[Analyse] Prep für VM, Anti-Moskaugambit, 9.Ne5

[Analyse] Prep für VM, Anti-Moskaugambit, 9.Ne5

Beitragvon Königskind » Mi 2. Feb 2011, 12:38

Hallo Schachkist'ler,

in der diesjährigen Vereinsmeisterschaft muss ich nun gegen den stärksten aus unserem Verein antreten und habe bereits ein paar Details über den Spieler.

Er spielt mit Schwarz gegen d4 immer die halbslawische Verteidigung (Moskauervariante);
Er beschäftigt sich recht viel mit Eröffnungstheorie, aber sein aktuellstes Werk ist das von Vigorito (Play the Semi-Slav), selbst dort hat er sich, wie sich bei einer gemeinsamen Besprechung vor einem Mannschaftskampf, kaum Theoriekenntnisse, da es noch nie (oder vllt 1 mal) jemand gegen ihn gespielt hat. Durch die letzten Gespräche mit mir, hat er folgende Probleme zu lösen, wenn er sich gegen mich Vorbereiten möchte:

* Ich spiele e4 (experementiere mit c4, habe Erfahrung mit d4)
* Ich spiele sein System (Shabalov-Gambit g4)
* Ich spiele die Meranervariante
* Ich spiele die Avrukhvariante (e3,b3)
* Ich spiele die Moskauervariante/Moskauergambit


Somit wird es für ihn quasi unmöglich sein, sich auf mich vorzubereiten. Ich hingegen weiß ganz genau, dass er jene Variante spielen wird, da er sonst nichts anderes richtig kann und er sich gegen mich nicht auf irgendwelche Halbwahrheiten stürzen will.

Ich habe mir bereits vor geraumer Zeit, eine kleine Auswahl an Büchern zum Halbslawen geholt:

* Play the Semi-Slav , Vigorito 2008
* Playing the Queen's Gambit - A Grandmaster Guide, Schandorff 2009
* The Moscow & Anti-Moscow Variations - An insider's view, Dreev 2010
* (DVD) The Botvinnik Slav, Van Wely
* (DVD) The Anti-Moscow for Experts, Kasimdzhanov
* (DVD) My best games in the slav and semi-slav, Shirov
* (DVD) The slav and semi-slav revisited, Shirov


Nachdem ich mir das Material mal angesehen habe, habe ich mir überlegt, welche Variante ich gegen das Moskauer-Gambit spielen sollte. In den Analysen von Dreev, gibt der Autor ein ganzes Kapitel dem Abspiel 9.Ne5!?, indem Schwarz nebst der Möglichkeit in die Hauptvariante überzuleiten zwei Hauptzüge hat:





A) 9..Nbd7!? (Gelfand-Gambit)
B) 9..Bb7 (Hauptzug)


Ich wollte hier Anfragen, ob jemand die Zeit und Kraft aufbringen möchte, mit mir ein paar Analysen zu diesem Abspiel zu erstellen - ich werde natürlich auch die von Dreev und Co. hier einstreuen - und mir bei meiner Vorbereitung zu helfen?


Danke
Koenigskind
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Re: [Analyse] Prep für VM, Anti-Moskaugambit, 9.Ne5

Beitragvon JerryCotton » Mi 2. Feb 2011, 13:59

Ich finde die Frage ungeschickt gestellt.
Schreib, so dein Gegner nicht mitliest, erstmal welche Variante du zu spielen gedenkst und frag dann nach Verbesserungsvorschlägen.
Das dir jemand hier eine komplette Analyse zweier Hauptabspiele ohne vorarbeit Deinerseits liefert, halte ich für unwahrscheinlich. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren ;).
Ich hoffe nebenbei bemerkt, dass dir die Beschäftigung mit Eröffnungen einfach Spass macht.
Deine Spielstärke, die wie ich in einem anderen Forum lese etwa bei 1600 liegt wird sich durch die intensive Eröffnungsvorbereitung nur marginal verbessern.
Auf die am Brett gefundene Neuerung deines Gegners, der nach 8 Zügen aus seinem Buch ist, wird auch der 1.d4 Avruk keine Antwort haben ;).
"So ist Fussball, manchmal gewinnt der bessere." (dürfte auch fürs Schach gelten :))
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Re: [Analyse] Prep für VM, Anti-Moskaugambit, 9.Ne5

Beitragvon stoppelhoppler » Mi 2. Feb 2011, 14:27

Sag mal Königskind, was ist Deine Spielstärke und die Deines Gegners :?:

Hintergrund der Frage:

Spieler, die unterhalb von Halbprofiniveau - sagen wir mal < 2300 Elo, <2200 DWZ sind, haben es nach meinem Erfahrungsstand nicht leicht, ihr theoretisches Variantenwissen in die Praxis umzusetzen.
Es reicht aus, wenn der Gegner (absichtlich, mangels Wissen oder auch nicht vorhandener Profispielstärke) einen nicht ganz so guten, zweifelhaften, halbseidenen Zug spielt oder sogar einen Fehler macht.
Danach bist Du auf Deine eingene Spielstärke gestellt und mußt mit Deinem Wissen über Strukturen, Pläne und taktische Motive selbst zurechtkommen.
Die Komplexität Deines Grundthemas zeigt Deine Materialsammlung an. Solltest Du ein Fünftel des Stoffes bereits verinnerlicht haben und beherrschen, sind Deine Chancen bei solider Grundspielstärke vielleicht recht gut, ansonsten habe ich generelle Zweifel an Deinem Vorgehen.
Spieler auf Amateurniveau werden nicht automatisch bessere Spieler, weil sie Zugreihenfolge von höchst komplexen und unklaren Profivarianten auswendig lernen. Sie werden bessere Spieler, wenn sie Zug um Zug verstehen, was taktisch und strategisch gerade vorgeht. Das geht meines Wissens nicht im Minutentakt mit einmal ansehen, durchspielen und memorieren.

Ich kann dies gerade ganz gut nachvollziehen, weil ich mir mit solider Amateurspielstärke gerade ein klassisches System in KID/E99 anschaue und mühsam Strategien, Zugreihenfolgen, Ideen, Feinheiten, typische taktische Motive und Endspielstrukturen ordne - betreffend eines recht kleinen Ausschnitts von E99.
Ob die schnellere Lernfähigkeit und Auffassungsgabe der Jugend tatsächlich ausreicht, um D43 in gewisser Breite zu verstehen und vorzubereiten?

Trotz meiner Bedenken wünsche ich Dir viel Erfolg aber auch Spaß bei Deinem Mammutprogramm.
Die Signatur, die Signatur hat nicht immer Recht.
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Re: [Analyse] Prep für VM, Anti-Moskaugambit, 9.Ne5

Beitragvon Königskind » Mi 2. Feb 2011, 14:41

@Jerry

Ich erwarte natürlihc nicht, dass ich hier Analysen gestellt bekomme ohne Vorarbeit zu leisten, nur würde ich gern auf Kommentaren basierend mit der Abspieldiskussion beginnen :)

Meine Spielstärke liegt bei 1600 ja, das heißt natürlich dass ich in gewissen Bereichen lücken habe, aber dennoch jmacht es mir einfach spaß mich mit Eröffnungen zu beschäftigen und diese dann zu spielen. Ich riskiere es in diesem Fall einfach, auch auf die "Schnauze" zu fliegen, wenn mein Gegner mich überrascht und früh abweicht so dass ich eventuell später einmal patze. :) Aber das bringt doch etwas Spannung rein und das finde ich extrem aufregend. Vielleicht klappts ja.


@stoppel

Deinen Standpunkt vertrete ich auch. Nur sind wir beide gerade an der Spitze mit 3/3 und beide suchen deshalb nach dem vollen Punkt. Er liegt bei ~2000, aber ich weiß dass ich ihn auch besiegen kann, da er bei komplizierten Stellungen einbricht (niederlagen gegen 1550er + 1600er), und dass er die MOskauervariante spielt. Deshalb habe ich die Variante 9.Ne5 gewählt, da sie bereits einen Zug nach der Grundstellung (die 99,99%ig) aufs brett kommt. Hier schaue ich mir natürlich auch besonders die Nebenvarianten an, so wie z.B. folgende zwei

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Nf3 Nf6 4.Nc3 e6 5.Bg5 h6 6.Bh4 d:c4 7.e4 g5 8.Bg3 b5 9.Ne5 Bb7 10.h4 g4

A) 10...Bg7 11.a4 a6 12.h:g5 h:g5 13.R:h8+ B:h8 14.B:c4! b:c4 15.N:c4 Kf8 16.Qb3 +/-
B) 10...g:h4 11.B:h4 Be7 12.Qf3 Nbd7 13.N:f7 K:f7 14.e5 +/-


Besonders die Nebenvarianten schau ich halt genau durch und spiele sie langsam durch um die Hintergründe für ihre Wirkung zu verstehen. :) Ich halte nicht soo viel von blindem reinpressen an Varianten, deshalb schaue ich sie mir genauer an.
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Re: [Analyse] Prep für VM, Anti-Moskaugambit, 9.Ne5

Beitragvon Cresspahl » Mi 2. Feb 2011, 19:24

Interessanter Thread, auch wenn ich mir einbilde, dass man mit der Spielstärke in einem solchen System wie Moskauer wenig versteht. Ich meine, selbst ein 2650er wie gustafsson bemüht da doch (nur) die Rechner und lernt das dann auswendig. So konnte er uebrigens beim Weltcup vor zwei Jahren gg Aronian mithalten in einer Partie (ging Remis aus), die zweite verlor er in der Variante (spielt sie mit beiden Farben) nach einer neuen Idee Aronians. Ist so etwa das Szenario, das auch bei Dir kommen könnte, denn dein Gegner wird früh abweichen, weil er das Material ja nicht so gut kennt wie Du.

Imo ist dieses D43 komplett irrational, aber sicherlich lustig zu analysieren.
(18:12:13) Latvian_Gambit: du bist der einzige der mich regelmäßig bügelt
(18:12:15) Latvian_Gambit: no homo
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Re: [Analyse] Prep für VM, Anti-Moskaugambit, 9.Ne5

Beitragvon Königskind » Mi 2. Feb 2011, 19:41

Es macht immensen Spaß es zu analysieren :)

Natürlich riskiere ich damit, auf die Schnauze zu fliegen, aber das ist es mir wert. Außerdem will ich mal sehen wie ich mit dieser Methode fahre, ist also nicht schlecht als Erfahrungswert für mich selbst.
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Re: [Analyse] Prep für VM, Anti-Moskaugambit, 9.Ne5

Beitragvon stoppelhoppler » Mi 2. Feb 2011, 20:25

Königskind hat geschrieben:Es macht immensen Spaß es zu analysieren :)...
Außerdem will ich mal sehen wie ich mit dieser Methode fahre, ist also nicht schlecht als Erfahrungswert für mich selbst.


Wenn es Spaß macht, erfüllt es schon einen Zweck.
Der zweite ist der Erfahrungswert.

Zu Jugendzeiten spielte ich mit beiden Farben die Drachenvariante. Sehr beliebt bei jungen Leuten, weil spannend und interessant. Ein paar Varianten kannte ich recht gut, ein paar Systeme bereiteten mir Kopfschmerzen. Da konnte ich selbständig keine Lösungen finden (Vorengine-Zeit) und auch die Meisterpartien zeigten mir nicht den Weg.
Ich ließ den Drachen fallen, als immer mehr Abspiele zu mich überfordernden Variantenbäumen wuchsen.
Totzdem gab und gibt es beim Drachen recht klare Strategien und Motive, was die Beschäftigung einfacher machte und auch das Allgemeinwissen im Schach etwas erhöhte.

D43 sieht mir dagegen wie Chaos aus. Cresspahl hat es auch sehr gut beschrieben und der Artikel von Gustafsson in Schach 1/2008 zu seinen Partien gegen Rotstein und Aronjan zeigt, welche (engine-unterstützte) Analysearbeit in diesen Varianten steckt und daß selbst Profis größere Schwierigkeiten haben, zu verstehen, warum ihnen die engines diesen oder jenen Spielverlauf "vorschlagen".

Es ist schön ,daß es im Schach noch so viele "unklar" gibt und wir trotz engine-Unterstützung in vielen Systemen gerade mal 1-2 Halbzüge mit dem Wissen weiter sind als vor 40-50 Jahren.
Manchmal besteht dieses Mehrwissen nur darin, zu wisssen, daß etwas immer noch unklar ist.

Von daher: Willkommen im (Varianten-)Dschungel und viel Spaß und neue Erkenntnisse beim Beackern der einen oder anderen Lichtung :!: ;)
Die Signatur, die Signatur hat nicht immer Recht.
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Re: [Analyse] Prep für VM, Anti-Moskaugambit, 9.Ne5

Beitragvon TheKillerGrob » Do 3. Feb 2011, 15:03

Schau dir mal ein paar Partien von Novikov, Kobalija und Asrian zu dieser Variante an.
Nach 11.Se5 h5 12.00 Sbd7 gilt ja 13.Dc2 als Hauptabspiel; eine interessante Alternative ist 13.f3 (oder sogar 12.f3!?), welches eine sehr gute Statistik für Weiss aufweist.
1.g4 Forever!
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