welche Überraschung gegen soliden, erfahrenen Spieler?

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Beitragvon Stratege » Di 7. Apr 2009, 13:43

Hallo Leute,
In gut zwei Wochen darf ich mit Schwarz gegen einen solide spielenden Fast-1800er mit jeder Menge Erfahrung ran. Bei der letzten Partie spielte ich die Capablanca-Variante im Damengambit, was mir aber auf jeden Fall zu passiv ist. Mit anderen Spielweisen im "normalen" Damengambit machte ich kürzlich beim Blitz keinen Stich gegen ihn. Mit Albin und Budapester konnte ich ihn zwar direkt aus der Theorie bringen, spielte die Stellungen mangels Wissen und Erfahrung damit ganz schlecht. Ein "großes" System wie Königsindisch neu lernen fällt mangels Zeit flach, wäre auch wenig effektiv. Vielleicht mal etwas Tarrasch anschauen und probieren, was auch eine längerfristige Alternative zu "harmlosen" Damengambit-Varianten sein kann? Sonst einen Vorschlag? (System sollte halt weder Theorie-Gigant noch passiv sein)
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Re: welche Überraschung gegen soliden, erfahrenen Spieler?

Beitragvon stoppelhoppler » Di 7. Apr 2009, 14:52

Zwei Sachen (vielleicht in höherem Sinn etwas anrüchig, aber auf der Amateurebene bestimmt spielbar) könntest Du dem Damengambitspieler mal anbieten.
Da Du selbst wohl 1. d4 spielst, ist dies gleich für das weiße Repertoire verwendbar:

1. d4 d5, 2. c4 c5!? (?!) - da muß der Damengambitler (ggf. Abtauschler) erst einmal hinschauen.
O'Kelly spielte es zeitweilig auf GM-Niveau. Bronstein erhielt damit wohl von Portisch als Schwarzer mal eine Klatsche, aber sein Spiel dürfte zu verbessern sein.

Daneben scheint mir auch 1. d4 d5, 2. c4 Lf5 unter Amateuren spielbar zu sein.

Als ehemaliger 1. d4-Spieler bin ich jedenfalls aus dem Gedächtnis heraus nicht in der Lage, die für Schwarz kritischen varianten zu benennen (was man eigentlich sollte, wenn 2. c4 spielt! :oops: ).
Die Vorbereitungszeit als Schwarzer hält sich nach meiner Erinnerung in Grenzen und die Chancen auf schnellen Ausgleich gegen einen unvorbereiteten Gegner sind gegeben - imo!
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Re: welche Überraschung gegen soliden, erfahrenen Spieler?

Beitragvon DrHouse » Di 7. Apr 2009, 18:01

Ich würd mir Holländisch mal anschauen, vom eher ruhigeren Stonewall bis zum scharfen Leningrader, vielleicht findest da ja was passendes für dich.
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Re: welche Überraschung gegen soliden, erfahrenen Spieler?

Beitragvon Stratege » Di 7. Apr 2009, 18:21

An die von Hoppelstoppler vorgeschlagenen Damengambit-Varianten hab ich absolut nicht gedacht, werden beide bei "starting out: 1.d4!" zumindest mal besser bewertet als 2... Sf6. Da könnte ich mal etwas schauen.

Holländisch: Da hat Weiß natürlich auch sehr viele Möglichkeiten. Keine Ahnung, ob der Gegner da die HV oder eine von vielen Nebenvarianten spielt. Gerade im Leningrader gibt es ja auch einige an konkreten Varianten. Und Stonewall ist doch auch sehr ruhig, was dem soliden Weißen doch entgegenkommen wird?
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Re: welche Überraschung gegen soliden, erfahrenen Spieler?

Beitragvon stoppelhoppler » Di 7. Apr 2009, 18:39

Welcher hoppelstoppler? :o Treibt der sich hier auch rum, tss!
Ich dachte, hier macht sich nur sein Stoppel breit...

Zur Sache: Ich muß mal auf einem anderen Rechner nachschauen, was ich zu 1. d4 d5, 2. c4 c5 zusammengestellt hatte.
Vielleicht kann ich es trotz des guten Wetters usw. über Ostern einstellen.
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Re: welche Überraschung gegen soliden, erfahrenen Spieler?

Beitragvon elvis » Mi 8. Apr 2009, 04:00

Falls du über Ostern zufällig kein Turnier spielst, sollten die 2 Wochen genügen, um deine Wissenslücken beim Budapester Gambit oder Albins Gegengambit einigermaßen zu stopfen. (Das ist ein "entweder - oder".)
Was ich für sinnvoller hielte als ein Experiment mit d4-d5-c4-c5-"out of book" - damit wärst du vermutlich auch sehr schnell out of book, und es ist fraglich, ob du in einer unbekannten Stellung besser abschneiden würdest.

Slawisch / Halbslawisch fällt wohl unter das "Theorie-Gigant"-Verbot, wäre sonst auch eine Alternative.

Falls du wenig Zeit für die Vorbereitung hast, bleib bei deinem Damengambit. Es ist einfacher, auf dem Wissen, das du schon hast, eine Vorbereitung aufzubauen.
Tarrasch (wahlweise mit oder ohne 3...Sf6) bietet Schwarz interessante Möglichkeiten für aktives Spiel.
Korrekterweise solltest du im Damengambit 2...e6 spielen und erst später Sf6.
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Re: welche Überraschung gegen soliden, erfahrenen Spieler?

Beitragvon Stratege » Mi 8. Apr 2009, 10:11

Ein Turnier werde ich wohl höchstwahrscheinlich spielen. Aber hab kommende Woche noch etwas Urlaub. Solche Partien sind halt immer Anlässe für mich, mal wieder etwas für die Eröffnung zu tun. Budapester oder Albin wären für mich genauso "Eintagsfliegen" oder "Blitzwaffen" wie 2... c5 im Damengambit, wobei letzteres allgemein einen größeren Überraschungseffekt haben dürfte. "Richtiges" Damengambit fällt halt weg, weil Capablanca zu passiv ist und ich bei Tartakower nur planlos Püppchen durch die Gegend schiebe. Und Statt Lasker kann man denke ich gleich auch Tarrasch lernen, wenn man schon mal eine Isolani-Stellung gesehen hat.
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Re: welche Überraschung gegen soliden, erfahrenen Spieler?

Beitragvon elvis » Mi 8. Apr 2009, 13:15

Sorry wenn ich das so direkt sage, aber ich denke, dass du auf einem Niveau spielst, wo "Eintagsfliegen" dir überhaupt nichts einbringen. Selbst wenn du durch den Überraschungseffekt einen Eröffnungsvorteil bekommst, wirst du es schwer haben, den gegen einen stärkeren, soliden Spieler irgendwie zu verwerten.

Auf deinem Niveau werden die meisten Partien im Mittelspiel entschieden. Darum ist es wichtig, dass du am Ende der Eröffnung eine Stellung hast, die:
1. deinem Stil einigermaßen entspricht (wenn du sagst, dass Capablanca im Damengambit dir zu passiv ist, ist das eine glaubwürdige Einschätzung - also kannst du die Variante in Zukunft beiseite lassen);
2. dir einigermaßen vertraut ist, wo du die wichtigsten Pläne und Gegenpläne kennst. In einer unvertrauten Mittelspielstellung wird es dir schwerer fallen, die richtige Fortsetzung zu finden, und du wirst mehr Fehler machen.

Du solltest versuchen, auf deine eigenen Stärken zu spielen, nicht auf eventuelle Schwächen deines Gegners - die du bis jetzt anscheinend noch nicht gefunden hast.
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Re: welche Überraschung gegen soliden, erfahrenen Spieler?

Beitragvon Jupp53 » Mi 8. Apr 2009, 16:25

Im Moment bearbeite ich die TWIC-Dateien auf Kurzpartien und zu Löschendes. Dabei fällt mir eins immer wieder auf: Stärkere Spieler gewinnen in den ersten 15 Zügen, weil sie 'buchmäßiger' spielen. Daraus folgere ich: Die Überraschung muss Bestandteil Deines Repertoires sein und Du Dich auskennen. Sonst geht es schief.

Fazit: Arbeite an Deinen Standarderöffnungen und schau, was dabei rauskommt.
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Re: welche Überraschung gegen soliden, erfahrenen Spieler?

Beitragvon klötzchenschieber » Mi 8. Apr 2009, 17:46

Ich würde Jupp53 zustimmen - und zum Tartakower mal die Partien von Nigel Short anschauen (z.B. gg. Mamedscharow in Dresden), die zeigen sehr häufig, wie man diese Varianten aktiv spielen kann und muss. Da Du das System ja ohnehin schon spielst, ist das evtl. sinnvoller, als auf einen neuen Weg auszuweichen!
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