktik-f21/zu-schwer-fuer-1800-dwz-t148.html.
Es funktioniert leider nicht mehr. :?

Bekannt :?: Absicht :?: Oder ...
Der Chat, der Chat hat nicht immer Recht.
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Re: Wie frage ich richtig?

Beitragvon Peloton » So 16. Dez 2012, 23:19

Wir hatten vor ca. 2 Jahren einen Serverumzug gemacht, der verbunden mit ein paar technischen Schwierigkeiten war. Beim Unzug und bei den Rettungsmaßnahmen sind vermutlich ein paar Dateien wie Dateianhänge und Avatare verloren gegangen. Kann gut sein, dass du welche davon erwischt hast.
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"I shouldn't play like this. I'm old person I should be playing normal solid chess." ,Kamsky nach dem er Mamediarov rauswarf. Eine Runde später spielte er solides Schach und flog raus.
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Verlorene Anhänge

Beitragvon stoppelhoppler » Mo 17. Dez 2012, 11:07

Das dürfte die Erklärung sein.
Werde bei Gelegenheit mal überprüfen, ob ich selbst erstellte Anhänge wieder hochladen kann, falls diese nicht mehr aufrufbar sind.
Der Chat, der Chat hat nicht immer Recht.
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Re: Wie frage ich richtig?

Beitragvon Jupp53 » Do 17. Jan 2013, 15:23

Nachdem ich durch den letzten Post zuvor nochmal über den jahrealten Einleitungspost gestolpert bin, habe ich mich nur gewundert, was ich damals ohne großen Protest schreiben konnte. Irgendwie müssen alle unter dem Schock der damaligen Verfassung des Schachfeldes gewesen sein, die ja die Gründung der Schachkiste stark motivierte. Das Feld hat heute zwar immer noch seinen Freddy und Ufuk (Jan 2013 geschreiben). Aber die konstruktiven Poster dort fallen inzwischen mehr auf. Also ist jetzt hier eine ruhigere Neufassung, die wir hier im Forum eigentlich nicht brauchen, zu meiner Entlastung geschrieben. Vielleicht kann sie woanders genutzt werden.

Wie frage ich richtig?

Um gute Antworten zu bekommen sind gute Fragen hilfreich. Die folgenden Schritte sollen Dir helfen, gute Fragen zu stellen:

1. Schreibe, was Du bisher gemacht hast, um das Problem zu lösen.
Du hast in Deiner letzten Weißpartie 1. d4 d5 2. c4 c6 3. Sc3 dxc4 vorgesetzt bekommen. Jetzt interessiert Dich, welche Quellen es zu 3. ... dxc4 gibt. Informiere bei Deiner Frage, wo Du bisher danach gesucht und was Du gefunden hast. Dann fragst Du strukturierter und bekommst weniger Dir bekannte Antworten, wie z.B. Hinweise auf die ECO oder Suchmaschinen.

2. Überlege, wo die Frage hingehört.
Das ist manchmal schwierig abzugrenzen. Fragen zu Varianten des Panov-Angriffs können in Eröffnung, Mittelspiel oder Endspiel richtig untergebracht sein. Du bekommst von Anderen und von Denselben andere Antworten, je nachdem wo die Stellung gepostet wird. Es lohnt sich also zu überlegen, was Du willst.

3. Mehrere Fragen gehören in mehrere Themen ..
.. sonst gibt es ein Durcheinander in den Köpfen und im Thema.

4. Klare,korrekte Sprache hilft allen
"Hilfe!!!, ich brauch eröfnungstips" sagt nichts, außer dass Du nochmal einen Moment nachdenken solltest, worum es Dir geht. Sonst kriegst Du die berechtigte Antwort "Unter 2200 solltest Du Taktik und Endspiel üben." und bist frustiert.

"Repertoire gegen e4" als Überschrift mit Hinweis auf Spielstärke und bisherigen Erfahrungen oder "Was spiele ich gegen Superrussisch?" mit der Partie oder Variante, die zur Frage führten, sind eher verständlich.

5. Benutze die FEN- und PGN-Funktionen des Forums
Ein Diagramm sagt mehr als 1000 Worte.

6. Nenne Dein Ziel
Willst Du Bücher sammeln oder Deine Spielstärke verbessern? Das gibt andere Antworten auf die Frage: "Suche Material zu Sizilianisch".

7. Denke mit
Wieso kommt als Antwort auf Deine Frage der Hinweis auf ein Anfängerbuch oder eine Datenbank? Wieso gibt es keine Antwort? Weshalb geht die Antwort an dem vorbei, was Dich interessiert? Da klar zu werden hilft Dir oft mehr, als alles Andere.

8. Gib Rückmeldung
Was machst Du mit den Antworten? Wie geht es weiter? 'Danke' ist ein interessantes Wörtchen ;).

Jupp53 hat geschrieben:Hier sind eine Reihe von Leuten aktiv, die gerne helfen. Jetzt, da das Forum langsam voller wird (100 Mitglieder sind überschritten) und aufgrund der mir bekannten Zusammensetzung hier, lohnt sich die Titelfrage für Neue mit der Ergänzung um:

1.) Damit mir geholfen wird.
2.) Damit Trolle (bitte googeln, falls unbekannt) hungrig bleiben.
3.) Damit die Frage mir und dem Antwortendem (!)etwas bringt.

Fangen wir von hinten an, weil das die Voraussetzungen einer guten Frage klärt.

Damit die Frage mir und dem Antwortendem (!)etwas bringt.

Wieso soll dem Antwortenden die Frage bzw. die Antwort etwas bringen?

- Ganz einfach, weil er dann wieder bereit ist zu antworten und du damit die Chance erhöhst, auf weitere Fragen gute Antworten zu kriegen.
- Weil im guten Sinne fordernde Fragen zu verschiedenen Antworten führen.

Jetzt denkt sich der einsichtige, aber verwirrte Forenneuling: Bis hierher einverstanden. Bloß, wie kriege ich eine Frage hin, die für Andere interessant ist? Die Lösung dieses Problems ist verblüffend einfach:

Regel 1: Schildere Deinen bisherigen Lösungsweg für Dein eigenes Problem!

Das hat mehrere Vorteile für Dich:
- Du beschreibst Deinen Umgang mit dem Problem genauer und findest evtl. selbst eine Lösung.
- Du bekommst sachliche Antworten zu alternativen Lösungswegen.

Und es gibt Vorteile für die Antwortenden:
- Sie verstehen Dein Problem genauer.
- Sie fühlen sich nicht verarscht, wenn das Problem auf den ersten Blick zu klein oder zu groß ist.

Beispiele:

1. Was spiele ich gegen 1.d4?

Eine der übelsten Fragen überhaupt. Keinerlei Vorbereitung, keinerlei Hinweise auf die eigene Spielstärke, keinerlei Hinweise auf die bisherigen Versuche, keinerlei Hinweise auf eigene Erfahrungen. Die Antworten werden eine Stichprobe aus der Enzyklopädie der Schacheröffnungen (=ECO) sein und Dir mitteilen, was der jeweilige Antwortende selbst spielt.

Ach so, Du bist Anand und wolltest nur mal testen, ob wir Dein Repertoire kennen? Naja, verarschen können wir uns selber!

Falls es hier zu einer Diskussion kommt, aber unabhängig davon: Dieser Post wird ständig editiert und mit Beispielen nur aus diesem Forum angereichert.

2. Was spiele ich gegen 1.d4? Ich bin seit 6 Wochen in einem Schachverein und da gibt es noch einen, der mich immer schlägt. Die Stellungen nach 1. - Sf6 und 1. - d5 liegen mir nicht.

Es geht gerade so. Du wirst jetzt Hinweise auf Dein Anspruchsniveau bekommen, weil keiner weiß, dass Du vorher als Vereinsloser viele Open Turniere gewonnen hast. Die Hinweise auf Dein Anspruchsniveau sind indirekt, z.B. über Hinweise auf brauchbare Lehrbücher für Anfänger. Natürlich wird Dir von freundlichen, aber leider inkompetenten, Helfern die ECO dekliniert. Das hilft letztendlich keinem weiter, außer Dir war noch nicht bekannt, dass es Lehrbücher für Anfänger und für Open-Gewinner gibt.

3. Was spiele ich gegen 1.d4? Gegen 1.e4 spiele ich .... und bin damit zufrieden.

Schon besser. Je nach System kann man jetzt einschätzen, welcher Typ Du bist. Außerdem wird sich bei guter Stimmung im Forum eine Diskussion über die Ähnlichkeit von ... gegen 1.d4 und von ... gegen 1.e4 entwickeln. Du hast eine Chance auf Antworten, die Dir etwas bringen.

4. Gegen 1.d4 habe ich x und y und z versucht. Hier sind drei Partien, bis ich breit stehe. (Es folgt ein nachvollziehbares!!! Geschreibsel, dass den Verlauf der Partien wiedergibt und Ähnlichkeiten mit einer Schachnotation sind mehr als zufällig!). Was soll ich machen?

Klasse! Jetzt werden bei den Lesern die Vater-/Mutter-/großer Bruder-/große Schwester-/Helferinstinkte geweckt. Da hat sich einer seine Sachen angesehen und die üblichen Anfängerprobleme bei der Forenbenutzung. Du wirst mit zielführenden und unnützen Informationen zugedeckt. Zielführend, obwohl für Dich irritierend, sind die Hinweise auf den pgn-Viewer und die pgn-Notation. Die werden Dir in Deinem späteren Forenleben mehr als einmal weiterhelfen. Denke bereits jetzt an Deinen Stolz, wenn Du Deine erste Partie im Internet nachspielen kannst, in der Dein Gegner aufgab, weil Du ihn überspielt hast! Ein weiterer hilfreicher Geist wird Deine Partie nachspielen und sie im den pgn-viewer posten. Danach gibt es Tipps die sich auf Deine Partien beziehen und Du wirst auch mit den eben erwähnten unnützen Ratschlägen (=Schlägen) eingedeckt. Dein Job ist es nun, nachzulesen, und die Perlen von den Säuen zu trennen. Tipp: Schreibe, was Du für eine Perle hältst, und wie Du sie verstehst. Das klärt manches.

5. Gestern wurde mit in der Vereinsmeisterschaft 1.d4 vorgesetzt. Hier ist die Partie (im pgn-viewer). Nach 20 Jahren bin ich erstmals raus aus dem geliebten Königsinder und habe es mit halbslawisch versucht. Schaut Euch mal die Partie an und schreibt, was ihr denkt?

Du bist kein Noob. Aber die Noobs werden Dir jetzt antworten, Du sollst beim KI bleiben (Achtung - Alarmstufe Gelb - Troll hinter dem Post?). Wenn Du Forenprofi bist, wartest Du auf den, der fragt, weshalb Du so entschieden hast. Dann kriegst Du wieder sinnvolle Antworten. Außerdem hast Du die Chance auf ein paar kompetente und ein paar gut gemeinte Hinweise zur gespielten Partie. Der Thread wird zwar keine 100 Posts lang, aber für zwei, drei sinnvolle Gedanken sollte es reichen.

6. Die Frage geht nicht um Schachzüge, -eröffnungen, -systeme.

Regel 2: Wer vor einer Frage nicht googelt oder in seine Bücher guckt, der ist ein Depp.

Damit Trolle (bitte googeln, falls unbekannt) hungrig und ungenährt bleiben.

Jetzt wo Du weißt, was ein Troll ist, fehlt immer noch das Wissen, wovon sie sich ernähren. Das lassen die meisten nämlich aus, um nur scheinbare harmlose Seelen, die Trollnährer, nicht an der Welt irre werden zu lassen. Trotzdem: Trolle und Nährer leben von der Lebenszeit, in der Du ein Volldepp bist und Dich mit Ihnen befasst. Wenn Du vor dem Monitor sitzt und antwortest, nachdenkst, ...., dann fängt der Troll an zu leben. Einen Höhepunkt (sexuelle Konnotation beabsichtigt!) hat der Troll, wenn er irgendeine Person ärgern kann. Und es ist ihm völlig wurscht, ob Du dann noch nach außen reagierst. Der Troll spürt das durch die Leitungen über die Peripherie hinweg, ist glücklich und beginnt die nächste Attacke auf weitere Opfer. Einen Höhepunkt hat der Nährer, wenn er unter der 'Last' des Trolls zusammenbricht. Er ist zumeist zufriedener mit sich selbst, als der Troll. Gelegentlich muss er sich aber doch versichern, dass sein Ärger über den Troll berechtigt ist. Dafür braucht er Deine Unterstützung, die er mit 'sachlichen' Hinweisen auf die Gefährlichkeit des Trolls angelt. Deshalb wird die Gefahr des Nährers oft übersehen. Er hat ja Recht und spielt das Opfer.

Es gibt so viele verschiedene Sorten Trolle, wie es verschiedene Sorten Trollnährer gibt. Der Versuch einer Kategorisierung ist also von Beginn an zur Vereinfachung verurteilt. Damit es nützlich bleibt, seien ein paar weitere Beispiele gegeben, wie man Trolle und Nährer (im weiteren TeeN) zusammenbringt.

Weitere Beispiele? Aber ja doch. Die Fragen 1 bis 3 aus dem vorigen Kapitel haben alle das Zeug, allerdings in absteigender Folge, TeeNs anzulocken.

Regel 3: Je unklarer die Frage, umso größer die Wahrscheinlichkeit, einen TeeNtreff zu erzeugen.

TeeNs riechen Unverbindlichkeit. Deshalb sind sie sofort dabei, wenn die Chance auf Missverständnisse steigt. Hier können sie dann Gefühlsfallen legen. Die verbergen sich im Anfangsstadium meist hinter Geschmacksfragen oder überraschender 'Dummheit'. Wenn das dann einmal hochgekocht ist, kann sich die TeeN-Fraktion offen zeigen und den Thread übernehmen. Da Affekte irgendwann einmal nachlassen, wird der Thread dann zerstört liegen gelassen und sich neuen Jagdrevieren zugewandt.

Woran erkennt man TeeNs, außer der bereits beschriebenen Unverbindlichkeit noch? Sie tarnen sich mit

- ungebetenen Ratschlägen. Das sind Schläge. Der Troll verleugnet das. Er ist ein Gutmensch und nicht aggressiv. Der sachliche Poster erkennt das an und steht zu seiner Aggression, ohne sie dreimal schriftlich zu wiederholen.
- Unverständnis über andere Ansichten. Zeige mir einen Troll, der es böse meint und Du bist bereits auf der Spur ein Nährer zu werden. (@Nährer: Ich weiß, ich weiß: Wäre ich alt genug, dann hätte ich noch das braune Parteibuch in der Tasche. Bitte zum Faschismusvorwurf googeln.)
- Wiederholungen anscheinend ernst gemeinter Fragen. Die Wiederholungen können dabei leicht variiert werden, müssen aber nicht. 5 - 10 Threads werden eröffnet mit der Frage, welches das passende Buch für ist. Irgendwann ärgert sich ein Nährer, weil ja die ersten vier Bücher noch nicht durch sein können und schön beginnt der TeeN-Schwoof. In dieser Situation sind dann Neulinge im Forum beliebte Opfer. Sie reagieren 'normal' und kriegen plötzlich einen Anpfiff, der eigentlich dem Nährer gebührte. So entsteht neues Trollfutter.
- vermischen von Argumenten zur Person mit Argumenten zur Sache. Das ist ein alter rhetorischer Trick. Er funktionierte schon bei Demosthenes' Urahnen und führte zu manchem Krieg. Wir sind heute zivilisierter und zerstören Threads in Foren. (Keine Ironie, kein Sarkasmus.)
- plumpe Beschimpfungen. Sie seien der Vollständigkeit aufgeführt, weil leicht zu durchschauen. Frauen können kein Schach spielen.

Spannend wird das Ganze, weil auch die 'sachliche' Gegenposition bereits durch leichte Übertreibung emotionalisieren und damit einen TeeN-Treff schaffen kann. Ehrlich gesagt hilft da nur Ortskenntnis. Charly ist halt etwas grob, aber herzensgut. Klaus guckt nett, aber wartet nur auf die Gelegenheit, RambaZamba zu veranstalten. Deshalb sammelt hier jeder seine Erfahrungen mit dem Phänomen. Es ist wie beim Schach. Der einzelne Fehler tut weh. Die Wiederholung der Fehler ohne Lerneffekt bremst Dich in der Weiterentwicklung. Also keine Angst vor dem Fehler. Aber wehe, Du wiederholst die Fehler ständig, ohne mal über Dich nachzudenken!

Regel 4: TeeNs tarnen sich. Daher wirst Du auf sie reinfallen. Nur wer lernt geht immer seltener in die Falle.

Damit mir geholfen wird.

Fassen wir zusammen:

Ein gute Frage ist verbindlich, zeigt Bemühen um eine Problemlösung, vermeidet TeeNs nach Kräften (nur teilweise möglich) und wird durch Nach- und Zwischenfragen konkretisiert.

Ach ja, der letzte Satzteil war noch nicht angesprochen. Dafür kommt jetzt die

Regel 5: Gib Rückmeldung, was Du verstanden hast und was Du aus der Diskussion lernst.

Du wirst überrascht sein, wenn Du später einmal selbst antwortest, wie Dir das weiterhilft, auf Deinen Gesprächspartner einzugehen und aus der scheinbar dümmsten Frage noch vernünftige Schlüsse für Dich selbst zu ziehen. Du hilfst Dir durch die Rückmeldung sowohl als Frager, wie als Antworter selbst, weil Missverständnisse verringert, die Diskussionen geleitet und konkretisiert werden.


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